Sergej Skaterschtschikow übernahm gemeinsam mit Partnern die Kontrolle über die Wiener Kunstmesse Viennafair
Der freundlich-zurückhaltende Moskauer mit exzellentem Englisch
entspricht so gar nicht dem Klischee vom ungehobelten "Bisnesmen" aus
Russland. Ganz im Gegenteil: Der 39-jährige Sergej Skaterschtschikow,
der gemeinsam mit Partnern die Kontrolle über die Wiener Kunstmesse
Viennafair übernommen hat, verkörpert eine Generation weltgewandter
russischer Spitzenmanager, die ihre Talente auch im Ausland einbringen
möchten. Nicht zuletzt aufgrund schwieriger politischer Umstände in
ihrer Heimat: "Ich fühle mich in meinem eigenen Land oft sehr fremd",
sagt er.
Geboren 1972 in Moskau, ist Skaterschtschikow ein Kind der Perestrojka.
1987 begann er an der Moskauer Staatlichen Universität (MGU) "Wirtschaft
und Geografie kapitalistischer Staaten" mit Schwerpunkt USA zu
studieren, verließ die Uni aber bald und betätigte sich als Journalist
bei der eben erst gegründeten Zeitung Kommersant Weekly. Mit seiner
Idee, in Russland einen Börsenindex einzuführen, traf er in den frühen
1990ern den neokapitalistischen Zeitgeist.
Ende der Neunzigerjahre kam er erstmals nach Österreich, nachdem ihn
Headhunter im kalifornischen Palo Alto gefunden hatten. In Wien
entwickelte er unter der Leitung des Investmentbankers Wilhelm
Hemetsberger eine Internetplattform für den zentraleuropäischen
Börsenhandel. Kontakte aus dieser Zeit sind es, die den Vater dreier
Kinder wieder nach Wien bringen - diesmal in eine Kulturinstitution.
Nachdem er Anfang der Nullerjahre als Revisor diebischen Managern in
russischen Großkonzernen auf die Finger geklopft hatte, begann sich
Skaterschtschikow vor knapp zehn Jahren mit der Analyse des Kunstmarkts
zu beschäftigen. Er gründete in New York eine einschlägige Firma und
kooperierte mit der Kunstzeitschrift Art in America.
Als von Österreich aus also nach Financiers der Viennafair gesucht
wurde, war er dafür wie prädestiniert. Dabei gilt er nach russischen
Verhältnissen gar nicht als reich, er scheint auch in keinem
veröffentlichten Ranking auf. Und für sein Viennafair-Investment hat er
andere russische Partner mit an Bord genommen. Letztendlich wird es ihm
in Wien aber vor allem um die Entwicklung eines Marktes gehen, in dem er
großes Potenzial sieht: "Auch wenn mich die künstlerischen Leiter der
Viennafair für diese Aussage prügeln werden: Kunst verwandelt sich
derzeit in eine Gebrauchsware für die Mittelklasse." (Herwig G. Höller / DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)