Ernährung für Kinder: Weg von der Wurstsemmel

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Nur die Hälfte der Kinder bekommt von zu Hause eine Schuljause mit, viele essen in der Schule - Eine neue Initiative will die Buffets gesünder machen

Wien - Weniger Wurstsemmeln, mehr Schinkenvollkornweckerl: Ernährungsexperten empfehlen Kindern weniger Zucker, weniger Weißmehl und weniger Fett. Über 250.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren in Österreich sind zu dick. Gegessen wird oft in der Schule, denn nur etwa die Hälfte der Kinder bekommt von zu Hause eine Jause mit. Eine Gratwanderung, wenn in Schulbuffets Cola, Schokolade und Wurstsemmeln angeboten werden.

Mehr übergewichtige Kinder

Aufgrund des drastischen Anstiegs des Anteils übergewichtiger Kinder bestehe dringender Handlungsbedarf in diesem Bereich, mahnte Gesundheitsminister Alois Stöger bei der Präsentation der neuen Initiative "Unser Schulbuffet". Laut aktuellsten Zahlen aus dem Ernährungsbericht 2008 sind elf Prozent der Sechs- bis 15-Jährigen übergewichtig und weitere acht Prozent adipös, was im Vergleich zu den Zahlen von 2003 einen Anstieg um rund 80 Prozent bei den Zehn- bis 15-Jährigen und um etwa 50 Prozent bei den Sechs- bis Neunjährigen bedeutet.

"50 Prozent der Ernährung von Kindern sollten aus Kohlenhydrate bestehen, 30 Prozent aus hochwertigen Fetten auf pflanzlicher Basis und der Rest sollte sich aus hochwertigen Eiweißen zusammensetzen", erklärte Experte Manuel Schätzer von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) das angepeilte Ziel einer Mischkost. Obst und Gemüse würden zu den Kohlenhydrate gezählt werden.

Somit würde die "neue" Wurstsemmel ein Vollkornweckerl mit Schinken sein. Denn eine Semmel aus Weißmehl wäre ein Produkt mit geringem Ballaststoffanteil, das den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen und ein Hungergefühl schnell wieder kommen lässt. Zudem habe das Fett der Wurst einen schlechteren Einfluss auf das Herzkreislaufsystem, so der Ernährungswissenschafter.

Schätzer ist überzeugt, dass das Essen, das zu Hause angeboten wird, auf den Wünschen der Kinder basiert. Durch gesundes Essen in der Schule würden die Kinder Einfluss auf die Ernährung daheim üben. "Man sollte sich kleine und einfache Ziele stecken. Statt der Salamisemmel könnte es eine Schinkensemmel sein, und wenn dann auch noch eine Tomate drinnen ist, um es saftiger zu machen, dann haben wir einen weiteren Schritt in die richtige Richtung", sagte Schätzer. "Die Methode funktioniert."

Dunkles Gebäck, mageres Fleisch und Obst

Das ideale Schulbuffet würde sich aus dunklem Gebäck, magerem Fleisch und Wurst, Käse, Aufstrich auf Topfen- und Frischkäsebasis, Obst, Milch, Mineralwasser und gespritzte Säfte zusammensetzen. Als zusätzliche Gerichte könnten Ofenkartoffeln mit Kräuterdip oder gefüllte Wraps angeboten werden.

Portionsgrößen werden zum Großteil anhand der Hand gemessen: etwa zwei Fäuste Nudeln, eine Hand voll Getreide oder ein handtellergroßes Stück Fleisch oder Wurst. "Ein erwachsener Mann hat dementsprechend eine andere Portionsgröße als ein Kind", sagte Schätzer. "Wir wollen keine Verbote aussprechen", so Schätzer, sondern eine gesunde Vielfalt der Speisen, erklärte Experte.

Neue Initiative

Die neue Initiative "Unser Schulbuffet" unterstützt die Betreiber von Schulbuffets bei der Umstellung ihres Angebots auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. "Dabei geht es darum, gesunde Ernährung im Alltag zu ermöglichen", betonte Stöger. Viele junge Menschen essen tagsüber in Schulbuffets - daher sei es wichtig, genau dort anzusetzen, um ihre Ernährungssituation zu verbessern. Acht von zehn Schulen haben ein Buffet, 456.000 Kinder und Jugendliche können österreichweit in den Schulbuffets erreicht werden. Die Palette der Anbieter variiert stark und reicht vom großem Caterer bis zum Familienbetrieb und dem fliegenden Händler. Mobile Beraterteams sollen Buffetbetreiber in den nächsten zwei Jahren dabei unterstützen, die im Vorjahr erarbeitete "Leitlinie Schulbuffet" für ein gesundes Essensangebot in Schulen umzusetzen. (APA/red)

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