FPÖ Nummer eins? Was kann denn schon passieren?

Kolumne | Hans Rauscher, 24. Jänner 2012, 21:33

Man könnte darauf vertrauen, dass ein Kanzler Strache rasch den Staatsbankrott herbeiführen würde - Aber müssen wir uns das auch noch antun?

Der Ball der schlagenden Burschenschafter in der Hofburg soll künftig dort nicht mehr stattfinden. Dazu sagt Wolfgang Jung, FP-Gemeinderat, ehemaliger Brigadier-General und Mitglied des Heeresnachrichtenamts im Interview mit derStandard.at: "Aber die FPÖ wird wieder an die Regierung kommen, und dann werden wir sehen, ob der Betreiber dann immer noch der gleichen Meinung ist" .

Dieser Ton ist schon einmal ein Vorgeschmack. Wenn wir den Umfragen und den politischen Interpretationen folgen, dann ist die "FPÖ auf dem Sprung zur Nummer eins" (Presse vom letzten Samstag). Im bürgerlichen Bereich gibt es nun einige, denen das eh gefallen würde. Michael Fleischhacker, Chefredakteur der Presse, betitelt seinen Leitartikel gar mit "Lasst Strache und sein Team arbeiten!" .

Dazu muss man wissen, dass Fleischhacker die überdreht paradoxe Provokation liebt. Außerdem hält er die sogenannten "Durchschnittsantifaschisten" für das eigentliche Übel dieser Welt. Diese Marotte wäre als solche zu registrieren, wenn Fleischhacker es nicht doch ernst meinen würde. Er fragt: Was kann denn schon passieren, wenn Strache in die Regierung oder ganz an die Macht kommt?

Die Antwort ist relativ einfach:

Erstens - Inkompetenz und Korruption wie unter Schwarz-Blau.

Zweitens - Ungarn: Wenn in unserem Nachbarland ein manischer, aber demagogisch begabter Nationalpopulist wie Viktor Orbán im Handumdrehen die kritischen Medien, die Opposition, die Justiz, das kulturelle Leben etc., etc. ausschalten und gleichschalten kann, dann geht das auch bei uns. Unter bestimmten Voraussetzungen natürlich - echte Krise, Verschärfung des sozialen Klimas -, und selbst dann ist es noch unwahrscheinlich. Aber undenkbar ist es nicht und man kennt die Mechanismen, unter denen das in Ausnahmesituationen funktioniert. Nicht umsonst will Strache "automatische" Volksabstimmungen.

"Krieg und Verderben" , wie Fleischhacker höhnt, wird es mit einer FPÖ an der Macht nicht geben; aber z. B. werden dann die schlagenden Burschenschafter die Unis in die Hand kriegen; kritische Personen und Organisationen werden es plötzlich mit Polizei und Justiz zu tun bekommen; und es wird schwerste Diskriminierungen für bestimmte Gruppen geben. Noch vor wenigen Jahren forderte Strache "ein Ende aller Sozialleistungen für Nicht-Österreicher" (egal, ob die hier Steuern und Beiträge zahlen).

Vor allem aber ist mit dem raschen Staatsbankrott zu rechnen, denn die Wirtschaftspolitik der FPÖ ist, wie Fleischhacker etwas spät draufkommt, "nationaler Sozialismus" . Hemmungslose populistische Wahlgeschenke, aber eben nur für "echte Österreicher" . Man könnte darauf vertrauen, dass ein Kanzler Strache damit rasch den Staatsbankrott herbeiführen würde (so wie Haider Kärnten praktisch bankrott machte); und dass "die Märkte" , bzw. Angela Merkel dann für seine Entfernung sorgen würden, wie bei Berlusconi und irgendwann wohl auch Orbán.

Aber müssen wir uns das auch noch antun? (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

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Jülyet Ksantopulo
22
26.1.2012, 13:47

Eine Gleichschaltung wie in Ungarn (die es dort ohnehin so nicht gibt) wäre in Österreich aufgrund seines bündischen Aufbaues nicht möglich.

hotzenplotz1001
00
27.1.2012, 16:06
Es ist unangenehm, mit Befürchtungen Recht zu behalten: Dass eine Gleichschaltung nicht möglich wäre, haben die Ungarn auch nicht geglaubt.

Gehirnwäsche funktioniert auch heute, und zwar nicht nur in Nordkorea, sondern mitten in der EU. Heute sind mehr als drei Viertel der Medien gleichgeschaltet. Für weniger gut informierte Menschen, die nur die staatsnahe Hofberichterstattung konsumieren und keine Fremdsprache verstehen, ist die Gleichschaltung hundertprozentig. In der ungarischen Provinz liest niemand den Standard, nicht einmal Népszava und pusztaranger.wordpress.com schon gar nicht. Und außerhalb von Budapest ist praktisch alles Provinz.

k. ot
01
25.1.2012, 23:47
der war gut...

"kritische Personen und Organisationen werden es plötzlich mit Polizei und Justiz zu tun bekommen"

wieviele hundert anzeigen gab es nochmal gegen die menschen die letztes jahr gegen den wkr ball demonstrieren wollten?

Pierre d´Aubusson
00
25.1.2012, 22:59

Wenn mich wer fragt, dann geht - wenn nix passiert und alles so weiterläuft - die nächste Wahl so aus, daß alle unter 30% liegen, das BZÖ rausfliegt und die Grünen eben die 10% haben.
Die Reihenfolge: 1.: ÖVP, 2.: SPÖ, 3.: FPÖ
Und es wird sich für rot-grün nicht ausgehen, also folgt wegen des rot-blau-Verbots, daß es keine Regierung ohne ÖVP geben kann.
Ob Vranz das so wollte?

General Cornwell
53
25.1.2012, 19:56
Warum wird schwarz-blau eigentlich immer meine einer fiktiven Idealregierung verglichen

und nicht mit der real existierenden?

Inkompetenz ist in dem Zusammenhang immer ein Thema. Ähm, ja, manche Figuren, ich will jetzt gar nicht die Namen Forstinger oder Reichold nennen, waren wahrscheinlich nicht die kompetentesten. Aber Bures(!), Darabos(!!) - gibt es die denn nicht in der derzeitigen Regierung?

Auf der anderen Seite kompetente Leute, die es heute nicht mehr gibt. Vor allem an der Spitze(!) und in den Schlüsselministerien - Schüssel, Plassnik, Ferrero-Waldner, Bartenstein - und auch Grasser (klar guter Verkäufer, hoch umstritten, unbeliebt, aber im Vergleich der *real* existierenden Finanzminister nicht inkompetenteste).

Die Regierung war polarisierend und bei vielen politisch nicht beliebt - aber kompetenter als jetzt...

Einzelstimme
00
28.1.2012, 01:03

Sie dürfen Grasser für einen guten Minister halten, für korrekt und ehrenwert. Ich habe Zweifel. Dann gabs noch Gorbach, einen 4-Wochen-Justizminister, Böhmdorfer mit sehr teuren Entscheidungen ums Handelsgericht und Justizturm und Jugendgericht und etliche andere Leuchten. Und wenn die tolle (orange)blaue Politik in Kärnten ned amal a blaues Auge bekommen hat, is eh alles paletti.

Grantscherben
12
25.1.2012, 18:39

Der Strache hat bei der Turnschuh-Show ganz klar gesagt er will den Rot-Schwarzen Proporz abschaffen.
Aber nur den Rot-Schwarzen, nicht den Proporz generell.
...also wird ein Blauer Proporz oder ein Blau-Schwarzer Proporz daraus werden.

peace maker
 
01
25.1.2012, 18:11

als migrant (oder mit vererbten migrationshintergrund über generationen [wie beim adel]) denkt man sich: naja, ob rot oder schwarz oder blau oder alle farben des regenbogens - die probleme werden nicht gelöst werden.
aber ehrlich: ich lebe mich lieber dem staatsbankrott entgegen und hab meine würde als ich lebe mich dem staatsbankrott ebenso entgegen (auch unter blau!) und verliere meine würde (siehe: wiener blut und holzkreuz und dergleichen!)

Toni Meister
02
25.1.2012, 18:01
Schnell wie bei Berluscconi ?

Berlusconi hat seit 2001 bis 2011 ( bis auf die Unterbrechung durch Prodi ) sein skurriles Werk vollbracht bis er letztlich selbst zurückgetreten ist. Eine Fr. Merkel samt den Märkten haben jahrelang zugeschaut und nichts gemacht. Keine guten Aussichten um einen Obskuranten in guter Zeit los zu werden.

- rau -
00
26.1.2012, 07:45
Bitte genau hinschauen

In dem Moment, als auch für Italien die Gefahr des Staatsbankrotts auftauchte, haben Merkozy, die Märkte und der ital.Staatspräsident Napolitano zusammengearbeitet, um Berlusconi loszuwerden. das dauerte nicht einmal ein halbes Jahr.

Nathaniel Winerib
23
26.1.2012, 12:58

Italien hat in der EU nichts mehr verloren. Die sollen sich mit Griechenland, Spanien, Libyen, Tunesien, Ägypten et. al. zur nordafrikanischen Union zusammenschließen.

Toni Meister
00
26.1.2012, 08:44
Stimmt Herr RAU

Aber es darf schon angemerkt werden, dass der jahrelange Demokratiebankrott offensichtlich deutlich weniger zählt als der Staatsbankrott.

Der Pospisil
42
25.1.2012, 17:53
Bevor wir herausfinden, was passiert wenn die FPÖ 1. wird

beginnen wir damit sie zurück zu drängen. Angefangen wird diesen Freitag. WKR-Ball verhindern!

Demo: 18h Uni Wien
https://www.facebook.com/events/16... 179901638/
www.offensivegegenrechts.net

Erich_1
01
26.1.2012, 15:48

Auf eurer Seite ist kein Impressum zu finden.
Dies ist gesetzeswidrig.
Reicht es nach!

Erich_1
01
26.1.2012, 15:40

Deine Sprache unterscheidet sich nicht von Rechten.
Radikale wie du machen die Sache nur schlimmer.

(°)(°)
10
25.1.2012, 17:41
Egal!

Hauptsache Schwarz und Rot gehen mit unter.

Toxo Logic
 
01
25.1.2012, 17:31

In dem Artikel kann man auch Strache durch Faymann ersetzen und Blau-Schwarz durch Rot-Schwarz.
Orban dreht Ungarn um und bringt jetzt seine Leute in Stellung, in Österreich wurden diese entscheidenden Positionen seit Jahrzehnten von Rot oder Schwarz besetzt. Ungarische Machtverhältnisse sind bei uns schon längst Tradition. Im Übertrumpfen von Ausländerfeindlichkeit stehen Rot oder Schwarz nur unmerklich hinter Strache. Faymann hat zu Beginn der Finanzkrise hemmungslos Wahlgeschenke verteilt, blöder geht nicht mehr. Den Staatsbankrott schaffen auch Fayamann oder Neugebauer und die Märkte haben nicht nur Berlusconi oder Orban bestraft, sondern auch Zapatero mußte gehen.

@?
00
25.1.2012, 16:39
Die Wahl des geringsten Übels steht an...

Aber wir werden die Stimmen behalten,
wie Düringer in Wutbürger schon eindrucksvoll predigt ;-)

Stan Laurel
54
25.1.2012, 16:35
Dramatiker

Herr Rauscher sagen Sie gleich: "Wenn der Strache kommt, geht die ganze Welt unter".

rapunzels frisör
23
25.1.2012, 17:15
Der echte Stan Laurel-

er hatte mehr im Schädel als sie Nickname-Mieter!

Luky Pozzo
10
25.1.2012, 16:41

Österreich ist noch nicht die ganze Welt.

zkk
 
10
25.1.2012, 16:33
wenn, also nur angenommen, wenn die f die nr. 1 ist, dann geht die welt auch nicht unter. bin mir ziemlich sicher ... zu tode gefürchtet ist nämlich auch gestorben ... ^^

blau-rot oder rot-blau wäre logisch, da gleiches wählerklientel. wahrscheinlich auch die einzige mögliche regierungskombination aus zwei parteien, denn schwarz wird brav durchgereiht, aber kein wunder, wer soll die noch wählen wenn sie sich dermaßen von rot bescheixxen lassen (neue und auch noch höhere steuern anstatt sparen und reformieren ...).

grün und orange sind max. ein zünglein an der waage, in einer 3er-kombination entweder mit rot oder schwarz möglich, jedoch wäre die mehrheit eher gering.

ö hat schon zweimal die fpö in einer regierung überlebt, es wird auch noch einmal gehen. danach sind die f-ler dann so wie immer unter ferner liefen ...

zum 1000male. ALLES IST BESSER ALS NOCH EINMAL ROT-SCHWARZ! ALLES!

rosebud2
00
25.1.2012, 17:57
wer's glaubt'wird selig!!!!

Ich bin der Meinung...
02
25.1.2012, 17:33
Alles ist besser als rot-schwarz?

Nun, ich mag auch keine großen Koalitionen. Ich mochte keine einzige seit 1986. Aber den Beelzebub mit dem Teufel auszutreiben ist noch niemanden gelungen. Die USA verfolgen außenpolitisch ja seit vielen Jahren die Politik "Der Feind Deines Feindes ist Dein Freund". Damit sind die USA aber verdammt oft auf die Schnauze gefallen. Von Hussein bis bin Laden.

Und daher ist auch Strache NIE mein Freund. Und er wird es auch nie mehr werden. Allerdings würde ich sofort Piraten oder Grüne nach deutschem Vorbild wählen.

Des Wahnsinns knuspriger Hosenträger
39
25.1.2012, 16:04
Und eines kann es auch nicht sein:

SPÖ/ÖVP/GRÜN zu wählen, nur weil man die FPÖ verhindern will. Man hat das Gefühl die drei anderen haben außer :"WÄHLT MICH SONST KOMMT DER STRACHE" nichts im Hirn, im Programm und zu sagen. Traurig Traurig.

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