Israel und Palästinenser in der Sackgasse

26. Jänner 2012, 17:00
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    foto: apa/epa/hashlamoun

    Ein Palästinenser zeigt Journalisten von der israelischen Armee demolierte Wellblechhütten bei der jüdischen Siedlung Karmiel in der Nähe von Hebron im Westjordanland.

Gespräche in Amman brachten keine Ergebnisse

Bei fünf Treffen von Israelis und Palästinensern unter jordanischer Schirmherrschaft konnten sich die beiden Seiten einmal mehr nicht darauf einigen, worüber sie sprechen: über Grenzen oder Sicherheit.

*****

Die beiden Seiten waren sich nicht einmal darüber einig gewesen, ob sie wirklich "Verhandlungen" führten und wie groß der Zeitrahmen dafür war, von den inhaltlichen Differenzen ganz zu schweigen. Ohne irgendein verlautbartes Ergebnis ging Mittwoch Nacht eine Serie von israelisch-palästinensischen Sondierungstreffen in Amman zu Ende. Unter jordanischer Schirmherrschaft waren der israelische Emissär Jizchak Molcho und der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat seit 3. Jänner insgesamt fünfmal zusammengekommen.

Laut Palästinensern ist nun eine Frist abgelaufen, die das Nahost-Quartett (Uno, USA, EU, Russland) den beiden Seiten für die Vorlage von "umfassenden Vorschlägen" setzte. Die Palästinenser signalisieren, dass sie keinen Sinn in weiteren Gesprächen sehen, und Präsident Mahmud Abbas will sich nächste Woche von der Arabischen Liga Rückendeckung für seine nächsten Schritte holen. Premier Benjamin Netanjahu erklärte hingegen, Israel versuche "zu gewährleisten, dass die Gespräche zwischen uns und den Palästinensern weitergehen werden - das ist unser Wunsch."

Offenbar um eine Festlegung auf die Linien von 1967 als Verhandlungsbasis zu erreichen, hatten die Palästinenser darauf bestanden, dass Israel vorneweg seine Positionen über die künftige Grenzziehung präsentieren müsste. Die Israelis wollten aber zunächst über Sicherheitsfragen sprechen. "Wenn unsere Grenze definiert sein wird, wird jeder wissen, was seine Grenzen sind" , sagte Abbas zuletzt, "und was die Sicherheit betrifft, sind wir bereit, alle Wünsche Israels zu erfüllen, unter der Bedingung, dass kein Israeli auf dem Boden Palästinas sein wird" - eine Anspielung auf Netanjahus Forderung nach einer permanenten israelischen Militärpräsenz im Jordantal.

Immerhin waren Israelis und Palästinenser nun in Amman nach einer Unterbrechung von mehr als einem Jahr zum ersten Mal wieder offiziell an einem Tisch gesessen. Man hatte aber offenbar ohne Erwartungen nur mitgespielt, um vor der internationalen Gemeinschaft nicht als Nein-Sager dazustehen. Zu wirklichen Verhandlungen wären die Palästinenser nach wie vor nur unter der Vorbedingung bereit, dass Israel formal den Siedlungsausbau stoppt.

Israel wirft den Palästinensern vor, sie suchten nach "Vorwänden", um die Verhandlungen zu umgehen. Im September hatte Abbas bei der Uno die Aufnahme Palästinas als Vollmitglied beantragt, zu einer Abstimmung darüber ist es aber bisher nicht gekommen. Vor der nun beendeten Gesprächsserie hatte Abbas für den Fall des Scheiterns von "anderen Möglichkeiten" gesprochen. Man spekuliert etwa über einen neuerlichen Vorstoß bei der Uno, eine "diplomatische Kampagne" gegen Israel oder Massendemonstrationen nach dem Vorbild des "Arabischen Frühlings". (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

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23 Postings
troob
51
28.1.2012, 11:30
Wie ein Kommissionsmitglied so treffend formulierte:

"I have listened to your demands and it seems to me that in your view the compromise is: We want our demands met completely, the rest can be divided among those left".

Klarer ist die Verhandlungsposition der Araber nicht zu beschreiben.

Diese Zusammenfassung ist übrigens nicht ein Kommentar zu den Verhandlungen in Amman! Sie ist nicht neu!

Das war die Aussage des tschechischen Mitglieds der UNSCOP, des United Nations Special Committee on Palestine, welches im Mai 1947 gegründet wurde. Mitglieder waren Australien, Guatemala, Indien, Iran, Jugoslawien, Kanada, die Niederlande, Peru, Schweden, Tschechoslowakei und Uruguay.

Keine Kompromißfähigkeit und regelmäßige Verhandlungsverweigerung - damals wie heute...

Menahem Zitzesbeisser
40
27.1.2012, 16:42
Für all diejenigen Forumsteilnehmer, die sich so gerne über Israel den Mund voll nehmen,

ohne auch nur die geringste Ahnung über das Land und dessen Volk zu haben, empfehle ich, sich die Zeit zu nehmen und die Rede von Amos Oz anzuhören:
http://blip.tv/slowtv/is... oz-5456017

Menahem Zitzesbeisser
00
27.1.2012, 20:29
Das rote Stricherl

habe ich wahrscheinlich von jemandem der kein Englisch versteht;-)

klaus dona
01
27.1.2012, 12:36
Für Israel ist es eine Sackgasse

schauen Sie sich die Landkarte an.

das Echo der Plattitüde
13
27.1.2012, 11:02

auf einer Seite fehlt Hirn und auf der anderen fehlt Herz, also wo soll das sonst enden als in der Sackgasse?

es ist eine Trennung und absolute Selbstverwaltung auf beiden Seiten von nöten, also eine Zweistaatenlösung! Ich sehe hier in erster Linie Israel als verzögerer der Lösung!!!

Sand
00
27.1.2012, 10:13
Erinnert mich an den Konfligt in Nordirland

zwischen engstirnigen Anhängern von zwei fast identischen Religionen. Ähnlich engstirnig ist es von der einen oder anderen Seite zu glauben, dass man das gemeinsame Gut des Islam und des Judentums mit Waffengewalt an sich reißen könnte.

troob
21
28.1.2012, 12:28
Ihre Erinnerung ist falsch...

@Sand

In dem Nordirlandkonflikt hat keine der beiden Konfliktparteien mehrfach und völlig ungeniert ganz offen deklariert, sie strebe die Ermordung aller Mitglieder der gegnerischen Partei an, völlig unabhängig davon, wo sich diese befinden, und sei es auch in Südamerika...

Ein großer, ein sehr sehr großer Unterschied!

Greyarea
 
01
27.1.2012, 09:00
sackgasse seit mindestens 15 jahren

ullrich stamperer
06
27.1.2012, 00:34
für Gingrich ein "erfundenes" Volk

die USA richten immer mehr in dieser Gegend an.

sigate
29
26.1.2012, 23:51
zsss ... der objektive herr segenreich

"Zu wirklichen Verhandlungen wären die Palästinenser nach wie vor nur unter der Vorbedingung bereit, dass Israel formal den Siedlungsausbau stoppt."
Dieser Satz relativiert den vorherigen und suggeriert, dass (im Segenreich) eh die Palis die Bösen sind, weil sie ja Vorbedingungen stellen.
Der Herr Physiker, Mathematiker und Software Entwickler übersieht mit großer Standhaftigkeit die Vorbedingungen die von den Israelis geschaffen werden, nämlich die illegale Kolonisierung besetzter Gebiete.
Sagen Sie uns, Herr Segenreich, wie viele Palästinenser leben denn noch in Zone C? Wie passt denn das zur gepriesenen Zweistaatenlösung?
Das sind Vorbedingungen, die Verhandlungen ad absurdum führen, nicht die bescheidenen Anliegen der Palästinenser.

troob
31
28.1.2012, 12:35
Sie lassen halt ganz bewußt Jahrzehnte Geschichte aus!

@sigate

Zwischen 1948 und 1967 gab es keine von Israel besetzten Gebiete - sehr wohl aber von Jordanien (Judäa und Samaria) und Ägypten (Gazastreifen) besetzte Gebiete - ohne irgendeinen Versuch der Araber, dort einen eigenen Staat zu errichten. War das die Schuld Israels? Da gab es genau gar keine Siedlungen, aber viele von den Arabern vertriebene Juden und ethnisch reine nun plötzlich "arabische Gebiete"! Darüber regte und regt sich bis heute niemand auf.

Und nach dem 6-Tage-Krieg die "3 No's von Khartoum", die haben sie auch "vergessen". Na ja, sind halt Erinnerungslücken. Wie sie bei den Österreichern so häufig vorkommen...

Und die Angebote Israels, die ohne Gegenangebote der Araber blieben, aber die Intifada brachten? Vergessen...

johannes schenk1
23
27.1.2012, 10:44
Wieso?

Vielleicht teilt Segensreich - wie viele andere - die Meinung, dass die Siedler gestoppt werden müssen, bevor man verhandeln kann.
Er stellt eine Vorbedingung der Palästinenser fest, die die Israelis nicht erfüllen (wollen? können?)
Das ist ziemlich sachlich und macht die Palästinenser nicht zu "den Bösen". Vor Allem, da diese Vorbedingung als durchaus gerechtfertigt erscheint - auch vielen Israelis, die mit den radikalen Siedlern selbst nicht viel anfangen können.

KindDesKellers
20
26.1.2012, 23:13
wenn die beiden

es nicht auf die Reihe bekommen eine Lösung zu finden warum wohnt dann nicht eine dritte unabhängige Partei bei die ihnen auf die Finger klopft?

Lichtfreak
00
27.1.2012, 13:15
Sie wollen einen Atombombenbesitzer

auf die Finger klopfen?

johannes schenk1
00
27.1.2012, 10:48
Das wird ja versucht:

Das Nahost-Quartett (Uno, USA, EU, Russland)

Allerdings mit dem Auf-die-Finger-Klopfen geht das nicht so.
Und es ist auch fraglich, wieweit wer von diesem Quartett wirklich unabhängig ist.
Aber gibt es unabhängige die sich erstens einbringen würden und zweitens ein gewisses politische Gewicht haben?

Hubert Ungeist
 
01
27.1.2012, 04:58
Und wer soll diese 3.Partei sein?

Das ist ja gerade das Drama.

USA ist sicher nicht unparteiisch. UN ist aufgrund des unsäglichen Vetokonstrukts auch nicht unparteiisch.

KindDesKellers
00
27.1.2012, 11:33
irgendein in

psychologie und rhetorik und nochwaspraktisches gstudierter Südafrikaner, oder Chilene, oder ein Neuseeländer ginge auch, der vorher nicht wirklich mit Politik sondern vielleicht eher mehr mit
Eheberatung und so Zeug zu tun hatte.

troob
01
28.1.2012, 12:45
Dann lernen sie Geschichte, verdammt und zugenäht!

@KDK

Der nachmalige Friedensnobelpreisträger (1950) und amerikanische Diplomat Dr.Ralph Johnson Bunche, Träger höchster Auszeichnungen, darunter der Presidential Medal of Freedom, war der UN-Beauftragte bei den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Israel und den arabischen Staaten. Er erreichte allerdings nur Eines: Das die arabischen Politiker sich hoch erhobenen Hauptes aus dem verlorenen Krieg zurückzogen und die Abkommen mit Israel brachen, ehe noch ihre Unterschriften am Papier trocken waren.

Die von den Gegnern Israels mit treuherzigem Augenaufschlag besiegelten Verträge, die sie niemals einhielten noch einhalten wollten, haben Israel sehr skeptisch gegenüber allgemeinen leeren Worthülsen gemacht...

revach
31
26.1.2012, 22:25

danke Herr Segenreich endlich wieder einmal ein gut recherchierter Artikel und nicht Phrasen preschen die man sowieso überall hoehrt....

der gärtner
316
26.1.2012, 21:36

für israel ist die derzeitige situation super.

langsame vertreibung der palästinenser, gerechtfertigt durch deren gelegentliche widerstandsakte dagegen

und dabei praktisch keine negativen konsequenzen.

warum sollte israel das ändern wollen?

Bundesministerium für Jenseitige Angelegenheiten
00
27.1.2012, 10:18

es ist ja auch erklärtes ziel dieser israelischen regierung diesen zustand über jahrzehnte weiter aufrecht zu halten

Mag. Nicht
31
26.1.2012, 17:23
Was würde Ramses II denken?

"Noch immer?"

Martin Dobes
 
00
26.1.2012, 23:32
Und was genau wollen Sie damit sagen?

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