Galerie Knoll

Vom Dämon russischer Kunst

26. Jänner 2012, 17:17
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    foto: galerie knoll

    Offizielle Inspektion der Ausstellung "Forbidden Art-2006": Zeichnung von Victoria Lomasko und Anton Nikolaev (2011).

Die Ausstellung "Forbidden Art-2006" in Moskau hatte ein gerichtliches Nachspiel. Darauf basiert die nun in Wien präsentierte Graphic Novel von Viktoria Lomasko und Anton Nikolaev

Wien - Mit religiösen Gefühlen darf man in Russland nicht spaßen. Das wussten auch die Kuratoren der Ausstellung Forbidden Art 2006, die die von ihnen versammelten Werke gleich vorweg als "verbotene" etikettierten: Mit Jesus als Coca-Cola-Testimonial und anderen Arbeiten russischer Künstler hat sich dann allerdings nicht die Regierung, sondern die christlich-orthodoxe, ultrarechte Bewegung Narodny Sobor befasst.

Das von ihnen angezettelte Gerichtsverfahren brachte den Kuratoren Andrei Yerofeyev und Yury Samodurov hohe Geldstrafen und den Verlust ihrer Jobs ein. Der Staatsanwalt forderte gar eine dreijährige Haftstrafe für sie. Und Patriarch Kyrill I., Vorsitzender der russisch-orthodoxen Kirche, warf ihnen gar "dämonische Aktivitäten" vor.

Die "mediale Schlammschlacht" setzte jedoch auch eine öffentliche Diskussion über die Freiheit von Kunst in Gang. In Folge vereinte das die heterogene russische Kunstszene gegen die vor dem Gerichtsgebäude in Stellung gebrachten Anhänger von Narodny Sobor.

Während etwa die russische Künstlergruppe Voina Art Group hunderte Kakerlaken im Gerichtssaal freiließ, um gegen das Verfahren zu protestieren, haben die Künstlerin Viktoria Lomasko und der Journalist Anton Nikolaev dieses "absurde Theater" in einer Graphic Novel dokumentiert.

Die russische Originalversion liegt nun in der Galerie Knoll in Wien auf. Eine kleine Auswahl der Zeichnungen, die Viktoria Lomasko im Gerichtssaal anfertigte, wurde zudem ins Deutsche übersetzt: "Wir wissen, dass Kabakov ein Problem mit der Wirklichkeit hatte, aber wir haben keines." So konterte die Richterin die Ausführungen eines Experten, der vor Gericht versuchte, einen zeitgemäßen Kunstbegriff zu vermitteln.

Dass seine Ausführungen bei den von den Anklägern aufgehetzten Gegnerinnen (es waren offenbar hauptsächlich Frauen) gar nicht ankommen konnten, zeigen andere (Auf-)Zeichnungen. Sie zeigen von religiösem Fanatismus getriebene ältere Frauen. Mit verfinsterten Mienen und der Bibel in der Hand griffen sie selbst die Richterin an, als diese sie mit Parfum bespritzte und dazu aufforderte, sich "mal zu waschen".

Gerade mit bizarren Szenen wie diesen vermittelt das Buch Forbidden Art Series die Absurdität des Prozesses sehr gelungen. In Bezug auf Zensurfragen im gegenwärtigen Moskau hätte man sich aber dennoch einen tieferen Einblick gewünscht - etwa durch Übersetzung von eventuell in dieser Hinsicht noch aufschlussreicheren Szenen.  (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2012)

Bis 17. 3., Galerie Knoll, Gumpendorfer Straße 18, 1060 Wien

 

Kommentar posten
19 Postings
Peace Artist
00
27.1.2012, 11:53
In Österreich gedenkt niemand den Opfern der österreichischen Friedens-Kunstvernichtung, die sich gegen den Holocaust mit ihrer staatlich vernichteten Kunst ausgesprochen haben

z.B. die ORF Führung schweigt bis heute. Ebenso wie die UNESCO Kommission oder andere Qualitäts-Medien im Künstler für Frieden Jubiläumsjahr 2012
www.youtube.com/watch?v=Z1DJCUZDIvY

§ 1 ORF-G Stiftung "Österreichischer Rundfunk"

3. Der Österreichische Rundfunk hat auf die Grundsätze der österreichischen Verfassungsordnung, insbesondere auf den Grundsatz der Freiheit der Kunst, Bedacht zu nehmen und die Sicherung der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, der Berücksichtigung der Meinungsvielfalt und der Ausgewogenheit der Programme zu gewährleisten.
http://www.peaceartist.net/peacearti... ektor.html

john pell
00
26.1.2012, 15:24

religion?dogmatische anti Demokratische sistem!

Animation
 
02
26.1.2012, 14:38
warum gibt es hier einen link zu cocacola? seids es mischugge?

Engel Bert
00
27.1.2012, 00:10
Coca-Cola macht Laune.

NANANANANANANANA BATMAN
00
26.1.2012, 09:23
muss man sich denn immer über religionen lustig machen? :(

Engel Bert
00
27.1.2012, 00:10
Ja! Natürlich.

Mathias Steinlaus
 
10
26.1.2012, 16:05
.. es kommt natürlich auf die Religion drauf an ..

.. die einen sind Freiwild, die anderen Kulturgut ...

RebelAngel
 
02
26.1.2012, 14:27
ja

immer und überall, bei jeder Gelegenheit, die sich bietet!

Monika Mayer1
05
26.1.2012, 12:41
Wissen's was?

es würden sich viel weniger Menschen über Religionen lustig machen, wenn:
- sie nicht so aggressiv auftreten würden und nicht ständig auf Expansionskurs wären
- sich nicht ständig in Angelegenheiten einmischen würden, die sie NIX angehen
- ihre "Wahrheiten" nicht als IHRE, sondern als absolute Wahrheiten sehen würden, und zwar solche, die für ALLE gelten.
Aber so..........

dryeti
02
26.1.2012, 12:04
ich stimme zu,

dass so viele Menschen ihr Handeln an Geistergeschichten ausrichten ist eine sehr sehr ernste Angelegenheit.

k99
02
26.1.2012, 11:31

ja wenn sie so lustig sind! oder vielleicht besser absurd?

Im Exil
03
26.1.2012, 11:31
nö, muss man nicht

aber man sollte es dürfen.

kritik an der religion ist die grundlage aller kritik.

Mathias Steinlaus
 
10
26.1.2012, 16:06
kritik an der religion ist die grundlage aller kritik.

Außer es wäre nicht politisch korrekt ...

Engel Bert
00
27.1.2012, 00:12
Da haben Sie was falsch verstanden.

Mathias Steinlaus
 
00
27.1.2012, 10:07
... nö.. ich sicher nicht ...

... aber die Diskussionen und Zeitungsartikel der letzten Jahre zeigen eindeutig ein anderes Bild!!

anders and
 
30
25.1.2012, 20:34

Wenigstens in Russland sind die Staatsanwälte von der Regierung unabhängig, wenn Sie drei Jahre Gefängnis für Künstler fordern.

"Nicht die Regierung" befasst sich mit den Künstlern, sondern die unabhängige Justiz, wie fein!

witzlos
21
25.1.2012, 20:32
bitte bitte

setzen´s die Tabletten wieder ab

Erwin Wolfram
10
25.1.2012, 20:09
uebersetzung

das moderne kunstverstaendnis des westens ist der masstab fuer den glauben an die redaktion, wenn jemand nichts zu essen hat ist es nicht die aufgabe der presse das zu klaeren, sondern die opfer haben sich and die wuensche des journalisten anzupassen, damit alles so sein kann, dass die oligarchie es je nach kunstschaffen beliebig redefiniert...

x aeins
04
25.1.2012, 20:37

also bevor ich mir übersetz, was du mit dem Geschwurbel evtl. meinen könntest, übersetz ich lieber den Cicero
kannst du wirklich nicht anders?

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