1993 im Regelschulwesen verankert - In Kärnten kämpfen Eltern für Sonderschule
Wien - Bernd Schilcher hat großen Anteil daran, dass die Steiermark das "Inklusionsbarometer" der Lebenshilfe anführt: 81,2 Prozent der Kinder mit körperlichen oder intellektuellen "Beeinträchtigungen" besuchen dort eine integrative Regelschule - und keine Sonderschule. In Niederösterreich dagegen werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überwiegend in Sonderschulen unterrichtet, nur 28,3 Prozent von ihnen sind in Integrationsklassen.
Schilcher (ÖVP) hat als steirischer Landesschulratspräsident von 1989 bis 1996 inklusive Schulen "sehr bewusst forciert", sagt er im STANDARD-Gespräch: "Natürlich hatten wir auch das politische Backing durch Landeshauptmann Josef Krainer - und ohne Unterrichtsminister Rudolf Scholten wäre alles nicht gegangen."
Unter dem SPÖ-Minister wurde 1993 Integration im Regelschulwesen für Volksschulen verankert
Schilcher ist wie die Lebenshilfe (DER STANDARD berichtete) für ein Ende der Sonderschulen. "Nur inklusiver Unterricht" - quasi das Ideal individualisierter Schule - entspreche der UN-Behindertenrechtskonvention. Das gemeinsame Lernen sei "lebensbildend" für alle, sagt Schilcher, der aber auch Kritiker versteht: "Eltern fühlen ihre Kinder hie und da in Sonderschulen besser aufgehoben, weil sie oft schlechte Erfahrungen in Regelschulen gemacht haben."
So kämpfen etwa Eltern für den Erhalt des Sozialpädagogischen Zentrums Kärnten in Klagenfurt, das 123 behinderte Schüler - 63 in der Sonderschule - betreut. Trotz FPK-ÖVP-Regierungsbeschlusses zur Sanierung soll das derzeit einzige Zentrum dieser Art nur noch in reduzierter Form erhalten und dezentralisiert werden. Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) will unter Berufung auf die UN-Behindertenrechtskonvention in ganz Kärnten "wohnortnahe" Betreuung realisieren. Das erste regionale Schul-Inklusionszentrum ist in Völkermarkt geplant.
Von der SPÖ kommt Widerstand. Das würde die Kinder "unmenschlich aus ihrer gewohnten Umgebung reißen", kritisiert Landesrätin Beate Prettner. Sie fordert ein "mittelfristiges Übergangsmodell für dezentrale Inklusion" - und bis dahin den Erhalt der Qualität des Zentrums in Klagenfurt. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)