Groß, aber unprofessionell

Kommentar | Ljubiša Tošić
25. Jänner 2012, 18:24

Festivalärger in Bregenz und Salzburg

Man lebt hierzulande offenbar noch in der besten aller möglichen Großkulturwelten. Während etwa ein Gerard Mortier als Opernchef in Spanien mit Budgetkürzungen von 15 Prozent hadert und auch die Mailänder Scala leidet, leistet man sich im Alpenland kunstfernen Luxus. Als ruhiger Hort des Erfolges gepriesen, schienen die Bregenzer Festspiele etwa schon durch den Zwist um den Intendanten-Abschied von David Pountney bezüglich Personallärms mit den Salzburger Festspielen gleichziehen zu wollen. Nun haben sie, durch die so peinliche wie einvernehmliche Trennung von Neo-Intendant Roland Geyer, die Festspiele sogar übertroffen. Geyers offenbar zu ehrgeizige Pläne überraschten die Bregenzer in Hinblick auf den Finanzbedarf. Grotesk. Hat man ihn wegen des Haarschnitts gewählt oder doch ob eines zur Bewerbung schon in Grundzügen vorliegenden Konzeptes? Letzteres war offenbar zu viel verlangt.  

Während sich Bregenz nun mit dem Image plagt, keinen Erneuerer, vielmehr einen Verwalter gesucht zu haben, ohne es zu wissen, nutzen auch die Salzburger Festspiele ihre opernfreie Zeit zur Schlagzeilenproduktion. Nach dem Lücken im Kontrollbereich aufzeigenden Problem mit dem ehemaligen Technikdirektor hätten sie Grund genug gehabt, die Rechnungshofprüfung gelassener zu erdulden. Sie sprachen aber von existenzieller Festivalgefährdung. Dilettantisch in Bregenz, mimosenhaft in Salzburg: Da könnten kleine Initiativen über die großen, vom Staat gesicherten Brüder lachen. Ein Blick zum auch nicht winzigen Carinthischen Sommer, der ab 2013 womöglich keine Oper mehr zeigen wird können, erinnert die kleinen jedoch daran: Es wird finanziell nicht besser. Und durchs Sparen sind diese als Erste nahe an der existenziellen Gefährdung. Auch deshalb sollten Großfestivals wissen, welche Verpflichtung es beinhaltet, so ungefährdet zu sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

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6 Postings
Ein Glück für Bregenz!

Geyer hat doch schon am Theater an der Wien bewiesen, dass er nichts drauf hat. Der Fehler war, ihn überhaupt nach Bregenz zu holen. Dieser Fehlgriff wurde ja nun korrigiert...

Nach der Überschrift hätte ich eigentlich

ein Nova Rock- bzw. Frequency-Bashing erwartet. :)

alles

was in Ö mit geld und wirtschaft zu tun hat ist unprofessionell.

Das Problem dieser großen Kulturtanker ist, daß nicht

die Kunst selbst ihr Ziel ist, sondern die Förderung des Tourismus. Und die dahingehende Verpflichtung, breitenwirksame Produktionen zu bieten. Der Großteil ihres Budgets geht für die Administration auf, für die Kunst selbst nur ein Bruchteil. Die Einnahmen an der Abendkasse sind zwar nicht zu unterschätzen, aber das Land bekommt seine Subventionen über die Umwegrentabilität reichlich vergütet. Übrigens auch in Wien, das seine guten Plätze in den diversen internationalen Rankings zu einem guten Teil dem überragendem Kulturangebot zu verdanken hat... gute Müllabfuhr gibt es in vielen anderen Städten auch...

salzburg ist doch eine inzucht der macht

JA! Hat das Wolferl schon gewusst!

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