Düringer

"Dem Breitfuß wäre das vollkommen wurscht"

Interview | 25. Jänner 2012, 18:46
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    foto: mr-film

    Düringer, Ex-Amtsleiter der MA 2412 (links): "Der Beamte ist vom Staat abhängig - und wird das System am Leben erhalten."

Roland Düringer, einst jahrelang in der Rolle des typisch österreichischen Beamten, erklärt, wie in der MA 2412 der geplante Aufnahmestopp der Koalition angekommen wäre

STANDARD: Sie haben in der Sitcom "MA 2412" einen Paradebeamten, den Ingenieur Breitfuß, gespielt. Haben sich viele Beamte beschwert?

Düringer: Ich glaube nicht, aber das war auch nie der Ansatz. Es ging darum, Menschen am Arbeitsplatz zu zeigen, die miteinander müssen, aber nicht miteinander können. Dass es ein Amt wurde, hat sich eher so ergeben. Das Ganze hätte auch funktioniert, wenn es in einer großen Versicherung gespielt hätte. Oder in einem staatsnahen Betrieb. Oder im ORF.

STANDARD: Sie selbst glänzten in der Rolle aber mit notorischer Unzuständigkeit. Wie schlimm sind die Beamten wirklich?

Düringer: Ich habe immer große Probleme damit, wenn jemand sagt: "Die Beamten - sind die schlimm!" "Die Beamten" gibt es nicht, das sind genauso Lehrer wie Leute im Gesundheitswesen. Ich habe die Erfahrung gemacht: Es gibt freundliche Beamte und unfreundliche Beamte und vielleicht noch die, die nur freundlich sind, weil ich der Herr Düringer bin.

STANDARD: Warum gibt es dann so viele Beamtenwitze und Vorurteile gegenüber den Staatsdienern?

Düringer: Weil sie eine Sonderstellung haben. Der Beamte ist Nettotransfereinkommensbezieher. Heißt: Er zahlt keine Einkommenssteuer. Sie haben zwar einen Lohnzettel, wo oben brutto steht und drunter netto, was aber ein Blödsinn ist. Vielleicht ist das auch einer der Gründe dafür, warum Menschen, die nicht Beamte sind, oft ein schlechtes Gefühl haben, wenn sie mit Beamten zu tun haben: dass sie wissen, dass die Beamten von ihrem Geld, den Steuergeldern, bezahlt werden. Und man erwartet sich, dass sie sich einem auch dementsprechend gegenüber verhalten. Der Beamte sieht das aber nicht so. Er ist vom Staat abhängig - und wird deswegen eher das System am Leben erhalten. Deswegen geht auch die Gefahr für ein bestehendes System nie von den Beamten aus, sondern von anderen.

STANDARD: Im Zuge des Sparpakets sollen nun die Beamten durch einen Aufnahmestopp zusammengeschrumpft werden - was würde Ingenieur Breitfuß wohl dazu sagen?

Düringer: Dem Breitfuß wäre das vollkommen wurscht. Weil er eh nicht will, dass andere nachkommen. Weil er ohnehin nur darauf wartet, dass er in Pension gehen kann. Was will der Breitfuß? Eigentlich das, was wir alle wollen, die wie im Hamsterradl laufen. Und was will der Hamster? Er will ohne Angst in Frieden leben. Er möchte versorgt sein, sich ernähren und dafür möglichst wenig tun müssen. Das ist, was er will. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

ROLAND DÜRINGER (48), Kabarettist und Schauspieler, gab von 1998 bis 2002 in der MA 2412 den Amtsleiter Ingenieur Breitfuß, der ständig strikt auf seinem Titel beharrt und seinen Kollegen Herrn Weber nicht mag. Beide sind aber dauernd damit beschäftigt, Parteien abzuweisen.

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Posting 1 bis 25 von 105
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Der Neugierige
00
27.1.2012, 11:16
Beamten-mikado:

Wer sich als erster bewegt, hat verloren!

Aber Achtung, spielen sie nie gegen einen richtigen Beamten - das kann Stunden dauern... ;-)

maus 14
01
26.1.2012, 20:01

ist alles sehr lustig!
organisierte staatsverantwortung-ein fremdwort
mit schmäh ist aus jetzt-jeder wird zur kassa gebeten
ausser die reichen und superreichen

Dodelbert Engfuss
01
26.1.2012, 16:44
Realistische Vorstellung von Glück

Ernst Jünger hat sich einmal gefragt, warum so viele Menschen die Laufbahn eines kleinen oder mittleren Beamten anstreben. Seine Antwort lautete: weil sie eine realistische Vorstellung von Glück haben. Ein bisserl arbeiten, das ist gut gegen die Langeweile, ein bisserl in den Tag träumen. Die Zukunft ist gesichert und nicht bedroht. Da ist man doch schon halb im Nirvana...

...and miles to go before I scream
01
26.1.2012, 16:13

Der Düringer ist ja witzig und auch recht g'scheit, aber der Experte für eh alles ist noch immer der Gunkl. Der war halt nicht so goschert im Fernsehen.

Was der Düringer dazu meint, kann man übrigens hier nachlesen: http://tinyurl.com/6w9wvt9

Dr.Lion
02
26.1.2012, 14:33
Wenn jetzt der Beamten-Stadl zusammengekürzt wird,

mit wem wird der nunmehr vereinzelte Verwaltungsbeamte mit seinem Nachmittags-Weinderl denn anstoßen, oder gleich gar am Vormittag?

Wie soll er denn diese Faaadheit aushalten ???

Dodelbert Engfuss
01
26.1.2012, 16:46
Wenn alle Stricke reißen

kann der Beamte ja etwas arbeiten!

tankrider12
21
26.1.2012, 12:10
Düringer - der Experte.....!?

Wir danken dem Standard, dass er mit dem Kabarettisten Düringer endlich DEN ausgewiesenen Experten für Wortspenden zum öffentlichen Dienst gefunden hat - schließlich hat er ja - ähem - "Amtserfahrung"! Und die drückt sich in so putzigen Anmerkungen aus wie "Der Beamte ist Nettotransfereinkommensbezieher"(?), der einen "Lohnzettel" hat "wo oben brutto und unten netto steht, was aber ein Blödsinn ist." Leider bleibt uns Kollege Düringer die Erklärung schuldig, was er damit meint - ich würde mir die Differenz zwischen meinem Brutto- und Nettobezug gerne monatlich bei ihm abholen!

Konrad Inzinger
04
26.1.2012, 10:23
Back to the roots! (Teil 2)

Was Düringer hier sagt und was tatsächlich dringend wieder gesagt werden mußte, ist zunächst das alte Zitat von Viktor Klemperer: "Es gibt keine bösen Nationen - sondern nur einzelne böse Menschen" und tatsächlich gibt es den korrekten, pflichtbewußten "Beamten", es werden nur immer weniger, weil man ihnen das Leben zur Hölle macht.
Daneben sagt Düringer, daß wir alle nur im Hamsterrad laufen wollen - also letztlich uns nach Anweisung und Vorsorge sehen - das stimmt und das ist die eigentliche Katastrophe: Exakt diese Geisteshaltung öffnet dem Totalitarismus und autoritären Systemen die Tür. Wir sind unsere (demokratischen) Freiheiten schon so gewöhnt, daß wir nicht mehr für sie kämpfen wollen - und daher werden wir sie verlieren...

Konrad Inzinger
16
26.1.2012, 10:16
Back to the roots! (Teil 1)

750 Kommentarzeichen sind vermutlich zu wenig - ich werde meinen Kommentar daher teilen müssen. Alsdann:
Während der Ausstrahlungen einer der ersten Sendungen von MA 2412 kam ich spät heim, hatte viel Ärger auf der MA39/... (Baupolizei), sah in das Fernsehkasterlund sagte ganz perplex zu meiner Frau: "Was ist denn los? Warum machen die da eine Dokumentation über die Baupolizei?" - Erst nachher habe ich kapiert: Es ist "nur" ein Kabarett... aber eines der Besten in der Zeit nach Qualtinger.
Aber wie alle Kabarettprogramme bieten sie nur einen amüsanten Abend, bewegen aber nichts, weil in den Hirnen derer, die es angeht, nichts ist, was man bewegen könnte - und das ist die eigentliche Tragödie des Kabarettisten.

1116er
00
26.1.2012, 10:07
"sie wissen, dass die Beamten von ihrem Geld, den Steuergeldern, bezahlt werden. Und man erwartet sich, dass sie sich einem auch dementsprechend gegenüber verhalten."

was man im rahmen des schnäppchen-allinklusive urlaubs in billiglohnländern übt, muss eben in die praxis umgesetzt werden:
ich habe die 399 euro für die reise bezahlt: sei mein sklave!

ein trost für betroffene kellner, zimmermädchen, aber auch beamte mit kundenverkehr: euer möchtegern sklavenhalter ist mit großer wahrscheinlichkeit im richtigen leben ebenfalls ein sklave, dem bei jeder sich bietenden gelegenheit der 'herr' gezeigt wird.

er nützt halt die wenigen gelegenheiten, um sich mal auf die andere seite der herr-diener-beziehung zu schummeln...

Gargoil
03
26.1.2012, 11:42
schon einmal vom personifizierten "amtskappl" gehört?

das sind die hausmeister, die sich aufspielen, die straßenbahnfahrer, die, wenn sie gelaufen kommen, im letzten moment die türe schließen, die finanzbeamten,die ja nicht zu schnell sein dürfen und einem neuen kollegen sagen: "wos, sie san scho fertig? des is vüü z'schnö, sie weans aa no leana." während im warteraum die leute stehen u.a. eine schwangere frau mit gipsbein.
alles erlebt- aber das gegenteil auch.
es geht nicht um sklaven, sondern um respektvollen umgang miteinander und der tatsache, dass man auch als vom steuergeld bezahlter beamter eine ordentliche leistung zu erbringen hat.
in der privatwirtschaft wird man gekündigt, ein beamter ist pragmatisiert.

Baal Kagan
00
26.1.2012, 14:38
Für jedes Gschichtl über Beamte

weiß ich zumindest zwei über einen Handwerker/Autowerkstatt/Bank/Versicherung....

1116er
00
26.1.2012, 12:21
"in der privatwirtschaft wird man gekündigt, ein beamter ist pragmatisiert"

diese behauptung besteht den reality-test nicht!

sie schildern die aktionen von faulen und ihre kleine macht ausnutzenden.
solche mitarbeiter gibt es auch in der glorifizierten privatwirtschaft in ähnlichem ausmaß: sie TARNEN sich besser oder machen es raffinierter. zumindest so lange als sie nicht ebenfalls faktisch unkündbar sind!

es ist ein fataler fehler, die welt pauschal in gut und böse einzuteilen. und einäugig dabei zu sein!

wurm83
 
01
26.1.2012, 10:22
sie sehen das falsch

anders ausgedrückt: ich bin EIN KUNDE!!! der beamten sie sind meine dienstleister...ebenso wie zB.: ein billa kassierer oder ein kellner!

das hat nichts mit sklaven zu tun, wir bezahlen einfach für deren arbeit, also sind sie unser dienstleister! und als dienstleister hat man seinen kunden eben eine gewisse freundlichkeit entgegen zu bringen!

oder würden sie sich von ihrem kellner anschnautzen lassen, dass er gerade in pause ist...wenn sie eine kaffee bestellen wollen...

eh-wahr
00
26.1.2012, 13:37
Kunden ...

"Sie hätten die Halteverbotstafeln sehen müssen und dürfen hier nicht parken. Ich stelle Ihnen ein Organmandat aus ...."
"Im Namen der Republik ergeht folgendes Urteil: Herr/Frau ist schuldig ..."
"Leider können Sie Ihren 3D-Fernseher nicht als Werbungskosten abziehen ..."
....
Soviel zu den Kunden der Beamten.

censeoiactaest
14
26.1.2012, 12:27
Nein,

das ist nur ein weitverbreiteter Irrtum.
Der Kunde ist EBENSO zu einer gewissen
Höflichkeit verpflichtet, nicht nur der
Dienstleister. Er entscheidet nur, was
er bestellt. Einige Leute glauben, weil sie
zahlen, können sie auch herumflegeln,
und viele Kellner bzw. Dienstleister lassen
sich einschüchtern und es sich gefallen.
Manchmal gibt es Leute die so jemand
die einzig richtige Antwort zeigen: Die Tür

1116er
03
26.1.2012, 12:24
ich bin kein experte für den kundenverkehr von beamten.

das ist beschränkt auf einige persönliche kontakte, die großteils korrekt, freundlich und zufriedenstellend verlaufen sind.

wenn es ihnen laufend anders ergeht, sollten sie vielleicht mal über einen sinnspruch nachdenken: "wie man in den wald hineinruft....!

christian waldner
02
26.1.2012, 11:37
richtig

und der Kunde wird wie ein König behandelt wenn er sich auch so benimmt.
mfg

Daskleineichbinich1
01
26.1.2012, 11:09

Mit der selben Logik sind die Beamten dann auch Selbsständige, weil sie ihr eigener Arbeitgeber sind?

Nettotransfereinkommensbezieher?, er zahlt keine Einkommenssteuer? Na selbstverständlich, weil er kein Einkommen hat, aber er zahlt Lohnsteuer weil er Lohn erhält.

Was ist mit dem Düringer?

Der Neugierige
00
27.1.2012, 11:37

Lohnsteuer ist eine Form der Einkommenssteuer...

wurm83
 
00
26.1.2012, 11:33
und?

ein selbständiger der im dienstleistungsgeschäft abreitet wird mir die selbe höflichkeit entgegenbringen wie ein unselbständiger...denn in beiden fällen ist sein job von seinem umgang mit den kunde abhängig...

der einzige grund warum magistrate und ams und co, einfach scheiß unfreundlich sein können ist weil sie ein monopol haben....

aber sie können sich ihren reisepass ja gerne wo anders holen wenn sie unzufrieden sind....

Erstversuch
01
26.1.2012, 10:29
Ein Unterschied besteht: der Kellner zwingt mich nicht den Kaffee

zu konsumieren. Der Beamte schon: "Wie stark ist denn ihre Gurke gekrümmt?"

Der Große von Gegenüber
01
26.1.2012, 11:17

Kein Beamter hat sich jemals um Ihre Gurke gekümmert ...

Oddo Wolf
01
26.1.2012, 21:25

soll aber auch schon vorgekommen sein :]

Erstversuch
01
26.1.2012, 12:37
Das auch noch, heisst das der Akt ist noch unbearbeitet?

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