Groß, aber unprofessionell

Kommentar |

Festivalärger in Bregenz und Salzburg

Man lebt hierzulande offenbar noch in der besten aller möglichen Großkulturwelten. Während etwa ein Gerard Mortier als Opernchef in Spanien mit Budgetkürzungen von 15 Prozent hadert und auch die Mailänder Scala leidet, leistet man sich im Alpenland kunstfernen Luxus. Als ruhiger Hort des Erfolges gepriesen, schienen die Bregenzer Festspiele etwa schon durch den Zwist um den Intendanten-Abschied von David Pountney bezüglich Personallärms mit den Salzburger Festspielen gleichziehen zu wollen. Nun haben sie, durch die so peinliche wie einvernehmliche Trennung von Neo-Intendant Roland Geyer, die Festspiele sogar übertroffen. Geyers offenbar zu ehrgeizige Pläne überraschten die Bregenzer in Hinblick auf den Finanzbedarf. Grotesk. Hat man ihn wegen des Haarschnitts gewählt oder doch ob eines zur Bewerbung schon in Grundzügen vorliegenden Konzeptes? Letzteres war offenbar zu viel verlangt.  

Während sich Bregenz nun mit dem Image plagt, keinen Erneuerer, vielmehr einen Verwalter gesucht zu haben, ohne es zu wissen, nutzen auch die Salzburger Festspiele ihre opernfreie Zeit zur Schlagzeilenproduktion. Nach dem Lücken im Kontrollbereich aufzeigenden Problem mit dem ehemaligen Technikdirektor hätten sie Grund genug gehabt, die Rechnungshofprüfung gelassener zu erdulden. Sie sprachen aber von existenzieller Festivalgefährdung. Dilettantisch in Bregenz, mimosenhaft in Salzburg: Da könnten kleine Initiativen über die großen, vom Staat gesicherten Brüder lachen. Ein Blick zum auch nicht winzigen Carinthischen Sommer, der ab 2013 womöglich keine Oper mehr zeigen wird können, erinnert die kleinen jedoch daran: Es wird finanziell nicht besser. Und durchs Sparen sind diese als Erste nahe an der existenziellen Gefährdung. Auch deshalb sollten Großfestivals wissen, welche Verpflichtung es beinhaltet, so ungefährdet zu sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

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