Deutsche Wirtschaft "hat den Boden gefunden"

Lukas Sustala, 25. Jänner 2012, 22:46

ifo-Index zeigt Wendepunkt für Konjunktur an - US-Notenbank: Nullzinspolitik bis Ende 2014

München/Wien/Washington - Die deutsche Konjunktur trotzt dem widrigen makroökonomischen Umfeld. Der ifo-Geschäftsklimaindex, ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaft von Österreichs wichtigstem Handelspartner ist im Jänner auf 108,3 Punkte gestiegen. Das ifo-Institut befragt monatlich knapp 7000 Firmen zu ihren Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen für die kommenden Monate.

Die positive Einschätzung der Unternehmen für die kommende Geschäftsentwicklung könnte eine Konjunkturwende in Deutschland andeuten. Denn drei Monate an Steigerungen des Index in Folge hätten sich in der Vergangenheit als treffsicherer Indikator für einen kommenden Aufschwung erwiesen. Andreas Rees, Ökonom der UniCredit: "Das signalisiert einen Wendepunkt in der deutschen Konjunkturentwicklung. Wir haben im ersten Quartal beim BIP den Boden gefunden." Das vierte Quartal 2011 könnte damit das einzige gewesen sein, in dem die deutsche Wirtschaft geschrumpft ist, rechnen nun Ökonomen. Die Wahrscheinlichkeit einer technischen Rezession von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit einer Schrumpfung der Wirtschaft "ist damit klar gefallen", glaubt etwa Thomas Harjes, Ökonom von Barclays Capital.

Notenbanken gefragt

Das positive Signal aus der deutschen Wirtschaft kommt nur einen Tag nach den Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone, die unerwartet auf 50,4 Punkte gestiegen waren. Ein Wert über 50 signalisiert eine Expansion der Geschäftstätigkeit. Besonders in den Dienstleistungsbranchen hatte sich die Stimmung aufgehellt.

Die jüngste Belebung der Konjunktur ist gerade auch auf die USA zurückzuführen. Im vierten Quartal 2011 könnte die größte Volkswirtschaft der Welt mit knapp drei Prozent auf das Jahr hochgerechnet gewachsen sein, schätzen von Reuters befragte Ökonomen. Dies wäre das höchste Wachstum seit knapp zwei Jahren. Auch in den USA haben sich zuletzt einige Wirtschaftsdaten aufgehellt, die Arbeitslosigkeit ist nach jüngsten Daten auf 8,5 Prozent gefallen.

Das verbesserte Wirtschaftsumfeld dürfte die US-Notenbank Fed etwas von ihrer stützenden Rolle für die Wirtschaft entlasten. Sie hat nach der Krise mit der Senkung der Leitzinsen auf null Prozent und dem Ankauf von Wertpapieren über 2,3 Bio. Dollar die Wirtschaft gestützt. Nun will die Fed ihre Nullzinspolitik sogar bis mindestens Ende 2014 beibehalten. Vor diesem Zeitpunkt sei wegen der schwierigen konjunkturellen Lage wahrscheinlich nicht mit einer Zinserhöhung zu rechnen, teilte die Fed am Mittwochabend nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses mit. Die Fed gab in ihrer fast hundertjährigen Geschichte erstmals auch ein Inflationsziel; sie peile langfristig eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Andere wichtige Notenbanken wie die Europäische Zentralbank oder die Bank von England haben seit vielen Jahren Inflationsziele - teils selbst gewählt (EZB), teils von der Regierung vorgegeben wie bei den Briten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2012)

MrE
00
26.1.2012, 07:21
die frage ist wohl....

.... finanzwirtschaft oder realwirtschaft!?

dann sind die prognosen extremst unterschiedlich.

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