Merkels enttäuschender Auftritt

KrisenFrey, 26. Jänner 2012, 17:06
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    foto: reuters/hartmann

Die deutsche Kanzlerin verweigerte auch in Davos eine echte Führungsrolle bei der Lösung der Eurokrise

Die Eröffnung des World Economic Forum in Davos wäre für die deutsche Kanzlerin Angela Merkel eine Gelegenheit gewesen, nicht nur ihr Bekenntnis zur Rettung des Euro zu bekräftigen, sondern auch den zentralen Entscheidungsträgern der Weltwirtschaft darzulegen, wie Deutschland sich diese vorstellt und was es dazu beizutragen gedenkt.

Leider hat Merkel am Mittwochabend diese Chance ungenützt verstreichen lassen.  Die wichtigste Botschaft ihrer Rede war: Erwartet nicht zu viel von Deutschland. Gleichzeitig wiederholte sie ihre Forderungen an die anderen Euro-Staaten, mit der Budgetkonsolidierung und dem Fiskalpakt zügig voranzuschreiten.

Für den größten Spieler im Euroraum und die vielleicht erfolgreichste Volkswirtschaft der Welt ist dies zu wenig.  Natürlich kann Deutschland den Euro nicht allein retten, aber es hängt vor allem von der Führungsrolle der Berliner Regierung ab, ob dieses Unterfangen gelingt. Darin sind sich zahlreiche führenden Stimmen in der Weltwirtschaft - von Weltbank-Chef Robert Zoellick bis zum britischen Premier David Cameron - einig.

Ob Merkel es will oder nicht: Die Deutschen müssen für die Versäumnisse ihrer Partnerstaaten bezahlen, weil der Euro sonst nicht überleben kann.  Im Gegenzug können sie einen Wechsel in deren Politik verlangen, dürfen aber Staaten wie Italien oder Griechenland auch nicht überfordern.

Denn es ist nicht so leicht, von einer verunsicherten Bevölkerung einen strikten und höchst schmerzhaften Sparkurs zu verlangen. Gerade der italienische Premier Mario Monti tut sein Möglichstes gegen massiven Widerstand der betroffenen Gruppen. Aber er braucht für seine Reformen auch Unterstützung aus Deutschland.

Stattdessen kommen von dort nur hochmütige Kritik und Ermahnungen. Die Haltung von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble spiegeln die Stimmung in den Medien und der Bevölkerung wider. Aber gerade in Zeiten der Krise dürfen Politiker nicht der öffentlichen Meinung folgen, sondern müssen sie vorgeben.

Merkels Vorgänger Gerhard Schröder und Helmut Kohl hätten das getan. Sie hätten eine Führungsrolle für ihr Land definiert und versucht, die Euro-Schuldenkrise pro-aktiv zu lösen.

Merkel hinkt hingegen immer hinterher. Damit erspart sie sich und ihrem Land gar nichts. Bisher musste Deutschland jede Zahlung, die es anfangs verweigert hat, am Ende doch leisten. Das gleiche wird wohl bei der Aufstockung des zukünftigen Rettungsfonds ESM auf 750 Milliarden Euro sein.

Aber indem Deutschland immer bremst, kommt nie die Botschaft an die Finanzmärkte zustande, die benötigt wird, um die anhaltende Liquiditätskrise rund um Italien und Spanien beizulegen und den Anlegern das Vertrauen zu geben, dass hinter allen Euroschulden potente Finanziers – seien es die Europäische Zentralbank oder die anderen Eurostaaten  – stehen.

Und solange das fehlt, kann Griechenland nicht aus seiner „Schuldhaft“ entlassen werden – durch  einen radikalen Schuldenschnitt und einem damit verbundenen Ausstieg aus dem Euro, der einen wirtschaftlichen Neuanfang ermöglichen würde.  Denn noch ist die Gefahr der Ansteckung nicht gebannt.

Seit der Herabstufung Frankreichs steht Deutschland umso einsamer an der Spitze der Eurozone. Dass Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy laut seinem Berater Alain Minc im aktuellen Spiegel immer mehr Verständnis für Merkels innenpolitischen Probleme hat, hilft hier überhaupt nichts - im Gegenteil.

Es darf nicht sein, dass  eine zerbröselnde Kleinpartei wie die FDP die Zukunft der Eurozone bestimmt. Sarkozy müsste seine enge Verbindung zu Merkel dafür verwenden, Führungsstärke von ihr einzufordern.

Deutschland kann sich noch viel leisten, um die Eurozone aus der Schuldenkrise zu führen. Denn einen Zerfall kann sich die große Exportnation am wenigsten leisten – genauso wenig wie Österreich.

Doch nach Merkels Auftritt in Davos zu schließen, ist ein Kurswechsel in Berlin nicht in Sicht.

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Posting 1 bis 25 von 39
1 2
albeit
00
Merkel ist immer noch ein bisschen zu weit vorne gewesen

Der Euro ist die gemeinsame Währung von 11 Staaten; jeder Staat ist gleichermaßen für das Gelingen des Euro verantwortlich

Frau Merkel ist nicht die Kanzlerin von Griechenland, einem anderen Euro-Staat oder der EU

wenn, dann müsste das auch in einer freien Wahl so entschieden werden

so hat Sie nur Deutschland über

anderen Ländern steht es frei ganz ohne der Einflussnahme Frau Merkels Sich an diesem erfolgreichen Partner zu orientieren und Ihn nachzuahmen

zumindest gibt es Ihn

Mit Gruß
Georg

vgnuser
10
29.1.2012, 22:34
schwacher artikel

bin heifroh, dass merkel sich zu keinem kurswechsel drängen lässt. ich brauche keine führungsrolle und schon gar keine schuldenunion. stabilität erreicht man nur, indem man die ausgaben der jeweiligen produktivität anpasst - d.h. im konkreten fall sparen und rückfahren überzogener ansprüche ans leben.

aber es wäre ja so schön, wenn das immer die andern bezahlen ! darum geht es nämlich in wahrheit allen den "fordernden" - um den transfer der schulden in die hartwährungsländer des nordens.

Hannes Kartnig
00
29.1.2012, 15:09

David Cameron, die führende Stimme in der Weltwirtschaft...

Dalien
 
00
29.1.2012, 11:26
Frau Merkel hat pure Angst

Sehen Sie sich (ab Min 2:33) Merkel`s Atemfrequenz an:
http://www.zdf.de/ZDFmediat... e-in-Davos
Eine Marionette hat Angst!

albeit
00
Sie ist keine Marionette

Marionetten haben nicht Angst

Menschen haben Angst, wenn Sie Marionetten sein sollen

wie nach diesem Artikel: Deutschland muss geben, ob Es will oder nicht

Sie hat Angst (?) und meine Unterstützung

Mit Gruß
Georg

Solemnly Soliloquising Somnambulist
00
29.1.2012, 17:38
Fritz Meyer
00
29.1.2012, 10:05
Frau Merkel und sich festlegen?

Un-vor-stell-bar!

albeit
00

in einem deutschen Gerichtssaal wurde ein Staatsanwalt erschossen, weil ein deutscher Unternehmer wegen Abgabenhinterziehung verurteilt wurde

und jetzt wird gebremst beim ausgenommen Werden

weil sonst stehen einmal ein paar andere auch vor dem Kadi

und wenn nicht, dann ist es dort bis jetzt eben gut gegangen

luquas
00
29.1.2012, 09:09

Krisenfrey ins Stammbuch: da sind Sie aber schon auch selbst Schuld, wenn Sie von dieser Frau enttäuscht sind ... ;-)

SterzinOz
03
27.1.2012, 23:19
Was auch immer Angela Merkel sonst ist,

sie ist eine beinharte Realpolitikerin. Und sie weiß ganz genau, dass ihre wacklige Koalition mit den schwindsüchtigen Bürscherln von der FDP nicht von den Bürgern Europas gewählt (und ggf. wiedergewählt) wird, sondern ausschließlich von den Bundesbürgern. Und genau das ist natürlich die Misere in der EU: Ein Bündel innenpolitisch begründeter Politiken macht noch keine Europa-Politik. Und schon gar nicht den Spekulanten Angst, die sich an der Euro-Krise goldene Heuschrecken-Nasen verdienen.

Wolfgang Ullram
00
27.1.2012, 22:13
oij

hallo frey!

schon mal nach den gremien der eu gegooglet?

nein?

dann helfe ich gerne

Präsident der Europäischen Kommission
barroso net angela merkel

eu finanzkomissar b= oli rehn net angela merkel

eu chefposten eurogruppe = j.c. juncker net angela merkel

wo sind die gutbezahlten eu fuzzis die wir so dringend brauchen?

ah von denen kommt nix... aha ,...warum brauch mas dann?

hm...also die merkeline brauch ma wegen der marie die de in die eu und den t€ schießen sollen...
aha... also ist merkel enttäuschend weil sie nicht mehr endlos die neocon wetdreams der banker bedienen will, dass die privaten anleger ungeschoren bleiben sollen, und "nur" die arbeitende schicht europas bluten soll....aber das kapital gestützt, oder was?

Andreas Prucha
00
28.1.2012, 04:47

Dabei vergisst aber, dass Fiskalpolitik Sache der Länder ist. Genau deswegen laufen derzeit alle Entscheidungen vorbei an den EU-Gremien.

Man kann nicht die EU-Gremien kritisieren, sie wären untätig, wenn bestimmte Themen garnicht in ihre Entscheidungsgewalt fallen.

vgnuser
00
29.1.2012, 22:38
gottseidank !

ist die budetpolitik ( noch ) in unserer hand. bei der AT-regierung wäre ich aber mittelfristig nicht so sicher, fayspindi haben doch nichts für unser land über - ein lächeln der kanzlerin ist ja schon einige milliarden wert....

Wolfgang Ullram
01
28.1.2012, 10:13
?????????????

also für den esm efsm ist juncker und ezb zuständig. nicht merkel

also eu gremium.

und da die fiskalpolitik der eu nicht sache von merkel ist, kann es auch nicht ihr task sein

und die fiskalpolitik soll nie in eu hände gelangen

denn dann gehen die steuereinnahmen nur mehr nach brüssel und die menschen die sie zahlen werden nur mehr ausgepresst und dürfen nicht mehr entscheiden, was mit ihrem geld passiert

denn es ist dodelig zu glauben, dass es eine fiskalunion geben wird.

es wird eine vorschrift von brüssel geben, die genauso ungerecht sein wird, wie bei den nettozahlungen.

nie wird luxemburg denselbe steuersatz kriegen wie portugal.

drum keine fiskalunion

bestenfall nettozahler unlimited mk. II

Darmwind
14
27.1.2012, 19:56
Aber gerade in Zeiten der Krise dürfen Politiker nicht der öffentlichen Meinung folgen, sondern müssen sie vorgeben.

Politiker dürfen nicht der Meinung des Volkes folgen, sondern die Meinung vorgeben? Die Politiker sollen also etwas ganz anderes tun, als das Volk fordert? Das haben sie doch die ganze Zeit getan, oder etwa nicht? Die Folgen sehen wir doch!
Und: mit welchem Recht wird auf Deutschland eingetreten, weil es die Schulden der anderen nicht übernehmen will?! Der Fleißigste wird beschimpft, weil er die Faulen und Desorganisierten nicht unterstützt? Welch verkehrte Welt wird hier propagiert!

Jake Gittes
01
27.1.2012, 19:31

Am deutschen Wesen hat Europa sich noch nie genesen. Auch diesmal nicht.

Kapitalismus Luege
03
27.1.2012, 16:57
der Bewirtschaftungsstandort ist gefährdet

die Griechen zahlen keine Steuern, vorher waren sie nur faul
die Italiener werden auch immer fauler
die amerikanischen Banker sind korrupt
wie bei GM haben die Manager auf falsche Produkte gesetzt.

Diese Weltverschwörung aus korrupten Bankern, dummen Politikern und unfähigen Managern, gepaart mit faulem und arbeitsscheuem Volk - das noch dazu permanent über seinen Verhältnissen lebt - ist einfach unerträglich.

Nur Dank Angela Merkels funktioniert Kapitalismus in Deutschland noch.
Damit das auch so bleibt muß Armut weiter wachsen.

Geh' uns voran, und spiele die Flöte ...

Hermine Berg
 
13
27.1.2012, 09:54
herr Frey,

frau merkel redet nicht sondern tut.

Moralapostel
 
13
27.1.2012, 11:03

...nur leider das Falsche. Falls mal doch das Richtige, dann zu spaet. Und das aus reienem Populismus, weil sie sich den Waehlern nicht sagen traut, dass Deutschland Risiken eingehen muss. Das bedeutet nicht unbedingt gleich mehr Kosten. Auch wenn es widerspruechlich erscheint: Wer Kosten verhindern will, muss viel Geld in die Hand nehmen. Diese Marktlogik muss Merkel endlich kapieren. Nur so gewinnt die Politik gegen die Maerkte. Im Endeffekt wird sie dann doch pragmatisch alles tun was getan werden muss. Nur eben leider zu spaet, und ganau das macht es teuer...nicht nur fuer Deutschland.

Victor Lustig
02
27.1.2012, 12:49
Wenn Sie der Meinung sind, daß das langfristig ein gutes Geschäft ist...

...dann kaufen Sie doch griechische Staatsanleihen, dann "gewinnt auch die Politik wieder ein bissl gegen die Märkte."
Selbst ist der Mann. Profitieren Sie doch von Ihrem Insiderwissen.

Nicht einfach nur rumnölen und immer nur von anderen verlangen, daß sie was tun sollen.

Andreas Prucha
00
28.1.2012, 05:01

Mit Kleingeld der Einzelnen wird garnix erreicht.

Man kann über Buffett denken was man will, aber er hat recht, wenn er meint, dass die EU den Markt führen muss, um zu überstehen. Und das geht eben nicht mit zögerlichen, von Einzelinteressen der Mitgliedsländer bestimmten Handlungen.

db73
04
27.1.2012, 12:34

Lustig.

Nur mal so am Rande zur Einführung des Euros, nach 50 Jahren DM , war D mit 1300 Mrd verschuldet , nach 10 Jahren Euro sind es bereits 2000 Mrd.
Über 400 Mrd wurden in diesen 10 Jahren an die EU gezahlt , und nun Bürgschaften für die diversen Rettungsschirme von über 500 Mrd geleistet was den gesamten Staatsschulden von Griechenland und Irland entspricht.

Das Risiko ist bereits schon jetzt exorbitant hoch.
Was denken sie eignetlich was in D los sein wird sollte diese oder eine folgende Regierung der Ansicht sein sie müsste für die 'Solidarität' Steuern erhöhen oder aber Leistungen streichen ?

Andreas Prucha
00
28.1.2012, 05:02

Und mit DM wär Deutschland genauso hoch verschuldet.

Massimo Del Prato
01
27.1.2012, 15:25
ihre überlegung ist mathematisch einwandfrei und logisch auch ein kracher.

danke.

mikromalist
 
52
27.1.2012, 09:35
Erfolgreichste VW? Mit diesem dauernden

Selbstlob hat sich DE in eine "Führungsrolle" begeben, die sie nicht leisten kann.

Die erfolgreichsten VW sind Quatar, Liechtenstein, Arab. Emirate, Singapore, Lux, Norwegen - und mit Gewichtung der economy of scale: USA - hilft nix.

Mit weiteren strukturellen Kriterien - zB Entwicklung de Menschen und Fairness bei der Verteilung: Norwegen, Australien, Schweden, NL, ...

Übrigens, der Exportweltmeister ist Israel.

Merkel hört dazu zu viel Unsinn von Sinn.

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