Freitag: Burschenschafter in der Hofburg

Fragen und Antworten zu Anti-WKR-Demos

Maria Sterkl, 27. Jänner 2012, 07:27

Eine Standkundgebung und zwei mobile Demos werden heute Abend gegen den Burschenschafter-Ball mobilmachen

Wie viele Kundgebungen gegen den WKR-Ball wird es heute Abend geben?

Laut Wiener Polizei sind Freitagabend drei Versammlungen angemeldet und genehmigt worden - am Heldenplatz, am Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof und am Schottentor. Darüber hinaus sei keine Versammlung angemeldet worden, heißt es. Für 18.30 Uhr ruft die Plattform "Jetzt Zeichen setzen", der zahlreiche NGOs, aber auch SPÖ, Grüne, kirchliche Organisationen und die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) angehören, zur Kundgebung auf den Heldenplatz. Am Westbahnhof startet um 17.00 Uhr die Demo der Plattform NoWKR, und um 18.00 Uhr trifft sich die "Offensive gegen Rechts" am Schottentor beim Hauptgebäude der Universität. Während die Heldenplatz-Demo in Form einer Standkundgebung abgehalten wird, werden die anderen beiden Protestversammlungen sich jeweils durch einen Teil der Innenstadt bewegen - zu den Routen siehe Grafiken links.

Warum gleich mehrere (kleinere) und nicht nur eine (große)?

Zwar richten sich alle Kundgebungen gegen den WKR-Ball, doch ist der Fokus der Kritik jeweils unterschiedlich weit angelegt. Die Kundgebung am Heldenplatz will dagegen protestieren, dass als rechtsextrem eingestufte Verbindungen einen Festakt in der Wiener Hofburg begehen dürfen, und das noch dazu am Gedenktag der Auschwitz-Befreiung. Die "Offensive gegen Rechts" (OGR) wiederum versteht sich als breites Bündnis diverser Gruppen, quasi als gemeinsamen Nenner der Kritik.

Dagegen legt die Kundgebung am Europaplatz beim Westbahnhof (Beginn 17.00 Uhr) die Kritik grundsätzlicher an: Nicht nur gegen die Hofburg als Veranstaltungsort und gegen die Terminwahl wird protestiert, sondern gegen den Boden, auf dem rechtsextremes Gedankengut sprießen könne, so die Argumentation. Man wolle nicht "Nazi-Polizei spielen", heißt es etwa auf antifa.net, denn der WKR-Ball sei in Wahrheit der Auswuchs einer gesellschaftlichen Tendenz: "Im kleinen Kreis wird dann ausprobiert, wonach es insgeheim gar nicht so wenig Österreicher sehnt: Eine Welt für 'echte Kerle', ganz ohne 'Emanzen, Homos und Ausländer'", heißt es im entsprechenden Aufruf zur Demonstration. 

Im Vorfeld hatte die FPÖ den Vorwurf, am WKR-Ball würden antisemitische Tendenzen gepflegt, an die DemonstrantInnen zurückgespielt: Unter den VeranstalterInnen der Protestkundgebungen, so FPÖ-Abgeordneter Harald Stefan, fänden sich "Gruppierungen, die etwa radikal gegen den Staat Israel auftreten". Stimmt das?

Was stimmt, ist, dass Teile der antifaschistischen Bewegungen im Vorfeld aus dem "Offensive gegen Rechts"-Bündnis ausgetreten sind, weil sie bei vier der dort vertretenen Bewegungen antisemitische Tendenzen geortet haben. So sei beispielsweise dem "ArbeiterInnenstandpunkt" vorzuwerfen, die palästinensische Organisation Hamas zu unterstützen, heißt es. Dies sei laut VertreterInnen des NoWKR-Bündnisses  mit einem Protest gegen den Antisemitismus der Burschenschafter unvereinbar. Der FPÖ-Abgeordnete spielte also auf eine auf den Websites der Plattformen nachvollziehbare Diskussion innerhalb der antifaschistischen Bewegungen an. Dies ändert freilich nichts daran, dass schlagende Studentenverbindungen in der Vergangenheit wiederholt als Veranstalter revisionistischer Vorträge aufgetreten sind und Holocaust-Leugner wie David Irving nach Wien eingeladen haben.

Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) rechnet bei den Demos mit "rund 300 Teilnehmern aus Deutschland". Wie das?

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der WKR-Ball weit über Österreichs Grenzen hinaus Beachtung findet, da er als Treffpunkt der europäischen extremen Rechten gilt. Daher verwundert es nicht, dass sich auch antifaschistische Organisationen aus dem - vor allem, aber nicht nur - deutschsprachigen Ausland in Wien einfinden, um gegen den Ball zu protestieren. Das deutsche Bündnis "ums Ganze" spricht von Busreisen ab Berlin, Bremen, Frankfurt/Main und Potsdam.

Wie viele Polizisten und Polizistinnen werden im Einsatz sein?

Die Wiener Polizei gibt hierzu generell keine Zahlen bekannt. Jedenfalls werden laut deren Sprecher Johann Golub Kräfte aus Niederösterreich, dem Burgenland, Oberösterreich und der Steiermark hinzugezogen werden. "Es werden ausreichend ordnungsdienstliche und verkehrsdienstliche Kräfte zur Verfügung stehen", so Golub. 

Wo verlaufen die Trennlinien zwischen der Heldenplatz-Kundgebung und den circa 3.000 WKR-Ballgästen?

Grundsätzlich hat die Polizei ein Platzverbot ausgesprochen (siehe Karte links). Direkt auf dem Heldenplatz wird eine Polizeiabsperrung errichtet werden, diese werde sich "ungefähr auf der Höhe der Reiterdenkmäler" befinden, sagt Golub. Die Kundgebung wird auf der dem Ring zugewandten Seite des Heldenplatzes stattfinden, die Ballgäste werden die Hofburg auf der gegenüberliegenden Seite betreten. 

Warum sorgte es für heftige Kritik, dass der WKR-Ball heuer am 27. Jänner stattfindet?

Am 27. Jänner jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, er wurde zum internationalen Holocaust-Gedenktag der UNO erklärt. Dass am selben Tag Studentenverbindungen mit einer unklaren Abgrenzung zum Antisemitismus in der Hofburg feiern, wird als Affront betrachtet. Die Israelitische Kultusgemeinde lädt im Namen der Plattform "Jetzt Zeichen setzen" am Freitag von 10.00 bis 12.00 Uhr zum Gedenken der Auschwitz-Befreiung am Heldenplatz ein. (Maria Sterkl, derStandard.at, 26.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 191
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frontside
00
27.1.2012, 18:24

ein ganzer Artikel für 3000 Teilnehmer ...

warum setzt sich der Standard nicht schon lange im Vorfeld dafür ein dass der Ball verboten wird?
findet ja immerhin jedes Jahr statt.

torrente
01
28.1.2012, 09:21
komische logik...

"ein ganzer artikel für 3000 teilnehmer". was soll das denn? es kann trotzdem wichtig sein!

...sonst werden ja auf allen medien weltweit schon seit wochen millionen von artikeln zur costa concordia geschrieben, auch nur "wegen ca. 4000 passagieren"

frontside
00
28.1.2012, 11:02

dagegen hätte im Vorfeld auch niemand was tun können
dass der ball kommt ist jedes Jahr klar und nichts neues

Kein Kommentar
21
27.1.2012, 16:33
Ich bin mir nicht sicher, ob soviel Aufmerksamkeit gut ist

Die mediale Berichterstattung ist für die Burschenschafter eine tolle Sache:

- die sind mächtig stolz
- es stärkt das Wir-Gefühl
- es bestärkt

Es würde dem rechten Gesocks wesentlich mehr wehtun, würden die Medien diese Typen und deren Ball ignorieren....

torrente
01
28.1.2012, 09:24

du hast zum teil sicher recht, aber zum anderen darf man nicht einfach schweigen bzw. wegschauen wenn sich so ein revisionistisches xindl immer wieder wichtig macht.

Karl Graus
21
27.1.2012, 17:08
ich würde sie einfach so lächerlich machen, dass

sich keiner von denen mehr in voll.....;-) ...ok, ich sag es nicht.....mit tönnchen, schärpe und stiefelchen bis zum knie ( sonst nur bei den damen am gürtel zu sehen ) auf die strasse traut.......

Prof.Dr.Tyler Durden
01
27.1.2012, 18:50
VOLLWICHS

Vollwichs Vollwichs Vollwichs Vollwichs Vollwichs Vollwichs

se örth is a too smoll plänet for mi1
01
27.1.2012, 16:29
heut hat mozart geburtstag

da sollte überall getanzt werden.

Hautflügler
06
27.1.2012, 16:20

Ohje, schauts euch einmal die WKR Seite an, die russischen Pownies sind da. :D

Taschenkalender
284
27.1.2012, 14:55
das heißt

heute zersplittern wieder Glasscheiben von selbst, lernen Gegenstände plötzlich fliegen und Polizisten verletzen sich ohne Grund beim Herumstehen - weil die linken Demonstranten sind ja alle so friedlich..

Onkel Gans
01
28.1.2012, 11:47
Ein Wort: Idiot

geh in den keller, sperr dich ein und komm nicht mehr raus bitte

Immortal 123
02
27.1.2012, 17:42

Also nicht anders wie jedes Wochenende in der Bundesliga, oder bei Überfallskommandos von Skins wo mal schnell ein Asylantenheim brennt oder ein SJ Lokal angegriffen wird, nur sinds halt mal die Linken, sollen die auch mal ihren Spass haben und bekommen...

Für Doping im österreichischen Fußball
00
27.1.2012, 16:09
Erlebnisorientiertes Demonstrieren

ist ein super Sache. Hoffentlich sind genug Kiwara für alle da. Sie wissen was ich meine ;)

lenantia
27
27.1.2012, 16:06

genau, und dann kesseln sich die demonstranten wieder selbst ein und spritzen sich selbst mit dem wasserwerfer nass!

Taschenkalender
112
27.1.2012, 16:18
bei einer friedlichen Demonstration

brauchts keine Wasserwerfer .. schlage folgende Reihenfolge vor: denken - schreiben

a2011-03-08
05
27.1.2012, 16:51

Und bei einzelnen Unfriedenstifter muss um jeden Preis kollektiv gegen die gesamte Menschenmenge vorgegangen werden, klingt nach einem gut durchdachten Konzept.

Publius C. Pulcher
01
27.1.2012, 18:48

nennt sich sippenhaftung und war soweit ich weiß, auch schon mal gesetz, als die lieben rechten das letzte mal so richtig regiert haben.

außerdem wurden für einen getöteten soldaten zig zivilisten erschossen. ...

die logik ist eine ähnliche ....

Taschenkalender
10
27.1.2012, 17:15
aber umgekehrt

geht das natürlich

Karl Graus
13
27.1.2012, 14:35
frage: wenn die gschlitzten das tönnchen aufsetzen

und die stiefelchen anlegen, ist das so eine art vorbereitung fürs outing? die schwulen und lesben am lifeball habe übrigens meine volle achtung, die haben sich wenigsten zu outen getraut und brauchen dazu keinen rechtsrechten mummenschanz!

Joe - Mitarbeiter des Tages! (bis zur Jause)
00
27.1.2012, 16:14

Ich vermisse den Begriff "Vollwichs" in Ihrem Posting.

Karl Graus
10
27.1.2012, 16:35
"tönnchen" reicht auch find ich! lächerlich genug!

cannery row
11
27.1.2012, 15:58
tja, so ist das..

die outen sich drin genauso als deppen wie die draussen.. im fall, dass wieder steine usw fliegen.

Max Carlo
11
27.1.2012, 14:22

Auf welcher Demo wird es denn heute richtig rund gehen? Möchte mir das gerne mal anschauen.

didi111
02
27.1.2012, 13:54
Eines sollte selbstverständlich sein:

Demonstrierern JA, aber GEWALT NEIN!!

Braucht man zum demonstrieren Fäuste, dann ist es schon zu spät.

Argumente sind verbal zu kommunizieren und nicht mit Wurfgeschossen!!!

Ansonsten wünsche ich den Demonstranten eine gelungen Kundgebung GEGEN RECHTS und zahlreiche Teilnahme!!!

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