Neuer Verein "Burn Aut"

"Burn-out ist keine Modeerkrankung"

25. Jänner 2012, 16:27

Neuer Verein "Burn Aut" will Diskurs über Arbeitsqualität führen - Symposium am 27. und 28. Jänner

Wien - Hyperaktivität und Bereitschaft zu unbezahlten Überstunden - so kann sich ein Burn-out am Anfang äußern. Fast alle Berufsgruppen sind betroffen. Der Begriff "Burn-out" stehe zwar immer wieder in den Schlagzeilen, die Informationslage sei aber schlecht, kritisierte Michael Musalek, ärztlicher Direktor des Anton Proksch Instituts, bei einer Pressekonferenz in Wien. Der neu gegründete Verein "Burn Aut" will nun zu einem seriösen öffentlichen Diskurs beitragen. Er fordert zudem die zahlenmäßige Erfassung der Betroffenen.

Änderung des Arbeits- und Erholungsverhaltens

Wer vom Burn-out betroffen ist, fühlt sich ausgelaugt und kann die gewohnte Leistung nicht mehr erbringen. Zumindest hat der Betroffene selbst diesen Eindruck. Auch gegenüber den Menschen, mit denen er arbeitet, hat der Erkrankte eine negative Einstellung, erklärte der Neurologe Wolfgang Lalouschek. Abhängig sei dieses "hochkomplexe Phänomen" von der psychischen Verfassung des Betroffenen und von den Arbeitsbedingungen. Nicht jeder, der Symptome hat, sei aber schon krank, betonte Musalek. Werden diese ersten Anzeichen - dazu gehören Hyperaktivität und die Bereitschaft zu unbezahlter Mehrarbeit - richtig eingeordnet, sei eine Behandlung gar nicht notwendig. In diesem Fall reiche eine Änderung des Arbeits- und Erholungsverhaltens aus.

In einer späteren Phase könne man aber sehr wohl von einer Krankheit sprechen. Eine Therapie müsse dann eine medizinische Komponente haben, sagte Lalouschek. Zum Erfolg können aber auch eine Psychotherapie oder ein Coaching führen. Der schwierigste Teil der Behandlung ist die Neugestaltung des Lebens, waren sich die Mediziner einig. Wichtig sei es, auch die Angehörigen in die Therapie einzubeziehen, da dieses Leiden Auswirkungen auf das soziale Umfeld der Betroffenen hat.

Der Verein "Burn Aut" möchte sich in Österreich als Kompetenzzentrum für Arbeitsqualität und Burn-out etablieren und eine Plattform sein, die interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht. Am 27. und 28. Jänner findet im Wiener Palais Ferstel das Symposium "Burn-out - Ursachen und Folgen" statt. (APA)

Symposium "Burn-out - Ursachen und Folgen"

Programm und Anmeldung

Kommentar posten
24 Postings
Mag.mag
02
Burn-out

Ich will nur kurz einwerfen das der Begriff Burn-out schon eine Modeerscheinung ist jedoch keine Modeerkrankung. "Burn-outs"gab es schon immer nur wurde dies anders betitelt. In der psychologischen Diagnostik ist der Begriff Burn-out schon mal gar nicht zu finden und kann nicht diagnostiziert werden nach DSM IV oder ICD-10. Vielmehr ist es eine extreme psychische und körperliche Belastung durch Stressoren die der Betroffene alleine nicht mehr bewältigen kann. Diese Belastungen können sogar in depressiven Phasen oder Angstzuständen enden wenn nicht rechtzeitig reagiert wird.

Zwergsteirer
00
26.1.2012, 18:36
meine frage:

warum werden soviele burnout´s frühpensioniert ?

Dr. Faust
11
26.1.2012, 14:44
Mobbing

Frage an die Community: Besteht nicht ein gewisser Zusammenhang zwischen burn-out und mobbing?
Wenn ich da mich selbst als Beispiel nehmen darf: Solange ich mich total eingebracht und quasi "aufgeopfert" habe, aber dafür Anerkennung (sonst NICHTS) bekommen habe, war das irgendwie erträglich. Aber erwartete Mehrarbeit OHNE Anerkennung - das geht nicht!

Transalpin2
00
28.1.2012, 23:06
Goethe ist schuld?!

Seit 1808 halten viele Deutschsprachige ihre schlechte Stimmung, wenn sie mal den Bues haben, schon für eine faustisch-existenzielle Tragödie?!

Im Ernst: Natürlich geht das, dass Arbeitgeber Mehrarbeit erwarten und weder höheren Lohn noch Anerkennung rüber fahren. Das geht, solange sich genügend Leute sowas gefallen lassen, und sich im Zweifelsfall in Begriffe wie "Burn Out" flüchten.

Ferdinand Lachinger
12
26.1.2012, 10:09

Burnout ist die Krankheit unserer Zeit, bald werden ganze Nationen im Burnout sein und sind es zum Teil schon. Tja mit dem Motto "ALLES ist nicht GENUG" was ja Standart ist heutzutage, kann wohl nix anderes rauskommen.

Transalpin2
10
28.1.2012, 23:08
auch im Land der ehemaligen,

oft sehr begeisterten Standartenführer heisst es immer noch "Standard". Siehe die URL für diese Postings.

Ferdinand Lachinger
01
31.1.2012, 08:57

Ok jetzt weis ich an was Sie Interesse haben.

Alfred Zopf
02
26.1.2012, 06:29
Es fehlt die Arbeitsplatzanalyse ?

Erstaunlich, dass die wichtigste Komponente bei burnout fehlt, wie schauen die Arbeits-Rahmenbedingungen aus, dass sich burnout entwickeln kann ? Erst wenn klar ist, dass die Belastungen am Arbeitsplatz nichts mit burnout zutun haben kann sind medizinische Individualinstrumente vorrangig. D.h. die Arbeitspsychologie bzw. Organisationsanalyse ist gleichrangig mit Ps<ychotheapie, etc. zu bewerten. Weil aber nur von Psychotherapie, Medikamente, Coaching, etc. gesprochen wird lässt die Vermutung zu es geht ums Abzocken von burnout-Opfer und nicht um wirklich das Zurückdrängen von burnout im Berufsleben.

deaschowida
09
26.1.2012, 08:17
rein akademischer zugang

Sie werden keinen arbeitgeber finden, der zugibt, dass unbezahlte überstunden einfach erwartet werden, dass ihm der umgangston sche*ßegal ist und mobbing als guter führungsstil betrachtet wird.

ganz im gegenteil. meistens wird der mitarbeiter verantwortlich gemacht, er hätte sich nicht mitgeteilt, obwohl das sogar schon der dümmste mitbekommen hat.

rosebud2
010
26.1.2012, 09:00
Ganz genau. Es ist immer der Mitarbeiter schuld.

Die Betriebe sehen in diesem Bereich überhaupt keine Verantwortung. Und obwohl viel von Arbeits- und Organisationspsychologie die Rede ist, hat sich dieses Thema noch nicht in der Anwendung realisiert. Burn out kann verschiedenste Ursachen bei verschiedenen Menschen haben. Eine Ursache sind definitiv unorganisierte, unstrukturierte Arbeitsplätze ohne Stellenbeschreibung, ohne abgeklärte Kompetenzen mit unfähigen Führungskräfte etc. Selbst erlebt: Eine Chefin die überhaupt keine soziale Kompetenz hatte, ein Büro in dem man andauernd gestört und unterbrochen wurde, Mitarbeiterinnen, die glaubten, man ist für alles zuständig. Vorschläge zur lösung des Problems wurden ignoriert. Die Folgen und die Kosten kann man selbst tragen.

RS69
 
10
16.2.2012, 14:26

"ein Büro in dem man andauernd gestört und unterbrochen wurde, Mitarbeiterinnen, die glaubten, man ist für alles zuständig. Vorschläge zur lösung des Problems wurden ignoriert."

Dahinter verstecken sich üblicherweise eigene Probleme: Nicht Nein-sagen können, ...

rosebud2
00
16.2.2012, 16:20
Dies war hier nicht der Fall

...das Problem dort war strukturbedingt und kostenbedingt. Letztendlich wurde durch einen neuen Geschäftsführer die veranwortliche Chefin nachdem ich gekündigt hatte, entlassen, wie ich später erfuhr.
Das war jener, der dann aufgeschlossen war, das Problem erkannte und es als neuer Verantwortlicher auch lösen "wollte".

Chocoholic
00
29.1.2012, 19:54
Grossraumbüro ist heute üblich, das abgeschiedene Einzelbüro die Ausnahme.

devil duck
03
26.1.2012, 09:56

könnte es sein dass wir kollegen sind? klingt wie bei mir:(

deaschowida
01
26.1.2012, 19:18
dieser tumor hat sich längst überall

ausgebreitet.

freunde, verwandte, bekannte. alle erzählen mir das gleiche.

orpheus1
10
25.1.2012, 21:07
auch das Weltwirtschaftsforum leidet daran...

laut einem Sprecher in Davos leidet auch das Weltwirtschaftsforum am Burn-Out Syndrom.

Dass diese Damen und Herren an einer psychiatrischen Erkrankungen leiden, war die letzten 2 Jahre nur zu deutlich. Bei den derzeitigen Behandlungsoptionen (Demenzpillen) sind wir sie wenigstens fuer immer los.

Nexialist
04
25.1.2012, 20:59
nun, daß BO keine Modekrankheit ist war ja klar

das hat es immer schon gegeben und es bewirkt eine generelle Schwächung des gesamten Organismus...

man schläft weniger, wird aggressiver, ist immer weniger leistungsfähig, Haarausfall, Hautalterung, usw.

üblicherweise ist man ab 30 sehr gefährdet, aber ab da gibt es kein Limit nach oben.

Ein Achten auf die Work-Life-Balance ist enorm wichtig - immer auf ausgleichenden Sport und Freizeitnutzung achten. Kein Job ist wichtiger als das Leben.

...habe es selber erst lernen müssen...

anders and
 
50
25.1.2012, 21:05

Ich denke, dass das Risiko für ein Burnout ab 45/50 Jahren sinkt

man nimmt nicht mehr alles so ernst, hat keinen Stress mehr mit den Kindern und bald auch Freude mit den Enkeln.

quack
01
25.1.2012, 19:30
Pleite?

Soll das die Rettung vor der Pleite des AntonProkschInstitutes sein? Will Musalek das Institut so aus der von ihm verschuldeten Misere lenken? Na dann, burn in, Herr Musalek!!

napfiatgott
00
29.1.2012, 17:23
bei diesen Coaches

gelingt das bestimmt!
http://www.internic.at/bin/whois... urnaut.com

Dr. Muffel
01
25.1.2012, 18:39
Manche wollen halt nicht "die gewohnte Leistung" um einen gekürzten Lohn erbringen

...sieht man ja, was dann z.B. rauskommt:

http://derstandard.at/131180222... inanzmarod

Tja, dann muss man diese Leute halt eben mal kündigen, oder ihnen eine Diagnose....oder sehe ich da was falsch ?

higgs - wozu?
111
25.1.2012, 16:50

burnout ist eine systemkrankheit, die mmn. von der diskrepanz aus "wahrgenommener" bzw. "gefühlter" realität, und von aussen "vermittelter" realität herrührt.

jeder fühlt bereits, daß da irgendwas nicht passt, auf unsere kugel - aber alle sagen "passt eh alles"
viele wissen, daß sie eignentlich eine vollkommen sinnlose tätigkeit ausführen, die ihnen keinen spaß macht und mit der sie niemals auf einen grünen zweig kommen werden - aber alle sagen "wennst fleissig bist, dann wird was aus dir"
viele merken, daß medien und politiker eine scheinwelt um einen herum aufbauen, die nicht der realität entspricht, die falschen dogmen anhängt etc.
burnout ist ein konflikt dieser beiden "paralellrealitäten" der in eienem selbst satattfindet

No_lD
04
26.1.2012, 09:20
beste beschreibung

hut ab!
leider ist burnout mehr ein modebegriff als eine modekrankheit, das checkt die mehrheit eben noch nicht. ich selbst unterscheide im wesentlichen zwischen überlastungssyndrom, depression und burnout. ich selbst bin aus letzterer gruppe, leide allerdings nicht so sehr unter psychischen symptomen, da ich meine psyche schon seit jahren selbst "pflege". allerdings ist mein vegetatives nervensystem ziemlich "am sand". der konflikt, den Sie beschreiben, war mir schon seit jahren bewusst, ich hab halt geblaubt, ich sei stärker. Das problem hat mehr als nur zwei aspekte (gesellschaft und individuum) und genau das macht es so schwer verständlich für die allgemeinheit, denke ich.

agent provokateur
01
26.1.2012, 11:06

man kann an vielen dingen scheitern bzw ausbrennen - auch an privaten problemen (welche dann meist auch dazu führen im beruf unzufrieden zu sein bzw die leistung nicht mehr erbringen kann). man ist "erschöpft" weil man mit gewissen situationen/problemen nicht klar kommt oder fertig wird. eben auch unterbewußt. bei beruflicher überforderung nennt man das jetzt halt burn out, bei privater überforderung dann weiterhin depression.

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