Replik auf Pröll-Vorstoß

Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür!

Leser-Kommentar | 25. Jänner 2012, 09:20

Alternativen zu Erwin Prölls Idee, das Amt des Bundespräsidenten einzusparen

Landeshauptmann Pröll will das Amt des Bundespräsidenten einsparen. Wie wäre es, zunächst vor der eigenen Türe zu kehren und hier Einsparungen vorzunehmen?

Landeskaiser spielen "Schwarzer Peter"

Nicht nur neun Landeskammern der Wirtschafts- und Arbeiterkammer, sondern auch neun Landtage mit 448 Landtagsabgeordneten! Wozu brauchen wir in Österreich zehn Gesetzgeber? Europaweit wird um einheitliche Gesetze im EU-Parlament und -Rat gerungen, Regionalität innerhalb von Europa ist da auf Bundesebene für Österreich vollkommen ausreichend. Aber nein, wir brauchen EU-Gesetze, österreichische Bundesgesetze und dann auch noch neun Landtage.

Wir würden uns bei einer Zentralisierung Milliarden ersparen, nicht nur in der Straffung der Verwaltung und Vereinheitlichung der Gesetzgebung, auch blanker Unsinn wie zwei Krankenhäuser mit den gleichen Leistungen 14 Kilometer voneinander entfernt, nur eines in Niederösterreich, das andere im Burgenland, wären vermeidbar. Oder die Sache mit dem Kyoto-Protokoll und den zu erwartenden Strafzahlung in der Höhe von hunderten Millionen Euro, weil sich Bund und Länder über ihre jeweiligen Kompetenzen/Verantwortlichkeiten nicht einig sind und sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben. Oder auch die österreichische Realverfassung: Ein Bürgermeister lässt einen Wahlkampfspruch los und der zuständige Minister macht eine Kehrtwende um 180 Grad (Stichwort Wehrpflicht), weil der Bürgermeister parteipolitisch mächtig ist. Und so weiter und so fort. Und da wundern sich immer noch manche über Politikerverdrossenheit, wenn die Länder den Bund zu einem Kasperletheater degradieren.

Staatsreform - jetzt!

Es sind die Landeskaiser mit ihrem Hofstaat, die wir am dringendsten einsparen müssen, dann wäre der Weg für Lösungen ohne interne Parteitaktik und Machtspielchen zwischen Bund und Ländern, ohne persönliche Eitelkeiten und Parteimachtmissbrauch frei.

In Geiselhaft der Landesfürsten

Alle fünf Jahre eine Wahl zum Nationalrat (bundesweit betrachtet für den Nationalrat), die gleichzeitig, dasselbe Ergebnis rein regional betrachtet, jeweils bundesländerweit als Ergebnis für den Bundesrat als Ländervertretung gilt. Dann hätten wir auch einheitliche Ländergesetze. Nicht nur, dass wir uns neun von zehn Wahlen mit allen Begleiterscheinungen sparen, die Bundesregierung könnte endlich viereinhalb Jahre arbeiten, ohne ständig Rücksicht auf Landesparteien und ihre Wahltermine nehmen zu müssen. Jetzt befindet sich eine Bundesregierung ständig in Geiselhaft irgendeines Landeskaisers, der, wenn es nicht nach seinem/ihrem Willen geht, die Bundespartei bei der nächsten Nationalratswahl einfach nicht unterstützt. Bei einer gemeinsamen Wahl sitzen aber alle innerhalb einer Partei in einem Boot und keiner kann den anderen wegen persönlicher Unstimmigkeiten im Stich lassen. Solche Dinge müssten dann rein zwischenmenschlich und rein parteiintern ohne Strapazierung von Staatsinteressen geregelt werden.

Es liegt an den Strukturen, nicht am Geld

Und dann sind auch sinnvolle Verwaltungsstrukturen (Bund, Länder, Bezirke, Gemeinden) ohne Doppelgleisigkeiten machbar. Wir würden uns Kompetenz- und Verantwortlichkeitsstreitereien (z. B. Umweltschutz, Kyoto-Protokoll-Strafzahlungen) ersparen.

Also, sehr geehrte Herren Pröll, Häupl und Co.: Kehren Sie vor Ihren eigenen Türen und erlösen Sie uns von sich selbst als Landeskaisern mitsamt Ihrem Hofstaat, den Landtagen - wenn Sie wirklich so wichtig für den Staat sind, wie Sie wahrscheinlich von sich glauben, warum dann nicht gleich auf Bundesebene für alle Österreicher? Sollen doch alle von Ihrem segensreichen Wirken profitieren können. Oder wollen Sie uns, dem Wahlvolk, erzählen, dass die Landtage, weil historisch gewachsen, sakrosankt, gottgewollt oder unveränderbaren Naturgesetzen entsprechend bestehen? Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür, dann sind auch wir, die Wähler, bereit zu sparen! Für einen schlanken Staat im dritten Jahrtausend. (Leser-Kommentar, Andreas Ledermann, derStandard.at, 25.1.2012)

Autor

Andreas Ledermann lebt in Eggenburg (NÖ).

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Posting 1 bis 25 von 97
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Andreas Ledermann
02
26.1.2012, 09:40
Kleiner Nachtrag

ORF-Sendung "Eco" vom 19.01.2012 Beitrag "Kein Sparwille: wo Milliarden zu holen wären"
Rechnungshofpräsident Moser (sinngemäß): "Länder sind nicht effizient, sondern erhalten historisch (und damit veraltete - Anmerkung Autor) gewachsene Strukturen." 3,5 Milliarden wären laut diesem TV-Beitrag einzusparen.
Föderalismus mag in anderen Staaten billiger sein, bei uns scheitert Effizienz an der Realpolitik.
Kleine Notiz am Rande: Über eine Abschaffung/Reform von Verwaltung habe ich nicht geschrieben, sondern über die Abschaffung einer Gesetzgebungsebene, um den Weg zu effizienten Verwaltungsstrukturen (Ausschaltung Doppelgleisigkeit) frei zu machen!! Einheitliche bundesweite Gesetzgebung wäre dann auch möglich!!

Just N. Opinion
 
02
26.1.2012, 08:53
Pröll gestern im ORF:

Er könne sich eine Zusammenlegung der Bundesländer Wien und NÖ vorstellen, unter dem Landeshauptmann Pröll und dem LH-Stv. Michael Häupl.

Meines Erachtens gehört der Mann entmündigt und eingewiesen, der lebt in seiner eigenen imaginären Welt, kann nicht mehr raus und niemand kann rein zu ihm. Autistische Schizophrenie oder so.

egsi
20
26.1.2012, 06:40
die niederösterreicher fragen

denn wir wollen unsere eigene regierung. vielleicht nicht perfekt, aber immer noch besser, als von den roten proleten in wien regiert zu werden.

Just N. Opinion
 
00
26.1.2012, 08:49
Einen bestimmten Prozentsatz

von Unbelehrbaren gibt's bei jeder Wahl.

Ritzi
 
00
26.1.2012, 08:45

Dann müssen sie dafür sein das NÖ ein eigenständiger Staat wird, ansonst werden sie nämlich von den Roten und Schwarzen Proleten in Wien regiert (Bund)! Also - initative zeigen und dafür eintreten das NÖ unabhängig wird, dann erspart man sich auch die lästige EU!

der Bastard, der dich nachhause bringt
01
26.1.2012, 05:47
Kleines Beispiel (selbst erlebt)

In NÖ einen neuen Heizofen (samt dazupassenden Rohren für knapp 50€) für die Wohnung in Wien erworben.

Probeeingeheizt, den Rauchfangkehrer kommen lassen: "Mit dem Röhrl wird des nix, da derf ma nur mit Flüssigbrennstoff heizen"

Aber ich hab das vor 1 Woche in NÖ gekauft!

"Jo eh, in Nö warat des eh ka Problem, aber in Wien gilt halt a andere Brandschutzordnung!"

;(

site:°~+*-||!#.\>
07
26.1.2012, 00:36

Diesem Kommentar kann man nur uneingeschränkt beipflichten.

Die 9 Landeskaiser, die jede Reform in diesem Land verhindern, die Milliarden an Steuergeldern verschwenden=Parteifreunden zuschanzen, sind größte Gefahr für die Demokratie in Österreich.

--> Bundesländer abschaffen, Gemeinden bezirksweise zusammenlegen (wie in den skandinavischen Ländern) und Direkte Demokratie einführen, wäre die Lösung.

site:°~+*-||!#.\>
01
26.1.2012, 00:44

Sorry, wie üblich fehlerhaft.

Richtig:

Diesem Kommentar kann man nur uneingeschränkt beipflichten.

Die 9 Landeskaiser, die jede Reform in diesem Land verhindern, die Milliarden an Steuergeldern verschwenden=Parteifreunden zuschanzen, sind die größte Gefahr für die Demokratie in Österreich.

--> Bundesländer abschaffen, Gemeinden bezirksweise zusammenlegen (wie in den skandinavischen Ländern) und Direkte Demokratie einführen.

hot doc
05
25.1.2012, 22:07
wenn ich nicht damit spielen darf, mach ichs kaputt!

auf dieser kindergartenebene ist der pröll motivert, die abschaffung jenes amtes zu fordern, das er unlängst noch ehrgeizig angestrebt hat. und jemand mit diesem geistigen zuschnitt ist landeshauptmann? grund genug, eher über die existenz von landeshauptleuten und -regierungen zu diskutieren. da ergeben sich einsparungen und effizienzsteigerungen. seinen blahden wiener bürgermeister darf er gleich in die pense mitnehmen. eine schlankere wiener verwaltung mit abschaffung autoerotischer verwaltungseinheiten würde dem wirtschaftsstandort wien gut tun.

TT1
05
25.1.2012, 22:04
Hervorragender artikel

Nur ein Proell lächelt maximal müde über diese sinnvollen vorschläge, die österreich endlich Luft zum atmen geben würden

siliconvalley
05
25.1.2012, 22:02
wozu brauchen wir 9 Landeshauptleute?

mit der Abschaffung dieses Amtes kennten wir etliche "Geistesblitze" los werden

helm.helm
11
25.1.2012, 21:46
komisch nur...

dass die schweiz, ein unglaublich dezentral organisierter staat, eine hocheffiziente und schlanke verwaltung hat, von der wir nur träumen können. das problem der ineffizienz scheint also nicht wirklich etwas mit der gegebenen struktur zu tun zu haben.

Section Control
10
25.1.2012, 21:10
Bleiben diese Thesen auch stehen...

wenn ein Herr Waldheim oder ein Herr Klestil in der Hofburg jetzt säße und vielleicht in Zukunft ein Herr Strache?

Ritzi
 
00
26.1.2012, 08:47

JA

Gerhard Grabner
06
25.1.2012, 20:13
Landeshauptleute abschaffen!

9 Landeshauptleute samt Landesregierungen abzuschaffen würde weitaus mehr bringen. Komisch auch, dass Pröll beim letzten mal noch versuchte, selbst Präsident zu werden. Als ihn Christian Konrad die Unterstützung verweigerte zog er zurück und will nun das Amt abschaffen.

hin und wieder ein tunichtgut
02
25.1.2012, 19:32
volle zustimmung.

fähige landeshäuptlinge können dann ja einen bundesrat bilden, der auf die regionalen bedürfnisse achtet.
aber eine ganze verwaltungsebene mal neun ist für diese land einfach unnötig.
dafür stärkung der direkten demokratie.

Eva Ulrich
01
25.1.2012, 19:25

Weg mit den Bundesländern.
Da würden wir uns 9 Landeskaiser einsparen.

MAXIMA
100
25.1.2012, 18:54
... kein Bundesheer ... keinen Oberbefehlshaber ...

... also weg mit dem Bundespräsidentenamt. Darabos sägt am Ast auf dem Fischer sitzt.

Eva Ulrich
41
25.1.2012, 19:25

Der Präsident ist aber nicht nur für das Bundesheer zuständig.

MAXIMA
10
26.1.2012, 10:55
... die weiteren Aufgaben, wie

... Verleihung von Amtstiteln f. Volksanwälte
... Verleihung und Schaffung von Berufstiteln
... Amnestie
... Ehelicherklärung unehelicher Kinder
... Angelobungen sowie Aufhebungen
... Gewährung von Ehrenrechten, Zuwendungen, Zulagen, Versorgungsgenüssen

Eine Handvoll der 40. Punkte umfassenden Liste der Kompetenzen des BP ist nachvollziehbar, aber zu wenig um dieses Amt beizubehalten. Vor allem sollte ein BP politische Balance herstellen können, Fischer agiert nur parteipolitisch.

Ludovico Settembrini
11
25.1.2012, 20:14

der bundespraesident ist eh nur der oberbefehlshaber...

da merkt man wer in staatsbuergerkunde nicht aufgepasst und den wehrdienst nicht abgeleistet hat :-)

Krei
01
25.1.2012, 21:00
Und bei deinem Kommentar merkt man

wer nicht in Zusammenhängen lesen & verstehen kann. Der Kommentar war: "Nicht NUR für das Bundesheer zuständig". Wenn du das beim Präsenzdienst oder in Staatbürgerkunde gelernt hast, dann war der nicht nur gratis, sondern tatsächlich umsonst. Ich hätte nämlich gelernt, dass der eine Menge anderer Jobs auch noch hat - so Dinge wie Regierungen angeloben & abberufen, Gesetze bestätigen, zur Not Nationalratssitzungen einberufen, etc...

Pool Snoopy
 
02
25.1.2012, 20:46

da merkt man, wer lesen kann.
es hieß er ist NICHT NUR für das bundesheer zuständig. so nebstbei bestimmt er den bundeskanzler, lobt regierung und die unnötigen landeshauptleute an und kann - wenn ihm danach ist - den nationalrat auflösen.

cumquat
02
25.1.2012, 18:11
Der Fuchs?

Der Fuchs und die sauren Trauben ;-)

illuminat_0815
01
25.1.2012, 18:06
Wien ist ein Beispiel für die Sinnlosigkeit der Länder

Wien, bekanntlich Bundesland, hat nicht nur als Stadt einen Gemeinderat mit Stadträten, sondern auch einen Landtag. Es sind aber die selben Personen, nur mit einem inkludierten Gehaltsaufschlag, da ja jeder Abgeordnete nicht nur die "Last" der Gemeinde, sondern auch jene der Landesaufgaben zu erfüllen hat - wozu bitte?
Diese "erhöhter" Arbeitsaufwand durch die "Doppelbelastung" ist so schlimm, dass sehr viele davon nebenbei einen weiteren gut bezahlten Funktionärsposten in einer Parteivorfeldorganisation haben - einfach zum Kotzen!

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