OECD-Generalsekretär

"Man muss eine Brand­schutzmauer bauen"

Interview | Alexandra Föderl-Schmid, 26. Jänner 2012 18:39
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    Foto: reuters/marcelino

    Für OECD-Chef José Ángel Gurría sind Angela Merkels Aussagen "nicht ermutigend".

José Ángel Gurría appelliert an die Eurostaaten, endlich die Probleme zu lösen - Warum Zeit eine Rolle spielt und Österreich "virtuos" ist

Standard: Können die Probleme in der Eurozone gelöst werden?

Gurría: Ja, das können sie. Die Lösungen hängen miteinander zusammen. Was bisher gefehlt hat, ist politischer Wille, um die Lösungen umzusetzen. Zuerst muss man Griechenland fixieren, das ist wie ein Virus, der eine Ansteckung bewirkt hat. Das muss beendet werden, hoffentlich an diesem Wochenende. Und zweitens, man muss eine Brandschutzmauer bauen.

Standard: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch in Davos gesagt, Deutschland will dafür nicht mehr Geld hergeben.

Gurría: Wir haben Signale bekommen, dass sie ihre Position nicht sehr stark verändert hat. Das ist nicht ermutigend. Schlussendlich muss das gemacht werden. Aber das braucht Zeit, es verursacht Schmerzen und Kosten. Drittens, man muss die Banken stabilisieren. Die Bankenkapitalisierung ist noch nicht abgeschlossen. Viertens, man muss die Budgets in den Griff kriegen. Aber auch in Sparzeiten muss man Spielraum lassen, etwa um die häufig über 40 Prozent liegende Jugendarbeitslosigkeit und Ungleichgewichte zu bekämpfen. Denn das sind Molotowcocktails.

Standard: Was hat Vorrang?

Gurría: Nach den zuvor genannten aktuellen Problemen muss man sich mittel- und langfristig wieder den Strukturfragen zuwenden: Bildung, Innovation, grünes Wachstum, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Telekommunikationsfragen. Da gibt es aber ein Problem: Das braucht Zeit. Und Politiker wollen schnelle Lösungen. Aber genau diese Fragen halten das Wachstum am Laufen.

Standard: Zurück zur Brandschutzmauer: Glauben Sie, dass sich Merkel noch bewegen wird?

Gurría: Schlussendlich werden die Bedingungen von anderen Staaten gestellt. Italien, Spanien, die tun was. Sie (Merkel; Anm.) ist willens und bewirkt, dass sich die Menschen in die richtige Richtung bewegen. Österreich diskutiert auch eine Schuldenbremse. Das macht Sinn, und alle haben gesehen, was geschieht, wenn man das nicht macht. Österreich ist im Klub der Virtuosen. Das Problem ist: Sind die Österreicher, Deutschen, Niederländer bereit, Schecks zu unterzeichnen, um die Italiener, die Griechen, die Portugiesen zu retten, wenn die keine Anstrengungen unternehmen? Man kann verstehen, dass sie nicht dazu bereit sind, gerade wenn sie selbst den Gürtel enger schnallen müssen, wenn die anderen nicht ihre Budgets einschränken.

Standard: Sehen Sie genug Anstrengungen in diesen Ländern?

Gurría: Ja, ich sehe diese Anstrengungen in Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland. Die einzige Sache, vor der ich Angst habe, ist Geschwindigkeit. Wenn die Deutschen sagen, wir sind zufrieden, wollen sie dann darauf warten, dass sich die Ergebnisse einstellen? Das ist eine andere Zeitdimension. Die Brandschutzmauer muss aber jetzt gebaut werden.

Standard: Der Internationale Währungsfonds erwartet für die Eurozone heuer eine "milde Rezession". Sie auch?

Gurría: Ja, es wird ganz sicher keine Wiederholung von 2009 geben. Die Länder der Eurozone werden sich beim Wachstum rund um null bewegen. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

José Ángel Gurría (62) ist seit 1. Juni 2006 OECD-Generalsekretär. Von 1998 bis 2000 war er mexikanischer Finanzminister, von 1994 bis 1998 Außenminister seines Landes

tintifax76
27.01.2012 12:52
virtuos oder virtuous?

Der Klub der Virtuosen, jaja...

Nicolae Carpathia
27.01.2012 11:23

die metaphern sind sehr aufschlussreich, wirtschaft und geld als naturereignisse, naturkastatrophen, krankheiten, die uns "von außen" bedrohen, unvorhersehbar und halt teil der natur (des nicht selbst geschaffenen) sind. das all diese "viren" im labor erschaffen wurden, dass der brand entstand, weil überall trockenes holz ausgestreut wurde und jeder eine fackel in die hand bekam, wird natürlich verschweigen, um bei diesen metaphern zu bleiben.

superloser
27.01.2012 10:08
Statt Milliarden in die Bankensanierung zu stecken,

sollte man die Beträge in die soziale Absicherung investieren. Die Banken und das drumherum sollte man eingehen lassen. Die deswegen arbeitslos gewordenen Menschen würden aufgrund der sozialen Absicherung ihre Kaufkraft behalten. Der Motor, der die Wirtschaft wieder in Schwung bringt - die Leute, die Flachbildfernseher und Autos kaufen - würde weiter laufen.
Das wäre das Gegenteil vom jetzigen Handeln, die Gewinne privatieren und die Verluste vergesellschaften.
Die Krise könnte schon fast beendet sein.

Klaus Woltron
27.01.2012 09:36
....die erste Brandschutzmauer der Geschichte....

....die mit Benzin getränkt ist?

Schilcherfreund
27.01.2012 11:38
Man muss es nur richtig lesen: Brand-Schutzmauer

Mostbluzza
27.01.2012 11:11
die man baut

wenns brennt. geht in die hiesige geschichte ein:

faymanns wall on street
fekters firewall
spindeleggers red line

Nero2012
27.01.2012 09:10
ein hoch der PYROMANIE!

aber kriegen werdet IHR mich nie! baut ruhig mauern und versucht zu löschen den brand. der nächste ist bereits gelegt, also dann, bis irgendwann!

..bin schon wieder geil.....

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