Die Wiener Symphoniker mit Dirigent Thomas Dausgaard
Wien - Zurück von ihrer traditionellen Österreichreise, die sie über
Graz und Salzburg bis zu Roland Geyers Doch-nicht-Wohnort Bregenz
führte, luden die Wiener Symphoniker zu einem romantischen Dreier in den
Musikverein: Johannes Brahms, Peter Iljitsch Tschaikowsky und Robert
Schumann gaben sich auf dem Programmzettel ein Stelldichein.
Nachdem Thomas Dausgaard bei Brahms' Liebeslieder-Walzer sichtlich
bemüht war, dem großen Libertin im Dreivierteltakt alle Tempofreiheiten
dieser Welt zu gewähren, folgte das Violinkonzert des "wahl- und
geschmacklos produzierenden" Tschaikowsky. Eduard Hanslick,
Kritikerpapst, Ahnvater der Wiener Musikwissenschaft und also großer
Irrender seiner Zeit, hatte es nach der Uraufführung im Musikverein in
olfaktorische Verwirrung versetzt: Er hörte es "stinken".
Völlig clean, mit einer Mischung aus Borat'scher Simplizität und einer
demonstrativen Wurschtigkeit à la Sido zog Leonidas Kavakos dann das
wundervolle Werk durch - speziell der Kopfsatz hatte in emotionalen
Belangen die Spannweite eines Kolibris. Die technische Souveränität
seines Spiels, die im Finalsatz ans Automatenhafte grenzte, ließ das
begeisterte Publikum dennoch erfolgreich eine Zugabe einfordern.
Begeisterung dann auch nach Schumanns 2. Symphonie: Wenn der rastlose
Dirigiergestalter Dausgaard auch fallweise dort ein Feuer entfachte, wo
es ein Flämmchen auch getan hätte (der dritte Satz fand so nur zu
vordergründiger Fesselung), so bot er doch im Schlusssatz mit seinem
packenden Elan und seiner Beseeltheit die richtigen Mittel auf, um das
Werk gewinnend in Szene setzen. (Stefan Ender / DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)
Dausgaard wird anstelle des erkrankten Rafael Frühbeck de Burgos das Stille Konzert der Symphoniker am Sonntag dirigieren.