Heikle Schuldfrage nach Bauchfleck im Stadthallenbad

25. Jänner 2012, 18:01
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Der Architekt will es nicht gewesen sein, die Stadt schon gar nicht

Wien - Man stelle sich vor, sagt Christian Oxonitsch, der Privatmensch Christian Oxonitsch ließe sich bei seinem Kleingartenhäuschen ein neues Dach machen - und dann regnet's dort rein. "Kein Mensch wird auf die Idee kommen, mir als Auftraggeber die Schuld zu geben." Nun ist Christian Oxonitsch nicht nur Privatmensch, sondern auch roter Wiener Sportstadtrat, und als solcher zuständig für das Stadthallenbad. Eigentlich hätte das in wenigen Tagen nach einer 17 Millionen Euro teuren Komplettrenovierung wieder eröffnen sollen - bis am Montag wegen eklatanter Mängel ein Baustopp verhängt wurde. Unter anderem sind alle drei Becken des Bades leck.

Sachverständige des Gerichts sollen nun die Frage klären, wer Schuld ist an der Misere. Architekt Georg Driendl wies bereits alle Schuld von sich; sämtliche Probleme fielen "nicht in den Aufgabenbereich des Generalplaners" . Dass es bei so einer komplexen Renovierung "nicht einfach festzustellen ist, wo der Fehler liegt" , räumt auch Stadtrat Oxonitsch ein: "Genau deshalb haben wir einen gerichtlichen Sachverständigen beauftragt."

Sandra Hofmann, derzeit Chefin des Sportamtes (MA 51) und ab 1. Februar Geschäftsführerin der Stadthalle, will "keine Pauschalverurteilung machen - aber wir nehmen auch niemanden aus der Verantwortung" . Der Fehler könne beim Generalplaner oder bei den ausführenden Firmen liegen oder aber bei der Bauaufsicht - allesamt Leistungen, die EU-weit ausgeschrieben worden seien. Die Stadt habe mit der Bauaufsicht jedenfalls nichts zu tun: "Wenn wir dafür ausgebildete Mitarbeiter hätten, dann würden wir diese Leistung ja nicht zukaufen" , sagt Hofmann.

Ursachenforschung im Bad

Für Bauarbeiter gibt es im Stadthallenbad derzeit keinen Zutritt, die Sachverständigen sind dort mit der Beweissicherung beschäftigt; wie lange das dauert, das kann Hofmann momentan nicht abschätzen. Gesucht und gefunden werden muss außerdem die Ursache für den Wasseraustritt - und tunlichst auch eine Lösung für das Problem.

Stadtrat Oxonitsch verteidigt im Standard-Gespräch einstweilen die Sperre des Bades, dessen Fertigstellung ursprünglich schon für Herbst 2011 angekündigt worden war. "Ich habe keine Lust, die Mängel im laufenden Betrieb reparieren zu lassen. Wie stellt man sich das vor? Dass ich im Sommer das Stadthallenbad nochmals für ein paar Wochen sperren lasse? Sicher nicht." (Andrea Heigl, Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

  • Würde man hier Wasser einfüllen, würde es prompt wieder ausrinnen - alle drei Becken des Bades sind undicht.
    foto: der standard/cremer

    Würde man hier Wasser einfüllen, würde es prompt wieder ausrinnen - alle drei Becken des Bades sind undicht.

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