Rabattportal sucht neue Wege, um das Geschäft mit Gutscheinen zu verbreitern
Geht es um Groupon, sind sich Fans und Kritiker zumindest in einem Punkt einig: Das US-Rabattportal ist ein Phänomen. Die Gutscheine mit saftigen Preisnachlässen für Restaurant- oder Friseurbesuch kommen bei den Sparefrohs dieser Welt gut an. Eine Mrd. Dollar haben sich die Groupon-Kunden im Vorjahr damit laut CEO Andrew Mason gespart. Darunter bei 1,6 Mio. Maniküren und 44.000 Darmreinigungen, berichtete der für seinen schrägen Humor bekannte 31-jährige Firmengründer auf der Münchner Digitalkonferenz DLD.
700 Millionen Dollar beim Börsengang
Doch spätestens seit dem Börsengang, bei dem das Unternehmen 700 Mio. Dollar einsammelte, muss Groupon beweisen, dass sein Geschäftsmodell auch Zukunft hat und vom Gutschein nicht nur der Schein bleibt. Mason spricht von mittlerweile 142,9 Millionen bei dem Dienst angemeldeten Schnäppchenjägern in 47 Ländern, die im Vorjahr bei 33 Millionen Deals zuschnappten.
"Kein Weg soll an uns vorbeiführen"
Um weitere Konsumenten zu gewinnen, hat sich Groupon ein hohes Ziel gesteckt: "Wir wollen für den Konsumenten eine wichtige Bezugsquelle werden. Egal was er einkauft, kein Weg soll an uns vorüberführen", sagt Daniel P. Glasner, Geschäftsführer für Groupon Central Europe im Gespräch mit dem STANDARD. Für den zukünftigen Wachstumskurs sollen daher auch auf den europäischen Markt neue Goodys zukommen, die derzeit in den USA erprobt werden, wie etwa das "Groupon Rewards"-Programm, an dem einige hundert Händler in Nordamerika teilnehmen: Mit einer über Groupon herausgegebenen Kreditkarte können Kunden dabei bei ihren Einkäufen Bonuspunkte sammeln.
Angebot soll breiter werden
Auch das Angebot soll noch breiter werden, erst vor kurzem stieg Groupon ins Geschäft mit rabattierten Flugangeboten ein. Seit September erhalten bei Groupon Goods registrierte USNutzer per E-Mail Angebote für Waren wie Elektro-, Küchen- oder Fitnessgeräte. Nach einem Klick auf einen Link in der Nachricht werden sie auf eine Verkaufsseite weitergeleitet, wo sie die Ware direkt bei Groupon bestellen können. Auch dies sei für den europäischen Markt durchaus vorstellbar, sagte Glasner, ohne einen Zeitpunkt zu nennen.
Mobile Groupon-Instant-Dienste in Europa
Sicher noch heuer sollen hingegen mobile Groupon-Instant-Dienste in Europa eingeführt werden. "Wenn etwa ein Nutzer auf dem Stephansplatz spazieren geht und Hunger bekommt, kann er auf seiner Smartphone-App nachschauen, ob er in der Nähe nicht einen guten Deal für eine Pizza machen kann", veranschaulicht der gebürtige Wiener. Dazu schloss Groupon vor wenigen Tagen eine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom.
Handlungsbedarf bei Schulungen
Handlungsbedarf besteht offenbar bei der Schulung der Partner, von denen es 190.000 weltweit und "einige Tausend" in Österreich gibt. Klagen in Internetforen, dass man mit einem Groupon- Hotelgutschein mitunter als Gast zweiter Klasse behandelt werde oder beim Friseur die Haare vom Lehrling geschnitten bekomme, sind auch Glasner schon zu Ohren gekommen. "Mit dieser Realität müssen wir leben. Aber es handelt sich dabei nur um Einzelfälle, in denen wir unseren Partnern nicht klar genug gemacht haben, dass wir ein Marketinginstrument für ihn sind, das Kunden zu ihm bringt, die sonst nie in sein Geschäft gegangen wären." Oder wie es sein Chef Mason knapper formuliert: "Wir sind keine perfekte Company." Dazu gehört auch, dass nicht verraten wird, wie viele der auf Groupon gekauften Gutscheine wirklich eingelöst werden und ergo nicht mit dem Partner geteilt werden müssen.
Kritik
Die viel geäußerte Kritik, dass Groupons Geschäftsmodell relativ leicht kopierbar sei und durch die zunehmende Konkurrenz gefährdet werde, nimmt Mason gelassen hin. Vergleichbare Angebote, etwa Facebook Deals, hätten nicht funktioniert. Der Faktor, der Groupon erfolgreich mache, seien die 10.400 Mitarbeiter, die tagtäglich neue lokale Partner vom Erfolg des Geschäftsmodells zu überzeugen versuchen. (Karin Tzschentke aus München/DER STANDARD Printausgabe, 25. Jänner 2012)