Musikverein

Kritiker und Kolibri

26. Jänner 2012, 17:16

Die Wiener Symphoniker mit Dirigent Thomas Dausgaard

Wien - Zurück von ihrer traditionellen Österreichreise, die sie über Graz und Salzburg bis zu Roland Geyers Doch-nicht-Wohnort Bregenz führte, luden die Wiener Symphoniker zu einem romantischen Dreier in den Musikverein: Johannes Brahms, Peter Iljitsch Tschaikowsky und Robert Schumann gaben sich auf dem Programmzettel ein Stelldichein.

Nachdem Thomas Dausgaard bei Brahms' Liebeslieder-Walzer sichtlich bemüht war, dem großen Libertin im Dreivierteltakt alle Tempofreiheiten dieser Welt zu gewähren, folgte das Violinkonzert des "wahl- und geschmacklos produzierenden" Tschaikowsky. Eduard Hanslick, Kritikerpapst, Ahnvater der Wiener Musikwissenschaft und also großer Irrender seiner Zeit, hatte es nach der Uraufführung im Musikverein in olfaktorische Verwirrung versetzt: Er hörte es "stinken".

Völlig clean, mit einer Mischung aus Borat'scher Simplizität und einer demonstrativen Wurschtigkeit à la Sido zog Leonidas Kavakos dann das wundervolle Werk durch - speziell der Kopfsatz hatte in emotionalen Belangen die Spannweite eines Kolibris. Die technische Souveränität seines Spiels, die im Finalsatz ans Automatenhafte grenzte, ließ das begeisterte Publikum dennoch erfolgreich eine Zugabe einfordern.

Begeisterung dann auch nach Schumanns 2. Symphonie: Wenn der rastlose Dirigiergestalter Dausgaard auch fallweise dort ein Feuer entfachte, wo es ein Flämmchen auch getan hätte (der dritte Satz fand so nur zu vordergründiger Fesselung), so bot er doch im Schlusssatz mit seinem packenden Elan und seiner Beseeltheit die richtigen Mittel auf, um das Werk gewinnend in Szene setzen.  (Stefan Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

Dausgaard wird anstelle des erkrankten Rafael Frühbeck de Burgos das Stille Konzert der Symphoniker am Sonntag dirigieren.

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11 Postings
doc1412
01
27.1.2012, 10:20
"demonstrative Wurschtigkeit"...

...a la Sido schlägt ja noch den Kritikerpapst Hanslik, Herr Ender. Ich dachte im Kopfsatz auch zunächst (anhand der Körpersprache!) an eine emotionale Gleichgültigkeit des Virtuosen, wurde aber im Laufe der Ereignisse eines Besseren belehrt. Besonders der zweite Satz hervorragend, ohne übertriebenes Vibrato, wundervoller Klang der Stradivari. Der tosende Applaus und viele Bravo-Rufe völlig zu Recht.

Stefan Ender
21
27.1.2012, 11:23

Hm. Also für mich war der erste Satz fast die Hölle, zumindest ein Purgatorium. Wie ein technisch hervorragender Schüler, der sich emotional in keinster Weise öffnen kann, alles sehr hölzern, eng, uniform, gleichgültig, fast autistisch. Und der sich aber trotzdem unglaublich super findet. Das erste Mal, als man irgendwie atmen konnte, war, als die Symphoniker endlich das Hauptthema brachten. Und selbst die Zugabe, so virtuos sie auch war, war so tot.

doc1412
00
27.1.2012, 11:27
da bin ich ganz bei Ihnen

Die Zugabe war technisch brillant, doch völlig hölzern, wie Computermusik. Mit hat der zweite Satz am besten gefallen und auch das Finale, im Stretto-Teil war er hervorragend; schließlich hat er auch den Dirigenten und Primgeiger umarmt....und dann die Zugabe, die mir nicht gefallen hat.
In der Kritik war mir nur Ihre Wortwahl ("Wurschtigkeit") zu krass, nichts für ungut

Antagonist1
00
26.1.2012, 20:37
Frage aus dem OFF:

Wo bleiben eigentlich die Rezensionen der Konzerte unter Neville Marriners Leitung (23./24.1.-Musikverein)?

ach herje
00
27.1.2012, 17:36
für einmal eine korrekte Angabe

da passt Antagonist auch hin

Antagonist1
00
28.1.2012, 00:43
Wieder einmal ZWANGHAFT

ach herje <---> ANANKE...

ach herje
00
28.1.2012, 19:46
Als Schöpfungsmacht sehe ich mich nun nicht gerade

aber danke für's Kompliment - und es stimmt, wenn mir die Götter gehorchen, was kümmert mich denn Ihre Wenigkeit

Antagonist1
00
30.1.2012, 23:39
ANANKE = ZWANG

und sonst nix, Pech, ach herje...

ach herje
00
31.1.2012, 11:43
Oh nein höchstens eine, wenn auch umstrittene, Bedeutung

Aber vielleicht tun Sie mal was für ihre Bildung...

corrector1
00
31.1.2012, 12:20

zweimal posten wollte ich übrigens nicht, sparen Sie sich einen Kommentar!
Und lesen Sie in Zukunft wenigstens den Wikipedia Artikel zu Ende - den könnten Sie evtl. noch erfassen - oder drücken Sie endgültig auf OFF...

ach herje
00
31.1.2012, 11:43
Oh nein höchstens eine, wenn auch umstrittene, Bedeutung

Aber vielleicht tun Sie mal was für ihre Bildung...

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