Manager mit neu entdecktem Kunstsinn

25. Jänner 2012, 18:17
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Sergej Skaterschtschikow übernahm gemeinsam mit Partnern die Kontrolle über die Wiener Kunstmesse Viennafair

Der freundlich-zurückhaltende Moskauer mit exzellentem Englisch entspricht so gar nicht dem Klischee vom ungehobelten "Bisnesmen" aus Russland. Ganz im Gegenteil: Der 39-jährige Sergej Skaterschtschikow, der gemeinsam mit Partnern die Kontrolle über die Wiener Kunstmesse Viennafair übernommen hat, verkörpert eine Generation weltgewandter russischer Spitzenmanager, die ihre Talente auch im Ausland einbringen möchten. Nicht zuletzt aufgrund schwieriger politischer Umstände in ihrer Heimat: "Ich fühle mich in meinem eigenen Land oft sehr fremd", sagt er.

Geboren 1972 in Moskau, ist Skaterschtschikow ein Kind der Perestrojka. 1987 begann er an der Moskauer Staatlichen Universität (MGU) "Wirtschaft und Geografie kapitalistischer Staaten" mit Schwerpunkt USA zu studieren, verließ die Uni aber bald und betätigte sich als Journalist bei der eben erst gegründeten Zeitung Kommersant Weekly. Mit seiner Idee, in Russland einen Börsenindex einzuführen, traf er in den frühen 1990ern den neokapitalistischen Zeitgeist.

Ende der Neunzigerjahre kam er erstmals nach Österreich, nachdem ihn Headhunter im kalifornischen Palo Alto gefunden hatten. In Wien entwickelte er unter der Leitung des Investmentbankers Wilhelm Hemetsberger eine Internetplattform für den zentraleuropäischen Börsenhandel. Kontakte aus dieser Zeit sind es, die den Vater dreier Kinder wieder nach Wien bringen - diesmal in eine Kulturinstitution.

Nachdem er Anfang der Nullerjahre als Revisor diebischen Managern in russischen Großkonzernen auf die Finger geklopft hatte, begann sich Skaterschtschikow vor knapp zehn Jahren mit der Analyse des Kunstmarkts zu beschäftigen. Er gründete in New York eine einschlägige Firma und kooperierte mit der Kunstzeitschrift Art in America.

Als von Österreich aus also nach Financiers der Viennafair gesucht wurde, war er dafür wie prädestiniert. Dabei gilt er nach russischen Verhältnissen gar nicht als reich, er scheint auch in keinem veröffentlichten Ranking auf. Und für sein Viennafair-Investment hat er andere russische Partner mit an Bord genommen. Letztendlich wird es ihm in Wien aber vor allem um die Entwicklung eines Marktes gehen, in dem er großes Potenzial sieht: "Auch wenn mich die künstlerischen Leiter der Viennafair für diese Aussage prügeln werden: Kunst verwandelt sich derzeit in eine Gebrauchsware für die Mittelklasse." (Herwig G. Höller  / DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

  • Sergej Skaterschtschikow: Russischer Viennafair-Investor.
    foto: skate's

    Sergej Skaterschtschikow: Russischer Viennafair-Investor.

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