Davos

Europa im Visier, Deutschland am Pranger

Alexandra Föderl-Schmid, 25. Jänner 2012, 18:17
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    foto: apa/epa/laurent gillieron

    Das richtige Schuhwerk für die Krise? Teilnehmer des Weltwirtschaftsgipfels in Davos wechseln ihre Schuhe nach der Ankunft.

Der Investor George Soros sieht Deutschland als Verursacher der Krise

Pessimismus herrscht heuer in Davos beim Weltwirtschaftsforum vor. Die Probleme in der Eurozone werden als Hauptgrund dafür genannt. Der Investor George Soros sieht Deutschland als Verursacher der Krise.

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Die Diskussionsrunden am ersten Morgen in Davos sind jedes Jahr der Stimmungstest, was für die Weltwirtschaft heuer erwartet wird. Nimmt man die ersten Wortmeldungen als Gradmesser, besteht wenig Anlass zum Optimismus. Allgegenwärtig sind die Forderungen nach Lösungen - ohne dass viele konkrete Vorschläge zu hören waren.

Auch der Vertrauensindex, den PricewaterhouseCoopers jedes Jahr veröffentlicht, zeigt, dass sich die Spitzenmanager auf weitere Schocks 2012 vorbereiten. Nur 40 Prozent der befragten 1248 Manager sind sehr zuversichtlich, dass ihre Unternehmenserlöse in den nächsten zwölf Monaten steigen werden. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 48 Prozent. Nur 15 Prozent erwarten, dass sich die Weltwirtschaft heuer erholt.

So gab es auch mehrere Diskussionen darüber, wie man das Währungsrisiko im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone absichern könne.

Als die Schuldigen an der Misere gelten bei diesem Treffen - mit einer Rekordbeteiligung von 2600 Teilnehmern - die Europäer. Für US-Investor George Soros ist vor allem Deutschland schuld.

Ein Mittagessen mit Journalisten, das von 21 TV-Kameras aufgezeichnet wird, nutzte er als Plattform zur Präsentation seines neuen Buches ("Financial Turmoil in Europe and the United States" ) und hielt dabei eine Brandrede: "Es ist Deutschland, das die europäische Politik diktiert." Die Sparpolitik, die Deutschland durchsetzen wolle, treibe Europa in eine deflationäre Schuldenspirale. Warum müsse der Rest von Europa wie Deutschland sein? Das sei unmöglich. "Es besteht die reale Gefahr, dass der Euro die politische Kohäsion der Europäischen Union unterminiert." Sparprogramme und Strukturreformen seien wichtig, aber es brauche auch einen Wachstumsstimulus.

Auf die Frage des Standard, ob er Prognosen des Internationalen Währungsfonds, die Eurozone habe nur eine "milde Rezession" zu erwarten, teile, sagte Soros: "Der Währungsfonds hat der Welt gesagt, nur Sparen schafft Probleme." Der IWF sei "realistischer als die Regierungen" . Europa habe in der Krise "zu wenig, zu spät reagiert .

Deutschland habe die griechische Krise noch verschärft, indem drakonische Konditionen vorgegeben wurden, argumentiert der 81-jährige Investor.

Auf diese Kritik ging die deutsche Kanzlerin Angela Merkel nicht ein, die am Mittwochabend die Eröffnungsrede hielt. Sie warnte vehement vor einer "Überforderung Deutschlands". Es mache keinen Sinn, eine Verdoppelung oder Verdreifachung der Euro-Hilfen zu fordern, sagte Merkel. "Ich frage mich immer, wie lange ist das glaubwürdig."

Für viele überraschend war die offen zugegebene Enttäuschung Merkels, dass die Weltgemeinschaft zu wenig Lehren aus der Finanzkrise gezogen habe. "Es reicht noch nicht aus." Die Einführung einer weltweiten Finanztransaktionssteuer wäre ein "starkes Signal" gewesen, "aber danach sieht es nicht aus" , erklärte Merkel - und erhielt heuer deutlich weniger Beifall als bei ihren bisherigen Auftritten in Davos. (Alexandra Föderl-Schmid aus Davos, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2012)

cookieberlin
00
27.1.2012, 08:24
Verursacher?

Nun, Deutschland als "Verursacher" der Krise (sprich: der unglaublichen Verschuldung der Südländer) zu nennen und das Sparen als Problemverursacher zu verorten...das kann von einem Spekulanten wie Soros nicht wirklich überraschen, schließlich muß der Mann auf seine täglichen Transaktionen demnächst eine Steuer von (leider nur) 0,05% abdrücken.
Diesen Leuten ist völlig egal, ob sie Europa mit ihren Aktionen in die finanzielle (und damit) soziale Bredouille bringen.
Mußte man den nun unbedingt in Davos mit am Tisch haben?

Anaxagoras
01
26.1.2012, 13:26
Gerade George Goros spielt sich an Anführer der Kritiker auf.

Er. der Erz-Spekulant hätte natürlich lieber wieder Blasen, anstatt Sparen, weil sich an Blasen für ihn leichter Geld verdienen läßt. Das Gegenteil von dem tun, was Soros sagt, ist angeraten.

D-AUT 0-0 nach 30 j
00
26.1.2012, 08:15
natürlich kann und soll europa nicht

überall so sein wie deutschland.aber die autonomie sollte sich auch auf die lösungen der probleme ausdehnen.anders gesagt:warum muss das geld sooo deutsch sein?

Edmund
00
26.1.2012, 01:19
George Soros - hat der nicht die Bank von England gesprengt?

Der Name kommt mir bekannt vor. Hat der nicht vor ziemlich genau 20 Jahren Großbritannien unter Druck gesetzt, schließlich das Pfund aus dem Europäischen Währungssystem gedrängt und dabei Milliarden verdient?

Jetzt hat er sich anscheinend den Euro vorgenommen.

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