Anti-Rassismus-Training, Menschenrechtswissen, Argumentationstraining - 18 Kurse und zwei Lehrgänge
Wien - "Man lernt für's Leben, nicht für die Schule": Was
Kinder ihren Eltern nicht ganz glauben können, wird in der "Amnesty
Academy" gelebt. Als erste und bis vor einem Jahr einzige
Bildungseinrichtung im weltweiten Netzwerk der
Menschenrechtsorganisation Amnesty International setzt die in Wien
ansässige Institution bereits seit 2003 auf die Sensibilisierung und
Bewusstseinsbildung für Menschenrechte, Aktivismus und politisch
aktuelle Themen. In diesem Jahr stehen zwei Lehrgänge, darunter ein
vom Verein "Zara" entwickelter Anti-Rassismus-Lehrgang, sowie 18
Workshops von Argumentationstraining bis Wissensvermittlung auf dem
Programm.
Nicht jeder Teilnehmer muss Aktivist werden wollen, betont Amnesty
Academy-Leiter Georges Younes. In den Kursen sitzen
Bänker neben Informatikern, Studenten neben Pensionisten. "Menschen
mit verschiedenen akademischen, beruflichen und kulturellen
Hintergründen kommen zu uns", erzählt Younes. "Das, was sie
verbindet, ist das Interesse an Menschenrechten und das Engagement
für ihre Mitmenschen." Während die Workshops zum Thema
"Menschenrechtswissen" vorrangig der Erweiterung des eigenen
Horizonts dienen und etwa österreichische Migrationsgeschichte, die
Arbeit von Menschenrechtsverteidigern sowie Armutsaspekte behandeln,
sind Kurse in der Rubrik "Fähigkeiten stärken" auf das eigene Handeln
zugeschnitten.
Argumentationstraining gegen Stammtischparolen
Von Briefen an Entscheidungsträger und Solidaritätsbekundungen bis
zu Demonstrationen: Formen des Aktivismus gibt es viele, oft fängt es
aber viel kleiner an - im Beruf, im Freundeskreis, in der eigenen
Familie. "Wenn Verwandte oder Freunde unreflektierte Ansichten zu
Migrationsthemen äußern, fühlt man sich schnell vor den Kopf
gestoßen, ist ohnmächtig", sagt Younes. Im Workshop zu
Argumentationstraining gegen Stammtischparolen wird man zur
Intervention ermutigt und erhält mögliche Argumentationsstrategien
vermittelt - "damit das Gegenüber charmant und elegant mit Fakten vom
Gegenteil überzeugt werden kann."
Die Workshops sind nicht als "mehrstündige Frontalangriffe"
gestaltet, "Partizipation ist Programm", so Younes. Ob spielerisch
bei simulierten Stammtisch-Gesprächssituationen oder tiefgreifender
in der mehrere Kurse umfassenden "Menschenrechtswerkstatt", an deren
Ende ein fertig entwickeltes Aktivismusprojekt steht. Besonders stolz
ist man auf die angebotenen "Ausflüge" zu anderen Organisationen und
Institutionen. So gibt im Parlament die Vorsitzende des
Menschenrechtsausschusses und Grüne Menschenrechtssprecherin Alev
Korun Einblick in ihre Arbeit und der Leiter des Österreich Büros des
UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Christoph Pinter, führt
durch die UNO-City.
Politische Bildung am Esstisch
Die von Fachexperten geleiteten Workshops selbst sollen leicht
verständlich und leistbar sein, der teuerste kostet 55 Euro, die
Lehrgänge mehr. Im Vorjahr hat der norwegische Amnesty-Zweig das
"International Human Rights Education Centre" in Oslo eröffnet, bis
dahin hatte Österreich die einzige Bildungseinrichtung im
Amnesty-Netzwerk. Aufgrund geringer Mittel ist man bei der
Vermarktung hauptsächlich auf Mundpropaganda angewiesen, erzählt
Younes. Jene Menschen, die sonst keinerlei Berührung mit
Menschenrechtsthemen haben, seien daher besonders schwer zu
erreichen. Die Sensibilisierung müsse früh anfangen, "und wenn es
eine Matheaufgabe mit 'Peter und Aisha haben zehn Äpfel' statt 'Peter
und Maria' in der Volksschule ist". Politische Bildung dürfe aber
nicht nur auf die Schule beschränkt werden, so Younes, "das fängt am
Esstisch an, auf der Straße im Umgang mit Menschen - vielleicht sogar
schon im Sandkasten".
(APA)