Fidler lässt sich das Beuschel panieren

  • So eine Sau: Mangalitzakonfit von Bauch und Stelze im relativ neuen, ziemlich gut besuchten Gasthaus Wolf
Gasthaus WolfFünf Gänge, Saft, Bier, Wasser: 65,40 Euro

    So eine Sau: Mangalitzakonfit von Bauch und Stelze im relativ neuen, ziemlich gut besuchten Gasthaus Wolf

    Gasthaus Wolf
    Fünf Gänge, Saft, Bier, Wasser: 65,40 Euro

  • So sieht es aus, wenn Jürgen Wolf Beuschel paniert. Das rosafarbene sind übrigens Bohnen, wenn ich mich recht erinnere

    So sieht es aus, wenn Jürgen Wolf Beuschel paniert. Das rosafarbene sind übrigens Bohnen, wenn ich mich recht erinnere

  • Geröstete Schweinsnieren im Zwiebelsaft, sehr, sehr gut

    Geröstete Schweinsnieren im Zwiebelsaft, sehr, sehr gut

  • Kitzstelze, auch sehr schön

    Kitzstelze, auch sehr schön

  • Die "drei Käse aus Österreich" kamen zu viert daher
    fotos: harald fidler

    Die "drei Käse aus Österreich" kamen zu viert daher

Im Wolf in Wieden wird ordentlich geraucht, wenig gelüftet und, erwartungsgemäß, toll gekocht - Da können ruhig Lunge und Herz bröseln

Jetzt bin ich schon so weit, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich neben dir rauche. Wunderte sich der überzeugte Pofler an meiner Seite. Kein schlechtes Gewissen, bitte: An diesem Stammtisch fällt ein Raucher mehr definitiv nicht auf.

Allein unter Rauchern

Zum ersten Mal in einem Lokal und schon am Stammtisch, soviel Offenheit lob ich mir ja, an sich. Aber vielleicht hätt ich der Reservierung drei Tage vor dem Eintrudeln noch anfügen sollen: Wenn geht, Nichtraucher. Nur: Ich war ja beim Mailen an tisch@gasthauswolf offenkundig so unkonzentriert, dass ich sogar vergaß, wie viele ich sein werde. Wer mich kennt, wird jetzt einwenden, dass man ohnehin nie präzise abschätzen kann, schon gar nicht Tage voraus.

Erst auf Nachfrage (Sie alleine?) präzisierte ich auf zwei physische Personen. Vielleicht landete ich ja deshalb nach dem ersten Mail am rauchenden Stammtisch und kam dann aus der Ecke reservierungsphilosophisch nicht mehr heraus. Gut, dem Raucher war's recht. Und ich fand ein schlüssiges Gericht.

Lunge bestäubt, Beuschel bebröselt

Abseits der Karte fabriziert Jürgen Wolf an diesem Abend auch paniertes Beuschel. Ich bin ja kein Freund der bröseligen Ummantelung, aber wenn man schon meine Lunge fein bestäubt, dann kann man mir auch gleich das Beuschel panieren. Und, ich muss sagen: kein Fehler.

a) kein Fehler zu lernen: Wenn zur üblichen Lunge und Herz und was halt dazu gehört noch ein Kalbsfuß tritt, dann wird Beuschel auch fest genug, um es zu panieren, erfahre ich. b) auch kein Fehler, das zu kosten: drei Kroketten liegen da auf dem Vogerlsalat, die Hülle dezent, das Innere wunderbar herzlich und, wie mir schien, molliger als gewohnt. Ob das am Fußeinsatz lag? Der Raucher freilich lag auch nicht falsch mit seinem warmem Mangalitzaconfit von Bauch und Stelze, eine cremig-schweinische Freude.

Tiere essen

An diesem Punkt war die Sache eindeutig. Gut, der Szegediner Zander hätte mich schon auch interessiert, das Ragout von der Kitzschulter, die geröstete Leber im Zwiebelsaftl mit Polenta sowieso, womöglich das Gansreisfleisch. Und wo ich nun ernsthaft begonnen habe, das Jonathan Safran Foers grünes Buch zu lesen, wäre vielleicht auch die gebratene Erdäpfelroulade mit Safranfenchel in Betracht gekommen. 

Aber abseits der Karte lagen (neben dem panierten Beuschel) noch ein paar Viechereien, an denen wir schwer vorbeiessen. Und weil ich schon Herz und Lunge hatte, ging die geröstete Niere, ebenfalls im Zwiebelsaft mit Polenta, an ihn. Die Kostgabel sagt: Schade eigentlich. Aber nur, bis ich in die Stelze vom (ich vermute Ziegen-)Kitz gebissen hatte. Sehr, sehr, sehr gut.

Vielleicht hätte ich, übermütig von spanischen Sterne-Desserts und vom voran wie gut gegangenen Panierexperiment, doch noch eine Nachspeis wählen sollen. Wir teilten uns "drei Käse aus Österreich", die zu viert daherkamen. Wäre ich gemein, würde ich sagen: Sie trauten sich nicht, zu dritt vor uns hinzutreten. Nein, aber sie waren definitiv nicht schlecht, nur auch nicht so, dass man ins Schwelgen kommt.

Also Schluss jetzt. Ein guter Abend. Meine Jacke wird sich und mich noch lange daran erinnern.

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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