Arabischer Frühling

Regionales Wettrüsten im Nahen Osten

Bericht | Florian Gossy, 25. Jänner 2012, 13:53
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    grafik: derstandard.at

Der Nahe Osten bleibt die am höchsten militarisierte Zone der Welt - USA und Israel verschieben großangelegte Militärübung

Der Nahe Osten bleibt die am höchsten militarisierte Region weltweit. Zu diesem Ergebnis kommt der neue "Globale Militarisierungsindex" (Download als PDF), veröffentlicht vom Bonner International Center for Conversion (BICC). Hier wird die Summe der staatlichen Militärausgaben in ein Verhältnis zu den Ausgaben für andere gesellschaftliche Bereiche gerückt, etwa die medizinische Versorgung. Fünf der ersten zehn Länder dieses Rankings befinden sich im Nahen Osten: Israel liegt an der Spitze, dahinter folgen Syrien (3.), Jordanien (5.), Kuwait (8.) und Saudi-Arabien (10.). Auch die meisten anderen Länder des Nahen Ostens finden sich auf den ersten 40 Plätzen. (Die ersten 15 Plätze finden Sie in der Grafik in der Spalte links.)

"Dynamik des regionalen Wettrüstens"

Auch wenn die Militärausgaben der obigen Länder schon bisher hoch waren, zeichnet sich doch ein Trend zu einer stärkeren Militarisierung ab. "Im Nahen und Mittleren Osten sind die massiven Waffenkäufe, die u. a. Saudi-Arabien in den letzten Jahren getätigt hat und weiter fortsetzt, möglicherweise Anzeichen für eine Dynamik des regionalen Wettrüstens", schreibt Jan Grebe, der Projektleiter des BICC, in der Erläuterung der Studie. Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr einen Deal über 84 F15-Kampfjets und neue Radarsysteme mit den USA abgeschlossen, in Deutschland wurden dutzende Leopard-Kampfpanzer bestellt.

Arabischer Frühling schlägt Wellen

Für Verwunderung sorgte auch ein Schachzug des israelischen Premierministers Benyamin Netanyahu. Vor dem Hintergrund der großen Sozialproteste in seinem Land hatte Netanyahu angekündigt, das Militärbudget um umgerechnet 600 Millionen Euro zu kürzen. Gekommen ist es dann aber ganz anders - das Budget wird nicht um 600 Millionen Euro gekürzt, sondern aufgestockt. Die Begründung: Die Sicherheitslage in der Region lasse eine Kürzung derzeit nicht zu. Auf diese Sicherheitslage verweist auch Marc von Boemcken, ein Experte des BICC. Der Arabische Frühling und die damit verbundenen anhaltenden Unruhen und politischen Konflikte in einigen Staaten würden ihren Teil dazu beitragen, meint von Boemcken.

Israels kritische Sicherheitslage

Tatsächlich ist die Sicherheitslage Israels angespannt: Syriens Machthaber Bashar al-Assad versucht den Aufstand in seinem Land niederzuschlagen, zugleich stellt im Norden die Hisbollah im Libanon eine Gefahr da. Im Osten macht das iranische Atomprogramm immer größere Fortschritte. Als wäre das nicht schon genug, ist auch im Süden die Lage kritisch. Seit den Umstürzen in Ägypten, Tunesien und Libyen hat die Situation auf der Halbinsel ein Eigenleben entwickelt. Schmuggelgüter, zum Beispiel Waffen und Munition aus den Beständen des getöteten libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi, gelangen in den Gaza-Streifen, von wo aus immer wieder Raketen auf israelische Städte abgeschossen werden.

"Iron Dome" und "Austere Challenge 12"

Für diese Fälle hat Israel vorgesorgt: Der "Iron Dome", ein Raketenschutzschirm, fängt laut Informationen der israelischen Armee bis zu 90 Prozent aller auf Israel abgefeuerten Raketen ab (angeblich zeigt Südkorea Interesse, das System zu übernehmen, wenn Israel im Gegenzug südkoreanische Kampfjets kauft). Um die militärischen Fähigkeiten noch weiter zu verbessern, war für das Frühjahr auch die Raketenabwehrübung "Austere Challenge 12" gemeinsam mit der US-Armee angesetzt, die jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Für diese Übung hätten fünftausend US-Soldaten verlegt und amerikanische Gefechtsstände in Israel aufgebaut werden sollen, im Gegenzug wären israelische Offiziere an deutschen US-Stützpunkten eingesetzt worden. "Austere Challenge 12" wäre die größte militärische Übung der beiden Länder aller Zeiten geworden, ein Test für den Ernstfall - einen großen Krieg im Nahen Osten.

Obama vs. Netanyahu

Offiziell wurden für die Verschiebung der Übung vom Pentagon "Routinegründe" angegeben. Der Übungsplan solle noch einmal überarbeitet werden. Analysten bezweifeln dies jedoch. Vielmehr gehe es in der jetzigen Situation darum, nicht noch mehr Öl ins iranische Feuer zu gießen. Der Konflikt mit der Islamischen Republik brodelt seit längerer Zeit. Hier verläuft auch die Bruchstelle zwischen Israel und den USA: US-Präsident Barack Obama will beschwichtigend auf Premier Netanyahu und das Militär um Verteidigungsminister Ehud Barak einwirken, keinen Präventivschlag auf iranische Atomanlagen durchzuführen.

Obama hat auf jeden Fall etwas geschafft, woran Netanyahu gescheitert ist: Er hat sein Militärbudget gekürzt. Von 768 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 sinkt das Budget 2012 auf 662 Milliarden. Damit liegen die USA im Globalen Militarisierungsindex des BICC knapp vor dem Iran auf Rang 30, in absoluten Zahlen sind sie aber weiterhin an der Spitze. (flog, derStandard.at, 25.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 56
1 2
tom krishan1
 
01
24.2.2012, 16:55

was die atommachtaktivitäten in der gesamten region betrifft, sollten wir ja auch vielleicht mal
wieder Mordechai Vanunu zu rate ziehen.

aus seinen infos ergeben sich schliesslich dann auch viele weitere erkenntnisse, wie
sie schliesslich zur behandlung iraks führten und nunmehr zu dem führen sollen, was dem iran jahrelang aufzuzwingen versucht wird.

Blacklotus85
00
19.2.2012, 13:09

Wer in Kategorien von Ländern denkt, hat nicht verstanden....

Jedes Land der Welt ist korrumpiert worden von Mächten, die im Dunklen sitzen, diese machen Pakte diktieren Agenden aber glauben sie, dass sie niemals zur Rechenschaft gezogen werden?

Die Nationen dieser Welt sind nur mehr ein Gerüst, ein Schein von Substanz und werden, wenn die Zeit gekommen ist, integriert in ein Weltstaatensystem.

Es sieht nicht gut aus für die Menschen, aber mit dem rechten Glauben kann man diese Widrigkeiten überstehen.

Peace

Sie bevorzugen Dunkelheit vor Licht, aber alles was im Dunkeln ist, wird irgendwann ins Licht kommen

Der Waehlerwille
 
00
19.2.2012, 19:31
auweia ...

Wünsche baldige Genesung.

Silentium
00
26.1.2012, 17:29

danke

der Waldarbeiter
25
25.1.2012, 23:30

so wie es für mich jetzt aussieht, wird es zu einem "Stellvertreterkrieg" kommen. Die kämpfenden Parteien werden sein: Saudiarabien und der Iran. Warum sonst sollte Saudiarabien in den letzten Jahren so massiv aufgerüstet haben. Israel und die USA sind aus dem Schneider und müssen nicht selbst aktiv werden. Russland und evtl. China unterstützen den Iran, der Westen Saudiarabien. Die globalen Waffenschmieden werden sich freuen.

Andreas S.
00
26.1.2012, 12:42

china bezieht 2.5 mal mehr oel aus den anderen golfstaaten (SA, UAE, irak, oman) wie aus dem iran.

Deswegen wird china sich auf die seite der sauds stellen.

Warentester
00
26.1.2012, 15:21

China wird eher versuchen, die Lage ruhig zu halten. Weil bei einen Konflikt kriegen sie so oder so Probleme mit der Öllieferung, egal auf welcher Seite sie stehen. Daran, und an den generellen neg. wirtschaftlichen Folgen des Konflikts kann China kein Interesse haben.

Zwei Und Vierzig
23
25.1.2012, 21:45
Komisch...

Der "ach so gefährliche Iran" liegt irgendwo an 32 Stelle ...

Also man sollte sich eher Sorge um die Gefahr aus andere Länder machen - als um den Iran.

Ringelspielprofessor
13
25.1.2012, 22:55

Die Disskusionen handeln von dem nuklear programm des irans. Der Iran als Militärmacht selbst macht jetzt nicht sonderlich vielen wirkliche Sorgen.
Das man sich über andere Länder besser Gedanken machen sollte, kann man so oder so sehen. Meiner Meinung nach muss man sich im grunde über jede mehr oder weniger "hochgerüstete" Nation sorgen machen.

hallo tschüss
10
28.1.2012, 00:52

Iran würde ich militärisch nicht unterschätzen.

Zwei Und Vierzig
21
26.1.2012, 09:09
Da der Iran ja von aggressiven/unberechenbaren Nachbarn umzingelt ist - die zusätzlich von einer USA kontrolliert werden, der wie in Vergangenheit bewiesen, keine Skrupel hat andere Staaten zu überfallen ...

hat der Iran zwei Verteidigungsoptionen - entweder viel Geld in militärische Rüstung investieren - und damit trotzdem ein Krieg riskieren. Oder - die billigere Variante - das Atomprogramm - sobald der Iran eine Atombombe hat ist ein Krieg gegen Iran unwahrscheinlich - da zu "gefährlich".

Also geht es bei der Diskussion, um die "Gefahr" eines Iran den man militärisch schwerer angreifen und überfallen kann - und dessen Erdöl/Erdgas man nicht kontrollieren kann.

Totaler Durchblicksstrudel
11
25.1.2012, 22:54

Die UNO macht sich auch nicht wegen seiner militärischen Stärke Sorgen, die Armee ist eh marode, sondern wegen seiner atomaren Ambitionen.

Zwei Und Vierzig
01
26.1.2012, 09:01

Nachdem die UNO jene Organisationen ist, bei dem u.A. drei Staaten ein Vetorecht habe, die selber nach Gutdünken unter dubiosen Begründungen andere Staaten - und die zwei übrigen Staaten mit Vetorecht, Demokratie und Menschenrechte auch nicht sonderlich ernst nehmen - kann man die reale "Sorge" der UNO hinsichtlich des iranischen Atomprogramms in Frage stellen - oder gänzlich ignorieren.

Totaler Durchblicksstrudel
00
26.1.2012, 14:09

Hmm, welche drei meinst du jetzt? Russland, China und die USA?

elmo
20
26.1.2012, 07:58
wäre sie marode, hätten die möchte gern zivilisierten schon längst angegriffen!

NONE
710
25.1.2012, 20:09

"Tatsächlich ist die Sicherheitslage Israels angespannt"

Das scheint eine Art Ritual zu sein - der einzigen Atomnation im mittleren Osten mit der bestgerüsteten Armee von einem "angespannten" Verhältnis schreiben zu müssen. Vielleicht wollen ja die israelischen Hardliner diese Politik der Spannung?

denny crane1
01
25.1.2012, 23:45

ursache - wirkung

Totaler Durchblicksstrudel
03
25.1.2012, 22:55

Und du meinst nicht, dass die angespannt ist, wo gerade letzte Woche die Moslembrüder in Ägypten davon phantasiert haben, den Friedensvertrag mit Israel zu kündigen?

Tower Hill
00
26.1.2012, 08:53
Naja, da sollte die Lage eher bei den Brüdern angespannt sein.

Würde doch eine Kündigung des Friedensvertrages eine Rückgabe des Sinai bedeuten.

Totaler Durchblicksstrudel
00
26.1.2012, 14:08

So denken wir, aber die Brüder sehen das wohl etwas anders ;)

Tower Hill
00
26.1.2012, 14:45
Schon möglich, allerdings wissen sie auch,

daß die USA als Garantiemacht das nicht akzeptieren werden.

Totaler Durchblicksstrudel
00
26.1.2012, 16:21

Wie vernünftig sie sind, wird man beim ersten größeren Rückschlag sehen. Und der wird kommen, wenn die Bevölkerung merken wird, dass kein Milch und Honig fließt, nur weil man die Regierung wählen darf.
Zuzutrauen wäre ihnen dann eine aggressive Politik gegenüber Israel - ein anderer Nachbar bietet sich ja nicht an -, weil sie auch von extremistischer Seite durch die Salafisten unter Druck stehen.
Die Israeli wissen um diese Gefahr und bereiten sich sinnvollerweise darauf vor. Die USA würde wieder sehr überrascht tun müssen.

Tower Hill
00
27.1.2012, 06:13
Ich denke, daß bei den US-Militärs durchaus Leute sitzen,

die sich der amerikanischen Verantwortung für den Friedensvertrag bewusst sind und hier ebenfalls Planungen stattfinden. Inwieweit das in der Politik passiert weiß ich nicht - da bin ich allerdings nicht sehr optimistisch.

Hannes Kartnig
23
25.1.2012, 21:16

wie wär's zur abwechslung mit denken?

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