Sportler aus aller Welt und ein mitfieberndes Publikum: Letzte Woche fanden in Innsbruck die ersten Olympischen Jugendwinterspiele statt
Innsbruck - Tief verschneit präsentierte sich Innsbruck vergangenes Wochenende. Das Wetter bemühte sich redlich, die ersten Olympischen Jugendwinterspiele in angemessenem Ambiente zu präsentieren. In denselben Disziplinen wie die Athleten bei den olympischen Spielen der Erwachsenen traten Jugendliche von 14 bis 18 Jahren in Sportstätten in der und rund um die Tiroler Landeshauptstadt an.
Kunst und Spannung am Eis
Ein besonders gut besuchter Bewerb waren die Eishockeyspiele im Tivoli-Stadion, nicht weit vom Zentrum der Stadt entfernt. Im Spiel um die Bronzemedaille bei den Damen war das Stadion gut gefüllt. Deutschland und Kasachstan standen sich gegenüber.
Stimmungstechnisch hatte Kasachstan der deutschen Fan-Übermacht kaum etwas entgegenzuhalten. Auch spielerisch konnten sie nicht mithalten, was letztendlich in einem deutlichen Sieg Deutschlands endete. Auch die vielen mitgereisten Fans, Eltern und Großeltern freuten sich sichtlich über den dritten Platz.
"Beim Frauen-Eishockey gibt's ja überhaupt keinen Körperkontakt!", behaupteten zwar böse Zungen - Damen-Eishockey reiche in Sachen Spannung und Schnelligkeit nicht an das der männlichen Kollegen heran. Im Finale, das Österreich und Schweden untereinander ausspielten, wurde aber spannend gerangelt: Die Gäste würden schließlich mit Gold nach Hause fahren.
Nur ein paar Schritte weiter taucht man in der angrenzenden Eishalle in ein ganz anderes Szenario ein: Hier findet der Eiskunstlauf der Männer statt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 14 Jahren. Es ist offensichtlich und beeindruckt auch das Laien-Auge, dass diese Jugendlichen für ihre Kunststücke eine Körperbeherrschung brauchen, von der man als Nicht-Eiskunstläufer nur träumen kann.
Während der Zeit der olympischen Spiele gab es junge Leute, die regelmäßig über die Wettbewerbe berichteten, Interviews führten und Fotos von den Athleten schossen: die sogenannten "Samsung Mobile Explorers". Diese Gruppe von Studenten und Schülern verbrachte fast zwei Wochen in Innsbruck, um über die Youth Olympic Games zu berichten.
Junger Sportreport
Das Projekt bot eine Plattform, um journalistische Fähigkeiten zu erwerben oder auszubauen. Es brachte junge Menschen aus Österreich, der Schweiz, Slowenien und Großbritannien zusammen. Täglich publizierten sie Artikel zu diversen Themen, um vielleicht unter den ausgewählten drei Personen zu sein, die im Sommer als Reporter zu den Olympischen Spielen nach London fahren. Auch beim Spiel um den dritten Platz im Eishockey der Herren waren sie dabei. Hier trafen die USA und Kanada aufeinander. Und das Match stand einem der "echten" Olympischen Spiele um nichts nach: Es war schnell, spannend, und die Emotionen gingen bei Spielern und Publikum hoch.
Ziel des Pucks
Das Tivoli-Stadion war zu diesem Zeitpunkt ausverkauft, und manche, die das Eishockey-Spielen für gefährlich hielten, wurden eines Besseren belehrt. Die Gefahr bestand nämlich weniger für die Spieler als für die Zuschauer, die zweimal Ziel des Pucks wurden - glücklicherweise ohne Verletzungen. Hitzig ging das Spiel zu Ende, mit 21 glücklichen Kanadiern als Gewinner der Bronzemedaille. Die Stimmung in der Innsbrucker Innenstadt erreichte regelmäßig gegen Abend ihren musikalischen Höhepunkt: eine große Bühne mit täglichen Live-Gigs internationaler Bands sorgte für Unterhaltung bei den Teilnehmern der Olympiade. Von Russkaja bis Blumentopf war für jeden etwas dabei.
Und überhaupt: Innsbruck ist als Austragungsort für die Olympischen Jugendwinterspiele wie geschaffen. Die Infrastruktur für die Bewerbe war bereits vorhanden. Schon 1976 rasten Bobfahrer bei den Olympische Winterspielen den Eiskanal in Igls herunter. Apropos Bob: Am letzten Tag der Spiele fand das Finale der Zweier-Bob-Bewerbe statt. Am Ende gewann Italien, die Österreicher mussten sich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Sie gewannen die Silbermedaille im Bobfahren bei den ersten olympischen Jugendwinterspielen. (David Tiefenthaler, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)