Verkehrspolitik

Mitfahrgelegenheit

Gastkommentar | 27. Jänner 2012, 09:10

Öffentlicher Raum als öffentliches Gut: Das Auto wird nicht verschwinden, aber es muss vom persönlichen Transportmittel zum Gemeinschaftsgut werden - Von Felix Creutzig

Kopenhagen, Amsterdam, Melbourne: Städte kommen weltweit mit weniger Autos aus. Sie vergeben den gewonnenen Platz an das öffentliche Leben, an Fußgänger und oft auch an Fahrradfahrer. Schon seit 1962 verbannte Kopenhagen schrittweise die private Motormobilität aus der Innenstadt. Mit dem gewonnenen Platz gewann das öffentliche Leben: Kopenhagener befinden sich viel häufiger auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Ja, Kopenhagen gilt als die Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Selbst der Times Square in New York, ikonischer Ort des vergangenen Jahrhunderts, wird dem Flaneur zurückgegeben. Ist also die Zukunft der Stadt autofrei?

Unliebsame Konsequenzen

Doch von Anfang an. Automobilität ist eine Errungenschaft der Moderne: Sie erlaubt das Einfamilienhaus im Vorort. Und sie bringt mit dem Auto das prädestinierte Statussymbol der vergangenen Epoche hervor. Im Überschwang überwand das System sein Ziel: Stau, Luftverschmutzung, Stress durch Lärm und soziale Segregation kristallisierten sich als unliebsame Konsequenzen heraus, nicht immer für den einzelnen Autofahrer, doch aber für die Gesellschaft. Die staatlichen Institutionen reagieren und versuchen, diese schädlichen Folgen zu mindern. So gibt es immer mehr Standards für Autos, aber auch Umweltzonen und Verkehrsmanagement. Doch diese Reaktion ist nur eine Variation des Autoparadigmas, es wird weiter vom Auto aus gedacht.

Ein verkehrsmittelneutrales Paradigma sieht öffentlichen Raum und Mobilität als öffentliches Gut. Wo Menschen sich treffen und interagieren, da ist die Lebensqualität hoch. Interaktion erlaubt das Entstehen und die Weiterverbreitung von Ideen, schafft Gemeinschaften und damit sozialen Zusammenhalt. Dafür braucht es dort, wo Menschen leben, auch Platz, diese Interaktion zu verwirklichen: Straßen, Cafés, Plätze. Und dazu gehört ein Mobilitätssystem, das flexibel und platzsparend ist.

Was bedeutet es, öffentlichen Raum und Mobilität als öffentliches Gut zu denken? Das heißt, dass die Bereitstellung und das Design der Infrastruktur Aufgabe der Gemeinschaft sind. Im Gegenzug macht diese öffentliche Infrastruktur eine Stadt attraktiver und erlaubt damit Einnahmen (z. B. über die Grundsteuer), welche die Finanzierung sichern können.

Quasi-öffentliches Verkehrsmittel

Das öffentliche Gut Mobilität zeichnet sich durch eine hohe Erreichbarkeit der verschiedenen Orte einer Stadt aus - durch multimodale Angebote. Fahrrad- und Fußgängerwege und öffentlicher Nahverkehr erlauben ein rasches Erreichen verschiedener Ziele. Dieses Paradigma definiert sich nicht über das Auto, schließt es also auch nicht aus. Das Taxi ist schon immer Teil eines öffentlichen Verkehrssystems. In Städten wie Berlin und Paris gewinnen flexible und IT-lastige Carsharing-Angebote rasch an Kundenstamm. Das Auto als quasi-öffentliches Verkehrsmittel ist viel platzsparender als das private Auto, da es nicht mehr den Großteil des Tages als ungenutztes Material herumsteht. Für den Städter bedeutet dies die logische Fortentwicklung der Flexibilisierung, die durch das Autozeitalter eingeläutet worden ist: zu jeder Zeit an jeden Ort mit jedem Verkehrsmittel.

Ist die Zukunft der Stadt also autofrei? Sicherlich nicht. Aber in Städten, die Mobilität als öffentliches Gut sehen, wird das Auto sich im multimodalen Kanon einordnen und dabei gleichzeitig flexibler zu nutzen sein. (Felix Creutzig, derStandard.at, 27.1.2012)

Autor

Felix Creutzig, The European, unterrichtet räumliche Klimaschutzökonomie an der Technischen Universität Berlin und ist Leitautor des Fünften Sachstandberichts des Intergovernmental Panel on Climate Change.

Kommentar posten
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Chris Quast
00
29.1.2012, 16:57

müssen tut es gar nix !!

Micha Do
 
02
29.1.2012, 12:36
Ein Großteil der Bevölkerung lebt und arbeitet NICHT in irgendeinem Zentralraum. In Wien brauchst selten wirklich ein Auto. Aber:

Es krankt in diesen Diskussionen immer wieder daran dass die Menschen,welche im Landbereich wohnen, gezwungen sind zu pendeln (zB der größte Teil der 1300 Mitarbeiter an unserem Spital pendelt bis zu 50 km weit). Es wird "Flexibilität" hinsichtlich Arbeitszeit verlangt, oft hinsichtlich "Einsatzort".
Das öffentliche Verkehrsnetz ist im besten Fall ein schlechter Witz.ÖBB.Es gibt Tage da käme ich mit den "Öffis" abends gar nicht mehr nach Hause. Fahrgemeinschaften gehen oft deshalb nicht weil man vielleicht gleichzeitig in der Früh beginnt, aber die Endezeiten der Arbeit bis zu mehreren Stunden differieren.Wie gerne wartet man dann auf den Mitfahrer oder den Fahrer auf Abruf?
Man löse das Problem und hätte mich als Kunde - aber so nicht.

FeLiXe
 
02
29.1.2012, 17:28

natürlich. für individuen gibt es viele fälle, wo die fortbewegung im privatauto das einzige sinnvolle ist

nur politisch gesehen stellt sich dann die frage: baut man lieber die autobahnen aus oder nützt man das geld um die von Ihnen beschriebenen fehlenden Zugverbindungen einzurichten?

und prinzipiell gäbe es natürlich verschiedene möglichkeiten von car-sharing etc. das alles ist nicht einfach, aber im heutigen informationszeitalter gäbe es sicher alternativen zum klassischen modell, also allein im fünf-sitzigen privatauto, das dann noch den ganzen Tag herumsteht

und dann gibt es natürlich noch die alternative moped (oder fahrrad): gleiche mobilität aber viel effizientere Nutzung des Grundes in der Stadt

Chris Quast
00
29.1.2012, 16:59

Ein Großteil der Bevölkerung lebt und arbeitet NICHT in irgendeinem Zentralraum

diese erkenntnis, scheint hier icht wirklich verbreitet zu sein

no problem
02
28.1.2012, 15:07

der beste indikator fuer eine lebenswaerte stadt ist die lebensqualitaet fuer kinder die darin wohnen..junge familien mit kindern wollen nach wie vor raus aus wien, in die vorstaedte ziehen aber in wien arbeiten, die innenstadt wird von spekulanten aufgekauft und die teuren mieten sind nur fuer wenige leistbar...es fehlt zunehmendst der mix an klein geschaeften und weniger betuchten um die stadt zu einem interessanten, kreativen raum zu gestalten...der automobil verkehr muesste teilweise drastisch reduziert werden um plaetze und raueme neu gestalten und beleben zu koennen....kopenhagen ist fuer kinder ein paradis im vergleich zu wien und die daenen nun mal wesentlich innovativer und lebendiger

Mitfahrbörse Österreich - Facebook
01
28.1.2012, 10:15
Mawi13
00
29.1.2012, 11:39
mal was sinnvolles

auf Facebook :-)

Erwin Wolfram
00
28.1.2012, 01:58
...

ps ich muss unbedingt dorthin, denn dort ist es ganz andres als da wenn ich dann dort bin LOL

MFC
44
27.1.2012, 17:06
Bin sehr für Mitfahrgelegenheiten - daher mein Aufruf!

Bilde Fahrgemeinschaft - suche daher noch eine weibliche Person für die Fahrt von Stockerau nach Wien.
Das Anforderungsprofil (besser beschrieben als bei ORF Ausschreibungen) wäre:
a.) weibliches Wesen - klar nach der 1.Zeile
b.) 25 - 30 jahre alt, schlank, blond oder braune Haare, blaue oder hellbraune Augen
c.) Körbchengröße B-C
d.) sollte gut duften
e.) eher schlank (wegen der PKW Abnutzung)
f.) ungebunden
g.) fröhliche und nette Art - auch am frühen Morgen
h.) sollte unbedingt Katzen lieben
i.) sollte keine Zicke sein und
j.) prüde sollte sie auch nicht sein.

Ernstgemeinte Anfragen an die Redaktion von MFC

meinrad
10
29.1.2012, 18:06

wenns dann in wien ankommts, setz sie bitte bei mir ab, thx

Tintininafrica
64
27.1.2012, 15:01
Auto

1. Warum Autos "gratis" auf öffentliche Flächen (Strasse) abgestellt werden können, ist mir seit Langem ein Rätsel. Gilt auch für "Anrainer".

2.Es wäre sinnvoll, den Kauf eines Autos an das Vorhandensein eines Abstellplatzes zu binden.

Natürlich müsste es eine Übergangszeit für die Einführung dieser Regelung geben (jedoch nicht bis 2030 :))

Andreas N
11
29.1.2012, 13:43
Weil....

sich 60 Jahre lang der Bedarf nach Mobilität entwickelt hat und weil ein gewisser Teil der Mobiltät aktuell mit dem Auto abgewickelt wird. Würde man das über Öffis machen wollen, würde das drastische Kostensteigerungen bei den Öffis bedeuten und trotzdem die Mobilität stark einschränken. Aber alte Gschichte - Leute wohnen neben der U-Bahn und fragen 'wozu brauchen andere ein Auto'

Chris Quast
01
29.1.2012, 17:06

Aber alte Gschichte - Leute wohnen neben der U-Bahn und fragen 'wozu brauchen andere ein Auto'

trifft die ganze sache schön in einem 2-zeiler !!

Max Arnstein III.
 
00
28.1.2012, 08:38

Speziell um Gemeindebauten in Wien türmen sich Autos beinahe in mehreren Schichten - denn diese weisen grundsätzlich keine Stellflächen auf. Gemeindewohnungen also nicht an Autofahrerinnen vergeben?

Quim Barreiros
00
28.1.2012, 18:42

Das gilt aber nur für alte Gemeindebauten. In den Außenbezirken finden Sie Gemeindebauten, wo mehr als die Hälfte der Garagenplätze leerstehen: http://www.wien.gv.at/wohnen/wi... aetze.html

badat
34
27.1.2012, 22:31
Es sind einfach festgefahrene Denkvorstellungen, die nicht hinterfragt werden

Diese führen dann dazu, dass auf der einen Seite zwar permanent argumentiert wird, wir müssen den Gürtel enger schnallen, Sozialleistungen kürzen, vom Anspruchsdenken gegenüber dem Staat wegkommen, etc., aber auf der anderen Seite -oft von den SELBEN LEUTEN- für das Auto ein Versorgerstaat gefordert wird, der seinesgleichen sucht: Kostenlose Abstellflächen in großer Menge, damit man ja keinen Schritt zu viel gehen muss, eine Begrenzung des Benzinpreises, sofort mehr Straßen, wenn es sich ein bisschen staut, finanzielle Autofahrunterstützung (Pendlerpauschale), egal wie viel man im Monat verdient, etc. und auch eine Überwälzung von 2/3 der Kosten des Straßenverkehrs auf die Allgemeinheit wird als selbstverständlich gesehen.

johannes schenk1
01
28.1.2012, 14:37
Die kostenlosen Abstellflächen:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Ansicht teile, dass Autoabstellflächen generell kostenpflichtig sein sollten.
Es stimmt schon: der öffentliche Raum gehört der Allgemeinheit - aber zu der gehören die Autofahrer halt auch.
Wahrscheinlich muss es davon abhängig gemacht werden, wie knapp das Gut "öffentlicher Raum" ist - damit meine ich: In Städten sollte man wohl zahlen müssen, am Land eher nicht.
Allerdings: ist es nicht nur eine "Abzocke" der Autofahrer?
Denn die Städte wären dann kaum weniger verparkt und der Staat würde das Geld für alles andere außer für die Schaffung von mehr und angenehmeren öffentlichen Raum verwenden.

FeLiXe
 
20
28.1.2012, 22:04

im Zweifelsfall könnte man für Parkplätze ja ähnliche Preise verlangen wie für Garagenplätze bzw sich an den Grundstückspreisen orientieren.

sonst stellt sich die frage, warum ich genau das auto öffentlich subventioniert auf die straße stellen darf und sonst nichts. vielleicht würde ich auch gerne einen großen blumentopf hinstellen oder einen zusätzlichen kasten. nein: ich darf nur etwas hinstellen, das laut ist, die umwelt schädigt und staus verursacht ...

Chris Quast
00
29.1.2012, 17:08

andererseits, warum soll man das öffifahren verschenken ?

johannes schenk1
01
28.1.2012, 22:26
Und, zumindest dem Gesetz nach, morgen wieder weg ist. Ich kann mir keinen Parkplatz reservieren ,- wenn Sie aber ihren Kasten

hinstellen, wird der öffentliche Raum privater Raum. Das wäre mit fixen Autoabstellplätzen auch so - nur gibt es die nicht. Der Parkplatz gehört immer nur dem, der gerade dort steht und nur (das wissen die Wenigsten) garantiert für 24h - deswegen dürfen Autos auch nach 24h abgeschleppt werden, ohne dass dem Eigentümer die Wiederbeschaffungskosten ersetzt werden. (zum Beispiel für Straßenarbeiten).
Im Übrigen wären die Kosten in der Höhe eines Garagenplatzes wohl ziemlich hoch. Schließlich ist dieser überdacht und gesichert.

Wie gesagt, der öffentlich Raum gehört allen - dazu gehören auch die Autofahrer. Eine kleine Abgabe bei beschränktem Raum ist vielleicht angemessen. Mehr ist durch das Argument "öffentlicher Raum" kaum zu rechtfertigen.

FeLiXe
 
00
29.1.2012, 16:19

das ist schon eine interessante frage. Ihr Argument gilt sicherlich für Raum der zufällig frei ist und für nichts anderes benötigt würde

schwieriger ist es in einer stadt wie wien. hier wird ja der raum auf beiden seiten fast jeder straße, also eine riesige Fläche, speziell dem Abstellen von autos gewidmet (anstatt dass zB Kinder spielen, Bäume dortstehen, zusätzliche verkehrsfläche frei wird ...) und ich sehe es dann als einen strukturellen mangel, dass trotzdem nirgends freie parkplätze sind. und der kapitalist in mir sagt, dass preise die nachfrage an das angebot anpassen können, welches ja sehr groß ist. der planwirtschaftler in mir würde car-sharing forcieren.

johannes schenk1
00
29.1.2012, 17:27
Man braucht kein Planwirtschaftler zu sein,

um car-sharing zu forcieren.
Allerdings bedarf es da einer Emotionsänderung der meisten zum "eigenen Auto".
Bis jetzt kommt dieses Modell nicht wirklich weiter in Wien und ich denke, dass das daran liegt, dass zu wenig mitmachen.
Denn nur wenn ausreichend dabei sind, habe ich die relative Gewissheit, ein Auto zu haben, sobald ich eines brauche.

bloody-nine
 
10
30.1.2012, 22:45
Emotionsänderung der meisten zum "eigenen Auto".

"auto" (isv auto besitzen und autofahren) sind extrem emotional besetzt. es gibt kein thema (ausser das leidige ausländerthema) das von derart vielen menschen ähnlich emotional (isv irrational und anti-rational) betrachtet wird.

rational betrachtet müssten 80% und mehr grossstadtbewohner für einen ausbau der öffis plus einen ausbau von carsharing-modellen (denzeldrive, car2go, mischmodelle, günstigere mietwagenangebote für lange distanzen und größere zeiträume) sein und das auch politisch vertreten. die einsparungen in den haushaltsbudgets bei minimalem und bewältigbarem komfortverlust wären enorm.

dagegen spricht nur der emotionale appeal des "meins meins meins", und des statussymbol-faktors.

FeLiXe
 
00
29.1.2012, 17:40

man könnte ja an allen drei Fronten arbeiten:
1. öffentliche Meinungsbildung
2. Unterstützung von car-sharing Infrastruktur
3. und vielleicht durch die Erhöhung von Parkgebühren den Leuten auch einen finanziellen Anreiz geben, vom Privatauto wegzugehen

Wenn es ohne "3." geht, umso besser ...

bloody-nine
 
13
28.1.2012, 12:40
das is mir schon oft aufgefallen

grad leut die sich selbst gern als "leistungsträger" bezeichnen und darauf pochen dass sie in einer freien gesellschaft unbehindert und uneingeschränkt autofahren wollen (selbstverständlich ohne rücksicht auf fussgänger, radfahrer, benutzer öffentlicher verkehrsmittel und anrainer oder gar die umwelt zu nehmen) mutieren zu autoritären regulierwütigen staatsinterventionisten wenns um benzinpreis oder strassenbau geht, fordern gratis-leistungen, subventionen, 1000 einschränkungen für radfahrer, und und und...

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