State of the Union Rede

Obamas neues Poster Girl

Analyse | Florian Niederndorfer, 25. Jänner 2012, 16:18

Debbie Bosanek wurde vom US-Präsidenten als Prototyp der 99 Prozent präsentiert, die unter der fiskalen Schieflage in den USA leiden - Ein schlauer Schachzug

Der Präsident, wird Debbie Bosanek aus Omaha später erzählen, hat ihr den Schlaf geraubt. Schon im September, so berichtet die "Washington Post", war die 55-Jährige von Amerikas First Lady Michelle Obama eingeladen worden, die berühmte Rede zur Lage der Nation vor Ort im Abgeordnetenhaus mitzuverfolgen. Trotzdem habe sie in der Nacht vor dem großen Tag kein Auge zugemacht. Sichtlich müde lauschte sie am Dienstagabend dann Barack Obamas ingesamt vierter SOTU, wie die Grundsatzrede im Politsprech genannt wird.

Bis dieser ihr in Minute 45 ein paar Augenblicke nationaler Aufmerksamkeit bescherte. "Warren Buffett zahlt weniger Steuern als seine Sekretärin", verriet Obama den US-Amerikanern und bediente sich dabei eines Bonmots des milliardenschweren Großinvestors aus Nebraska. Punktgenau schwenkten die Kameras in diesem Moment auf die zierliche Frau im roten Kostüm: Debbie Bosanek, Warren Buffetts Sekretärin.

Wahlkampf kommt in die Gänge

Ehe sie sich versah, hatte Obama, rhetorisch brillant wie immer, sie zum Paradebeispiel für die 99 Prozent der US-Amerikaner erklärt, die unter der fiskalen Schieflage im Land of the Brave litten. Ein Schachzug, der sich für den Präsidenten der heillos polarisierten USA auszahlen könnte. Der Präsident, oft des Elitismus geziehen und ob seiner wenig hemdsärmeligen Art von Republikanern reihum verspottet, hat in der unscheinbaren Frau mit dem kurzen roten Haar ein Poster Girl für seinen in die Gänge gekommenen Wahlkampf gefunden.

Unwahrscheinlich, dass aus Debbie Bosanek das demokratische Gegenstück zu Joe the Plumber wird, dem rustikalen Prototyp eines Mittelklasse-Amerikaners, dessen Charme sich John McCain vor vier Jahren zunutze machte. Und dessen desperater Nimbus binnen weniger Wochen verpufft ist. Derlei Aktionismus zieht nicht mehr in einem Land, das auch unter demokratischer Ägide polarisierter und sozial gespaltener erscheint denn je.

In Zeiten, in denen die linke Occupy-Bewegung und die rechte Tea Party fast deckungsgleich die ökonomische Paranoia vieler US-Amerikaner nähren, hat Obama in der Chefsekretärin aus Nebraska aber genauso wie weiland der glücklose McCain eine Identifikationsfigur für die wichtigste Zielgruppe seiner Wahlkampfagitation gefunden: weiße Arbeiter, die sich von Amerikas steuerprivilegierten Reichen um den Lohn ihrer Arbeit betrogen fühlen. Die vorwahlbedingt in Flügelkämpfe verwickelten Republikaner haben Obama erst vergangene Woche mit Mitt Romneys Steuerbekenntnissen die ideale Steilvorlage geliefert. (flon, derStandard.at, 25.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 181
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Oddo Wolf
01
28.1.2012, 06:13

Vielleicht schaffen es die Amerikaner und überwinden ihre 2 Parteien-Diktatur. Der "militärisch-industrielle Komplex" (von JF Kennedy der Verschwörung bezichtigt) hat längst die Kontrolle über die US-Außenpolitik. Auch über den Großteil der EU-Aussenpolitik, die Finanzmärkte, usw.... fast überall. Aber nicht im Cyberwar. Dort sind China oder der Iran die dominante Macht.

Wer auch immer der nächste amerikanische Präsident wird: Es wird nicht viel Unterschied machen.

know your enemy
01
28.1.2012, 14:40
schön wärs

und als nächstes entledigen sich vielleicht österreich, frankreich, england, deutschland, spanien, und so ziemlich alle anderen "demokratischen" länder ihrer zwei parteien-diktatur...

man wird ja noch träumen dürfen!

Oddo Wolf
02
28.1.2012, 19:30
know your enemy

-
„Es existiert eine Schattenregierung mit ihrer eigenen Luftwaffe, ihrer eigenen Marine, ihren eigenen Geldbeschaffungsmechanismen sowie der Möglichkeit, ihre eigene Vorstellung nationaler Interessen durchzusetzen, frei von allen Kontrollen und frei vom Gesetz selbst.“

– US-Senator Daniel Inouye während der Senatsanhörungen zur Iran-Contra-Affäre 1986

http://de.wikipedia.org/wiki/Iran... ff%C3%A4re

Oder: Die CIA und der "militärisch-industrielle-Komplex" den sowohl Eisenhower als auch JFK der Verschwörung bezichtigten.

http://www.youtube.com/watch?fea... w8Dyg8uE#!

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
27.1.2012, 07:08
[US2012] [:)]

"since we do not have another debate scheduled until Feb. 22, I will announce my conclusion now:
These debates are making the Obama staffers in Chicago so giddy that after each one they are tearing off their clothes, running through Millennium Park and howling at the moon."
www.politico.com/news/stor... 72064.html

odrr
10
27.1.2012, 00:06

waehrend der rede, waren doch noch zwei "durchschnittliche" us-amerikaner eingeladen.
1.Jackie Bray is a single mom from North Carolina who was laid off from her job as a mechanic.
2.When Bryan Ritterby was laid off from his job making furniture, he said he worried that at 55, no one would give him a second chance.

aber die buffet passage war eine gute pointe.
http://derstandard.at/plink/132... id24565077

"Right now, Warren Buffett pays a lower tax rate than his secretary. "

http://www.nytimes.com/interacti... itics&gwh=

gute berateraktion fuer obama!

suedsee insulaner
 
11
26.1.2012, 16:14
Clownereien ad infinitum ?

Habe die rede von dem " quacksalber" direkt bei FOX NEWS verfolgt. Mit einem wort : LANGWEILIG und nichts bringend.
Die war fuer den etwas bemittelten ami augerichtet,als vorgeplaenkel und test fuer die kommenden wahlen. Das gleiche oberflaechliche getue, wie eben bei allen amrikanischen politikern, ganz egal ob demokraten oder republikaner. Das einzige was fuer die ALLE zaehlt ist an der macht zu bleiben, oder an die macht zu kommen. dafuer ist denen keine rede und keine anschuldigung zu bloede,
denn die wissen ja genau, dass das stimmvieh sowieso davon nichts oder nicht viel mitbekommt.
Bloss viel schreien, viel verleumden und noch mehr versprechen und schon werden die patriotisch-idiotischen mini faehnchen geschwunken.

Walter KURTZ
 
01
26.1.2012, 15:57
Fun fact

Obama spricht von Fairness - die Steuerschuld der Mitarbeiter des Weißen Hauses beträgt unterdessen über 800.000$ oder etwa 25.000$ pro Person...

bratak
00
26.1.2012, 16:31

link?

Walter KURTZ
 
01
26.1.2012, 21:15

http://news.investors.com/Article/5... -taxes.htm

Und Warren Buffetts Konzern schuldet dem IRS etwa 1 Mrd $...

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
12
26.1.2012, 14:42
[Stilblüten] "ökonomische Paranoia" (flon/DerStandard)

Genau. Es gibt gar keine Armut. Vor allem in den USA nicht. Alle jene die dort arm sind, sind in Wirklichkeit ur reich aber so paranoid, dass sie glauben arm zu sein. Danke Standard. Jetzt fühl ich mich beruhigter.

Oddo Wolf
00
28.1.2012, 19:38

Ein Amerikaner gilt schon als reich, wenn er keine Schulden hat.

sociovation
00
26.1.2012, 14:04
Offizelles Wording des ORF

"Populismus"
Dazu fällt einem wirklich nichts mehr ein...

Oddo Wolf
00
28.1.2012, 19:44

Bei einer n-tv Diskussion zur Wulff-Medienaffäre aufgeschnappt:
Einem Politiker "Populismus" vorzuwerfen ist eine Verhöhnung des Volkes.

know your enemy
00
28.1.2012, 14:47
mir schon: politischer alltag

Alexander75
01
26.1.2012, 12:21

was bitte ist ökonomische paranoia

Oddo Wolf
00
28.1.2012, 19:46

Vielleicht das Gegenteil von "subektives Sicherheitsgefühl"

meresi
00
26.1.2012, 14:36
na ganz einfach...

das ist wenn man 100 millionen dollars oder euros hat und plötzlich über nacht sind davon nur noch 70 oder 80 davon vorhanden...dann macht sich grenzenlose verzweiflung breit ...und man glaubt das ende der welt ist nahe

zeno
00
26.1.2012, 15:44

ich hab ganz andere paranoias ...

Walter KURTZ
 
22
26.1.2012, 09:21

Als Prototyp der 99%?
Nach Schätzungen (aufgrund der Höhe der Steuern) verdient die Dame etwa 200.000-500.000$. Damit liegt sie in der Einkommensgruppe, die bei Obama als "reich" gilt.

Kinkidra
00
26.1.2012, 14:33

Wie kommen Sie auf diese Zahlen? Es steht doch gar nicht da, wieviel Steuern sie konkret bezahlt hat. Dass es mehr als bei Warren Buffett waren, hätte prozentuell verstanden, nicht absolut.... Oder haben Sie da andere Infos?

Walter KURTZ
 
00
26.1.2012, 14:44

Einfach den entsprechenden Artikel bei Forbes mal nachlesen...

Zuckerlilly Zuckerlilly
20
26.1.2012, 10:40
"Damit liegt sie in der Einkommensgruppe, die bei Obama als "reich" gilt."

...und daher sollte sie, laut Obama, auch noch mehr Steuern zahlen. Ob der Schachzug wirklich so klug war?

ChefPrinzMichl
 
03
26.1.2012, 08:28
Das Wichtigste fehlt noch

Jetzt muss dem Obama nur mehr ein Engel, Gott oder so etwas ähnliches erscheinen - dann ist er unschlagbar

jMor
 
01
26.1.2012, 10:29

Oder Black Jesus

Zuckerlilly Zuckerlilly
45
26.1.2012, 08:09
Wie wäre es, wenn Buffets Firmenkonglomerat Berkshire Hathaway Inc. endlich die seit 2002 ausstehenden Steuern von über 1 Milliarde US$ bezahlen würde?

Wer profitiert von der nicht gebauten Pipeline Keystone-XKL-Pipeline? Keine Überraschung: Warren Buffets Burlington Northern Santa Fe LLC ist unter den Gewinnern.

Da kann man für den Präsidenten schon mal scheinheilig die Sekretärin zur Verfügung stellen um Wahlkampf mit ihr zu betreiben. Wie wäre es mit diesem Vorschlag Hr. Buffet: für Dividendenerträge über 1 Mill./jährlich einen Steuersatz von 45% einzuführen, damit Sie nicht mehr Steuererhöhungen einjammern müssen.

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