Die Abschwächung der Industriekonjunktur hat sich laut Industriellenvereinigung zum Jahresende 2011 verlangsamt
Wien - Österreich wird sich 2012 voraussichtlich eine Rezession ersparen, auch wenn es im ersten Quartal "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" zu einem Rückgang der Wirtschaftsleistung kommen dürfte, erwartet der Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), Christian Helmenstein. Die Abschwächung der Industriekonjunktur habe sich im vierten Quartal 2011 zwar fortgesetzt, aber zugleich verlangsamt, sagte IV-Generalsekretär Christoph Neumayer am Donnerstag in Wien bei der gemeinsamen Präsentation des vierteljährlichen Konjunkturbarometers.
Österreich habe als eines der wenigen Länder Europas eine Chance, heuer zu wachsen, so Neumayer. Voraussetzung sei aber, dass "eine institutionelle Krise der europäischen Union vermieden werden kann", also auch kein unkontrollierter Austritt Griechenlands aus dem Euro die ganze Eurozone in einen Strudel reißt, und die geplante Budgetkonsolidierung in Österreich "standortpolitisch kompatibel" abläuft. Helmenstein gießt diese Aussage in Zahlen: Österreich dürfte um 0,5 bis 1,0 Prozent wachsen, um "mindestens einen Prozentpunkt mehr als die Eurozone", die wohl an die 0,5 Prozent schrumpfen dürfte.
"Keine Rezession" heißt für den Ökonomen Helmenstein, dass die heimischen Wirtschaft nicht zwei Quartale in Folge im Vergleich zum Vorquartal schrumpfen wird (US-Definition) bzw. in keinem Quartal niedriger liegen wird als im Vorjahresquartal (Europäische Definition) oder gar über das Jahr weniger leistet als im Jahr davor.
Leichter Optimismus
Die aktuelle Konjunkturumfrage zeigt einen zuletzt leicht steigenden Optimismus der heimischen Industrie, so Neumayer. Die aktuelle Geschäftslage entspreche mit 32 Punkten einer "konjunkturellen Normallage". Die Erwartung für in sechs Monaten sei zwar immer noch leicht negativ, aber doch deutlich besser als bei der vorigen Umfrage. Die Auftragsbestände sind zwar zurückgegangen, dafür hat sich gezeigt, dass die Kunden zu ihren Aufträgen stehen und nicht - wie in der Krise Ende 2008 - diese kurzfristig zurückziehen oder den Preis nachverhandeln. Der schwache Euro hilft zudem der Exportwirtschaft. Der Beschäftigungsaufbau sei allerdings zum Erliegen gekommen.
Insgesamt heben Neumayer und Helmenstein hervor, dass das Wirtschaftswachstum in Österreich vor allem vom Export getragen werde. Obwohl die Reallöhne heuer um 1,1 Prozent wachsen dürften, betrage der Beitrag des Inlandskonsums zum Wachstum nur 0,4 Prozentpunkte. Neumayer verwehrte sich einmal mehr gegen eine Erhöhung der Lohnnebenkosten und verwies darauf, dass der Spitzensteuersatz mit 50 Prozent höher sei als in den Nachbarländern. Auch wenn die reale Besteuerung von Unselbstständigen inklusive Begünstigung des 13. und 14. Gehalts mit etwa 43 Prozent auf gleichem Niveau liege wie der Spitzensteuersatz in Deutschland oder Italien, sei es schwer, internationale Spitzenkräfte zu gewinnen, da diese vor allem auf den Spitzensteuersatz schauten, argumentiert Neumayer.(APA)