Der Kampf um die "richtige" Integration

25. Jänner 2012, 18:07
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    foto: standard/cremer

    Schilcher über Sonderschulen: Nur inklusiver Unterricht entspreche der UN-Behindertenrechtskonvention.

1993 im Regelschulwesen verankert - In Kärnten kämpfen Eltern für Sonderschule

Wien - Bernd Schilcher hat großen Anteil daran, dass die Steiermark das "Inklusionsbarometer" der Lebenshilfe anführt: 81,2 Prozent der Kinder mit körperlichen oder intellektuellen "Beeinträchtigungen" besuchen dort eine integrative Regelschule - und keine Sonderschule. In Niederösterreich dagegen werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf überwiegend in Sonderschulen unterrichtet, nur 28,3 Prozent von ihnen sind in Integrationsklassen.

Schilcher (ÖVP) hat als steirischer Landesschulratspräsident von 1989 bis 1996 inklusive Schulen "sehr bewusst forciert", sagt er im STANDARD-Gespräch: "Natürlich hatten wir auch das politische Backing durch Landeshauptmann Josef Krainer - und ohne Unterrichtsminister Rudolf Scholten wäre alles nicht gegangen."

Unter dem SPÖ-Minister wurde 1993 Integration im Regelschulwesen für Volksschulen verankert

Schilcher ist wie die Lebenshilfe (DER STANDARD berichtete) für ein Ende der Sonderschulen. "Nur inklusiver Unterricht" - quasi das Ideal individualisierter Schule - entspreche der UN-Behindertenrechtskonvention. Das gemeinsame Lernen sei "lebensbildend" für alle, sagt Schilcher, der aber auch Kritiker versteht: "Eltern fühlen ihre Kinder hie und da in Sonderschulen besser aufgehoben, weil sie oft schlechte Erfahrungen in Regelschulen gemacht haben."

So kämpfen etwa Eltern für den Erhalt des Sozialpädagogischen Zentrums Kärnten in Klagenfurt, das 123 behinderte Schüler - 63 in der Sonderschule - betreut. Trotz FPK-ÖVP-Regierungsbeschlusses zur Sanierung soll das derzeit einzige Zentrum dieser Art nur noch in reduzierter Form erhalten und dezentralisiert werden. Soziallandesrat Christian Ragger (FPK) will unter Berufung auf die UN-Behindertenrechtskonvention in ganz Kärnten "wohnortnahe" Betreuung realisieren. Das erste regionale Schul-Inklusionszentrum ist in Völkermarkt geplant.

Von der SPÖ kommt Widerstand. Das würde die Kinder "unmenschlich aus ihrer gewohnten Umgebung reißen", kritisiert Landesrätin Beate Prettner. Sie fordert ein "mittelfristiges Übergangsmodell für dezentrale Inklusion" - und bis dahin den Erhalt der Qualität des Zentrums in Klagenfurt. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

sociovation
01
26.1.2012, 16:37
Kärnten braucht sowieso nur Sonderschulen

Tschuldigung - aber das war jetzt wirklich aufgelegt...

B_Kreisky
 
01
26.1.2012, 13:21

Der Ktn. LR Ragger hat sogar mehrfach von klaren Bundesvorgaben gesprochen (nicht nur von der UN-Konvention). Auch einem zwingenden Inklusionfahrplan (offensichtlich von der Lebenshilfe abgekupfert) wollte er den Betroffenen zur Umsetzung seiner durchsichtigen Spar-Interessen weiß machen. Ein ganz ein „schlauer“ und unverfrorener dazu, dieser kleine Problemreferent aus dem Lavantal. 5000 Unterschriften zur Umsetzung der von ihm selbst (!) beantragten und bewilligten Sanierung des Sozialpädagogischen Zentrums hat er negiert. Ich hoffe, dass zur Kärntner Bevölkerung jetzt wenigstens die Klarstellung der Ministerin durchdringen wird. Man mag gar nicht glauben, wieviel Schwachsinn und Präpotenz sich in diesem Kärntner Referat konzentrieren.

LL MM
22
25.1.2012, 21:23

Noch einmal:

Inklusion ist nicht gleich Integration. Beides fängt zwar mit demsselben Buchstaben an und hat irgendwie mit Lernschwachen und/oder Behinderten zu tun, darf aber nicht in einen Topf geworfen werden.

Auch Schilcher scheint den Unterschied nicht zu kennen, denn in den 90er-Jahren wurde die Integration und nicht die Inklusion eingeführt.

Aber so ein toller Experte wie er muss ja nicht alles wissen, solange er sich selbst loben darf.

D/E
00
28.1.2012, 08:29
Dass so etwas noch rot gestrichelt wird,

lässt mich ehrlich am Verstand mancher Poster/innen zweifeln.

Schilcher hat, auch wenn er hundertmal als Experte gepriesen wird, halt nur die Ahnung, die man so als Landesschulratspräsident erwirbt: Die Vogelperspektive.

Details (wie etwa die Realität an den Schulen) verwirren nur.

Auch Fachliteratur zu lesen macht Kopfweh und alles wird so kompliziert.

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