Elga bleibt für Ärzte ein No-go

25. Jänner 2012, 18:54

Hitzige Diskussion zwischen Kammer und Ministerium

Wien - Die Wogen im Publikum gingen hoch - so hoch, dass Moderatorin Claudia Dannhauser (ORF) die Ärzte im Publikum mehrmals zur Ruhe mahnen musste, um eine Diskussion am Podium zu ermöglichen, zu der die Wiener Ärztekammer geladen hatte. Dabei ging es um das ultimative Reizthema unter den Medizinern: um Elga, die elektronische Gesundheitsakte.

Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) wiederholte gebetsmühlenartig, warum er an deren Einführung festhält: Patienten hätten dank Elga erstmals die Möglichkeit, ihre Gesundheitsdaten zu kontrollieren, gespeichert würden diese schließlich jetzt schon - aber nicht zusammengeführt. Ab 2017 verspricht sich Stöger von Elga Einsparungen von 130 Millionen Euro jährlich. Und, betonte Stöger: Kein Patient werde gezwungen, daran teilzunehmen. Das Gesetz sieht eine Opt-out-Lösung vor, ähnlich wie bei Organspenden: So lange ein Patient nicht dezidiert sagt, dass er es nicht will, will er es.

Der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, Johannes Steinhart, bezweifelt den Nutzen von Elga. In der vom Ministerium angestellten Rechnung fänden sich eklatante Fehler, sagte er bei der Diskussion. Er sei zwar nicht grundsätzlich gegen Innovationen, in der vorgesehenen Form sei Elga für ihn aber ein "No-go".

Die aufgebrachten Ärzte im Publikum vermochte auch eine Ankündigung von Susanne Herbeck, der Geschäftsführerin der Elga GmbH, nicht zu beruhigen. Sie sagte, bei der Implementierung des Systems seien Förderungen für die Ärzte vorgesehen. Tatsächlich findet sich dieser Hinweis auch in einem offiziellen Papier des Gesundheitsministeriums, zu Details will man sich dort aber noch nicht äußern. (hei, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 137
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monothematisch
00
26.1.2012, 16:55
Meine Daten gehören mir.

Es kriegt jeder nur die Info, die ich ihm gebe. Und falls ich nicht ausreichend Info hergebe, sollte es doch jedem recht sein: Ich habe als mündiger Patient die Kontrolle und übernehme gerne die Verantwortung. Und der Arzt kann zurecht sagen, ich hab's ihm nicht gesagt. Passt doch für alle.

Nur weil nicht jeder Einzelne dem Idealbild des mündigen, aufgeklärten, selbstverantwortlichen Bürgers entspricht, bin ich nicht bereit, meine Rechte und Freiheiten aufzugeben.

Ein Idealbild, das übrigens unserem gesamten Rechtssystem zugrundliegt. Es können auch irr viele Leute nicht mit ihrem Geld umgehen, aber die wenigsten davon werden besachwaltet.

gez69
 
00
28.1.2012, 18:56

Dann wird es ihnen ja nichts ausmachen, die Mehrkosten für zB doppelte Untersuchungen aus der eigenen Tasche zu bezahlen.

Schneck4ever
01
26.1.2012, 16:18
Kompromissvorschlag

ELGA nur für Pensionisten einführen.
Warum? Nun, der positive Effekt wäre bei dieser Gruppe wohl am größten. Jedoch die Motovation, diese Daten zu missbrauchen, scheint mir weit geringer.
Überlegen wir mal, jedes Personalbüro prüft derzeit schon alle zugänglichen Daten potentieller sowie aktueller Mitarbeiter. Sobald Krankenakten zentral gespeichert sind besteht von Seiten der Wirtschaft großes Interesse an diesen, es wäre Naiv zu glauben die Daten wären zu 100% sicher vor Missbrauch.
Noch viel mehr Interesse an den Daten hätten etwa Versicherungen... und wo ein Wille ist da ist bekanntlich ein Weg.

wrkskrfzk
02
26.1.2012, 16:03
Ich kann die Aufregung der Ärzte nicht wirklich verstehen

Kostet Geld - gut, geht mir in meinem Unternehmen auch so. Wenn ausgelöst durch neue Voraussetzungen seitens Finanzamt EDV-Aufwand in meiner Firma entsteht, muss ich das auch selber löhnen. Da stützt keine öffentliche Hand. Aber bitte, wenn der Aufwand SO hoch ist, soll es eben Förderungen geben. Aber was hat ein Arzt dagegen, dass alle relevanten Krankendaten - auch von anderen Ärzten erhoben - direkt abfragbar sind. Wir überweisen elektronisch, machen die Steuererklärung elektronisch etc, aber hier müssen wir im letzten Jahrhundert verharren? Wenn ich auf Urlaub bin und eine Doc brauche wäre es mir durchaus recht, wenn der sofort sieht, mit wem er es da zu tun hat. Wo liegt das Problem?

Dr.Eisenbart
00
27.1.2012, 20:46
ein guter Arzt UNTERSUCHT Sie

wenn Sie krank sind - oder glauben Sie bei Hausbesuchen oder Notfällen gibts einen ELGA Zugriff?
Ich bin seit 25 Jahren Arzt und kann innerhalb kurzer Zeit Anamnese und Status erheben.
ELGA und ähnlicher Mist sagt ja nur was es FRÜHER gab, NICHT was jetzt von Bedeutung ist. Sie wollen doch dass Ihre gegenwärtigen Beschwerden behandelt werden und nicht die von vor 15 oder mehr Jahren

Dr.Eisenbart
00
27.1.2012, 20:41
elektronische Patientenakten, bzw electronic health record

bzw. dossier medical, bzw. electronic medical record, etc., etcc. ist mittlerweile in UK, Holland, USA gescheitert und in Frankreich, Deutschland, Italien eingefroren.
Warum? Weil es keinen Mehrwert hat! Warum soll in Österreich etwas funktionieren, was in anderen Ländern scheitert??

hot doc
10
27.1.2012, 14:51

wenn sie schulden haben und einen job suchen, und ihr neuer arbeitgeber erfährt es, so wird er sie trotzdem einstellen (sie brauchen den job und gebens womöglich billiger und mucken auch nicht auf).

wenn sie eine chronische krankheit haben und einen job suchen, und ihr neuer arbeitgeber erfährt dies, so wird er sie nicht einstellen.

außerdem gibts im gesundheitssystem so viele dringlichere probleme, für deren lösung angeblich kein geld da ist, dass wir uns die milliarde, die elga kosten wird, besser woanders investieren.

und dann ist noch unsere rechtsunsicherheit. ein patient hat hunderte befunde - unmöglich sie alle zu sichten - und trotzden sollen wirs (vor dem richter) tun - um 18,10 euro pro quartal geht das nicht.

Sarepta
00
27.1.2012, 12:40

Man darf nicht vergessen, dass es sich hierbei wohl hautpsächlich um Vertreter der ÄK handelt und die zeichnet sich weder durch Intelligenz noch durch Initiative für Spitalsärzte aus, wo ELGA natürlich grosse Vorteile mit sich bringen würde...

awien
00
27.1.2012, 08:35

Sie haben recht. Das einzige Problem daran ist, dass die Patientendaten lokal, in der jeweiligen Ordination, gespeichert sind. Bankdaten, z. B. Sind nicht lokal gespeichert.

duckdive
01
26.1.2012, 15:50

offensichtlich bin ich hier im forum einer kronenhaften zeitung. anscheinend herrscht in österreich ein schier grenzenloses mißtrauen und neid gegenüber allen vermeintlich in geld schwimmenden ärzte....

Blaky
23
26.1.2012, 15:29
Ich will ...

endlich eine Krankenakte, am besten auf meiner Chipkarte, die wie auch immer heisst, damit ich meine Krankengeschichte nicht immer erzählen muss, bzw. immer dabei haben kann.

OL-Doc
00
27.1.2012, 21:44
Gibt's ja schon

Solche Lösungen gibts ja schon und werden auch erprobt, sind auch viel billiger und unter besserer Kontrolle durch den Patienten. Aber die Institutionen fürchten um ihre Macht. Präsentation zb durch den Hausärzteverband am 28.2. in Wien.

gez69
 
00
28.1.2012, 19:07

Eine Chipkarte die genug Speicher bietet um sämtliche Daten wie zB CT, Röntgen usw. speichern kann? Oder sollen die Daten verschlüsselt auf einem USB Stick gespeichert werden, die durch eine Chipkarte frei geschalten werden? Sie sorgen selber fürs Backup der Daten?

monothematisch
00
26.1.2012, 17:00
So geht die regierungs-seitige ELGA-Propaganda.

In echt wollen die Patienten aber mit ihren Ärzten reden.

Wenn es war wäre, dann könnte man für Leute wie Sie ein ELGA mit opt-in aufziehen - nur die, die das ausdrücklich wollen, sind dabei.

carminacicli
00
26.1.2012, 18:29
Natürlich

wollen die Patienten mit den Ärzten reden.
NUR wollen die Ärzte selten mit ihren Patienten länger als 5 min reden (selbst öfters erlebt in den letzten 2 Monaten).
Das es kaum Zeit für eine ordentliches Gespräch gibt, kann ja viele Gründe haben. Und wahrscheinlich kann der Arzt auch nichts anderes handeln, wenn das Wartezimmer wieder übervoll ist.
Wenn es aber eine einfache Möglichkeit gibt, die Krankengeschichte zu einen anderen Arzt mitzunehmen, sehe ich hauptsächlich positive Effekte für beide Parteien.
Außerdem sind es ja die Daten des Patienten und nicht die des Arztes.

OL-Doc
00
27.1.2012, 21:54
Wollen schon, können nicht.

In der Allgemeinmedizin sind Befunde oft schön anzusehen, bringen aber den Arzt oft keinen Schritt weiter, da das Problem zB. psychosomatisch ist. Übrigens schön, wenn dann sogar noch die psychische Seite ausgeblendet ist. Diagnose ist dann aber Zeit und Gespräch. Und keine Zeit und kein Gespräch ist dann aber halt keine Diagnose. Eine Erstordination um max 15,- und eine Folgeordination um 5,- würgt nach 5 Stunden die höchste Motivation ab. Wenn dann dank unseres hinterwäldlerischen primary health care Systems um 19 Uhr das Wartezimmer immer noch voll ist, schaut man rechts unten auf die Uhr. So ist es. Basta

Utrillitn
26
26.1.2012, 14:49
Wenn sich die Ärztekammer im Namen von Patienten aufregt, gehts Pfründe oder Geld.

.
Was meinen Datenschutz betrifft, sehe ich die Ärztekammer nicht als meinen Interessensvertreter.

Eher die Patientenanwälte etc.

Dr.Eisenbart
00
27.1.2012, 20:49
nein viel schlimmer

es wird versucht ein Berufsbild zu zerstören, und zwar aus Dummheit, nicht mal aus Absicht

hot doc
00
27.1.2012, 14:57
der patientenanwalt bachinger will den gläsernen patienten.

so seine mission im "dienste" der patienten.
nein, er nutzt seine stellung, um den gesundheitsprivatisierern zu den daten zu verhelfen. wenn eine uniqa mit der gebietskrankenkasse um versicherte konkurrenzieren wird (nicht lachen, diese pläne existieren), dann haben sie es gut, wenn sie bei jedem, der ihnen beitreten will, sofort auf alle daten zugriff haben, damit sie rosinenklauben können.

monothematisch
00
26.1.2012, 17:01

Eh, nur zufällig ist es in diesem einen Fall so, dass wenn die Ärzte sich durchsetzen, dies auch meinen Interessen dient.

ralika
00
26.1.2012, 14:15

Kann es sein, dass hier ein guter Polit-Stratege das allgemeine Mißtrauen gegen Ärzte ausnutzt?
So nach dem Motto: wenn die "Götter in Weiß" dagegen sind, kann es nur gut für die Patienten sein.

Was meint ihr, wie lange es dauert bis man eine Auswertung der Daten programmiert hat? Und zum Beispiel ein Risiko-Profil erstellt?
Nur zur Sicherheit für die armen, gefährdeten Patienten - damit der Arzt einen beim nächsten Besuch gleich darauf aufmerksam machen kann.

Ist so simpel, so naheliegend, und bringt einfach einen Mehrwert für die Gesundheit. Entlastet die Ärzte, die Befunde selbst auszuwerten. Sooo schön!

oooooooooops
00
26.1.2012, 12:46

Jeder, der 'Angst' um seine Daten und eine Lebensversicherung hat, soll einmal bedenken, welche Daten über seine Krankheiten wo 'gespeichert' werden. In irgendwelchen Akten bei den Versicherungen, vielleicht eingescannt, vielleicht anschließend vernichtet.

okami
01
26.1.2012, 14:44
Nur weil jetzt schon Daten gespeichert werden ist alles weitere in Ordnung?

Es geht ja nicht nur darum, dass Daten gespeichert werden, sondern dass ALLE Daten ZENTRAL gesammelt werden und nahezu ÖFFENTLICH sind.

Fehlt echt nur noch die Verknüpfung zu Facebook!

P.S.: ich habe keine Angst, aber wenn mir erklärt wird es wäre nur das Beste für mich, dann werde ich misstrauisch!

gottisttot
00
26.1.2012, 15:04

Die Daten werden nicht zentral gesammelt (oder gespeichert).

In ELGA selbst steht nur drinnen, das es Daten zu ihnen im z.B. im AKH gibt.
Die Daten selbst liegen aber weiterhin im AKH und auch der Zugriff erfolgt über ELGA ins AKH.

Es sind auch nicht alle Daten sondern die Befunde, und hier wird selbst in der letzten theoretischen Ausbaustufe nicht jeder "kleine Hausarzt" Zugriff auf z.B. psychiatrische Befunde haben.

Wenn für sie die Möglichkeit der Abfrage von Inforamtionen für einen definierten Nutzer unter bestimmten Bedingungen (inkl. der Kontrolle der getätigten Zugriffe) "nahezu ÖFFENTLICH" ist, dann ist ihr Amazon-Konto, ihr Online-Banking, ihr Steuerakt bei onlinefinanz, ihre Daten bei der Sozialvers., etc. nahezu ÖFFENTLICH.

okami
00
26.1.2012, 16:43
Wenn ich Daten mit einer Abfrage finde, dann sind sie zentral, ...

... auch wenn sie nicht alle am selben Datenträger gespeichert sind.

nahezu öffentlich: bei Amazon kann ein Lieferant nicht sehen, was ich bei anderen Lieferanten bestellt habe.
Bei Elga ist der definierte Nutzerkreis etwas zu groß. Ist sichergestellt, und ich meine wirklich sicher, dass ein Arzt nur solange zugriff auf meine Daten hat, als ich bei ih in Behandlung bin? Kann ich nachvollziehen, zumindest Auskunft darüber bekommen, wer welche Daten von mir wann aufgerufen hat?

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