Tauschbörsen

Internet-Piraten als nützliche Idioten

Kommentar der anderen | 25. Jänner 2012, 20:01
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    foto: dapd

Sie kämpfen für Transparenz, Datenschutz, ein offenes Netz, "geistiges Eigentum" ist für sie ein Unwort. Das freut viele ihrer Brüder im Geiste - vor allem aber auch die Big Player der digitalen Industrie - Von Malte Lehming

Werte sind etwas Schönes. Sie zeugen von Unbestechlichkeit, einer Haltung, einem Charakter. Aber Werte lassen sich auch propagandistisch missbrauchen. Sehr leicht sogar. Einige denken dabei an George W. Bush, der die Demokratie in den Nahen Osten exportieren wollte. Andere an die FDP, die abstrakt von Freiheit spricht, aber konkret meist nur das Wohl von Apothekern und Hoteliers meint.

Deshalb tut man gut daran, wann immer große Reden geschwungen werden, sich die Fragen zu stellen: Wem nützt es? Wessen Lied wird da gesungen?

In der vergangenen Woche ging es im Internet zu wie auf einem virtuellen Schlachtfeld. Aus Protest gegen zwei US-Gesetzesinitiativen, die im Kampf für den Schutz des geistigen Eigentums und gegen illegale Raubkopien drastische Maßnahmen wie Netzsperrenvorsehen (Sopa und Pipa), ging die Online-Enzyklopädie Wikipedia einen Tag lang offline, andere Websites beteiligten sich.

Einen Tag später wurde mit "Megaupload" eine der weltweit größten Tauschbörsen (Filehoster) von der US-Justiz abgeschaltet. Dem Unternehmen werden massive Verstöße gegen das Urheberrecht vorgeworfen. Das wiederum erzürnte einen Teil der Netzaktivisten - allen voran die Guerilla-Truppe Anonymous - dermaßen, dass sie durch Hacker-Attacken (die New York Times spricht von "digital Molotov cocktails" ) nicht nur die Online-Auftritte des US-Justizministeriums lahmlegten, sondern auch die der prominentesten Vertreter der US-Unterhaltungsindustrie, der"Motion Picture Association of America" , der "Recording Industry Association of America" sowie der "Universal Music Group" .

Unheilige Allianz

Man kann fest davon ausgehen, dass das Kräftemessen zwischen den Piraten und den Copyright-Verteidigern an Intensität und Brutalität noch zunehmen wird. Denn es geht um Gewinne und Profite, um Millionen und Milliarden. Und weil beide Seiten auf Sieg setzen, haben sie den Nutzen der Moral für sich erkannt. In Demokratien gewinnt nämlich der, der die Macht über den öffentlichen Diskurs erringt. Fürs Geld fremder Leute streitet keiner, für ein höheres Ziel indes jeder gern. Und so kam es zum Bündnis aus neuer digitaler Industrie (Google, Yahoo, Youtube, Facebook, Twitter, eBay, Mozilla Corporation, Roblox, Reddit) und jenen Netzaktivisten, die sich unter dem Label "Piraten" inzwischen auch politisch organisiert haben.

Man könnte freilich eben so gut von einer unheiligen Allianz sprechen, in der die Piraten gewissermaßen in die Rolle "nützlicher Idioten" (Lenin) geschlüpft sind. In ihrem etwas naiven Selbstverständnis setzen sie sich für ein offenes Netz ein, für Transparenz, Meinungsfreiheit, Bürgerrechte, Datenschutz, gegen Zensur und die "kulturelle Verwertungsindustrie" . Dass sie damit genau jenen Kräften in die Hände arbeiten, die von einer Aufweichung geistiger Eigentumsrechte massiv profitieren - abgesehen von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken sind das vor allem auch Tauschbörsen wie "Megaupload" , "Rapidshare" , "Hotfile" oder "Mediafire" -, scheint sie nicht sonderlich zu interessieren.

Dabei dreht sich die Auseinandersetzung nicht allein, wie von interessierter Seite suggeriert, um Freiheit contra Zensur, Datenschutz contra Überwachung, Transparenz contra Geheimhaltung, sondern um handfeste wirtschaftliche Interessen. Auf der einen Seite steht die traditionelle Unterhaltungsindustrie (Musik, Filme, Bücher), die sich auf Copyright und "geistiges Eigentum" beruft und in den USA besonders stark vertreten ist, auf der anderen Seite stehen jene Hightech-Multis, die es frühzeitig verstanden haben, die neuen Internet-Gewohnheiten (von der Kommunikation bis zum Raubkopieren) zu kapitalisieren. Man sehe sich nur die Verlustzahlen der einen und die Profitzahlen der anderen Seite an, um die Dynamik und Härte der Konfrontation zu verstehen.

Google hat 2010 einen Umsatz von 29,3 Milliarden US-Dollar und ist heute, nach Apple, die zweitteuerste Marke der Welt. Facebook hatte 2010 Jahreseinnahmen von zwei Milliarden US-Dollar. Und man stelle sich den feixenden und händereibenden "Megaupload" -Gründer Kim Dotcom, alias Kim Schmitz, in seiner 30-Millionen-Villa in der Nähe von Auckland vor, wie er sich vor seiner Verhaftung schlappgelacht hat über die ideologische Unterstützung seiner Tätigkeiten durch freiheitsliebende Internet-Aktivisten, für die "geistiges Eigentum" nur ein"Kampfbegriff der Verwertungsindustrie" ist (vgl. Beitrag unten). Die schwedische Webseite "The Pirate Bay" , deren Gründung einst primär durch Finanzspritzen des Rechtsextremen Carl Lundström möglich war und die trotzdem zur Namenspatronin der Piraten wurde, sagt es in ihrer jüngsten Presseerklärung vom 18. Jänner 2012 ganz deutlich.

Die Unterhaltungsindustrie produziere bloß überteuerte Plüschpuppen und treibe elfjährige Mädchen in die Magersucht, heißt es da. Mit Hollywood ließen sich alle Kulturen und Medien der Welt kontrollieren. Deshalb möge man sich - selbstverständlich im Namen der Meinungsfreiheit, der Gleichheit, der Öffentlichkeit und des Anti-Elitären - auf die Seite von Wikipedia und Google schlagen. Der Großen Rede hören wir wohl, allein die Fragen lauten: Wem nützt es? Wessen Lied wird da gesungen? (Malte Lehming, DER STANDARD Print-Ausgabe, 26.01.2012)

Autor

Malte Lehming ist leitender Redakteur beim Berliner "Tagesspiegel.

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Posting 1 bis 25 von 175
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yoghurtinator
 
00
27.1.2012, 12:44
Wessen Lied wird da gesungen ?

Jeder singt sein eigenes Lied. Dem Großteil der Befürworter von Piratenpartei & Co geht es doch nicht, wie im Artikel angedeutet, um hehre politische Ziele sondern die wollen einfach nur, wie in den letzten 15 Jahren gewohnt, ungestört downloaden.

Wenn schon, dann singen alle gemeinsam das schöne Lied vom Huldigen des Zeitgeistes, der dem einzelnen suggiert, dass er ohne Geld nix wert ist. In logischer Konsequenz erachtet dieser dann auch in immateriellen Leistungen (Musik, Film, etc) keinen Wert mehr und fühlt sich nicht verpflichtet, dafür etwas zu zahlen.

Es ist lächerlich, dass vom kleinen Otto Normalverbraucher eine moralische Integrität erwartet wird, die bei den Big Players nicht mal anasatzweise vorhanden ist.

Heavyweather
02
27.1.2012, 01:15

Kimbles Villa war gemietet. Einfach schaun von wem...wo kommt das Geld her dass diese Villa gebaut hat...der Kreis schließt sich.

Das Geld dass Kimble gemacht hat kommt aus Werbeeinnahmen. Es ist völlig wurscht wer das Geld aus der Werbung bekommt und danach wieder ausgibt.

Labooko
21
26.1.2012, 21:10
http://ripremix.com/

seht euch einfach diesen film an, dann wisst ihr wessen lied gespielt wird. Die Welt wird von Disney und den Warner Bros. regiert. und nur weil der megaupload-gründer durch seine idee reich geworden ist, heißt nicht, dass die idee schlecht war und dass er von grund auf böse ist. was ist los mit euch!? die technologie für open source und shareware ist da und sie ist nicht aufzuhalten, man kann nicht eine ganze generation kriminalisieren. "Geistiges Eigentum" ist das Eigentum aller!

verinus
01
27.1.2012, 12:24

sorry aber das ist definitiv blödsinn.

ich für meinen teil will für meine arbeit anständig bezahlt werden. open source an sich ist auch nicht ganz unproblematisch da sich der gedanke in den köpfen der leute einnistet, dass software gratis sein muss. aber gute software kostet viel geld. es kommt nur auf die relationen an.

kein mensch würd raubkopieren wenn ich weltweit zeitgleich in meiner wunschsprache die aktuelle folge meiner wunschserie um 0.5€ sehen kann.

Kontrolliert die Kontrollierer
00
26.1.2012, 19:10
Wozu dann so demokratie-destruktive Neuerungen

wie ACTA, PIPA und SOPA, wenn man diesen dicken Fisch auch so gekriegt hat?

john lebovski
02
26.1.2012, 18:50
malte lehming als nützlicher idiot

wessen lied er wohl sing?

Darius Minor
31
26.1.2012, 18:23
Eine seltene Stimme der Vernunft.

V.a. die rechts-rechte Schlagseite der Ur-"Piraten" wird ja gerne ganz verschaemt unter den Teppich gekehrt.

chrilly donninger1
03
26.1.2012, 17:01
Ich lade relativ viele Wissenschafts-Papers

herunter. Habe aber noch nie dafür bezahlt. Ich seh nicht ein, dass die Arbeit staatlich finanziert wird und sich dann ein privater Konzern wie Elsevier das Ergebnis unter den Nagel reisst. Ausserdem sind die meisten Papers keine 5$ wert.
Ich klau die dann aber auch nicht sondern beschränke mich auf die frei zugänglichen Werke.
Das ist inzwischen allgemein übliche Praxis. Es stellen viele Autoren ihre Werke frei ins Netz, weil sie dadurch häufiger zitiert werden.
In diesem Fall verliert der Autor auch keinen Cent, weil er von Elsevier sowieso nix bekommt.
Die Situation ist noch nicht ideal. Aber es zeigt, dass eine Community mit ganz legalem Handeln einen brauchbaren Zustand erreichen kann.

De schdadisdig is a hund
02
26.1.2012, 17:42
Das mit den papers ist sowieso eine Art Wegelagerei,

die Elsevier, Springer und Konsorten da betreiben.

keywords
00
26.1.2012, 17:05

wunderbares beispiel.

es gibt auch manche portale, wo man zu bestimmten zeiten was dafür zahlt, zu anderen zeiten nicht.

Ich B. Sisyphos
 
12
26.1.2012, 16:45

Ob megaupload mit Werbung Geld macht oder nicht interessiert vom Standpunkt dieser Menschen keinen. Klar?

Das ist so ungefähr das uninteressanteste überhaupt. Die beiden gegeneinander aufzuwiegen ist kein bisschen naheliegend.

Was interessant ist, ist dass man online files tauschen kann. Viele Menschen hatten private Dateien auf megaupload, die sind jetzt weg. Andere filehoster fürchten sich genug um downloads nur noch vom uploader zuzulassen, damit kann man nichts mehr tauschen, egal ob mit dem Bruder oder sonst wem, egal ob legal oder illegal.

Was bleibt? Wieder per email verschicken? Oder einen FTP-server einrichten auf jedem PC?

chrilly donninger1
00
26.1.2012, 16:52
Da kann ja Sisyphos wieder von vorne

anfangen. Nichts ist schlimmer als den Gipfel zu erreichen. Darum war Sisyphos ein glücklicher Mensch.

Ich B. Sisyphos
 
00
26.1.2012, 17:02

Ja sicher, ich muss aber an die vielen Menschen denken denen das nicht so große Freude macht, alles andere wäre egoistisch.

chrilly donninger1
00
26.1.2012, 17:18
Oiso I find de Antwort supa.

chrilly donninger1
21
26.1.2012, 16:51
Das gemeinsam angelegte Diebslager weg

weils den Lagerhaus-Betreiber wegen Hehlerei eingelocht haben. Wie gemein ist doch diese Welt.

LCD
00
28.1.2012, 10:47

Sie dürfen nicht von sich auf alle anderen schließen.

Im Exil
09
26.1.2012, 16:19
nützliche idioten

findet man auch in den reihen sogenannter journalisten.

Lord Chaos
19
26.1.2012, 16:15
Wessen Lied wird da gespielt?

Malte Lehming spielt da munter das Lied der Unterhaltungsindustrie. Nette Zusammenwürfelung von Halbwahrheiten, Vorurteilen und Unterstellungen, mehr aber nicht.

TRockenmilch
10
26.1.2012, 16:00

und wem nützt malte??

dummer kommentar.

Wir alle sind Triple-A
11
26.1.2012, 15:47
Wenn die CDU/CSU das so will...

... dann muss das der Lehming auch genau so schreiben. Brav. Wem nutzt ACTA? Wozu brauchen wir Netzsperren?

http://www.golem.de/1201/89320.html

j doe
12
26.1.2012, 15:11

hm wenn ich musik illegal runterlade verschwindet sie von der festplatte des anbieters? interessant...

j doe
00
26.1.2012, 15:14

ups, das war als antwort auf ein posting gedacht...

Titus Petronius
26
26.1.2012, 15:08
Der Artikel ist ja wirklich übelste Propaganda

Wer sich für freien Informationszugang einsetzt ist ein nützlicher Idiot ?

Die Open Source Community, und alle anderen die sich für Freiheit des Internets einsetzen, besitzen wenigstens vertretenswürdige ethische Werte.

Natürlich gibt es auf beiden Seiten Geldflüsse, niemand lebt von der Luft allein.

Aber die eigentliche Frage ist doch - Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der Wissen und der Zugang dazu, als patentierbares Gut, ja vielleicht sogar monopolisiert gehandelt wird ?

Ich will das nicht. Viele andere auch nicht. Und wir haben auch Rechte.

verinus
01
26.1.2012, 19:08

ganz so einfach kann man sichs auch nicht machen.

ich bin sehr wohl für urheberrecht- könnte man investitionen nicht schützen, würde keiner mehr investieren.

was sich aber sehr wohl stellt ist die frage der verhältnismässigkeit.
müssen stars mit einem film so viel verdienen wie andere in ihrem ganzen leben nicht?
firmen ein vielfaches der kosten eines films?
autoren ihre urheberrechte auch noch vererbten?

Wir alle sind Triple-A
00
26.1.2012, 15:55
was nicht im pr artikel steht

wie der böse pirat seinen rechtsanwalt verloren hat.

http://torrentfreak.com/megauploa... re-120123/

fragt sich langsam, wem der lehming propaganda artikel nutzt. vielleicht ist der einfach eine gelungene provokation ;)

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