Nach AAA-Verlust Wiens

Brauner erwartet keine direkten Auswirkungen

26. Jänner 2012, 12:35

Finanzstadträtin: Kreditgeber wissen "um die gute Bonität der Stadt" Bescheid - Die Opposition ist weniger optimistisch

Wien - Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) erwartet nach dem Triple-A-Verlust Wiens keine "direkten Auswirkungen" für die Bundeshauptstadt. Man verhandle in direkten Gesprächen mit Kreditgebern und Finanzpartnern, "die um die gute Bonität der Stadt Bescheid wissen", argumentierte die Ressortchefin am Donnerstag im Gemeinderat. Sie betonte außerdem, dass die Herabstufung durch Standard & Poor's (S&P) am Mittwoch allein mit der Herabstufung der Republik begründet worden sei und insofern nichts mit der Kreditwürdigkeit Wiens zu tun habe.

S&P hatte am gestrigen Mittwoch die Bonität Wiens sowie der Bundesländer Tirol und Oberösterreich von AAA auf AA+ herabgestuft. Dieser Schritt entspreche dem Firmenprinzip dieser Ratingagentur, wonach "keine nachgeordnete Gebietskörperschaft besser eingestuft werden kann als die ihr vorgelagerte", betonte Brauner. Die Stadt werde weiterhin den Weg der "intelligenten Konsolidierung" mit entsprechenden Strukturmaßnahmen und einer gleichzeitigen Wachstumsoffensive und damit verbundenen Investitionen verfolgen. Prinzipiell sei festzuhalten, dass Wien nie eine Ratingagentur beauftragt habe.

Die Finanzstadträtin ergänzte in der Fragestunde zudem, dass es wichtig wäre, eine europäische Ratingagentur ins Leben zu rufen. Allerdings müsse man sich die Sache genauer anschauen - denn: "Wenn diese nach den selben Mechanismen funktioniert wie die amerikanischen, sehe ich den Vorteil noch nicht", gab Brauner zu bedenken. Nichtsdestotrotz wäre ein europäisches Pendant jedenfalls ein besserer Ansprechpartner für die Kommunen als die bestehenden amerikanischen Agenturen. Eine Antwort, ob Wien im Falle der Gründung einer europäischen Ratingagentur diese dann für ein Rating beauftragen werde, blieb Brauner schuldig.

Die Rathaus-Opposition wollte Brauners Einschätzung in der heutigen Sitzung nicht teilen. FPÖ-Mandatarin Barbara Kappel zeigte sich überzeugt, dass der Triple-A-Verlust Wiens "Haushalt sicherlich belastet". Der ÖVP-Abgeordnete Alexander Neuhuber schlug in eine ähnliche Kerbe. "Ich teile ihren Optimismus nicht ganz", ließ er wissen. (APA)

Override1978
01
26.1.2012, 17:59
AAA forever

wurde auch damals über das österreichische Triple A behauptet und wir werden es nicht verlieren mittlerweile ist die Situation eine andere, aber wir federn eh alles ab Stichwort Valoisierung (Preisanpassungen) die gibts auch nur in eine Richtung nämlich nach oben.

Sunnseitna
02
26.1.2012, 16:25
Braunersche Logik

Wenn man die Augen vor der Realität verschließt, dann wird schon nix passieren. Das scheint die Kernaussage Brauners zu sein. Dabei ist doch jedem Volksschulkind klar, dass sich die Refinanzierungskosten bei schlechter werdender Bonität vergrößern.
Interessant ist auch die Weigerung Brauners die CHF Kredite der Stadt "mark to market" zu bewerten. "Die Stadt Wien hat in naher Zukunft ohnehin nicht vor ihre CHF Kredite zu tilgen". Jedem Geldgeber stößt es aber bei solchen Ansichten sauer auf, und er wird nur bei höheren Zinssätzen bereit sein, Geld zu geben. Wirtschaft ist definitiv nicht die Kernkompetenz der Frau Stadträtin.

Eduard van Hinten
03
26.1.2012, 15:44
lieber standard,

hier wäre doch eine statistik über die schuldenentwicklung und zinsentwicklung der/für die stadt wien hilfreich.

fraun brauner kann ja viel behaupten ("konsolidieren"), erst die zahlen gäben ihr allerdings recht oder zeigten, dass sie lügt...

solche artikel müssten mit daten/zahlen untermauert werden.

Walter Bimini
00
26.1.2012, 22:36
fakten sind definitiv keine stärke dieser "qualitätszeitung"

Robert Cvrkal
 
04
26.1.2012, 13:39
Das Volk hat ein Recht und die Politik die Verpflichtung zu vollkommener wahrheitsgemäßer Information

Jeder Bürger mit Hausverstand weiß, daß wenn sich die Bonitätseinschätzung durch die Gläubiger verschlechtert man eine höhere Risikoprämie bezahlen muß oder irgendwann überhaupt nicht mehr kreditwürdig ist. Durch die Entwicklung des Zinsenaufschlages Österreichs in Relation zu Deutschland von ursprünglich 0,3 % auf zuletzt rd. 1,3 %-Punkte ist auch für den Laien erkennbar, daß der Markt das höhere Risiko bereits eingepreist hat und wir schon höhere Zinsen bezahlen.

Jedoch wird bei den Analysen immer verschwiegen, daß Österreich nicht nur hohe Kredite aufgenommen hat sondern auch beträchtlich Leasinggeschäfte eingegangen worden sind. So z. B. auch das Wiener U-Bahnnetz, Kraftwerke usw.

kfd
01
26.1.2012, 19:16
Zentralsparkasse

Dass mit dem Z/CA/BA Verkauf über die AVZ
Milliarden versenkt wurden, davon redet niemand
mehr, schon gar nicht Brauner.

W.A.
10
26.1.2012, 15:13
Stellen sie sich vor

Brauner würde tatsächlich sagen, dass es um die Finanzen schlecht aussieht und den Teufel an die Wand malen.
Binnen kürzester Zeit haben wir dann Zinsen, die sich gewaschen haben.

Wenns um Finanzen geht, müssen Politiker lügen bzw. verschweigen. Ob wir wollen oder nicht.

wolf stroh
 
03
26.1.2012, 16:51
Fehleinschätzung

Sie unterstellen Brauner Kenntnis und Verständnis der Sachlage

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.