Zehn Tage unterwegs

Afrikas Rauch weht bis ins Amazonasbecken

29. Jänner 2012, 16:50
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    foto: holger baars/ift

    LIDAR-Messung in brasilianischen Regenwald bei Nacht. Zu sehen sind die in die Atmosphäre ausgesendeten grünen Laserimpulse mit einer Wellenlänge von 532 Nanometern.

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    foto: modis land science team at nasa goddard space flight center

    Diese Aufnahme des Erdbeobachtungssatelliten Terra/MODIS NASA aus dem Jahr 2008 zeigt die aktiven Feuer in Afrika und Südamerika.

Forscher beobachten Transport von Rauchpartikeln über den Atlantik - Einfluss auf Wolkenbildung während der Regenzeit möglich

Bis vor kurzem sagte man der Luft über dem Amazonasbecken nach, sie sei - zumindest während der Regenzeit - noch so natürlich wie vor Beginn des Industriezeitalters. Das umfangreiche Messprojekt eines internationalen Wissenschafterteams räumte nun mit dieser Annahme auf. Die Forscher stellten sogar fest, dass vom Menschen verursachte Vegetationsfeuer auf der anderen Seite des Atlantiks die Atmosphäre im Amazonasgebiet während der Regenzeit beeinflussen. Der Einfluss der afrikanischen Vegetationsbrände sei am deutlichsten zwischen Jänner und April zu spüren, da dann die Feuer in Zentralafrika am stärksten seien und die Passatwinde die Rauchpartikel direkt nach Südamerika transportierten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

Das Amazonasbecken mit einer Gesamtfläche von über sechs Millionen Quadratkilometern beherbergt den größten tropischen Regenwald der Welt. Gemessen an seiner globalen Bedeutung ist im Amazonasgebiet jedoch noch relativ wenig über luftgetragene Partikel, die sogenannten Aerosole, bekannt. Diese sind aber eine wichtige Komponente im Kreislauf von Wolken- und Niederschlagsbildung des Amazonasregenwaldes.

Lasermessung bis in 20 Kilometer Höhe

Wissenschafter des Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) sowie der brasilianischen Universitäten Sao Paulo, Diadema und Manaus hatten daher von Jänner bis November 2008 atmosphärische Messungen im zentralen Amazonasbecken durchgeführt. Dazu wurde erstmals ein Lasermessgerät 60 Kilometer nördlich von Manaus installiert, das Daten zu Verteilung und Eigenschaften der Aerosole bis in 20 Kilometer Höhe über der Messstation liefert.

Bisher wurde angenommen, die Luft über dem Amazonasgebiet sei so ursprünglich wie vor Beginn des Industriezeitalters. "Wir haben daher einen Standort mitten im Amazonas ausgewählt, der auch von der Millionenstadt Manaus nicht beeinflusst wurde, da die Luft meist aus der entgegengesetzten Richtung kam", berichtet Dietrich Althausen vom IfT, der den Messcontainer vor Ort installiert hat. "Allerdings haben die hohen Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit die Technik arg strapaziert. Nebel, niedrige Wolken und häufige Niederschläge machen es sehr schwer, im Amazonasregenwald die untersten Luftschichten vom Boden aus zu untersuchen."

Mit dem von den Leipziger Troposphärenforschern entwickelte Gerät sind nun aussagekräftigere Messungen möglich. Das LIDAR-System namens PollyXT sendet dazu Laserimpulse mit Wellenlängen von 355, 532 und 1.064 Nanometern aus, die von in der Atmosphäre schwebenden Partikeln reflektiert werden. Durch die Drehung der Schwingungsrichtung des Laserlichts bei der Reflektion, der sogenannten Depolarisation, lassen sich Art und Herkunft der Aerosole bestimmen. Für die Wissenschafter ist diese Charakterisierung besonders wichtig, da sich so zwischen natürlichen Quellen - beispielsweise Staub aus der Sahara - und vom Menschen verursachten Aerosolquellen - etwa dem Rauch von Vegetationsfeuern - unterscheiden lässt.

Zehn Tage unterwegs

Auch wenn die Luft über der Messstation eigentlich hätte sehr sauber sein müssen, da sich keine Industrie in der direkten Nähe befand und die Luftmassen vom ca. 1.200 km entfernten Atlantik nur über tropischen Regenwald zum Messstandort zogen, beobachteten die Wissenschafter dennoch jede Menge Partikel. Bei einem Drittel der LIDAR-Messungen während der Regenzeit von insgesamt 2.500 Messstunden registrierten sie den Transport von Rauch- und Mineralstaubpartikeln aus Afrika. Etwa zehn Tage brauchen die Teilchen für ihren Weg über den Atlantik in den untersten drei Kilometern der Troposphäre von Kontinent zu Kontinent.

Dass Mineralstaub aus der Sahara über den Atlantik gelangt und dort den Amazonas düngt, ist schon lange bekannt. Seit Jahren untersuchen auch IfT-Forscher diese Transportprozesse. So gab es beispielsweise im Rahmen der SAMUM-Messkampagne umfangreiche Experimente in Marokko und auf den Kapverdischen Inseln. "Überrascht waren wir aber, wie groß der Anteil der Rauchpartikel von afrikanischen Vegetationsfeuern während der Regenzeit im Amazonas ist", erklärt Holger Baars vom IfT. "In der Hälfte aller Fälle, in denen wir Partikel aus Afrika registrierten, waren Rauchpartikel der Hauptbestandteil in der Atmosphäre.

Die Luftmassen aus der Sahara reichern sich also auf ihrem Weg südwärts über den Savannen Afrikas mit Partikeln an, die durch größtenteils vom Menschen verursachte Brände in die Luft gelangen." Damit könnten Vegetationsbrände in Afrika auch eine wichtige Rolle für die Wolkenbildung über dem Amazonasregenwald spielen - zumindest in der Regenzeit zwischen Jänner und April. In der Trockenzeit, die von der Jahreszeit her etwa dem Sommer auf der Nordhalbkugel entspricht, dominieren dagegen Partikel aus Waldbränden im Amazonasbecken selbst.

"Selbst mitten im Amazonas ist die Luft also inzwischen größtenteils alles andere als noch natürlich", resümiert Holger Baars. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die winzigen Aerosolpartikel, die aus Afrika die Amazonasregion erreichen und dort als Keime für Wolkentropfen fungieren, ausreichend zu charakterisieren und dadurch deren Bedeutung für das Klima besser abschätzen und die Klimamodelle verbessern zu können. Denn diese Partikel haben großen Einfluss auf den Strahlungshaushalt, die Wolkenbildung und auch auf die Niederschläge über dem tropischen Atlantik und dem Amazonasbecken. (red)

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16 Postings
Ruben Weil
00
Mit dem LIDAR einfach nach oben schiessen ...

... in der Hoffnung, dass keine Passagiermaschine gerade durchfliegt? Das nenne ich Feldversuch!

Hustler
11
30.1.2012, 13:40
Bild 1

Da hat wohl wer vergessen zu looten.

nix fir unguad
00
30.1.2012, 11:38
Ist halt nur dass es zwischen Januar und April südlich der Sahara regnet

Nur in einem kleinen Teil von Afrika herrscht zu dieser Zeit Trockenheit, nämlich in der Western Cape rund um Kapstadt.
Die grossen Buschfeuer fangen so erst im Juli an und dauern bis in den September wenn die ersten Regen kommen. Bei einer grünen Landschaft kann nicht viel brennen.
Irgendetwas stimmt nicht in dem Bericht.

Roter Baron
20
30.1.2012, 09:27
find ich seltsam

über den äquator und gegen die windrichtung

nihil013
00
31.1.2012, 01:09

Wieso gegen die Windrichtung?
Liegt nördlich der ITCZ, insbesondere während des Sommers auf Südhalbkugel. Somit NO-Passat (weht nach SW, genau wie gezeigt).

Raunchard
01
29.1.2012, 19:48
Forscher beobachten Transport von Rauchpartikeln über den Atlantik fest

beobachten fest...
...Face Palm...

Was ist nur aus dem Standard geworden...

Utrillitn
00
29.1.2012, 22:23

die Billigarbeit.

Wir zahlen auch nix für den Onlinestandard.
Ich leg mir ein digitales Abo zu, als Anerkennung.

JosefGott
00
29.1.2012, 18:23
wie stark ist der Laser damit er 20 km aufsteigt trotz hoher Luftverschmutzung?

Außerdem würde mich interessieren wie groß die Strahlendivergenz bei dem Modell ist.

will_nix
02
29.1.2012, 19:11
Nettes Gerät

Strahldivergenz ist 1,5 mrad. Das scheint aber nicht das Problem zu sein, weil sie den Strahl sogar von 6 mm auf 45 mm "aufbohren".
Die Leistung ist 60, 110 bzw 180 mJ, abhängig von der "Farben" rot, grün oder nahes Infrarot
http://cerberus.rivm.nl/ISTP/data... 712473.pdf

Utrillitn
01
29.1.2012, 22:30

Kostet ?

Ich hätt gern ein tragbares Gerät. In 20 Jahren ?

In meiner Gegend werden Industrie-Abgase als Dampf deklariert, schauen aber tw. wie Rauch aus.

JosefGott
00
29.1.2012, 22:15
532nM ist ja grün, also in dem Fall 110 mJ. Keine allzu große Leistung! Und dann noch aufgeweitet. Die wollen wohl keine Vögel blind machen.

Die divergenz ist laut dem PDF weniger als 1.5 mrad, was kein schlechter Wert ist. Danke für den Link.

nihil013
00
31.1.2012, 00:59

mJ (Millijoule) bezeichnet aber keine Leistung, sondern Energie.
Das ist ein Pulslaser und die Pulsdauer beträgt so an die 7ns. Somit ist die Pulsleistung (über alle 3 Linien) mit ca. 50 MW (Megawatt) doch recht beachtlich.

poerney
00
29.1.2012, 18:48

Mich beschäftigt fast mehr, dass die Reflexion eines Aerosols in 20km Höhe auf der Erde noch messbar ist :o Grenzwerte für Klasse 1 vermutlich geringfügig überschritten.

JosefGott
00
29.1.2012, 22:17

Offembar wird ein Reflektor-Teleskop zur Messung benutzt.

1000undeine8
00
29.1.2012, 22:03

ist im prinzip augensicher möglich:

http://journals.ametsoc.org/doi/pdf/1... 2.0.CO%3B2

pulsenergie ~7 µJ.

JosefGott
00
30.1.2012, 16:18

Wenn die Messung ohnehin nur mit Instrumenten ausgewertet wird, muss Niemand hineinschauen.

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