Sanierungsbedarf

Künstlerhaus: Verkauf an Privatinvestoren als Option

26. Jänner 2012, 13:07

Druck auf Politik bezüglich Renovierung und Neukonzeption

Wien - In der sich dahinziehenden Diskussion um eine Neukonzeption des Wiener Künstlerhauses haben die Verantwortlichen am Donnerstag der Politik gegenüber eine Warnung ausgesprochen und eine Verwertung der prominenten Immobilie durch Privatinvestoren ins Spiel gebracht. "So etwas ist durchaus schnell da, wenn sich die öffentliche Hand noch länger spielt", so Künstlerhaus-Präsident Joachim Lothar Gartner in einer Pressekonferenz.

Notgedrungen gebe es tatsächlich Überlegungen im Vorstand in Richtung Wohn- oder Büroflächen oder sogar Garagennutzung. Diese Lösung sei klar zu benennen: "Man verkauft es und teilt es auf", so Syndikus Andreas Nödl. Klar sei aber auch: "Wir sind allemal interessiert, dass es ein Haus der Kunst bleibt", unterstrich Gartner. Dennoch werde man von der politischen Seite seit Jahren hingehalten. "Seit 1991 ist die Renovierung des Hauses ein Dauerbrenner", erinnerte Gartner.

Auch Beppo Mauhart, Präsident der Wirtschaftsinitiative Neues Künstlerhaus (WINK), zeigte sich geknickt: "Das ist keine Erfolgsbilanz." Die Politik halte das Künstlerhaus stets mit der Forderung nach neuen Konzepten hin, um dann wieder nichts zu unternehmen, wenn diese vorlägen. Zuletzt sei dies bei der Frage eines Zusammengehens mit der Kunsthalle der Fall gewesen: "Die Idee ging vom inzwischen ins Straucheln geratenen, begnadeten Selbstdarsteller an der Spitze der Kunsthalle aus (gemeint ist Direktor Gerald Matt, Anm.)." An dessen stets wachsenden Forderungen scheiterten laut Mauhart die Gespräche, worauf hernach die Politik eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gebe, die wiederum niemanden interessiere, so der WINK-Präsident.

Ausbauprojekt "zu Tode begutachtet"

Dabei sei das Interesse an einer Zusammenarbeit grundsätzlich weiterhin gegeben, betonte Generalsekretär Peter Bogner: "Wir könnten gerne die inhaltliche Programmierung der darbenden Kunsthalle übernehmen." Auch sei es absurd, wie mit dem 2010 vom Künstlerhaus vorgestellten Projekt der Architektengruppe Jabornegg und Palffy gemeinsam mit Adolf Krischanitz umgegangen worden sei, das unter anderem seitliche Zubauten zum bestehenden Gebäude vorsah. Dies sei zu Tode begutachtet worden, ärgerte sich Nögl: "Das ist ein wirklich dunkles Kapitel in der Kunstgeschichte des vergangenen Jahres."

Mauhart votierte gegen eine sukzessive Umsetzung von Einzelprojekten wie der Dach- oder Fassadensanierung: "Vom Zizerlweisen halte ich nichts." Es müsse nach wie vor ein Gesamtkonzept her, dessen einzelne Schritte gegebenenfalls sukzessive finanziert würden. Das Argument klammer Budgets zähle nicht: "Dort, wo ein politischer Wille ist, ist Geld vorhanden."

Immerhin zeichnet sich mit dem Einzug des Stadt- in das Künstlerhauskino immer konkreter eine Teillösung ab. "Es ist noch nichts unterschrieben", so Bogner. Allerdings rechne er in den kommenden Tagen mit einem Abschluss.

Jahresprogramm rund um Klimt-Schau

 Nach dem vorjährigen Jubiläumsjahr "150 Jahre Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler" wird das Jahresprogramm im  Künstlerhaus heuer etwas ruhiger. Man habe 2011 über 41.000 Besucher angelockt, so Bogner. Dies sei bei einer Jahressubvention von 543.000 Euro gelungen, der ein Gesamtbudget von 1,9 Mio. Euro gegenüberstehe. Der Eigendeckungsgrad sei also sehr hoch.

Höhepunkt des heurigen Ausstellungsjahres dürfte  "Gustav Klimt und das Künstlerhaus" ab 6. Juli anlässlich des 150. Geburtstags des Künstlers werden. Bis 2. September widmet man sich dem einstigen Vereinsmitglied in einer Ausstellung, die jedoch nicht auf Werke des Malers fokussiert, sondern auf Dokumente, Briefe und Fotos aus dem Archiv des Haues. "Es wird einen schönen Einblick in den jungen Klimt geben", versprach Bogner.

Davor steht im Haupthaus von 3. bis 11. März eine Antiquitätenmesse an, der am 24. März Studentenentwürfe für die Fondazione Jodice folgen (bis 9. April). Unter dem Titel "Megacool 4.0" werden zwischen 15. Juni und 7. Oktober jugendliche Bildlandschaften auf unterschiedlichsten Medien geboten. Und von 26. Juni bis 15. Juli zeigt die Universität für angewandte Kunst Projekte ihrer Studenten.

Mit gleich mehreren Ausstellungen beteiligt man sich im November am Monat der Fotografie. Werke von Luca Faccio, Wojciech Krzywoblocki, Marko Zink, Pez Hejduk und Margot Pilz werde neben der Gruppenporträtschau "Me Myself & Them" zu sehen sein. Am 14. Dezember startet aus Anlass des 130. Geburtstags des Philosophen Otto Neurath eine Schau, die dessen bildpädagogischen Konzepte in Beziehung zur zeitgenössischen Kunstproduktion setzt. "Zeit(lose) Zeichen" ist bis Februar 2013 zu sehen.

In der Galerie im Erdgeschoß werden über das Jahr verteilt unter anderem Werke von Hans Lenes (10. bis 26. Februar), Christoph Luger (25. Mai bis 17. Juni), Hermine Karigl-Wagenhofer (17. August bis 9. September) oder Sandor Kecskemeti (12. Oktober bis 4. November) zu sehen sein. Und auch in der Passagegalerie unterhalb des Straßenniveaus wird man wieder zahlreiche junge Positionen aus der bildenden Kunst präsentieren. Dies gilt ebenso für den Künstlerhaus Salon, der seit 2009 einen intimen Rahmen für Projekte bietet.

Und zuletzt kommt auch das Feiern nicht zu kurz. Am 11. November wird zum zweiten Mal nach langer Pause der einst legendäre Künstlerhausgschnas abgehalten. "Ich wage die Prophezeiung: Die jahrzehntelange gschnaslose Zeit in Wien ist zu Ende", so Beppo Mauhart.  (APA)

Keine Ahnung
00
27.1.2012, 09:31
die Leiter des Hauses

missbrauchen es für eigene Zwecke, haben absolut kein stringentes Ausstellungskonzept und erpressen jetzt auch noch die Politik.
Dabei würde das Haus für die Kunst viel mehr hergeben als die derzeitige Frechheit einer vorgetäuschten Baustelle zur Geldlukrierung (und gleichzeitigen Karlsplatzverschandelung).

Es ist absolut nicht verwerflich, dass die Politik von den Konzepten dieser Leitung nicht überzeugt ist.

arte
10
27.1.2012, 01:08

In Wien fehlt ein Haus für junge Kunst. Die Nachwuchsförderung wird allesamt den Galerien überlassen, die dem reichhaltigen Angebot talentierter StudienabsolventInnen unmöglich gerecht werden können.
Das Künstlerhaus als Sprungbrett in die Öffentlichkeit würde sich sehr gut eignen, wobei ich mir vorstellen könnte, dass die Ausstellungen auch als Verkaufsausstellungen angelegt sind.

Keine Ahnung
11
27.1.2012, 09:26
dies geschieht in zahlreichen Offspaces,

deren Förderung den Staat viel billiger kommt (selbst wenn man sie mal etwas großzügiger behandeln würde), und die den jungen Künstlerinnen viel mehr bringen als ein schlecht geführtes, verstaubtes Haus wie das Künstlerhaus.

Contradictio
01
31.1.2012, 11:18
Die zahlreichen Offspaces?

Die bringen höchstens den ehrenwerten Kuratorinnen etwas!

arte
00
30.1.2012, 15:11
mit einer gewichtigen Privatsammlung im Hintergrund

als Sponsor könnte das Konzept schon aufgehen - ich denke an Verbund, Bawag usw.
Sammlung unten, Jungkunst oben.
Alternativ könnte man auch Guggenheim Wien andenken! Wir sind so gut die einzige Großstadt, die noch kein Guggenheim hat!
Staub ist kein Argument!

Engel Bert
00

"Für seinen Wettbewerbsbeitrag für ein Guggenheim-Museum in Salzburg erhielt Hollein 1990 den ersten Platz, doch der bahnbrechende Entwurf für das Museum im Fels wurde später durch den Salzburger Landeshauptmann verhindert. Allerdings war 2002 wieder eine preisgünstigere Variante des Projekts, das drei Geschoße tief in den Fels über der Altstadt reichen würde, im Gespräch. Auch sein Entwurf für ein Guggenheim-Museum in Wien (1993/1994) konnte sich in den nächsten Jahren nicht durchsetzen. " (Wikipedia über Hans Hollein)

Engel Bert
00
27.1.2012, 00:23
Bezeichnend ist schon,

dass die Fassade des Künstlerhauses seit Jahren eingerüstet ist, ohne dass sich dort überhaupt eine Baustelle befindet, dafür mal mehr, mal weniger unpassende Werbung im Bauplanenformat.

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