Regierung in der Eurokrise

Kommentar | Andreas Schnauder , 24. Jänner 2012, 18:56

Die Täuschungsmanöver beim Rettungsschirm sind Gift für das Vertrauen in die Union

Für künftige Entscheidungen sind Aussagen von Maria Fekter ein ausgezeichneter Gradmesser. Meistens passiert das Gegenteil dessen, was die Finanzministerin ankündigt. Das war bei der Schuldenbremse, die sie nicht für nötig hielt, ebenso der Fall wie beim Schuldenschnitt Griechenlands, der "überhaupt nichts bringt". Die Aufstockung des Eurorettungsfonds hat die Ressortchefin im Vorjahr ins Parlament gebracht, nachdem sie eine Erhöhung der Mittel mehrmals in Abrede gestellt hatte.

Am Dienstag hat Österreich seinen Kurs neuerlich geändert. Fekter hält eine neuerliche Ausdehnung des Rettungsschirms für "denkbar" und "konsensfähig". Am Vortag äußerte sie sich noch ablehnend zu dem Vorschlag. Auch Bundeskanzler Werner Faymann ist plötzlich ein glühender Anhänger größerer Volumina zum Auffangen angeschlagener Staaten. Seinen europapolitischen Zickzackkurs, bei dem die Angst vor einer Volksabstimmung den Kompass ersetzt, hat der SPÖ-Chef zuletzt wieder bei der Diskussion über Vertragsänderungen zur Stärkung der Fiskaldisziplin in der Union eindrucksvoll bestätigt.

Zurück zum Rettungsfonds: Die Aufstockung wurde kurz nach Fekters Wortmeldung von Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble in Abrede gestellt. Was die Ressortchefs hinter verschlossenen Türen nun tatsächlich verabredet haben, darüber kann nur gerätselt werden. Nicht gerade verbessert wird die Optik durch Fekters Beschwichtigungen, wonach höhere Haftungen für Schuldenstaaten keine zusätzliche Belastung für Österreich darstellten.

Möglicherweise glaubt die Ministerin, dass sich im Wirrwarr der Rettungsmaßnahmen ohnehin niemand mehr auskennt und ihre Beruhigungspille daher uneingeschränkt Wirkung zeigt. Jedenfalls war immer vorgesehen, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus an die Stelle des provisorischen Schirms EFSF tritt. Nun ist im Gespräch, die verbliebenen Mittel aus dem EFSF auch dann noch anzuzapfen, wenn der permanente Hilfsfonds schon eingerichtet ist. Gemeinsam mit dem ESM erhöht sich das tatsächlich abrufbare Volumen von 500 auf 750 Milliarden Euro. Österreichs Haftungen steigen damit klarerweise um die Hälfte auf etwa 30 Milliarden an. In dieser Betrachtung sind die Zinszahlungen der Fonds noch gar nicht miteingerechnet.

Doch offenbar glaubt Österreichs Regierung immer noch, mit Halbwahrheiten und Beschwichtigungen über den Ernst der Lage hinwegtäuschen zu können. Diese Strategie ist spätestens seit dem Griechenland-Fiasko enttarnt, bei dem bisher noch kein Versprechen erfüllt wurde. Ein Hilfskredit folgt dem nächsten, die Chancen auf Rückzahlung der Gelder sinken gegen null. Das wirklich Beängstigende ist, dass die Täuschungsmanöver nicht nur die Glaubwürdigkeit der Regierung untergraben - das schafft sie schon locker mit ihrer Innenpolitik -, sondern das Vertrauen in die Union insgesamt schwinden lassen.

Die Position des Landes in der EU wird durch die undurchsichtige Politik alles andere als gestärkt. Wo steht Österreich eigentlich? Mit Berlin eint Wien nur die Rolle des Nettozahlers, Allianzen (wenngleich instabile) schmiedet der große Nachbar lieber mit Paris. Vergleichbare Staaten wie die Niederlande haben in Europa weit mehr Einfluss als Österreich. Selbst Finnland hat mehr Gewicht. Das hat sich das wankelmütige Österreich selbst zuzuschreiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

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23 Postings
Opernballflitzer
02
20.2.2012, 08:50

zahnarzhelfer, schottergrubenbesitzer, berufspolitiker - mit wenns hoch kommt matura, lehrerinnen. woher sollen die sich denn in hochkomplexen themen wie finanz- und wirtschaftspolitik auskennen? auch die ministerialbürokratie ist überfordert, die lufthoheit haben sie schon lange nicht mehr. die finanz- und banken-wirtschaft hat freies spiel und lacht sich eins.

samis
00
25.1.2012, 18:03
idee?

was wäre wenn sich jeder von uns fagen überlegt,jeder seine videokammera schnappt, hinaus auf die straße geht die leute interviewt und anschliesend sein ergebnis auf youtube postet? Vielleicht macht das druck auf die politik! Denn nur hier zu posten ist zuwenig um etwas zu ändern! Auch der orf hat mit seinem video druck gemacht! Denn wenn wir uns ehrlich sind geht in österreich sowiso niemand auf die straße um zu demonstrieren!

so so ....
01
25.1.2012, 14:56

Wir haben den Status einer Bananenrepublik. Und das zurecht, wenn man sich Justizskandale, Rücktrittskultur, Korruptionsindex ansieht.

Wobei die Mängel der Judikative am schwersten wiegen, denn sie betreffen das vorgesehene Korrektiv.

Dreistein
 
11
25.1.2012, 12:33
Wer hat Schuld am Zerfall der EU?

Ausgewiesene EU Kritiker oder Gegner können dieser EU gar nie so schaden wie die bedingungslosen Befürworter.

Es ist für jeden offensichtlich, dass die Eurokesen nicht mehr weiter wissen und dass die EU auf ihren Zerfall zusteuert. Die Frage ist, ob es ein Ende mit Schrecken oder ein Ende ohne Schrecken wird.

mikromalist
 
00
25.1.2012, 15:00
Es wird letztlich USE einiger.

Mit 10 bis 12? Den Rest holt der Teufel und das lassen sie sich nicht gefallen.
Es entsteht eine Mittelmeer-Union, ....

Für Kooperation reicht die menschliche Intelligenz einfach nicht aus.
Die politische sowieso nicht.

In guten Zeiten waren alle die Helden der Zusammenarbeit, in schlechten rettet-sich-wer-kann?

Blöd und feige ....

strike_back_mw3
00
25.1.2012, 10:59
es gibt keine Eurokrise

das ist nur leichtfertiges Geschwätz von Journalisten und Politikern.

mikromalist
 
03
25.1.2012, 10:26
Wer soll auf ein Land achten,

dessen Regierung, Länder, Sozialpartner, Bünde, Verbände, ... sich selbst Fussfesseln verpasst haben und welches deshalb nur mehr hektisch hinter jeder Scheinbewegung her trippelt.
Wann hat AT zuletzt zur gesellschafts-politischen Innovation nur irgend etwas bei gesteuert?

Und weil seit einigen Jahren auch noch das Führungsmotto lautet: lasst Idioten um mich sein, wird nur mehr der Downturn verwaltet.

fmi
05
25.1.2012, 09:10
der beste Beitrag seit Langem

Bisher hat sich alles als wahr herausgestellt was dementiert wurde.
Die Reden sind zwar für die Märkte bestimmt, die Börse läßt sich nicht/kaum beeinflussen. Das Vertrauen schwindet, die EU ist bei den Bürgern nie geliebt worden, aber jetzt ist das Maß voll.

LiTaiPe
04
25.1.2012, 08:33
wo stehen wir eigentlich ?

das kann ja wirklich nur jemand fragen der das ganze aus dem inland beobachtet

alle auslandsösterreicher wissen seit jahren wo Ö international und in der EU steht

wir werden nicht ernst genommen. seit jahren. und der unglaubliche intelligenzschwund unserer politiker speziell in den letzten jahren hat die lage derart verschärft, dass da wohl nichts mehr zu retten ist..

(anders natürlich die gegenteilige selbstbeweihräucherung durch geschaltene anzeigen und fiktive facebook kommentare)

der "zick zack" kurs ist relativ leicht erklärt. da fehlt das know how, es herrscht totale überforderung unserer regierenden! tja, eventuell bilden die politschulen halt doch nicht so gut fürs leben weiter wie die Ö parteien das gerne glauben

Friedel Marksteiner
 
00
25.1.2012, 15:45
Also als Auslandsösterreicher

kann ich nur feststellen, dass die Politik zu diesem Thema in D genauso ratlos und unehrlich ist wie in Ö - wobei für uns hinzukommt, dass wir (Gott sei dank?) kein Player sind, sondern mit der Verzögerung von wenigen Stunden ohnehin die Positionen von D übernehmen.

Säure- und hitzebeständiges Archaebakterium
16
25.1.2012, 07:47
Täuschung?

Ich glaube nicht, dass diese taube Nuss die Menschen täuschen will, ich glaube, dass sie ihre eigenen Entscheidungen und Maßnahmen selbst

nicht versteht!

Boxwirt
10
25.1.2012, 06:25

was mich wundert: Fekter wundert mich nicht mehr. Die war mir schon zu Anfang suspekt.

Aber warum fangen die Banken nicht den Euro ab? Deren Manager verdienen genug Kohle und hätten eigentlich auch das KnowHow.

mike1004
13
25.1.2012, 02:34
"das Vertrauen in die Union"

Auf den Europäischen Untergang (EU) kann man vertrauen.

le chat botté
01
25.1.2012, 13:53

Sicher. Genauso wie auf den Untergang der Welt. Ist nur eine Frage der Zeit.

Utrillitn
11
25.1.2012, 03:55

Ja, und dann kommt das Jüngste Gericht.
Habens eh schon den Notproviant ?

site:°~+*-||!#.\>
36
25.1.2012, 00:46

Guter Kommentar.

Wichtig vor allem aus dem Grund, damit sich endlich in der Presse-Landschaft die Erkenntnis durchsetzt, dass unsere Regierung aus einem Haufen Vollversagern besteht, die nach dem Motto: "denn sie wissen nicht, was sie tun", agiert – und längst aus dem Amt gejagt gehört – shortly.

Bis dahin bleibt Österreich eine ungebildete Deppen-Republik aus 2,2 Mio. Pensionisten, 0,6 Mio. Beamten und einer Klientel von insgesamt 4 Mio. Schmarotzern, die sich von der SPÖVP versorgen lässt – auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung.

Und der ESM kommt einer Enteignung und Entmündigung aller Österreicher gleich. Wer das unterstützt, fördert den wirtschaftlichen Untergang Österreichs innerhalb kürzester Zeit.

Kapitalismus Luege
01
25.1.2012, 00:17
die schlechte Nachricht: wir zerschellen in 2 Minuten

und nun die gute: wir haben bis zum Ende Brötchen ...

mit oder ohne Fekter / Fayman / Superwuzi / Experte

Franz Klug
62
24.1.2012, 22:37
Das Theater um die Fonds wäre völlig überflüssig wenn man politischen Mut bewisen hätte!

Aber die Feigheit der Politik, bzw. die Sturheit der Konservativen der EZB zu gestatten als " lender of last resort" für alle europäischen Staatsanleihen zu haften, hat zu diesem Murks geführt.
Wenn die EZB, wie die Zentralbanken der USA, Japan, England etc. "lender of the last resort" wäre, gebe es die EU-Währungskrise und Schuldenkrise gar nicht.
Jezt zahlen wir wieder den Banken die überhöhten Zinsen für die Staatsanleihen und finanzieren auch noch die Spekulationitis mit den Staatsanleihen.

diamant
17
24.1.2012, 21:51
Diese Regierung ist eben grottenschlecht, da gibts nichts zu beschwichtigen!

Das Problem ist nur, dass es weit und breit keine Alternative dazu gibt.....

arsbonietaequi
16
24.1.2012, 20:35

Auf den Punkt.
Der Fekter ist außerdem zu gratulieren - die Frau löst mittlerweile um einiges stärkere Grausbirnen aus als die anderen Kapazunder, Faymann inklusive!

HeftnaKarl
07
24.1.2012, 19:56
Glaubwürdikeit

haben unsere Politiker schon jahre verloren. Es ist nur mehr die Rede von Milliarden, ja von hunderten Milliarden, die hin und her geschoben werden. Die kennen sich ja nicht mehr aus mit solch hohen unvorstellbaren Summen, Schulden, Zinsen usw. Dass man diese Milliarden, die man in div. Pleitestaaten pulvert, nicht mehr wieder sieht geschweige denn jemals zurück bekommt ist sogar den kleinen Bürger klar, der sich ja nicht einmal vorstellen kann, wieviel eine Milliarde ist?

john the miracle
00
25.1.2012, 13:54
das problem ist...

...dass sich nicht nur der "kleine bürger" nicht vorstellen kann wieviel eine milliarde ist, auch die politiker die damit jonglieren können es nicht. deshalb kommt es ja zu solch absurden handlungsweisen.

Misoskop
02
24.1.2012, 21:13
So ist es.

Genau so.

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