Die Steuerschande der Europäischen Union

Kommentar der anderen | 25. Jänner 2012, 18:12

Bilaterale Abkommen Deutschlands und Großbritanniens mit der Schweiz untergraben den Kampf der EU-Länder gegen Steuerhinterziehung - Eine länderübergeifende Intervention der Grünen

Die Reaktion war vorhersehbar und kam prompt: Direkt nach Bekanntwerden erster Details des angestrebten Steuerabkommens zwischen Deutschland und der Schweiz zogen die Regierungen Österreichs und Luxemburgs ihre zuvor angekündigte Bereitschaft zurück, über einen erweiterten Austausch von Steuerdaten zu verhandeln. Als Parlamentarier, die sich seit Jahren für einen stärkeren Kampf gegen Steuerflucht einsetzen, halten wir diese Entwicklung innerhalb der Europäischen Union für fatal. Der Weg, den Deutschland und die Schweiz eingeschlagen haben, betrifft unsere drei Staaten auf unterschiedliche Weise - vor allem aber betrifft er die EU und uns eint die Sorge um einen großen Rückschlag bei der Förderung von Steuergerechtigkeit in Europa.

Das Verhalten der Regierungen von Österreich und Luxemburg zeigt, dass das bilaterale deutsch-schweizerische Abkommen Auswirkungen weit über die beiden unterzeichnenden Staaten hätte. Um die Reichweite dieses Schritts nachvollziehen zu können, muss man etwas zurückgehen in der Geschichte des Ringens innerhalb der Europäischen Union um einen effektiven Weg, Steuerhinterziehung zu unterbinden:

Die EU-Zinsbesteuerungsrichtlinie, die 2005 in Kraft trat, war ein Novum, weil zum ersten Mal eine überregionale und wirtschaftlich eng verflochtene Staatengruppe den automatischen Informationsaustausch implementierte. Dieser Austausch, auch wenn er bis heute nicht vollständig ist, ist ein effektives Instrument gegen Steuerflucht, weil automatisierte Kontrollmitteilungen verhindern, dass den nationalen Steuerbehörden Kapitalerträge ihrer steuerpflichtigen Bürger im Ausland verborgen bleiben.

Die Richtlinie war ein großer Erfolg all jener, die sich über Jahre hinweg für eine größere Steuertransparenz eingesetzt haben. Darüber hinaus wurde es explizites Ziel der EU-Institutionen, den automatischen Informationsaustausch möglichst umfassend zu implementieren, auch mit fünf verbundenen Drittstaaten, zu denen die Schweiz gehört.

Bis heute sind Österreich und Luxemburg durch eine Ausnahmeregelung nicht vom Geltungsbereich der Richtlinie erfasst, aber wachsender Druck der EU-Partner, gerade auch vor dem Hintergrund der Finanzkrise, hatte Verhandlungsbereitschaft der Regierungen erzeugt. Dies war möglich aufgrund eines nahezu einheitlichen Auftretens derjenigen EU-Länder, die die Zinsrichtlinie voll umgesetzt haben. Doch dieser erfolgreiche Prozess wird nun vollständig vom vorgesehenen deutsch-schweizerischen Abkommen konterkariert: Wenn Deutschland mit der Schweiz ein Abkommen unterzeichnet, das statt des automatischen Informationsaustauschs eine Amnestie für die Vergangenheit und eine pauschale anonyme Abgeltungsteuer für die Zukunft vorsieht - warum sollten die Regierungen anderer Staaten wie Österreich und Luxemburg die für sie günstige Ausnahmeregelung aufgeben? Das deutsch-schweizerische Steuerabkommen zerstört die gemeinsame EU-Strategie, indem gerade Deutschland, das sich immer für den automatischen Austausch eingesetzt hatte, aus der gemeinsamen Linie ausschert und die EU-Position hintertreibt.

Die bilateralen Abkommen mit der Schweiz haben also zwei negative Effekte: Erstens wird die Implementierung eines automatischen Informationsaustauschs in der gesamten Europäischen Union dauerhaft verhindert, zweitens gibt es kein einheitliches Auftreten der EU mehr - es droht ein Rückfall in Verflechtungen vieler bilateraler Abkommen, statt die richtige Vorgehensweise gemeinsamer EU-Abkommen und einer EU-weit gemeinsamen Haltung fortzusetzen.

Deutliche Kritik kommt daher aus dem Europäischen Parlament und vom Steuer-Kommissar Algirdas Semeta. Bilaterale Abkommen mit der Schweiz, die mittlerweile auch mehrere andere EU-Staaten anstreben, zerstören so den bislang erfolgreichen Prozess, zu einer gesamteuropäischen Lösung zu kommen. Während nationale Regierungen versuchen, das Problem in Bezug auf die Schweiz zu lösen, erschweren sie die Lösung der Steuerflucht-Problematik mit anderen Staaten. Das ist steuer- wie europapolitisch ein gravierender Fehler.

Fundamentale Gerechtigkeitsprobleme lassen das Abkommen in einem noch schlechteren Licht erscheinen: Steuerkriminelle, die nervenstark genug waren, ihr Geld möglichst lange versteckt zu halten, werden mit einer Amnestie belohnt. Zudem werden sie in den meisten Fällen weniger Steuern nachzahlen müssen als sie auf legalem Weg hätten entrichten müssen. Für die Zukunft gilt eine Abgeltungsteuer, die durch ihre Anonymität nicht nur weiter dazu beiträgt, illegale Aktivitäten zu verschleiern, sondern auch eine leistungsgerechte Besteuerung verhindert, weil ein einheitlicher Steuersatz statt eines progressiven Tarifverlaufs gilt.

Frage der Gerechtigkeit

Und schließlich beinhaltet der Abkommensentwurf zwischen Deutschland und der Schweiz auch zahlreiche Schlupflöcher, etwa bei Stiftungen, Körperschaften und bei der Verhinderung der Transferierung des Kapitals in andere Steueroasen. Gerade in Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderklafft und die sozialen Sicherungssysteme wie die öffentlichen Haushalte finanziell unter Druck geraten, ist es falsch, Steuerabkommen zu beschließen, die dem Staat die Möglichkeit der effektiven Steuerhoheit wegnehmen.

Gerade weil die steigende Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen eine der Ursachen der Krise ist, wird auch eine sozial gerechtere Umverteilung der Einkommen mittelfristig zu mehr ökonomischer Stabilität führen. Das fiskalpolitische Modell der Schweizer Abkommen führt auf Dauer zu reduzierten Steuereinnahmen bei den EU-Mitgliedsländern und wird die desolate Lage der öffentlichen Haushalte verschärfen - auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit.

Bislang sind die bilateralen Abkommen mit der Schweiz nur auf Regierungsebene unterzeichnet, aber noch keines ist bislang von den Parlamenten endgültig ratifiziert worden. Es ist also noch nicht zu spät, auf diesem falschen Weg wieder umzudrehen und zur gemeinsamen EU-Strategie zurückzufinden.  (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2012) Der Text erscheint zeitgleich in der "Süddeutschen" und im "Luxemburger Wort".

Autoren

François Bausch, Fraktionschef der Grünen im Parlament von Luxemburg;

Werner Kogler, Finanzsprecher der Grünen im österreichischen Nationalrat;

Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag,

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Grüne Schizophrenie

Wie wärs wie Steuerbelastung in den EU-Hochsteuerländern auf ein erträgliches Maß zu senken? Eine Steueroase ist nur dann attraktiv, wenn rundherum Steuerwüsten liegen.

Übrigens, die Schweizer kassieren stolze 35% Quellensteuer von den Zinsen liefern einen Großteil an die Wohnsitzstaaten der Kontoinhaber ab. Nur auf den Schutz der persönlichen Daten legen sie weiterhin wert. Es ist schon etwas schizophren, dass die Linken hier plötzlich nach dem Überwachungsstaat rufen

...EU...

...lol...schade drumm! da liest man gestern von der merkel:" wir haben noch nicht genug aus der krise gelernt!"...und jetzt das!? ich meine langsam, dass die rating agenturen recht haben, unsere EU und deren vertreter sind ein witz, denen man sicher kein geld zur verfügung stellen sollte...es wird eh nur verschoben oder versickert itgendwo im landesinneren...

Gut dass das mal wer schreibt,

das sind immer diese unauffälligen, in der Öffentlichkeit kaum sikutierten Sachen hinter den Kulissen, wo immer alles konterkariert wird, immer die Interesen der Finanzstarken verfolgt werden und die Politiker ihre Bevölkerungen darüber deppert sterben lassen.

..die allergrößten heuchler in der krise sind die deutschen!

deutschland = grasser, strasser, maischi, hochegger
(eigentlich der ganze schleimige haufen genannt öhfaubeh) europas!

Alle Steuerschlupflöcher schliessen!

Also auch die englischen UND die US Amerikanischen!

ALLE ...

Nur da werden dann sogar die ärgsten politischen Befürworter in der EU ein Problem haben, denn welcher von denen hat halt nicht doch anstatt in Lichtenstein, der Schweiz oder Luxembourg ein Konto, halt anderswo ... Inselstaaten...

Das Bankgeheimnis

gibt es nur um Steuern zu hinterziehen. Nicht Amnestie sondern härteste Strafen für Steuerflüchtlinge müsste die Konsequenz aus der Situation sein. Aber wer will sich schon selbst schaden? Denn jene die am meisten zu Verbergen haben, haben leider auch am meisten zu sagen.

Also nichts für ungut liebe Grüne, aber ich sehe keinen Zusammenhang zwischen Österreich (EU-Mitglied) und der Schweiz (autonom). Wieso sollte ein bilaterales Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz die Umsetzung einen automatischen Informationsaustauschs innerhalb der EU verhindern? Das wäre höchsten der Fall, wenn sich ein EU-Mitglied vehement dagegen wehrt. Das bezeichnet man dann als reaktionär. Im Übrigen ist eine Vereinheitlichung der Fiskalpolitik innerhalb der EU das angestrebte Ziel und ein adäquates Mittel zur Lösung der Eurokrise. Steuerhinterziehung sollte niemals eine Einnahmequelle sein. Die Schweiz hat das noch nicht verstanden und die Grünen offenbar auch nicht.

dein nich ist dein programm?

lies nochmal.

lesen hilft

vielleicht mal das lesen, um die Zusammenhänge tzu verstehen:
http://derstandard.at/129781841... kgeheimnis

Dieser Zusammenhang ist eben genau nicht schlüssig. Nur weil die Schweizer und Luxemburger durch Bankgeheimnis, Geldwäsche und Unterstützung von Steuerbetrug dem Rest Europas schaden, ist es doch nicht einzusehen, dass Österreich dasselbe macht. Unrecht mit Unrecht bekämpfen kann ja wohl nicht die Lösung sein.

tja "alles sehr kompliziert"

der Zusammenhang besteht und heisst "Zinsenrichtlinie". Die Ausnahme für Österreich besteht solange Schweiz, Andorra, Monaco und Liechtenstein nicht kooperieren.

Äh, ja und? Nur weil formal eine Ausnahmeregelung besteht, heißt das ja nicht, dass diese gutzuheißen ist.

die ausnahmeregelung wird ja auch im text nicht gutgeheißen oO die drei autoren kritisieren dass die ausnahmeregelung bestehen bleibt, weil sich österreich und liechtenstein nicht mehr verhandlungsbereit zeigen werden wenn die schweiz bilaterale verträge mit vergünstigten konditionen erhält.

AH, sorry!!! Hab des ein bissl missverstanden.

das größte

problem sind finanzschürkenstaaten wie die schweiz, lichtenstein, monaco, jersey - und leider zum teil auch österreich.

da die politik zuviel butter auf dem kopf hat, werden die auch nicht viel dagegen tun.

Besuch (bei) der alten Dame:

die alte Dame Claire Suisse wird besucht, hofiert und diktiert ihre Bedingungen. Das Opfer ist nicht Alfred Ill, sondern der EU-Lohnsteuerzahler.

wiedermal wunderbar offensichtlich.
Steuerlobbyismus in reinstform.
Da mussen die großverdiener aber machtig druck gemacht haben auf die entscheidungsgremien in de, damit ihnen nicht die gestohlerenen milliarden flöten gehn.
Wer sich jetzt noch für lobbyismus einsetzt geht mit geschlossernen augen durchs leben !

das hauptproblem der grünen:

der normal-bürger wird NIE vergessen, dass sie schon in den 80ern von einem benzinpreis von ~ 25 schilling geträumt haben.

denn NUR deshalb ist der preis heute fast dort angelangt!

es gibt nur eine einzige partei/bewegung, die in die zukunft blickt. die anderen beschäftigen sich mit heutigem macht/gelderhalt oder mit vorgestrigem.

Benzin/Diesel ist nicht soviel teurer geworden wie etwa Brot oder Wohnen.
Da haben die Grünen weder positiv noch negativ was bewirkt.
Heute kümmert sich die AK ums Wohnen, ich schreibe seit meinen Anfängen im Standrad darüber. Von den Grünen kommt nix. Nur Randthemen für extreme Randgruppen.
Und das (und nicht den Benzinpreis) halte ich denen vor.

haha

sie glauben also, dass die mineralökonzerne nur aufgrund der mächtigen grünen lobby ihre preise treiben können wie sie lustig sind?

das ist einfach nur lächerlich die erdöllobby ist so mächtig die würden die grünen nicht einmal bemerken wenn sie direkt über sie drüber laufen...

aber die grünen in österreich freuen sich sicher darüber, dass sie ihnen zutrauen den benzinpreis der ganzen welt zu beeinflussen (er ist ja nicht nur in österreich gestiegen)

ich finde es eher traurig,

dass sie wie die viele andere auch nicht in der lage sind, dinge durchzudenken.

was hat denn eine umschichtung der abgabenbelastung (hier: zugunsten von zb arbeitseinkommen und zulasten von energieverbrauch) mit einer beeinflussung des ölpreises zu tun?

Nur deshalb?
Wie begründen Sie diese Hypothese?

ich wollte mit diesem bild zeigen,

dass der normalbürger völlig immun gegen langfristiges denken ist.
dass ihm was er HEUTE in der tasche hat viel wichtiger ist als der inhalt von morgen.
und wenn es um sein lieblingsspielzeug geht, dann ist ihm sogar eine aufkommensneutrale abgabe ein einziger graus.

Ebenso könnte man die Hypothese aufstellen:
Gerade weil die Grünen weiterdenken, wissen sie, dass die Ölpreise steigen werden.

Mehr Nachfrage die nicht gedeckt werden kann führt lanfristig zu hohen Preisen.

klar wie klossbrühe:

weil die Grünen im Auftrag der Illuminaten und Klingonen die Welt im allgemeinen und die Ölmärkte im besonderen beherrschen

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