Druck auf Politik bezüglich Renovierung und Neukonzeption
Wien - In der sich dahinziehenden
Diskussion um eine Neukonzeption des Wiener Künstlerhauses haben die
Verantwortlichen am Donnerstag der Politik gegenüber eine Warnung ausgesprochen und eine Verwertung der prominenten Immobilie durch
Privatinvestoren ins Spiel gebracht. "So etwas ist durchaus schnell
da, wenn sich die öffentliche Hand noch länger spielt", so
Künstlerhaus-Präsident Joachim Lothar Gartner in einer
Pressekonferenz.
Notgedrungen gebe es tatsächlich Überlegungen im
Vorstand in Richtung Wohn- oder Büroflächen oder sogar
Garagennutzung. Diese Lösung sei klar zu benennen: "Man verkauft es
und teilt es auf", so Syndikus Andreas Nödl. Klar sei aber auch: "Wir
sind allemal interessiert, dass es ein Haus der Kunst bleibt",
unterstrich Gartner. Dennoch werde man von der politischen Seite seit Jahren
hingehalten. "Seit 1991 ist die Renovierung des Hauses ein
Dauerbrenner", erinnerte Gartner.
Auch Beppo Mauhart, Präsident der
Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus (WINK), zeigte sich
geknickt: "Das ist keine Erfolgsbilanz." Die Politik halte das
Künstlerhaus stets mit der Forderung nach neuen Konzepten hin, um
dann wieder nichts zu unternehmen, wenn diese vorlägen. Zuletzt sei dies bei der Frage eines Zusammengehens mit der
Kunsthalle der Fall gewesen: "Die Idee ging vom inzwischen ins
Straucheln geratenen, begnadeten Selbstdarsteller an der Spitze der
Kunsthalle aus (gemeint ist Direktor Gerald Matt, Anm.)." An dessen
stets wachsenden Forderungen scheiterten laut Mauhart die Gespräche,
worauf hernach die Politik eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gebe,
die wiederum niemanden interessiere, so der WINK-Präsident.
Ausbauprojekt "zu Tode begutachtet"
Dabei sei
das Interesse an einer Zusammenarbeit grundsätzlich weiterhin
gegeben, betonte Generalsekretär Peter Bogner: "Wir könnten gerne die
inhaltliche Programmierung der darbenden Kunsthalle übernehmen." Auch sei es absurd, wie mit dem 2010 vom Künstlerhaus
vorgestellten Projekt der Architektengruppe Jabornegg und Palffy
gemeinsam mit Adolf Krischanitz umgegangen worden sei, das unter
anderem seitliche Zubauten zum bestehenden Gebäude vorsah. Dies sei
zu Tode begutachtet worden, ärgerte sich Nögl: "Das ist ein wirklich
dunkles Kapitel in der Kunstgeschichte des vergangenen Jahres."
Mauhart votierte gegen eine sukzessive Umsetzung von
Einzelprojekten wie der Dach- oder Fassadensanierung: "Vom
Zizerlweisen halte ich nichts." Es müsse nach wie vor ein
Gesamtkonzept her, dessen einzelne Schritte gegebenenfalls sukzessive
finanziert würden. Das Argument klammer Budgets zähle nicht: "Dort,
wo ein politischer Wille ist, ist Geld vorhanden."
Immerhin zeichnet sich mit dem Einzug des Stadt- in das
Künstlerhauskino immer konkreter eine Teillösung ab. "Es ist noch
nichts unterschrieben", so Bogner. Allerdings rechne er in den
kommenden Tagen mit einem Abschluss.
Jahresprogramm rund um Klimt-Schau
Nach dem vorjährigen Jubiläumsjahr "150 Jahre
Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler" wird das
Jahresprogramm im Künstlerhaus heuer etwas ruhiger. Man habe
2011 über 41.000 Besucher angelockt, so Bogner. Dies sei bei einer
Jahressubvention von 543.000 Euro gelungen, der ein Gesamtbudget von
1,9 Mio. Euro gegenüberstehe. Der Eigendeckungsgrad sei also sehr
hoch.
Höhepunkt des heurigen Ausstellungsjahres dürfte "Gustav Klimt und das Künstlerhaus" ab 6. Juli
anlässlich des 150. Geburtstags des Künstlers werden. Bis 2. September
widmet man sich dem einstigen Vereinsmitglied in einer Ausstellung,
die jedoch nicht auf Werke des Malers fokussiert, sondern auf
Dokumente, Briefe und Fotos aus dem Archiv des Haues. "Es wird einen
schönen Einblick in den jungen Klimt geben", versprach Bogner.
Davor steht im Haupthaus von 3. bis 11. März eine
Antiquitätenmesse an, der am 24. März Studentenentwürfe für die
Fondazione Jodice folgen (bis 9. April). Unter dem Titel "Megacool
4.0" werden zwischen 15. Juni und 7. Oktober jugendliche
Bildlandschaften auf unterschiedlichsten Medien geboten. Und von 26.
Juni bis 15. Juli zeigt die Universität für angewandte Kunst Projekte
ihrer Studenten.
Mit gleich mehreren Ausstellungen beteiligt man sich im November
am Monat der Fotografie. Werke von Luca Faccio, Wojciech
Krzywoblocki, Marko Zink, Pez Hejduk und Margot Pilz werde neben der
Gruppenporträtschau "Me Myself & Them" zu sehen sein. Am 14. Dezember
startet aus Anlass des 130. Geburtstags des Philosophen Otto Neurath
eine Schau, die dessen bildpädagogischen Konzepte in Beziehung zur
zeitgenössischen Kunstproduktion setzt. "Zeit(lose) Zeichen" ist bis
Februar 2013 zu sehen.
In der Galerie im Erdgeschoß werden über das Jahr verteilt unter
anderem Werke von Hans Lenes (10. bis 26. Februar), Christoph Luger
(25. Mai bis 17. Juni), Hermine Karigl-Wagenhofer (17. August bis 9.
September) oder Sandor Kecskemeti (12. Oktober bis 4. November) zu
sehen sein. Und auch in der Passagegalerie unterhalb des
Straßenniveaus wird man wieder zahlreiche junge Positionen aus der
bildenden Kunst präsentieren. Dies gilt ebenso für den Künstlerhaus
Salon, der seit 2009 einen intimen Rahmen für Projekte bietet.
Und zuletzt kommt auch das Feiern nicht zu kurz. Am 11. November
wird zum zweiten Mal nach langer Pause der einst legendäre
Künstlerhausgschnas abgehalten. "Ich wage die Prophezeiung: Die
jahrzehntelange gschnaslose Zeit in Wien ist zu Ende", so Beppo
Mauhart. (APA)