Hamburg - Beiersdorf hat wegen des verschärften
Sparkurses im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch verbucht. Der
Hamburger Dax-Konzern bezifferte den Betriebsgewinn (Ebit) am
Mittwoch auf 431 Mio. Euro, gut ein Viertel weniger als zuvor.
Analysten hatten allerdings mit noch weniger gerechnet. Der
Konzernumsatz kletterte nur leicht um nominal ein Prozent auf 5,6
Mrd. Euro, weil Beiersdorf seine Kosmetiksparte in Europa und China
neu ausrichtet und unrentable Produkte aus den Regalen genommen hat.
Die Klebstoff-Tochter Tesa steigerte ihren Umsatz dagegen um gut
sieben Prozent.
Im Schlussquartal, auf das ein Großteil der Belastungen durch den
Konzernumbau entfiel, geriet Beiersdorf sogar in die roten Zahlen.
Nach Reuters-Berechnungen belief sich der Betriebsverlust auf 60 Mio.
Euro - deutlich weniger als Analysten erwartet hatten, die im Schnitt
für diesen Zeitraum von mehr als dem Doppelten ausgegangen waren.
Beiersdorf wollte sich dazu nicht äußern und verwies darauf, dass es
sich um vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr handle.
Einen Ausblick für 2012 will der von der Tchibo-Mutter Maxingvest
kontrollierte Traditionskonzern erst bei der Vorlage der Bilanz für
2011 Anfang März wagen.
Stellenabbau
Beiersdorf hatte im November den Abbau von weltweit bis zu 1.000
Stellen angekündigt und will das Geschäft seiner Kosmetiksparte mit
Marken wie Nivea, Eucerin und Labello künftig stärker regional
führen. Ein Großteil der Kosten für den Umbau wurde im Schlussquartal
verbucht. Dennoch ist der Konzern damit wohl nicht über den Berg:
Analysten rechnen mit einem weiteren schwierigen Jahr für den
Dax-Konzern mit zuletzt rund 18.000 Beschäftigten.
"Die Herausforderungen in der Sparte für Konsumartikel scheinen
größer als erwartet", schrieb die DZ Bank jüngst in einem Kommentar.
Es sei ungewiss, ob Beiersdorf seine Kernmarke Nivea überhaupt zu
alter Stärke zurückführen könne. Die Analysten von Sanford Bernstein
erwarten eine längere Phase der Unsicherheit bei Beiersdorf. Das
Management werde sich vermutlich mit Vorhersagen zurückhalten, bis
der neue Vorstandschef Stefan Heidenreich im April an die
Unternehmensspitze gerückt sei. Die bereits leidgeprüften
Beiersdorf-Anleger werde dies wahrscheinlich erneut enttäuschen.
Beiersdorf hatte im vergangenen Jahr mitten in der
Restrukturierung den Rückzug von Vorstandschef Thomas-Bernd Quaas
angekündigt. Sein Nachfolger Stefan Heidenreich, der von der auf
Babynahrung und Konfitüren spezialisierten Hero-Gruppe kommt, wurde
zum Jahresanfang in den Vorstand berufen. Der 48-Jährige soll nach
der Hauptversammlung am 26. April den Vorstandsvorsitz von Quaas
übernehmen, der dann in den Aufsichtsrat wechseln soll.
Der Hamburger Konzern, der mit Unternehmen wie Henkel und L'Oreal
konkurriert, hatte im vergangenen Jahr mit hohem Werbeaufwand
versucht, die Geschäfte wieder in Fahrt zu bringen, war damit aber
nicht schnell genug vorangekommen. Daraufhin kündigte der Vorstand
eine schärfere Gangart an. (APA)