"Syrien darf nicht Libyen werden"

26. Jänner 2012, 17:00

Russlands Blockade: Antiwestlicher Reflex, Wahlkampf

Wien - Im UN-Sicherheitsrat zeichnet sich eine neue Konfrontation zwischen dem Westen und Russland im Fall Syrien ab. Während Großbritannien und Frankreich gemeinsam mit arabischen Verbündeten einen Resolutionsentwurf vorbereiten, der die Arabische Liga in ihrer Forderung nach einem Rücktritt des syrischen Staatschefs Bashar al-Assad unterstützt, bekräftigte der russische Außenminister Sergej Lawrow Moskaus Nein zu Sanktionen oder einer Militäraktion (beides ist im Resolutionsentwurf gar nicht enthalten).

"Syrien darf nicht Libyen werden": Das ist nach den Worten des russischen Nahost- und Islamexperten Georgi Mirskij die Maxime der russischen Blockadepolitik. Mirskij, Professor am Moskauer Institut für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen, sprach am Mittwochabend auf Einladung des Renner-Instituts und des EU-Russland-Thinktanks Iceur in Wien.

"Schuld am Tod Gaddafis"

In Russland herrscht laut Mirskij die Meinung vor, der Westen habe Moskau im Fall Libyen betrogen (wo es sich beim Beschluss des UN-Sicherheitsrats über eine Militärintervention der Stimme enthielt). Viele Russen glaubten, Präsident Dmitri Medwedew (der die Stimmenthaltung anordnete) sei für den Tod des libyschen Ex-Diktators Gaddafi verantwortlich. Seit dem "Libyen-Debakel" würden wichtige außenpolitische Entscheidungen nur noch von Premier Wladimir Putin getroffen.

Mirskij erklärt Putins Haltung auch mit dem laufenden Präsidentschaftswahlkampf. Der Premier wolle sich als "großer, unabhängiger Führer" präsentieren, der niemals nach der Pfeife Amerikas tanze. Dies komme der noch immer verbreiteten antiwestlichen und antiamerikanischen Sowjetmentalität entgegen. In Russland glaube auch niemand, dass es dem Westen wirklich um Demokratie gehe - und dass das westliche System sich vom russischen unterscheide. Stattdessen würden vor allem die USA verdächtigt, ständig auf "schmutzigen Tricks" gegen Russland aus zu sein. "Putin und Medwedew verstehen nicht, was Demokratie, demokratische Institutionen und öffentliche Meinung sind."

Dennoch sieht Mirskij im Fall Syrien auch rationale Gründe für Moskaus Kurs: Eine Militärintervention könne dort eine Radikalisierung der Islamisten auslösen, im Vergleich zu der die ägyptischen Muslimbrüder ein "Kindergarten" seien. Angesichts der Entwicklung in Syrien selbst glaubt Mirskij, dass sich Assad nur noch ein paar Monate halten kann.

Zum Atomstreit mit dem Iran meint der Moskauer Experte, Teheran wolle zeigen, dass es "fünf Minuten vor der Bombe steht und sie jederzeit bauen kann - das wollen sie aber nicht". Die inzwischen verschärften Sanktionen von USA und EU hätten einzig den Zweck, Israel von einem Militärschlag abzuhalten - "denn das hätte katastrophale Folgen". (Josef Kirchengast, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

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Steve Anorizz
10
30.1.2012, 11:35

Im Prinzip hat Russland Recht wenn man von Seiten des Kreml solche Behauptungen über Libyen anstellt, kann man nichts dagegen sagen.

Ohne Russland würde das Ganze schon viel eher in einem Libyen-Szenario komplett eskalieren, denn abgesehen von Russland schützen nur der Iran und China das Land Syrien.

http://steveanorizz.wordpress.com/2012/01/1... -gestellt/

Georg Schütt
42
29.1.2012, 17:59
Seit dem "Libyen-Debakel" würden wichtige außenpolitische Entscheidungen nur noch von Premier Wladimir Putin getroffen.

Der bereitet unterdessen den nächsten Wahlbetrug vor ...

Nach Angaben des Lewada-Zentrums kommt Putin zur Zeit auf 37 lediglich Prozent, mit fallender Tendenz übrigens.
http://grani.ru/Politics/... 95143.html

Das staatliche "Allrussische Institut" erreicht - oh Wunder! - 52 Prozent.
http://tden.ru/articles/show/17500

Das dürfte also die Zielvorgabe für den 1. Wahlgang sein.

maggo22
10
31.1.2012, 00:39

Kann man sich wenigsten im Standard dazu durchringen sowas nicht als Wahl zu bezeichen?

pepitant
02
30.1.2012, 16:49
Das Lewada-Zentrum :-)

Vielleicht sollte man nicht geheim halten, das deren Partner u. a. die Naumann- und die Böll-Stiftung sind.
Und vielleicht sollte man auch anmerken, dass der gute Chodorkowski da ein wenig mitspielt. Nur um einordnen zu können, wessen Interessen da vertreten werden.
Ich hab keine Einwände dagegen, die Presse, die Financial Times oder auch einen Kopp-Verlag als Quelle zu nutzen, nur, da weiß jeder, aus welcher Ecke die aufbereiteten Informationen kommen und daher kann sich jeder ein Bild der Interessenslage machen.
Wenn das nicht der Fall ist, sollte man die Quelle ein wenig beleuchten. Sonst erweckt man den Anschein, als wolle man eine parteiische Quelle als neutral verkaufen.
Das wollen Sie doch nicht, nicht wahr ?

Georg Schütt
00
30.1.2012, 18:02
"Partner u. a. die Naumann- und die Böll-Stiftung"

Donnerwetter, liberale und grüne Partner!

Lewada muss gefährlich sein!!

Noitulover
14
26.1.2012, 23:31

Kommt es nur mir so vor oder hat der Autor tatsächlich die Assoziation hervorgebracht, dass "nicht nach der Amerikas Pfeife tanzen" = "Antiwestlich" und "Antiamrikanisch"? Und wer das nicht tut, hat eine sowjetische Mentalität und ist überhaupt ein dreckiger Kommunist! Gut zu wissen wo man steht...

Und was erzählt der Mirskij da?! Putin präsentiert sich nur als der "niemals nach der Pfeife Tänzer"? Ist er es in Wirklichkeit doch nicht und er verkauft die doofen Russen nur für blöd? Na jetzt wird mir auch klar warum der Gute im Westen so heiß geliebt wird.

Aber verdammt noch mal, wie haben die Russen bloß das mit unseren Demokratie herausgefunden? Sonst glaubt uns doch jeder...

salman
 
26
26.1.2012, 23:21
In Syrien tun sich heute Gräben innerhalb der Bevölkerung auf, die vorher nicht sichtbar waren

Gegner des Aufstandes werden von Letzteren als tumbe Tore gesehen, die sich von der Assadpropaganda einlullen lassen bzw. denen ihr "kümmerliches Dasein" in oder am Rande der Armut lieber ist als das Aufbegehren gegen Unrecht und Unterdrückung.

Die Aufstandsbefürworter werden von Ersteren als Pseudopatrioten gesehen, welchen ihr Land egal ist bzw. welche sich von Al- Jazeera und CO verblenden lassen und sich als Werkzeige eines Masterplans benutzen lassen.

Auf beiden Seiten stehen Millionen Syrern. Wer in der Überzahl ist, weiß ich nicht. Vermutlich gibt es einen großen Graubereich von neutralen bzw. unentschlossenen Syrern (in Syrien)

Ich analysiere nur, ein Urteil fällt mir schwer, beide Seiten haben Argumete daher, lasse ich es ..

Deserteur
00
29.1.2012, 21:50
...gegen Unrecht und Unterdrückung...?

Da gibt es so manches, das besser weiterhin unterdrückt bleiben sollte...

morgen war gestern
11
29.1.2012, 11:25

despotische regime verdecken nun mal gräben und vertiefen sie. das ist weder neu noch überraschend.

solange assads clan nicht entweder abtritt oder allen menschen teilhabe zukommen lässt, werden die fronten härter.

an assad festhalten macht ausschließlich für russland sinn, denn für die russische rüstungsindustrie geht es um milliarden und putin braucht wieder etwas, um propagandistisch die nationale einheitsfront gegen den heimtückischen feind aus dem ausland heraufzubeschwören.

die mediale berichterstattung in russland ist immer wieder spannend. so war putin zufolge die 2009er-krise ein instrument europas zur schwächung russlands. zumindest wurde das im fernsehen rauf- und runtergebetet.

sauereiter
13
27.1.2012, 13:46
geh jetzt tuns nicht so als ob diese gräben neu sind.

assad und die jetzige machtstruktur in syrien ist mit der hauptgrund, dass die gräben in dieser form in der syrischen bevölkerung überhaupt existieren. der aufbruch dieser konnte/kann nur durch gewaltherrschaft verhindert werden. nur irgendwann funktioniert auch das nicht mehr.

in so einer situation dann assad festzuhalten, heißt nur den fortbestand dieser gräben zu sichern, die nun direkt in einen bürgerkrieg führen.

nur ein verzicht von assad und seiner machtclique hat noch eine minimale chance den bürgerkrieg zu verhindern.
leider wurde schon zu viel porzelan zerschlagen, von beiden seiten, während des aufstandes und auch die jahrzehnte davor. verhindern kann mans nur wenn die scharfmacher(strukturen) auf beiden seiten den hut nehmen.

MartinP
 
53
26.1.2012, 23:32
@salman

Sehr gut analysiert!

Du hast recht, wir wissen es alle nicht.
Wogegen ich aber strikt bin, ist die Einmischung von Außen, die sich wieder abzeichnet - wie in Libyen.

Ein Bürgerkrieg ist schlimm, aber die Einmischung dritter von aussen ist jedenfalls schlimmer! (und Völkerrechtswiedrig)

Bleibt nur zu hoffen, dass nicht zuviele Syrer ihr Leben lassen müssen.

Honzo1122
63
26.1.2012, 23:52
aber die Einmischung dritter von aussen ist jedenfalls schlimmer! (und Völkerrechtswiedrig)

Das Beliefern mit Waffen und Munition ist also keine Einmischung?
So so...

Lord Chaos
00
30.1.2012, 18:24

Du verstehst das nicht. Wenn der pöse Westen eine Freiheitsbewegung unterstützt (und er hat sich in Libyen das Leben fürwahr nicht leichter gemacht) ist das pöser Imperialismus.
Wenn Russland ein Marionettenregime unterstützt um sich seinen Einfluß im Nahen Osten zu bewahren und seine Flottenbasis zu erhalten ist dies gut weil antiimperialistisch.

grumbleduke
 
00
28.1.2012, 14:14
Meines Erachtens gehören alle Waffenhändler hinter Gitter - soviel mal dazu

Aber sind es nicht Sie, der immer auf Resolutionen pocht? Zumindest im Falle von Libyen waren und sind Sie das. Also, dann mal ran an den Speck:

Ist im Moment über Syrien ein Waffenembargo verhängt? Nein!

Weshalb also sollte dann eine Waffenlieferung eine Einmischung sein? Es ist ein widerlicher, aber letztendlich legaler Vorgang.

Wissen Sie was nicht erlaubt war?
Es war nicht erlaubt, dass Katar Kriegsmaterial an die Rebellen in Libyen lieferte und das Frankreich selbiges tat. Es war nicht erlaubt, dass die Rebellen Sirte monatelang mit schwerer Artillerie und Panzern beschossen (u recall 1972?)
u.v.a.m.

Und das die Hälfte der libyschen Rebellen mit neuen NATO-Uniformen rumlaufen ist auch nur ein Zufall - jo eh

grumbleduke
 
00
28.1.2012, 14:39
Ich präzisiere zum thema "Waffenembargo"

Hiermit ist natürlich ein Embargo gemeint, dem auch Russland unterliegen würde und nicht die EU-Sanktionen.

Honzo1122
41
26.1.2012, 23:15
Schwerste Angriffe auf Hama und Homs

Schwerster Beschuss mit schweren Waffen
Das Terrorregime ist desperat.
Aber, je mehr Terror, desto mehr Soldaten verweigern den Gehorsam.
Blöde Rechnung, gell Basher

http://www.youtube.com/watch?v=uwob5-w_X20

tramtatam
01
30.1.2012, 01:15
Schwerste Angriffe, Schwerster Beschuss mit schweren Waffen

wo bleibt die Steigerungsform für die Waffen. Sie sind nicht konsequent, warum nicht "schwerste" Waffen?
an Ihrer Dramaturgie müssen Sie noch arbeiten!

Raptor Jesus
00
26.1.2012, 22:33
Die Amerikaner und der Westen machen es den Russen lächerlich einfach ihre obengenannte Sowjetmentalität anzulegen.

Honzo1122
20
26.1.2012, 22:20
Massaker in Hama

Hama: Residents found 23 corpses of martyrs so far, most of them handcuffed and show signs of torture and bullets to the head.

Quiche
00
26.1.2012, 22:00
Generalsekretär des syrischen Roten Kreuzes erschossen

http://www.dp-news.com/en/detail... eid=109679

Hört auf mich
00
26.1.2012, 23:28

Nur, daß das in Syrien Roter Halbmond heißt.

Quiche
00
26.1.2012, 21:44
Slogans von syrischen Demonstranten

http://www.youtube.com/watch?v=IpXE2M9bN2o

Herzerzog Johann
00
26.1.2012, 21:28
Die Syrische Sache sollen die "Fortschrittlichen" unter sich ausmachen.

Der "Westen" und die sonstigen Bösen haben diesmal erste Reihe fußfrei.

Honzo1122
124
26.1.2012, 21:16
Noch mehr Teror in Syrien

http://www.youtube.com/watch?v=NO44_g4bqCw

Die Assad Terroristen verwenden schwere Waffen um die Bevölkerung zu terrorisieren.
Stadtviertel, in denen viel protestiert wird, sollen zum Schweigen gebracht werden.
Durch Massaker, durch Terror.

MartinP
 
22
26.1.2012, 22:14
zensi

der Zensi lässt meine Antwort darauf leider nicht durch.

Super Beweis!

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