"Wichtigste Lehre aus dem Holocaust"
Jerusalem - Israel muss nach den Worten von
Ministerpräsident Benyamin Netanyahu notfalls auch auf eigene Faust
gegen die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm vorgehen. In
einer Rede vor dem Parlament anlässlich des bevorstehenden
Holocaust-Gedenktags sagte der Regierungschef am Dienstag in
Jerusalem, die Lehre aus dem millionenfachen Mord an Juden sei es,
nicht davor zurückzuschrecken, existenzielle Bedrohungen notfalls
alleine abzuwehren. Der konservative Politiker begrüßte die
Verhängung eines Ölembargos gegen den Iran durch die Europäische
Union als wichtigen Schritt.
"Aber an diesem Tag der internationalen Zusammenarbeit möchte ich
jedermann an die wichtigste Lehre aus dem Holocaust gegen unser Volk
erinnern - dass wir, in letzter Konsequenz, wenn es eine Bedrohung
unserer Existenz gibt, unser Schicksal nicht in die Hände anderer
legen dürfen", sagte Netanyahu. "Wenn es um eine Frage unseres
Schicksals geht, ist es unsere Verpflichtung, uns auf uns selbst zu
verlassen."
Geheimdienste und Generalstab gegen Angriff
Die israelische Führung hat bisher nicht offiziell erklärt, dass
sie eine iranische Atombombe notfalls mit Gewalt verhindern will.
Anspielungen vieler israelischer Politiker und Geheimdienstmitarbeiter
haben aber insbesondere in den USA die Befürchtung eines israelischen
Alleingangs mit unabsehbaren Folgen aufkommen lassen. Laut
Medienberichten sind die Chefs des Militär-, des Auslands- und des
Inlandsgeheimdiensts ebenso wie Generalstabschef Benny Gantz gegen
einen präventiven Angriff. Ein solcher wäre nur ratsam, falls Israel
angegriffen werde oder direkter Gefahr ausgesetzt sei. Bis zu zwei
Drittel der Israelis hatten sich in Umfragen für einen präventiven
Angriff auf die iranischen Atomanlagen ausgesprochen. 1981 hatte Israel mit
einem spektakulären Lufteinsatz den mit französischer Hilfe
errichteten irakischen Atomreaktor Osirak zerstört.
Netanyahu kündigte an, weiter an der internationalen
diplomatischen Isolierung des Iran zu arbeiten. Allerdings fügte er
hinzu: "Wir dürfen unseren Kopf nicht in den Sand stecken. Das
iranische Regime ruft offen zu unserer Vernichtung auf, plant und
handelt für die Vernichtung Israels." Die Staatengemeinschaft müsse
aufgeweckt werden, sagte Netanyahu. (APA/Reuters)