Reds erreichen in Rückspiel des Semifinales gegen Manchester City ein ausreichendes Remis - Chance auf den achten Titel - Gegner ist Cardiff City
Der FC Liverpool steht im Finale des englischen Ligapokals. Nach einem 1:0-Sieg vor einer Woche bei Manchester City, erspielten sich die Reds als im Heimspiel ein 2:2 (1:1). Der Gesamtscore von 3:2 berechtigt zum Aufstieg. Das Ergebnis war für den Tabellenführer der Premier League noch schmeichelhaft und vor allem dem überragenden City-Keeper Joe Hart zu verdanken. Liverpool hatte zuvor unter anderem Stoke und Chelsea aus dem
Bewerb geschossen, City war gegen Wolverhampton und Arsenal
erfolgreich gewesen.
Der Klub aus Manchester akzeptierte vor dem Spiel eine Sperre von vier Spielen für Mario Balotelli, welche dieser sich mit einer dummen Tätlichkeit am Wochenende gegen Tottenham eingefangen hatte. Der Italiener fehlte damit vor über 45.000 Zusehern. Bei Liverpool stellte Kenny Dalglish gegenüber der zuletzt schlechten Ligaleistung gegen Bolton an zwei Positionen um. Andy Carroll und Maxi Rodriguez fehlten, Stewart Downing und Dirk Kuyt durften von Beginn ran. Auch Craig Bellamy war zum zweite Mal binnen weniger Tage in der Startaufstellung, was als Belastungsprobe für den 32-jährigen Waliser und seine verletzungsanfälligen Knie galt.
Keine Spur von City-Angriffen
Die Reds präsentierten sich in der Folge wie ausgewechselt. Sie ließen ihre Gästen im ersten Carling Cup-Heimspiel der Saison zwar mehr Ballbesitz, hatten aber das Monopol auf Szenen vor dem Tor. Schon in der vierten Minute konnte nur eine Superparade von Joe Hart die Führung durch Jose Enrique verhindern. Auch bei Schüssen von Charlie Adam (11.) und Bellamy (21.) war der englische Einsergoalie zur Stelle. In der 24. Minute wäre Hart geschlagen gewesen, doch Bellamy startete davor aus dem Abseits, um die vermeintliche Führung zu erzielen. Die einzige nennenswerte Aktion von Manchester City bis dahin verursachte eine Kontroverse im Liverpool-Strafraum. Als Adam einen Ball wegschlagen wollte, streckte Edin Dzeko seinen Fuß dazwischen und wurde getroffen. Andere Schiedsrichter haben in solchen Situationen durchaus schon auf Elfmeter entschieden, Phil Dowd übersah den Vorfall aber - oder empfand ihn nicht als eines Pfiffes würdig.
Es dauerte 31 Minuten bis Manchester CityGastgeber-Tormann Pepe Reina eine Aufgabe stellen konnte. Die war dafür gleich unlösbar. Ein Tausendguldenschuss des ausrutschenden Nigel De Jong aus über 25 Metern landete unhaltbar für den Keeper hoch im Eck - eine schmeichelhafte Führung für die Gäste. Der Widerspruch zum Spielverlauf kümmerte die "Roberto Mancini"-Jubelchorsänger im Auswärtssektor jedoch nicht.
Reds kommen vor der Pause zurück
Liverpool ließ sich keinen Schock anmerken. Die Mannschaft spielte sofort wieder nach vorne. Adam scheiterte aus spitzem Winkel erneut an Hart (33.). Bei einem Schuss von Daniel Agger sprang der Ball Micah Richards zuerst ans Knie und dann an die Hand. Dieser hatte er über seinen Kopf gehalten - unnatürlich für Referee Dowd. Er pfiff und zeigte auf den Punkt - vertretbar, aber besonders in Kombination mit der früheren Szene eine harte Entscheidung für die Gäste. Mancini zeigte sich nach dem Spiel - wie zu mehreren Anlässen in den vergangen Wochen - frustriert über die Schiedsrichterentscheidung. Kapitän Steven Gerrard übernahm am Feld die Verantwortung, blieb aus elf Metern einmal mehr eiskalt und knallte den Ball ins linke untere Eck zum verdienten Ausgleich für Liverpool (43.).
Mit diesem Spielstand ging es in die Pause. Mancini behielt den erschreckend fehleranfälligen Stefan Savic gleich in der Kabine und brachte stattdessen Sergio Agüero. Einen Unterschied machte das vorerst nicht. Der einzige Citizen in Hochform war weiterhin Hart. Der hielt zuerst einen Schuss von Kuyt (48.), zeigte dann eine fast unmenschliche Parade bei einem weiteren aus kurzer Distanz von Martin Skrtel (53.) und verwehrte auch Downing mit starkem Stellungsspiel seinen zweiten Treffer im roten Trikot (54.) Bei einem Kuyt-Cross verfehlte Adam knapp den Ball (55.). Ein Downing-Querpass fand zwar Bellamy, doch der fischte das Leder etwa zehn Meter vor dem Tor (62.).
City mit bestechender Effizienz
Gezeigt hatte sich nach einer Stunde Spielzeit an der Anfield Road nur eine Mannschaft, doch noch immer war alles offen. Den Liverpool-Fans fiel nach 67 Minuten die Kinnlade zu Boden, als City mit der ersten wirklich herausgespielten Aktion (und dem zweiten nennenswerten Torschuss) zum zweiten Mal in Führung ging. Aleksandar Kolarov brachte einen Ball von der linken Seite perfekt in den Fünfer. Dort war Dzeko genau im richtigen Moment Daniel Agger enteilt. Der Bosnier schoss das Leder gnadenlos in die Maschen. City führte aus dem Nichts erneut. Wäre kein weiterer Treffer mehr gefallen, hätte dies den Carling Cup-Regeln zufolge den Sieg nach Verlängerung bedeutet.
Dalglish ließ deshalb mit Carroll einen weiteren Stürmer aufwärmen. Er brauchte ihn jedoch vorerst nicht. Denn das 2:2 in der 74. Minute brachte die "Kop" zum Beben. Der alles überragende Bellamy schoss Liverpool zurück in Gesamtführung. Kuyt zog von der Outlinie zur Mitte, spielte den Waliser an, dem gelang ein Doppelpass mit Glen Johnson und gegen den Abschluss hatte diesmal auch Hart nichts zu melden.
Schlussoffensive der Gäste
Eine Minute später hatte Kuyt nach einer Flanke von Jordan Henderson die Chance auf die Vorentscheidung, doch sein Kopfball ging am Tor vorbei. Dann setzte City doch noch zu einer Schlussoffensive an. Mancini brachte Adam Johnson für De Jong (78,), was sich drei Minuten später beinahe gerechnet hätte. Ein fantastischer Pass des nun auffällig und gut spielenden Dzeko über das halbe Feld tropfte genau in den Lauf des frisch eingewechselten, englischen Jungstars. Dessen Abschluss fand allerdings nicht an Reina vorbei. Dzeko selbst hatte dann noch die Führung auf dem Fuß, doch bei seinem Schuss aus fünf Metern warf sich Agger dazwischen (87).
Dann durfte sich Bellamy die verdienten Ovationen abholen und musste fortan von der Bank hoffen, dass das Tor gegen seinen Ex-Klub für die Finalteilnahme genügen würde. Dalglish kommentierte seine Leistung hinterher folgendermaßen: "Wenn ManCity noch andere Spieler wie ihn haben und nicht brauchen, hoffe ich, sie haben meine Nummer". Martin Kelly verstärkte an seiner Stelle die Verteidigung (88.). Auch Millionentransfer Carroll durfte sich noch die Siegprämie abholen. Er ersetzte Kuyt (91.)
Das druckvolle Finish von Manchester City brachte nur noch einen viel zu zentral geschossenen Fallrückzieher des weitgehend unsichtbaren Agüero hervor. Beim Abpriff nach über 94 Minuten stieß Anfields vollzähliger Besuch erleichterte Jubelschreie aus, die man vermutlich quer durchs Land bis ins Londoner Wembley-Stadion hören konnte.
Cardiff als Finalgegner
Im Nationalheiligtum steigt am 26. Februar das Finale des Bewerbs. Liverpool ist zum elften Mal Teil dieser Veranstaltung, hat den Pokal bereits sieben Mal gewonnen. Der Gegner wird Cardiff City sein. Gegen den Zweitligisten stehen die Chancen für den ersten Liverpool-Titel seit 2006 nicht schlecht. Die Waliser hatte am Vorabend gegen Crystal Palace die 0:1-Niederlage aus dem Hinspiel egalisiert und den Ligarivalen anschließend im Elfmeterschießen eliminiert. (tsc, derStandard.at, 25.1.2012)