Peking schlägt tibetische Proteste nieder

Johnny Erling aus Peking, 25. Jänner 2012, 18:30

Premier der Exil-Tibeter ruft internationale Gemeinschaft zu Druck auf China auf

Gruppen von Tibetern stürmten die Polizeistation Chenguan im Kreissitz Seda in den tibetischen Gebieten von Südwestchinas Provinz Sichuan. "Der Mob griff mit Benzinflaschen, Messern und Steinen an. Die Eindringlinge verletzten 14 Polizisten. Chinas bewaffnete Polizei schoss scharf zurück", nachdem ihren Angaben zufolge "alle Versuche, den Mob zu zerstreuen und die Anwendung nicht tödlicher Waffen fehlschlug." Dabei sei ein Aufrührer getötet worden. Ein weiterer wurde verletzt und 13 verhaftet.

Mit dieser knappen Schilderung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua hat Peking erstmals am Mittwoch den Ausbruch von Unruhen mit blutigen Übergriffen auf zwei chinesische Polizeistationen bestätigt.

Xinhua meldete für Montag und Dienstag Angriffe eines "Mobs an Aufrührern" auf die Polizeikräfte in tibetischen Teilen Sichuans. Dabei wurden mindestens zwei Tibeter erschossen. Am Montag hätten die Aufrührer eine Polizeistation im Kreis Luhuo angegriffen, wobei ein Tibeter starb und fünf Polizisten verletzt wurden. Die Übergriffe weiteten sich dann auf die Straßenzüge um die Polizeistation aus. Zwei Polizei- und zwei Feuerwehrwagen wurden beschädigt, der "Mob" hätte Läden und eine Bankfiliale gestürmt.

Der Sprecher des Pekinger Außenministeriums Hong Lei erklärte am Dienstag, dass unter den "Dutzenden Tibetern", die die Polizeistation in Luhuo stürmten, auch "Mönche" waren.

Am Dienstag griffen die Unruhen auf die Chenguan-Polizei-Station in Kreissitz Seda der autonomen tibetischen Ganzi-Präfektur über.

Auslöser für die schwersten Zusammenstöße seit März 2008 seien, so schreibt es Xinhua, "Gerüchte über Selbstverbrennungen von weiteren drei Mönchen gewesen, deren Körper nicht in die Hand der Behörden fallen sollten". Die amtliche Nachrichtenagentur zitierte Tibetologen, die für das Sichuaner Tibet-Institut arbeiten. Sie machen offenbar den Dalai Lama verantwortlich und nannten die Attacken auf die Polizeistationen "vorbereitete und organisierte Gewalt."

Dagegen sprechen Organisationen der Exiltibeter, wie die in London beheimatete International Campaign for Tibet, von massenweisen lokalen Protesten, bei deren Niederschlagung allein am Montag mindestens drei Tibeter getötet und Dutzende durch Schusswaffen verletzt wurden. Andere Angaben sprechen von bisher fünf Toten. Augenzeugen beschrieben eine "Zerstörungswut, die sich gegen alles richtete, was für Chinas Regierung stand oder Han-Chinesen gehörte".

Appell der Exil-Tibeter

Der weltliche Premier der Exiltibeter, Lobsang Sangay, forderte internationalen Druck auf China, um "weiteres Blutvergießen zu vermeiden." Auch eine Koalition von 185 tibetischen Exilorganisationen und Unterstützungsgruppen appellierte an die internationale Gemeinschaft, sie solle auf Peking einwirken, um die Lage zu deeskalieren.

Die neuen Unruhen kommen vor dem Hintergrund einer verstörenden Serie von inzwischen 17 Selbstverbrennungen von Mönchen und Nonnen in den vergangenen elf Monaten. Mindestens neun Personen sollen an ihren Brandverletzungen gestorben sein. Die Mönche sollen vor ihrem Opfergang Parolen gegen Chinas Religionsunterdrückung und für eine Rückkehr des Dalai Lama gerufen haben.

Unabhängige Berichte gibt es nicht aus tibetischen Regionen. Peking hat den Besuch für Journalisten gesperrt. Reiseagenturen meldeten inzwischen, dass Tibets Behörden - so wie im vergangenen Jahr - auch 2012 ausländische Touristen für die Zeit von 20. Februar bis Ende März nicht nach Tibet einreisen lassen wollen. Das ist die Zeit des tibetischen Frühlingsfestes. Im März jähren sich auch die Jahrestage der Volksaufstände gegen die chinesische Oberherrschaft.

Unterdessen hat Peking eine patriotische Propaganda-Kampagne in der tibetischen Provinzhauptstadt Lhasa gestartet. Zum Beginn des chinesischen Frühjahrsfestes am 23. Jänner hängte die Provinzregierung in Lhasa laut Xinhua ein "gigantisches Portrait" der vier Führer Chinas (Mao Tsetung, Deng Xiaoping, Jiang Zemin und Hu Jintao) vor dem Regierungsgebäude aus. Zugleich ließ die Provinzregierung Millionen nationaler Staatsfähnchen der Volksrepublik China zum Ausschmücken in Lhasa verteilen. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 120
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Mariana
13
26.1.2012, 20:44
Wie in den finstersten Zeiten der Kulturrevolution

Scheinbar wurde ein Tibeter aus dem Gefängnis entlassen und ist zu Hause verstorben. Diese Nummer ziehen die Chinesen schon seit vielen Jahren durch - es macht sich ja nicht so gut, wenn da steht "im Gefängnis gestorben". Da würden wir wohl auch zu Steinen und Knüppeln greifen.

Ab und zu dringt trotz schärfster Überwachung doch etwas "nach draußen". Anbei Bilder aus Tibet, die die Wahrheit offenbaren:

http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ftc... _3.12.html

Schilder um den Hals mit dem "Verbrechen" gab es im Mittelalter auch in Europa - Pranger nannte sich das. Ob es den chinesischen Parteikadern irgendwann einmal gelingt, das Mittelalter in den eigenen Köpfen zu überwinden?

Was haben diese Leute denn noch zu verlieren?

"Able Danger"
11
26.1.2012, 16:06
Wirtschaftsboykott jetzt

Keine Importe mehr aus China!!

*lol*

readymate
01
27.1.2012, 14:41
Bin für mehr Exporte

dorthin - von Ihresgleichen...!

.

Lichtfreak
00
26.1.2012, 16:06
Wo bleibt die NATO?

Luftraumsperre über China ...

Da ginge dem einen oder anderen General sicher zuerst mal einer ab!

papst benedikt
56
26.1.2012, 15:54

komisch: wenn taliban in afghanistan polizeistationen oder kasernen angreifen, wird nie von "protesten" gesprochen sondern von terror.

readymate
01
27.1.2012, 14:39
Die Tibeter

mit den Taliban vergleichen, dazu muss sich schon einiges im Kopf verschoben haben...!

.

morgen war gestern
11
26.1.2012, 18:03

"griff mit Benzinflaschen, Messern und Steinen an."

das als "protest" zu bezeichnen, ist ja bei allem verständnis auch purer euphemismus.

_ricko_
33
26.1.2012, 15:41
hintergrundinformation über kontra-"free tibet"

sklaverei, horrormönche, verstümmelungen, vieles wird neuerdings den tibetern umgehängt um die unrechtsmäßige besetzung des landes durch china zu legitimieren - manche posts zeugen davon.

dabei wird bewusst geschichtliches epochal vermischt, spezielle ereignisse zur norm stilisiert, sitten und bräuche verquert.

nach längerer spurensuche zeigte sich auf "sozialismus.net" - der homepage für links-autoritär-affine jungstalinisten, die verbreiter dieser märchen.

tibet ist ein friedliebendes land, von china besetzt, inzwischen von der han-elite demographisch unterwandert und hoffungslos verarmt.

miette
10
link oder hinweis

wo genau ich etwas zu diesen behauptungen auf sozialismus.net finden kann? wär super. hab jetzt so überflogen, aber es gibt so viele artikel zu tibet, und so chinafreundlich scheinen die nicht... bzw fand ich einen, der beschreibt dass es in tibet grausam zuging und der dalai lama alles andere als ein heiliger ist, aber er legitimiert damit die chinesische besetzung nicht...
aber wie gesagt, hab längst nicht alles gelesen dort, daher würds mich interessieren. danke

best 29091964
11
26.1.2012, 15:38
Eskalation war vorauszusehen....

doch der Westen schaut einfach zu, wie ein Volk im 21. Jahrhundert im eigenen Land drangsaliert und gedemütigt wird. Die Menschenwürde zählt nichts in China, daher ist es nicht verwunderlich was in Tibet passiert. Mit allen Mitteln wollen die Chinesen die Region kontrollieren um sie ökologisch auszubeuten und strategisch abzusichern. Gnade Indien und den anderen angrenzenden Ländern wenn nicht bald etwas passiert.

byron sully
12
26.1.2012, 15:34

und der westen schaut zu bzw. macht mit dem verbrecherregime gute geschäfte...

Mirko Czentovic
53
26.1.2012, 14:49

Rassimus, spirituell überzuckert passt schon, brutale Pogrome gegen Chinesen, kein Problem, Ausbau der Infrastruktur = Zerstörung von Kultur, Hass und Gewalt gegen Zuwanderer = Freiheitskampf. Willkommen in der Welt von "free Tibet"

readymate
01
27.1.2012, 14:35
Alles Rassisten,

die sich gegen ihre kulturelle und bis jüngst auch immer wieder physische Auslöschung wehren, nicht wahr..?!

.

sauereiter
01
26.1.2012, 15:10

Rassimus, spirituell überzuckert passt schon, brutale Pogrome gegen Ju_en, kein Problem, Ausbau der Infrastruktur = Zerstörung von Kultur, Hass und Gewalt gegen Zuwanderer = Freiheitskampf. Willkommen in der Welt von "free Palestine"

Logyal
36
26.1.2012, 14:12
Der größte menschenrechtliche Skandal am Planeten

Hier geht Materialismus (marxistisch verbrämter) direkt gegen Spiritualität (wenn's auch ein korruptes Feudalsystem gab) vor.
Permanenter Genozid, unwiederbringliche Zerstörung einmaliger Werte, ethnische Verdrängung, Zwangssterilisation, Folter und darüber eine verlogene Berichterstattung...
Die profitgeilen "Handelspartner" haben schmutzige Hände und der Konsument eine Verantwortung...

knuuuut
01
26.1.2012, 15:06

geb ihnen recht. allerdings kann in diesem fall der konsument ned so recht aus. anders als bei fleisch/eier/milch gibt's oft keine alternative zu den chinesischen produkten, bzw. bie vielen sachen weiß man's nicht mal - dazu müßt' man sich was überlegen.

girls in the cage
34
26.1.2012, 14:10
Bewaffneter Angriff (laut CNN) = Protest?!

Na ich weiss nicht lieber standard, ob man das als Portest Einstufen sollte, in jeder anderen Region wärs wohl ein "Angriff" gewesen.

Besonders in der Tibetfrage passen die Chinesen sehr stark auf, das es zu keiner Gewalt kommt, weil Tibet international ja ein wenig Narrenfreiheit hat..

Mariana
01
30.1.2012, 20:59
Keine Gewalt?

Die chin. Parteikader und Militärschergen passen eher 'sehr stark auf', dass es nur ja keine Augenzeugen hinsichtlich der Gewalt in Tibet gibt.

Die neuesten Fotos aus Tibet zeigen ja sehr eindrücklich die wahren Zustände in Tibet. Dort geht es scheinbar zu wie in den finstersten Zeiten der Kulturrevolution. Schon damals hatten die Parteikader eine starke Affinität zu Schildern um den Hals mit dem jeweiligen "Verbrechen" drauf.

readymate
01
27.1.2012, 14:32
Durch Käfighaltung

verdreht sich einem leicht die Weltsicht...!

.

knuuuut
14
26.1.2012, 15:09

tibet hat narrenfreiheit? ich seh das eher so, dass china narrenfreiheit genießt. jeder andere staat hätt probleme, würd er so agieren wie china das in bezug auf tibet tut.

Don Quixote1
01
26.1.2012, 14:46

Narrenfreiheit genießt China, als Großmacht. Niemand will sich mit China anlegen. Die Berichterstattung geht auch nach dem Geschmack der chinesischen Führung, auf jedem Fall so lange, bis das Westen von China finanziell abhängig ist.

king hadrian
65
26.1.2012, 13:48
ich mag die Grinsekatze nicht

diamant
00
26.1.2012, 14:44
Ich mag Alice

Don Quixote1
11
26.1.2012, 13:41
Unabhängigkeit, Demokratie oder Völkerrecht reichen ohne Öl nicht aus um

einzugreifen. Weder die Völkergemeinschaft noch der Weltpolizist USA wird hier gegen ihren Hauptgläubiger China vorgehen.

Eben, ohne Rohstoff ist Tibet ebenso unwichtig wie Ungarn in 1956 und seit dem noch einige niedergeschlagene Freiheitsbewegungen in Afrika.

Stahl_____666
33
26.1.2012, 13:21
.

Jetzt is der Artikel fast 20 Studen online.

Ein bewaffneter Angriff ist kein Protest, zumindest nicht in der zivilisierten Welt.

Also bitte weg mit der Überschrift.

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