Inklusive Bildung

Die Sonderschule hat ausgedient

Kommentar der anderen | 24. Jänner 2012, 19:15

Minsterin Schmieds Beharren auf dem Status quo behindert Behinderte - Von Franz-Joseph Huainigg

In Österreich gibt es derzeit rund 27.000 Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Hälfte dieser Kinder besucht eine Sonderschule, die andere Hälfte eine Integrationsklasse in einer Regelschule. Das ist seit 10 Jahren unverändert. Das doppelgleisige System ist das teuerste überhaupt, aber im Sinne der Schüler/-innen nicht das sinnvollste. Daher plädiere ich für die Schließung der Sonderschule zu Gunsten eines qualitätsvoll inklusiven Unterrichts. Von den neuen Rahmenbedingungen, wie zwei Lehrer/-innen, offener Unterricht, individualisierte Lehrpläne etc. würden nicht nur die behinderten, sondern auch die nicht behinderten Kinder profitieren.

Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt vor, dass der richtige Weg die Inklusion behinderter Kinder ins Regelschulwesen ist. Studien belegen klar, dass sich für derart geschulte behinderte Kinder ehr Chancen eröffnen. Die spätere Integration in die Gesellschaft wird erleichtert, ebenso der Einstieg in den Arbeitsmarkt. Kinder mit Sonderschulabschluss werden dagegen schon beim Berufseinstieg massiv benachteiligt.

Das System Sonderschule hat sich überholt. Von allen Schülern besuchen drei (Tirol) bis sechs Prozent (Wien) die Sonderschule, aber nur ein Prozent ist tatsächlich als behindert einzustufen. Die Differenz ist leicht erklärt: 28 Prozent aller Sonderschulkinder haben einen Migrationshintergrund. Hier werden Kinder, die aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen kommen oder die Sprache nicht gut beherrschen, zu behinderten Kindern "gemacht". Die Sonderschule ist zu einer Aussonderungsschule geworden!

Meine Forderung nach der Abschaffung von Sonderschulen bedeutet keinesfalls eine Geringschätzung der dort tätigen Lehrer. Im Gegenteil: Hier wird wertvolle Arbeit geleistet, die wir auch in Zukunft mehr denn je benötigen - aber zur Weiterentwicklung eines inklusiven Schulsystems.

Ein Schlüssel ist auch die Lehrerfortbildung, hier müsste sichergestellt werden, dass alle neuen Lehrer/-innen Grundkenntnisse im inklusiven Unterricht erwerben. Und warum soll es nicht auch behinderte Lehrer/-innen geben? Derzeit sind ja behinderte Lehramtskandidaten durch die Hochschul-Zulassungsverordnung 2007 ausgegrenzt, sie werden an den Pädagogischen Hochschulen nicht aufgenommen. Die Inklusion beginnt aber im Lehrerzimmer! (Franz-Joseph Huainigg, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

Franz-Joseph Huainigg ist Abgeordneter zum Nationalrat und Behindertensprecher der ÖVP.

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Posting 1 bis 25 von 33
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bm.koger
 
00
27.3.2012, 15:39
huainigg sei gesagt: behinderte

sind keine homogene gruppe. als behindert wird ales bezeichnet, was irgendwie aus der norm fällt. wie ist es aber mit den schwer psychisch beeinträchtigten (schizophren, psychotisch...) kindern oder mit kindern mit schwerer geistiger beeinträchtigung? auch sie haben ein recht auf förderung und ihre fähigkeit, sich anzupassen ist gering (daher sind sie auch etwas ganz besonderes). ich fürchte, die landen dann, wie vor 100 jahren in der "eselsecke" oder sie bekommen ein paar wochen hausunterricht zugestanden. integration wird bei uns leider so verstanden: wir normalos sind die guten, du behinderter integriere dich bei uns.

Folgendes...
 
00
Versteh einer die ÖVP...

Gesamtschulen lehnen sie ab, weil dadurch das Niveau verwässert würde. Aber Sonderschüler wollen sie in "normale" Schulen integrieren???

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
00
Sonderschule ist voll okay

Wir bräuchten nur den Mut uns einzugestehen, dass viel mehr KandidatInnen für diese sinnvolle Bildungseinrichtung in den Klassen der Regelschulen sitzen, als uns angenehm ist.

B_Kreisky
 
00
26.1.2012, 19:49
Die Inklusionsfanatiker sprechen den Betroffenen ihr Selbstbestimmungsrecht ab

Huainigg schreibt von der Überschrift weg zu viel im Behauptungsstil. Ich kenne niemand, wirklich niemand, der gegen Integration oder Inklusion ist, obwohl sie etwa in Kärnten seit etwa 2 Jahrzehnten eine einzige Baustelle ist und ich selber kein einziges wirklich gelungenes Beispiel kenne, dafür umso mehr Integrationsopfer. Man muss zur Kenntnis nehmen , dass nicht jede/r integrierbar ist und auch nicht (zwangs)integriert werden möchte. Nicht einmal alle Regelschüler! Die Inklusionsfanatiker wollen aber 100%. Sonderschulen sind für sie pfui, obwohl sie oft die letzten funktionierenden Fluchtburgen aus dem Integrationschaos waren und sind.

Simplicius Simplicissimus
00
25.1.2012, 16:25
Vielleicht ...

... ist Interesse an und Stellenwert der schulischen Bildung von den jeweiligen Traditionen abhängig. Es dürfte ein großer Unterschied sein, ob ein Schüler aus tiefster Provinz der Türkei kommt, oder aus tiefster Not in China. Polnische und chinesische SchülerInnen und SchülerInnen gehen beispielsweise weniger häufig in Sonderschulen als österreichische Kinder. http://www.bmukk.gv.at/medienpoo... ahnins.pdf
Es gibt zu wenige differenzierte Studien über die Gründe schulischer Leistungen. Ehe man sich an irgendwelche Abschaffungen oder Änderungen macht, sollte das nachgeholt werden. Gut wäre ein Unterrichtsfach mit Schwerpunkt "Streitgespräch und Argumentation".

hansi feinbein
10
26.1.2012, 13:52
das stimmt so nicht ganz...

die zuletzt fertiggestellte (langzeit)studie stammt aus der schweiz und kommt - wie alle studien davor - zu klaren ergebnissen. hier der schlussatz der zusammenfassung: Die Bildungspolitische Schlußfolgerung aus unseren Forschungsergebnissen liegt unseres Erachtens eindeutig auf der Hand: Die Integration der bisher als "lernbehindert" diagnostizierten Kinder und Jugendlichen in die Regelklassen und damit die Abschaffung der Sonderklassen für Lernbehinderte ist unter dem Aspekt der Chancengleichheit unumgänglich.

wurm83
 
10
25.1.2012, 16:07
hm...

also wenn ich von der ÖVP irgendetwas soziales höre, dann gehe ich mal grundsätzlich davon aus, dass es versteckte gefahren gibt...

allerdings kann ich dem argument, dass kinder am besten lernen wenn sie von anderen kindern profitieren können, nichts entgegensetzen...

sollte es wirklich so sein, dass man vor hat die lehrer aus den sonderschulen als zusätzliche lehrer zu benutzen und dann die sonderschüler in die regelklassen zu intregrieren, dann kann das ja eigentlich nur gut sein oder?

ausser man nimmt an, dass die sodnerschüler das niveau senken, aber alle studien deuten auf das gegenteil hin!

alleine die soziale intelligenz der regelschüler würde massiv gefördert werden!

Edmund der Fröhliche
00
25.1.2012, 17:38
Ich paß immer auf, wenn irgendwo sozial drauf steht.

Ist dann meist nur eine Mogelpackung.

el xorxe
04
25.1.2012, 16:48
einzelfälle beachten

so zu tun als ob alle behinderten schüler in eine regelschule passen würden ist realitätsfern

obs einigen passt oder nicht, es gibt sonderschulkinder die mit solchen situationen nicht zurechtkommen - emotional, leistungstechnisch und disziplinär

und auch mit zusätzlichen lehrpersonen in der klasse, wird es nicht unbedingt besser

"soziale intelligenz" der regelschüler und entdiskriminierung von behinderungen in ehren; aber dabei die sehr unterschiedlichen bedürfnisse/fähigkeiten von behinderten kindern nicht ins zentrum zu rücken ist fahrlässig

integration kann super funktionieren, aber was wenn nicht?

sonderschulen sind wertvoll und wichtig und werden weiterhin gebraucht

Radlerwahn68
01
25.1.2012, 15:51

gerade sie als behindertensprecher sollten schon ahnung haben wovon sie sprechen!sie sind so fern jeglicher realität wie der rest ihrer partei!

Archi
00
25.1.2012, 15:57
warum?

ist aus ihrer sicht die ghettoisierung behinderter/kinder mit migrationshintergrund in sonderschulen ein erstrebenswertes modell?

el xorxe
24
25.1.2012, 11:28
ich stelle die kühne these auf,

dass in 'sonderschulen' wirklich einiges sehr besonders ist

sehr gute fördermöglichkeiten, sehr differenzierter unterricht, fokus auf lebenspraktische anwendungen (was in normalen volks- und haup/mittelschulen zu kurz kommt), spezialisierte, kompetente lehrpersonen mit meist großer erfahrung im umgang mit schwierigen situationen, kleinere gruppen - familiäreres umfeld

ich plädiere dafür, dass mehr kinder in die sonderschule integriert werden

man braucht keine best-practise modelle aus skandinavien...einfach mal in die sonderschulen schauen

da wird moderner unterricht vorgelebt

johann potakowskyj1
 
42
25.1.2012, 13:31
und dann san ma aufgwacht

Das glauben Sie doch nicht wirklich.
Seitdem es die Prawda des Kommunismus nicht mehr gibt haben westliche Demokratien das Informationssystem voll aufgesaugt.

Damals gab die Antworten von Radio Eriwan.

In der Prawda steht, dass in Iljewan alle Straßen asphaltiert wurden. Ich bin gerade hin gereist. Ich sehe nur Lehm und Schotter.

Antwort von Radio Eriwan: Geehrter Genosse, Sie sollten eben nicht reisen, sondern nur die Prawda lesen um über den Fortschritt unseres Landes zu erfahren.

Leider haben wir auch schon so ein Radio nötig.
Bei uns erzählen uns Experten und Presseaussendungen über die großen Fortschritte unseres kleinen Landes. Doch wo man selbst Einblick bekommt, stinkt es einem fürchterlich.

JöJö
 
13
25.1.2012, 12:08
ich stelle die kühne these auf

Ich kann ihnen versichern ihre Ausführungen sind keine "These" sondern ensprechen den Tatsachen. Für mich ist das Abschaffen der Sonderschule eine Katastrophe und findet vermutlich nur aus Sparmaßnahmen statt!

johann potakowskyj1
 
01
25.1.2012, 15:50
Sonderschulen wurden in Minnesota schon in den 1970erjahren abgeschaft

mit einem unglaublichen sozialen Erfolg, der Weltweit Anerkennung gefunden hat.

Dass es in Österreich immer noch Sonderschulen gibt, ist eigentlich verwunderlich - naja, und eigentlich wieder nicht

Ich war in den 1970erjahren dort. Man konnte es nicht fassen. Es gab kaum eine Gruppe Jugendlicher, die keinen offensichtlich Behinderten (z.B. Rollstuhlfahrer oder Junge mit Downsyndrom ...) im herumzogen. In den Restaurants sah man oft Behinderte mit Familie oder Freunden Speisen.
Man hat Behinderung da einfach enttabuisiert.

Der Erfolg war echt erstaunlich!

LL MM
04
25.1.2012, 10:11

"Kinder mit Sonderschulabschluss werden benachteiligt"

Soso...

Nur sollte man wissen, dass auch auf dem Zeugnis von Integrationskindern deren "Status" vermerkt ist, also dies sehr wohl auch ein Sonderschulzeugnis ist.

Die Info über den sonderpädagogische Förderbedarf mag zwar ein wenig versteckt sein bzw. der eine oder andere Arbeitgeber kann mit den Infos nix anfangen, aber wenn jemand nur deswegen einen Job bekommt, weil das Zeugnis wie eine Internetgaunerseite gestaltet wird, also jemand auf Grund falscher Voraussetzungen den Job bekommt, ist es wohl auch nicht in Ordnung.

Kurzum: Die Jobaussichten sind für beide gleich gut/schlecht.

Nebenbei können Sonderschüler den Hauptschulabschluss nachmachen.

davidka
14
25.1.2012, 01:19
nach fünf jahren in einer integrationsschule

kann ich sagen, dass der umgang mit menschen mit behinderung in vieler hinsicht eine bereicherung ist! soziales engagement und hilfeleistung steigert eigeninitiative, selbstwert..
die "ghettoisierung" von menschen mit behinderung bringt genau garnichts, weder macht es deren leben lebenswerter, noch erhöht es die chance, dass diese ihren beitrag in unserer gesellschaft leisten. (so traurig es ist, dass menschenwürde allein scheinbar nicht reicht)
UND: wie so oft, wer soll die grenze ziehen?? wer bekommt eine chance und wer nicht??
Huainiggs forderungen sind vollkommen legitim.

JöJö
 
02
25.1.2012, 12:15
Bereicherung???

Als Gegenargument darf ich sie darauf hinweisen, daß es eigentlich nicht darum geht, daß die „Normalschüler“ den Umgang mit Behinderten lernen und diese eine Bereicherung für sie sind, sondern um die bestmögliche Förderung und Betreuung der „Behinderten“, das mag in manchen Fällen in der Integrationsschule gut funktionieren aber eben nicht in jedem Fall.

davidka
00
25.1.2012, 15:51
aha,

und ab wann funktioniert es nicht mehr??
außerdem:
in welchem fall wäre es für den menschen mit behinderung keine bereicherung, an der gesellschaft teilhaben zu dürfen??

gefürstete grafschaft tirol
212
24.1.2012, 23:56
Das SPZ hat schon seinen Sinn!! Ab einem gewissen Grad der Behinderung geht es nicht mehr um Lesen, Rechnen und Schreiben.

Integration auf Biegen und Brechen hat keinen Sinn und schadet den Gesunden wie auch den Behinderten mehr als es nützt.

Sun Zi
28
24.1.2012, 22:43
Inklusion...

....klingt schön und gut aber wo zieht man die Grenze? Bei einem Rollstuhl fahrendem Turnlehrer, einem blinden Musiklehrer, einem mongoliden Volksschullehrer.... WO? Aber damit braucht man sich ja nicht zu belasten wenn man empört ist. Sorry, das Problem ist den Unterricht für jene zu gestalten die den Ponyhof, den der Herr Huainigg möchte, bezahlen und nicht jene die die Nutznießer desselben sind. Es ist schön wenn man etwas gemeinsam machen kann aber zwangweise "gesunde" Kinder bremsen damit "behnderte" sich gut fühlen...ein weiterer Grund warum viele Ihre Kinder auf Privatschulen schicken werden.

Hubert Ungeist
 
01
25.1.2012, 05:30
Also ein blinder Musiklehrer ist kein Problem

sollte er allerdings auch gehörlos sein - dann ist es ein Problem.

blackdeeper
08
24.1.2012, 22:36
Einwand III

Derzeit treffen ohnehin schon überforderte und ausgebrannte Lehrer auf Kinder und Jugendliche, denen von zu Hause oft elementarste Fähigkeiten nicht mitgegeben wurden, die Erziehungsfunktion überlagert manchmal die eigentliche Vermittlung von Wissen. Natürlich kann man beeinträchtigte Kinder in den Klassenraum setzen und mit Integrationslehrern fördern - aber mit demselben Recht könnte man "problematischen" oder verhaltensauffälligen Jugendlichen einen besonderen Coach zur Verfügung stellen, der sich ihnen widmet. Wenn man vom "Verlieren von Talenten" spricht, dann passiert das hier! Und solange dafür nicht einmal der Ansatz einer Idee besteht, halte ich die Abschaffung der Sonderschulen einfach für Kosmetik!

blackdeeper
08
24.1.2012, 22:27
Einwand II

Weiters denke ich, dass nicht jeder Lehrer für den Umgang mit beeinträchtigten Kindern geschaffen ist. Es gibt keinen einheitlichen Pädagogentypus vom Kindergarten bis zur Oberstufe, überall sind andere Talente gefragt, Zugänge zu Kindern und Jugendlichen können emotional und/oder kognitiv sein und beides hat seine Berechtigung.
Es wird sonst auch in kaum einer Branche verlangt, dass jeder Generalist für alles sein muss, man sollte hier nicht den Fehler machen und den Lehrerberuf "überidealisieren".

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