Druck steigt

EZB soll Athen Milliarden­schulden erlassen

25. Jänner 2012, 12:39
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    foto: apa/federico gambarini

    Die griechische Regierung verhandelt derzeit mit privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt.

Der Internationale Währungsfonds drängt die Europäische Zentralbank, sich an einem Haircut für Griechenland zu beteiligen

London - Der Internationale Währungsfonds (IWF) drängt die Europäische Zentralbank (EZB) zur Beteiligung an einem Schuldenschnitt in Griechenland. Die "Financial Times" beruft sich dabei auf europäische Regierungskreise. Demnach hat der EZB-Rat unlängst darüber diskutiert, wie man der Problematik begegnen könnte. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des IWF habe hingegen bestritten, dass der Fonds Druck auf die Notenbank ausübe. Die griechische Regierung verhandelt derzeit mit privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt.

Hintergrund der Problematik ist, dass die EZB seit dem Frühjahr 2010 griechische Staatsanleihen am freien Markt gekauft hat. Sie flankiert damit das erste Rettungspaket für Athen. Da die Staatstitel bereits seinerzeit stark unter Druck standen, hat die EZB die Papiere zu sehr geringen Marktpreisen gekauft. Falls Griechenland nicht pleiteginge, würde die EZB den kompletten Nennwert der Anleihen zum Laufzeitende zurückerhalten und damit deutliche Kursgewinne erzielen.

Staatspapiere als Sicherheit

Darüber hinaus nimmt die Notenbank nach wie vor griechische Staatspapiere als Sicherheit in ihrem Refinanzierungsgeschäft mit den Geschäftsbanken entgegen. Die EZB hat mehrfach bekundet, sich nicht an einem Schuldenschnitt in Griechenland beteiligen zu wollen. Diese Haltung stößt insbesondere bei Hedgefonds auf Kritik. Die Argumentation lautet, warum auf Forderungen gegen Griechenland verzichtet werden solle, wenn sich die EZB dagegen sträube.

Laut "Financial Times" hat sich der EZB-Rat, der über die Geldpolitik im Euroraum entscheidet, unlängst mit der Problematik beschäftigt. Demnach wurde diskutiert, ob mögliche Gewinne aus dem Kauf griechischer Anleihen weitergereicht werden könnten. Eine andere Option wäre, dass sich die Notenbank am Schuldenschnitt beteiligt und entsprechende Verluste in Kauf nimmt.

Die Verhandlungen über den dringend benötigten Schuldenschnitt in Griechenland könnten bis zum Wochenende oder spätestens Anfang kommender Woche abgeschlossen werden, sagte unterdessen Ministerpräsident Lukas Papademos. "Notfalls werden wir (die Verhandlungen) telefonisch abschließen", betonte er. Papademos sprach am Rande des Neujahrsempfangs für das Diplomatische Corps des griechischen Staatspräsidenten Karolos Papoulias.

Zähe Verhandlungen

Die Verhandlungen verliefen zuletzt zäh: Von einem regelrechten "Pokerspiel" schrieb etwa die griechische Presse. Der Schuldenschnitt mit einem angestrebten Forderungsverzicht von rund 100 Mrd. Euro soll Griechenland helfen, die Verbindlichkeiten auf Dauer abbezahlen zu können. Streitpunkt sind die Zinsen für neue, langfristige Anleihen. Die Banken und andere Gläubiger wollen nicht weniger als vier Prozent im Durchschnitt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und wichtige EU-Staaten wollen den Zinssatz der neuen Anleihen auf maximal 3,5 Prozent drücken.

Parallel zu diesen Verhandlungen läuft auch eine neue gründliche Kontrolle der griechischen Finanzen: Experten der EU, des IWF und der EZB stellten erneut Verspätungen bei den Reformen fest. Zudem fordert die "Troika" weitere tiefe Einschnitte, diesmal im privaten Sektor. Das 13. und 14. Monatsgehalt soll abgeschafft werden, Kollektivverträge sollen nicht mehr gelten, Arbeitszeiten sollen liberalisiert werden. Zudem sollen Zusatzrenten gekürzt und Staatsbedienstete entlassen werden.

Versammlungen in Athen

Mittwoch früh versammelten sich hunderte Bürger am zentralen Syntagma-Platz von Athen vor dem Parlament. Dort verteilten Bauern ihre Produkte umsonst, um zu zeigen, dass sie von guter Qualität sind. Lange Schlangen bildeten sich vor den Ständen. Bilder dieser Art hat man in Griechenland seit den 1950er-Jahren nicht mehr gesehen.

Die griechische Übergangsregierung unter dem parteilosen Finanzexperten Papademos steckte unterdessen am späten Dienstagabend eine erste Niederlage im Parlament ein: Ein Gesetz, das die Freigabe der Öffnungszeiten für Apotheken vorsah, wurde nicht gebilligt. Vor allem Abgeordnete der Sozialisten stimmten dagegen oder enthielten sich der Stimme. Dagegen wurden zahlreiche andere Gesetze, die den freien Zugang zu vielen Berufen vorsehen, von der Regierungsmehrheit gebilligt.

Die Regierung wird von den Sozialisten, den Konservativen und einer kleinen rechtsgerichteten Partei unterstützt und hat die Aufgabe, alle nötigen Gesetze und Reformen umzusetzen, damit Griechenland das neue Hilfsprogramm in Höhe von 130 Mrd. Euro bekommt. Danach sollen vorgezogene Parlamentswahlen stattfinden. Ein Datum dafür steht noch nicht fest. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 32
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Waran
01
25.1.2012, 20:32
Schwachsinn pur!

Griechenland hat Schulden von ca. 170 % des BIP. Das BIP betrug 2010 ca. 230 Mrd Euro.
Jetzt will man einen Schuldenschnitt auf ca. 120 % des BIP durchführen bzw. verhandelt man darüber.
Die schon mehr als skurrile Begründung dafür lautet, dass Italien mit 120 % BIP-Verschuldung ja auch solvent ist.
Das würde mit Sicherheit Ende 2012 einen weiteren Schuldenschnitt nach sich ziehen und wäre eine Prolongierung der griechischen Tragödie.
Entweder es wird ein Schuldenschnitt auf ca. 60/70 % des BIP vorgenommen, oder es müssen andere Varianten erwogen werden.
Selbst bei einem derartig radikalen Schuldenschnitt ist es fraglich, ob Griechenland aus eigener Kraft überlebensfähig bleibt.
Die Rezession lässt grüßen!

computermaster
00
28.1.2012, 10:09
Sozialstaat aushebeln und einen kapitalistischen Staat einführen

der Steuern eintreibt ohne Leistung zu erbringen bis der Schuldenstand auf 60 % herunter ist.

Gründe dafür:
1. Konsequenzen einer Schuldenpolitik sollen in der EU bereist werden können.
2. Europa ist nicht Dschibuti, wo einfach Schulden oder Kapital gestrichen (geraubt) werden kann.
3. Es gibt keine Alternativen, als anderen anderen Eu-Staaten Geld wegzunehmen, um die Probleme zu lösen. Das schweißt Europa nicht zusammen, sondern bildet die Mentalität. Dann gehen wir eben Pleite, die anderen Zahlen schon dafür

Epikouros
11
25.1.2012, 21:47
Träumen´s weiter!

1. hat GR einen Schuldenstand von etwa 160%
2. bekommt GR günstigere Zinsen als Italien. Fast so günstig wie Ö.
3. wäre GR bei einer Verschuldung von 60-70% geringer verschuldet als alle namhaften Staaten der Eurozone.

Wie kommen Sie eigentlich zu Ihren Schlüssen?

Mostbluzza
01
26.1.2012, 10:23
sie haben ein verständnis-problem in "europa"

in prozent könnens alles rechnen, wie unsere statistikämter und nachweislich zumindest unfähigen politiker.

in der realität müssen sie in euro liefern, sprich zinsen zahlen, steuern einheben und ausgaben kürzen. sie müssen einnahmen in euro lukrieren. sie müssen steuern einheben - in euro - und nicht in prozent und das dann noch im vergleich zu anderen ländern.

das ist euer ökon-ideologisches problem: für GR ist eine Milliarde ein Vermögen, in IT schaffens die mit einem Pinselstricherl (Ausgaben senken oder Steuern einnehmen).

Waran
00
25.1.2012, 22:17
Es stellt sich nur die Frage,

wie kommen sie zu ihren Träumereien?
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 55,00.html

clearlake
11
25.1.2012, 19:22
das ist genau der überschmäh...

den einige schlaue schon lange vermutet haben....

EZB kauft Anleihen und verzichtet dann großzügig auf Rückzahlung.... - Ausgebucht wird dann gegen die restlichen Mitgliedstaaten....

aber ich bin sicher hier finden sich jetzt wieder einige die dem ganzen etwas "positives" abgewinnen können....

mike sierra
10
25.1.2012, 21:23

Es geht um den Verzicht auf den Spekulationsgewinn.

EZB kaufte um zB 70%
ohne Schuldenerlass: Tilgung zu 100%, also davon 30% Gewinn
mit Schuldenerlass: Tilgung zu 70%, also 0% Gewinn (sinnvollerweise ein Mischsatz für die Tilgung über alle Ankäufe)

clearlake
00
25.1.2012, 21:58
das ist kein spekulationsgewinn!

sie brauchen als EZB nicht zu spekulieren wenn sie ohnehin im vorhinein wissen, dass sie selbst (oder die Mitgliedstaaten die Schuldenlast tragen.
Denn bitte schön es wurden ja 100% von GR aufgenommen!! wer bezahlt denn die differenz zu den (von ihnen jetzt angenommenen) 70%?? - oder haben wir hier schon wieder ein perpetuum mobile der wundersamen geldvermehrung???

mike sierra
00
25.1.2012, 22:47

Sie sind also dafür, dass der Hedgefonds Eliott nicht auf die 100% Tilgung teilweise verzichtet, also aus der Krise Gewinn zieht?

Andreas Prucha
00
26.1.2012, 23:08
Der Punkt ist eigentlilch, dass die EZB die Papiere (Griechenland, Italien, etc...) niemals in Bereicherungsabsicht gekauft hat,

sondern um den Finanzmarkt (sprich die Banken etc) zu stabilisieren. Die Länder selbst hatten von den Käufen am Sekundärmarkt eigentlich keine Vorteile.

Wenn jetzt ein Hedgefond die Zentralbank zwingen will zu verzichten, ist das zwar rein kommerziell gesehen verständlich (schliesslich ist es ja sein Job mit spekulativen Geschäften viel abzucashen), aber trotzdem eine Frechheit, weil die Zentralbanken siet 2007 mit Kopfständen versuchen das Werkel halbwegs stabil zu halten. Davon haben alle profitiert.

Und meiner Ansicht nach wirds Zeit, dass die Banken und Fonds gegenüber den Zentralbanken alles offen legen müssen

mike sierra
00
27.1.2012, 11:14

Eben: Die EZB will sich ja gar nicht bereichern.
Wenn sie - natürlich erst nach einem Schuldenschnitt der Privaten (Fonds, Banken) - verzichtet, stabilisiert sie.
Ohne Verzicht "gewinnt" die EZB automatisch bei einer Tilgung zu 100%. Und die Unsicherheit bei den länger laufenden Anleihen bleibt.

clearlake
00
26.1.2012, 10:51
der Hedgefond Elliot hat schon verloren...

der hat längst verkauft....
dem hilft es gar nix wenn die EZB auf Rückzahlung verzichtet! - Den Banken hingegen geht aufgrund der Abschreibungen wieder mal das EK aus, und schon kann die EZB (oder noch schlimmer der Staat) wieder die Schleusen öffnen.... -

mike sierra
00
26.1.2012, 11:01

Elliott
hat verloren?
hat verkauft?
Nach Medienberichten hält Elliott noch Griechenland-Anleihen und CDS; spekuliert also mit Totalausfall und Zahlung aus den CDS oder mit 100%-Tilgung, also Nichtteilnahme am Haircut.

clearlake
01
26.1.2012, 17:40
nach Medienberichten

weiss keiner sorecht wer noch was hält. Das kann übrigens eine woche später schon wieder ganz anders sein....

hier wird von jedem mit gezinkten Karten gespielt, nicht zuletzt deshalb wäre ein Verzicht keine gute lösung und ein zeichen von schwäche - vor allem gegenüber den fonds.....

mike sierra
00
27.1.2012, 11:08

Habe ich auch geschrieben: Der Zuruf an die EZB kommt zur Unzeit.

Erst wenn die privaten Gläubiger (Banken, Fonds) auf breiter Front verzichten, kann die EZB so einen Schritt entscheiden.

Thomas turnbichler
02
25.1.2012, 19:18
Die ersten Rechnungen flattern nun in das Haus Österreich

Ich denke die nächsten Jahre, flattern und rattern uns die Rechunungen der Schuldenländer nur noch so um die Ohren

Bin ja gespannt ob die Europhoriker noch von einem Gewinn für Österreich sprechen...

Die liebe Maria Fekter sollte uns noch einmal erklären, wie sie das gemeint hat, dass Österreich mit den Griechen ein gutes Geschhäft gemacht habe.

Oh je, wir kommen noch gehörig ins Schlottern und Stottern...

mike sierra
00
25.1.2012, 21:19
EZB ist nicht Österreich

Ohne jetzt die Schuldenkrise schön oder klein reden zu wollen (es kann noch viel passieren, aber ich bin kein Prophet), muss man hier auch klar stellen und deutlich differenzieren:

Hier geht es um
... KEINEN Schuldenerlass der Eurostaaten, die seit April 2010 Kredite bzw Haftungen gaben.
... KEINEN Schuldenerlass der EU und ihrer Organisationen
... sondern um Verzicht der EZB auf Tilgung der Anleihen aus dem Aufkaufprogramm zu 100%, die tatsächlich zu viel niedrigeren Kursen erworben wurden
-> also auf Verzicht auf einen "Spekulationsgewinn" der EZB

PS: Obwohl ich diesen Schuldenerlass für richtig befinde, ist der Zeitpunkt (laufende Verhandlung mit privaten Gläubigern) denkbar schlecht.

das ende ist nah
01
25.1.2012, 17:42

als erstes würd ich mal generell eine "wer schuldet wem" liste veröffentlichen ... und dann die dinge, die mit der kirche ums kreuz laufen, gegenstreichen

Markus Hochstaffl=Wasserpfeiffenorschloch
01
25.1.2012, 17:27
EZB: Europas Bad Bank

Schauen und Weinen.
http://www.ardmediathek.de/ard/servl... Id=9299454

Gute Nacht Wohlstand der Mittelschicht.
Die Reichen wird es wie immer nicht treffen!
Gute Nacht Europa!

jesus mohammed
00
25.1.2012, 17:23
Wahlen am 19. Februar waren die Bedingung für die Existenz der jetzigen Regierung

123155465
01
25.1.2012, 17:10
ja, was für eine Überraschung

da kauft die EZB wie blöd Griechenbonds und will uns verkaufen, dass der Haircut nicht von Anfang an Teil des Plans war

Oberförster Oberchristl
01
25.1.2012, 16:45
Öffentliche Bekanntgabe

Ich boykottiere ab sofort griechische IT-Produkte!

/dev/urandom
01
25.1.2012, 17:06
Welche denn?

Computergesteurte Olivenschäler? RFID-Feta-Käse?

der burli
01
25.1.2012, 15:13
tatsächlich ist die sonderbehandlung der ezb hier nicht argumentierbar. noch dazu, wo sie nicht 100% dafür gezahlt hat.

amber103
03
25.1.2012, 18:06

Die ECB hätte gar nie solche Anleihen kaufen dürfen. Jeder seriös geführten Notenbank ist der Kauf von Staatsanleihen ihres eigenen Staates/eignen Staaten strengstens verboten. Wenn solche Forderungen Ausfallen, bedeutet dass nichts anderes, als dass der Euro den du gerade erabeitet hast, morgen beim Einkauf viel weniger wert ist.

Dieser Vermögensverlust verteilt sich aber nicht gleichmäßig, sondern trifft jene am härtesten, die am weitesten von den Notenbank entfernt sind, also Arbeitnehmer, Pensionisten,....

Wenn die ECB verzichten würde, würde sie eingestehen, dass sie marode Staatsanleihen gekauft hat, und sie politischen Druck für wichtiger hält als ihren gesetzlichen Auftrag.

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