Ernüchterung

Merkel: Aus der Krise zu wenig gelernt

26. Jänner 2012, 10:06

Deutschlands Kanzlerin Merkel zieht in Davos nüchtern Bilanz, die Lehren aus der Finanzkrise "reichen noch nicht aus"

Davos - Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Lösung der Euro-Schuldenkrise vor einer Überforderung Deutschlands gewarnt. Zugleich zog sie zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos (Schweiz) eine ernüchternde Bilanz der weltweiten Bankenregulierung seit Ausbruch der Krise 2008.

Zu Forderungen nach mehr Solidarität Deutschlands und noch größeren Euro-Rettungsschirmen sagte Merkel, Europas führende Volkswirtschaft sei zwar relativ groß und stark. Es dürften aber keine Zusagen gemacht werden, die am Ende nicht eingehalten werden könnten.

"Denn wenn Deutschland stellvertretend für alle europäischen Länder etwas verspricht, was bei harter Attacke der Märkte dann auch nicht einlösbar ist, dann hat Europa eine ganz offene Flanke", so Merkel.

Nicht mehr Hilfen

Es mache keinen Sinn, eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Eurohilfen zu fordern. "Ich frage mich immer, wie lange ist das glaubwürdig?" Der geplante Fiskalpakt werde nicht der letzte Schritt zu einer stärkeren Integration in Europa sein. "Wir reden uns nicht mehr heraus." Die Defizite ließen sich aber nicht "mit einem Paukenschlag überwinden".

Merkel wies Vorhaltungen von EU-Partnern und aus den USA zurück, Deutschland müsse mehr zum Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte beitragen. Sie wisse, dass es diese Spannungen im Euroraum gebe. Es dürfe bei der Wettbewerbsfähigkeit aber keine Gleichmacherei ohne Ambitionen geben. Man sollte dem Besten in Europa nacheifern.

Enttäuscht zeigte sich Merkel, dass die Weltgemeinschaft zu wenig Lehren aus der Finanzkrise gezogen habe. "Es reicht noch nicht aus." Die geplante Regulierung der Schattenbanken - Finanzinvestoren und Spekulanten ohne Banklizenz - werde sich noch zwei Jahre hinziehen. Eine weltweite Einführung einer Finanztransaktionssteuer zur Beteiligung der Banken an den Krisenkosten wäre "ein starkes politisches Signal" an alle Bürger gewesen. Zudem kritisierte Merkel den Stand der weltweiten Klimaschutz-Verhandlungen. "Der Welt bleibt viel zu tun." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 128
1 2 3 4
Obvious Troll
00
26.1.2012, 22:37
Nach dem Bestseller "Europa arbeitet zu wenig" und "45 Mil. Arbeitslose nach Krise" ...

... kommt nun der neue Hit: "Aus Krise zu wenig gelernt."
-.-

Steve Mc Queen
33
26.1.2012, 18:03
Was hier für ein Scheiß in diesem Forum steht!

Gut daß wir in Österreich so hervorragende Wirtschaftsstrategen wie die Poster hier haben. Null Ahnung, aber das Maul weit aufreissen.
Mal soll Deutschland mehr Führung übernehmen, dann wieder nicht, dann aber bitte mehr bezahlen, dann aber bitte nichts einfordern.
Habt`s Ihr schlechte Schlaftabletten genommen?
Wenn Länder nicht konkurrentfähig sind (und bitte die Nationen ausserhalb Europas nicht vergessen), dann gehn sie eben unter. Ist eben so. Wenn ich einen Kredit aufnehm und alles bei Prada lass und danach Pleite bin, dann kommt halt eben der Exekuter. Und die Deutschen produzieren eben hervorragende Produkte die die Welt will. Darauf sollten die Deutschen stolz sein!!!

Jahn Petrov
01
26.1.2012, 19:42
Versuchen's diesen Artikel in der berüchtigten

linken Kampfpostille "Handelsblatt" zu behirnen :
http://is.gd/2kNIEH
Vielleicht verstehen's dann was in der Eurozone schief läuft. Und stellen's Ihnen vor was gewesen wär hätten die Südländer nicht auf Pump deutsche Produkte gekauft. Wohin hättens dann exportiert ?
Auf den Mars, oder?
Ausgemacht waren 2% Zielinflation, Frankreich hat sich ziemlich genau an diese Vorgaben gehalten hingegen Deutschland hatte im Schnitt 0,3% Zielinflation pro Jahr. Das sind in 10 Jahren 17% Kostenvorteil für die Teutonen gegenüber Frankreich.
Und schauen's sich den Binnenkonsum dort an der ist desaströs. Der nächste Schock kommt dann wenn sie die Weihnachtsverkaufszahlen bekommen. So schauts aus.

facetoface
00
26.1.2012, 23:23
Unsinn!

Wer hat denn die Südländer gezwungen zu kaufen? Ihre Rechnung ist Schrott! Wenn mein Nachbar sich einen BMW kauft weil er glaubt daß das das beste Produkt für ihn sei, obwohl er sich diesen nicht leisten kann und danach in die Pleite geht, dann ist er selbst Schuld! Ausserdem das Geld war ja da, liegt eben jetzt nur in der Schweiz oder sonstwo, weil man keine Regeln und Gesetze kennt!!!!

Jahn Petrov
02
26.1.2012, 22:29
Nachtrag:

8189000 Mini-Jober, Leiharbeiter, Solo-Selbständige, Zeitarbeiter, befristet Angestellte, das ist das deutsche Jobwunder ! Und 75% aller neuen Jobs fallen in diese Kategorie.
Panoramasendung von Heute.

D-AUT 0-0 nach 30 j
00
26.1.2012, 20:22
ich glaube kaum , dass "die südländer"

deutschlands hauptabsatzmärkte sind...

pacri
00
26.1.2012, 17:53

Weil hier im Forum oft die in Deutschland vorgenommenen Abwertungen (Löhne, Sozialsystem etc.) kritisch erwähnt werden: warum haben andere Staaten das nicht ebenfalls getan ? Was hat die davon abgehalten ?
... Genau.

MUNGO1
00
26.1.2012, 17:17
Ist das alles vergebens?

"Die Fed hat der EZB 500 Milliarden Dollar geliehen, damit die EZB diese Dollar den Banken weiterreicht, und die haben dafür Staatsanleihen der notleidenden südeuropäischen Staaten gekauft. Damit wurden vier Fliegen mit einer Klappe geschlagen..."

http://www.saarbruecker-homepage.de/component... der-welt-?

Sollte dieser Artikel seine Richtigkeit haben, dann ist die EU und der Euro bereits jetzt am Ende angekommen!

PEACETIME
02
26.1.2012, 14:19
Frau Merkel hat meines Wissens noch viel mehr gesagt:

In einem Interview mit verschiedenen Zeitungen tritt sie dafür ein, einen europäischen Superstaat zu gründen, in dem die einzelnen Länder kaum noch Kompetenzen haben. Die hätte, laut ihren Vorstellungen der - nicht gewählte - Rat.
Begründet wird das mit der Schuldenproblematik.
Also, wenn Sie schon vom Lernen redet, die Frau Merkel, sollte sie bei sich anfangen.
Hat doch schon die alte UDSSR nicht geklappt, so sind ihre feuchten Träume einer EUDSSR genauso zum Scheitern verurteilt. Denn alles was immer zentralistischer wurde, scheiterte bisher früher oder später.
Regional ist immer sinnvoller, als zentral, und um das zu verstehen, scheint es noch ein langer Weg für Frau Merkel zu sein, leider.

Andreas Prucha
10
26.1.2012, 15:24

Eine europäische Föderation wäre nicht unbedingt schlecht. Bedenklich ist allerdings, wenn das Sagen in so einem Staat der Rat, nicht das Parlament hat.

caliban1
00
26.1.2012, 15:00

die zentralismus-debatte hast du in österreich aber auch. erklär mal einem Wiener, warum die Abschaffung der Bundesländer nur für ihn gut wäre...

Andreas Prucha
11
26.1.2012, 15:28

Najo, Österreich ist ein relativ kleiner Staat. Abgesehen davon sind die Bundesländer für echte Bürgernähe zu gross, aber kosten trotzdem eine ganze Menge. Meiner Ansicht nach sollte man jene Bereiche, die echte Bürgernähe brauchen den Bezirken überlassen, und alles Andere dem Bund.

länge ist die neue breite
00
26.1.2012, 14:46

NWO

Merkel ist nur ein Rädchen...

Althase
00
26.1.2012, 16:07

ein Rädchen ist rund, die Merkel ist leider ziemlich eckig

pepe dobrowolnik
00
26.1.2012, 14:07
es ist aus mit Griechenland!

Am Sonntag beschließt der Iran den sofortigen Erdöl-Exportstopp. Für Griechenland gleichbedeutend mit einem Gnadenschuss. Und los geht dann der Dominoeffekt.
Das ist die Retourkutsche des Irans für das Öl-Embargo durch die EU. Bitter, sehr bitter.

Waran
01
26.1.2012, 13:44
Kapitalismus auf dem Prüfstand

"Der Kapitalismus in seiner heutigen Form ist nicht länger das Wirtschaftsmodell, das die globalen Probleme lösen kann",
wird Forums-Gründer Klaus Schwab zitiert.

"Die Finanzinstitute müssten sich wieder um ihre Kunden kümmern und nicht um sich selbst",
so Vikram Pandit (Chef der amerik. City-Großbank)

"Griechenland wird es nicht schaffen, Ungarn auch nicht, und über die Briten sollte man besser schweigen",
so Finanzinvestor George Soros.

sociovation
00
26.1.2012, 14:39
Schwab hat somit eine ziemliche Copyrightverletzung

an seinem eigenen Landsmann, Herrn Ziegler, begangen...

aditec
35
26.1.2012, 13:23
Gut das es Deutschland gibt - Teil 2

#2: Wahrscheinlich haben die meisten Poster noch nicht einmal eine annähernde Vorstellung davon. Viele wollen sich auch darüber nicht informieren, weil dadurch ihr schräges Weltbild einstürzen würde. Transferleistungen, Rettungsschirme, Risikoanteil über die EZB und IWF, Target 1 und Target 2 – schell summiert sich das auf 1 Billion Euro. Und irgendwann ist Zahltag, irgendwann werden die Rechnungen präsentiert. Dann wird vor allem der deutsche Steuerzahler für fremde Misswirtschaft tief in die Taschen greifen müssen. Angesichts dessen zu behaupten, die Deutschen seien die größten Nutznießer des Euros, halte ich für abenteuerlich – ja, für böswillig.

Andreas Prucha
11
26.1.2012, 15:35

Deutschland war in den letzten Jahren der grösste Nutzniesser. Deutschland hat durch innere Abwertung (Lohndumping, Streichungen beim Sozialsystem etc.) Massiv an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Die anderen Länder konnten sich dagegen nicht mehr mit Abwertungen wehren. Umgekehrt ist viel Geld aus Deutschland für Investitionen in die "Südstaaten" geflossen, welche schnell aufgewertet haben.

Meiner Ansicht nach wäre das ganze Problem (noch) nicht so akkut, wäre es nicht 2007 zu der aus den USA exportiereten Finanzkrise gekommen.

PEACETIME
03
26.1.2012, 14:26
Wie immer, hat die Geschichte wohl 2 Seiten:

der deutsche Steuerzahler profitiert überhaupt nicht vom € im Grunde, denn er hat in den Jahren seit der Einführung an Einkommen verloren, allerdings, nach ein paar Jahren auch Arbeitsplätze dazu bekommen, da die deutsche Wirtschaft profitiert, da die südlichen Länder nicht mehr an der Import-Export-Schraube drehen können und deren Wirtschaften abgewürgt werden, und sie aus der Zwangsjacke nicht mehr rauskommen.

Wirklich profitiert haben deutsche Banken ( und Französische) sowie die deutsche Wirtschaft, die macht rieisige Gewinne, lässt aber "den Deutschen" nicht daran teilhaben, sondern ihn nur die Ausgleichszahlungen ( dafür, dass die südl. europ. Länder keine eigene Wirtschaftspolitik mehr machen können) übernehmen.

techniker2010
00
26.1.2012, 13:42

Wenn sie sagen "die Deutschen" müssen sie immer dazusagen,wen sie da meinen ... Die deutschen Banken gehören sicherlich zu den Gewinnern .. Das der Steuerzahler drauf zahlt,ist eh bekannt. Zuerst wird mal so viel vom Sozialstaat abgebaut und als Zinsen an die Banken abgeliefert,bis es dem Volk reicht. Im Finden dieses Grenzpunktes,wo der VOlkszorn GERADE NOCH keine Revolte verursacht, sind die Politiker und Bankmanager Experten. Zuerst fährt mal der Sozialstaat herunten, und dann,wenns nix mehr zu verlieren gibt und es den Leuten dreckig geht,wirds mal rascheln .. Aber zu glauben,dass nur die Deutschen druafzahlen,ist Blödsinn,sehen sie ja in Griechenland (Pensionskürzungen,Arbeitslosigkeit, Gesundheitssystem etc...)

Lilith Boessse
 
01
26.1.2012, 13:22
"aus der krise zu wenig gelernt .."

das wissen wär schon dagewesen, nur umgesetzt haben es die verantwortlichen nicht.

Pierre d´Aubusson
00
26.1.2012, 14:52

Und wenn man sich an Thatchers "Weg mit den Regeln" erinnert: absichtlich dereguliert
Jetzt hamma den Salat, es ist genau die 2/3-Gesellschaft geworden, vor der damals schon gewarnt wurde.

aditec
47
26.1.2012, 13:06
Gut das es Deutschland gibt

Welch ein Glück für Europa, dass es Deutschland gibt. Deutschland eignet sich in zweierlei Hinsicht: Zum einem als Zahlmeister, zum anderen als Sündenbock. An allem, was in Europa schief läuft, sind die Deutschen schuld. Sie sind zu wettbewerbsfähig, sie führen zu wenig, sie führen zu viel. Das Deutschland in der Eurokrise mit Abstand die höchsten Risiken für fremde Misswirtschaft trägt, wird geflissentlich übersehen. Wahrscheinlich haben die meisten Poster noch nicht einmal eine annähernde Vorstellung davon. Viele wollen sich auch darüber nicht informieren, weil dadurch ihr schräges Weltbild einstürzen würde. Transferleistungen, Rettungsschirme, Risikoanteil über die EZB und IWF, Target 1 und Target 2 – schell summiert sich das auf 1 Billi

so so ....
13
26.1.2012, 14:21

Dann sollten Sie aber auch die andere Seite der Medaille beleuchten:

nämlich warum diese Risiken so schlagend geworden sind, wie sie es heute tatsächlich sind. Wie man national-populistisch Griechenland zu einem wirtschaftlichen Totalschaden geführt hat, weiters, wie man die Ansteckung Italiens fast schon systemisch betrieben hat - natürlich, ohne die Konsequenzen zu wollen, aber dafür bemerkenswert beharrlich.

Und vor allem: bis jetzt hat Deutschland cash profitiert, nicht nur durch die Anleihezinsen, sondern durch die viel zu billige Währung, die den Südländern systematisch schadet und Deutschland nützt, durch das europaweit finanzierte Bankenbailout, von dem 2010 vor allem Deutschland und Frankreich profitiert haben ... usf

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 128
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.