Bohrende Fragen zum "Fracking"

Roman David-Freihsl
24. Jänner 2012, 18:53
  • Die Bürger von Poysdorf zeigen auf: Bei der ersten 
Informationsveranstaltung der OMV zur geplanten Schiefergasförderung im 
Weinviertel wurde kaum ein Anwohner vom Vorhaben überzeugt.
    foto: robert newald

    Die Bürger von Poysdorf zeigen auf: Bei der ersten Informationsveranstaltung der OMV zur geplanten Schiefergasförderung im Weinviertel wurde kaum ein Anwohner vom Vorhaben überzeugt.

Die OMV will im Weinviertel im großen Stil Schiefergas abbauen, die Bürger von Poysdorf sind nur mäßig begeistert

Poysdorf - Draußen vor der Tür des Poysdorfer Kolpinghauses steht ein Container des Bundesheeres, in dem die fachgerechte Trinkwasseraufbereitung demonstriert wird. "Was? Zeigen s' uns jetzt schon, wie s' nachher das Grundwasser wieder sauber kriegen?"

Die Poysdorfer Bevölkerung, die zur Informationsveranstaltung der OMV strömt, hat sich im Vorfeld über die möglichen Auswirkungen des Schiefergas-Abbaus ausführlich informiert. Notgedrungen - nachdem vergangenen November ruchbar wurde, war, dass die OMV im Weinviertel genau das vor hat: Schiefergas fördern im großen Stil.

Vor allem die Berichte aus den USA schrecken ab, wo im Bundesstaat Pennsylvania das "Fracking" - abgeleitet von "hydraulic fracturing" - massiv betrieben wird (der Standard berichtete). Dabei wird zunächst ein Bohrloch in die Tiefe getrieben, wo das in Gestein eingeschlossene Methan schlummert. Danach wird mit einem Chemiecocktail angereichertes Wasser mit Hochdruck hinuntergepumpt und das Gestein regelrecht aufgesprengt - und so das Erdgas freigesetzt, das anschließend nach oben strömt.

Allerdings: In den USA kommt ein Gutteil des nun auch mit Schwermetallen und radioaktiven Stoffen angereicherten Giftwassers wieder an die Oberfläche und wird in Teichen gelagert. Gelegentlich tritt die Brühe aus, und schwere Kontaminierungen sind die Folge. Auch der Dokumentarfilm Gasland hat sich richtig ins Bewusstsein eingebrannt - vor allem jene Sequenz, in der in einem Haushalt ein Feuerzeug an einen Wasserhahn gehalten wird und das mit dem Wasser ausströmende Methan mächtig verpufft.

In Poysdorf drängen sich daher die Menschen in dem nach Joseph Kolping benannten Haus - von dem auch sinnigerweise der Satz stammt: "Die Menschen werden selten durch fremden Schaden klug." Drinnen, im überfüllten Saal, beteuern Christopher Veit und Hermann Spörker von der OMV, dass aber genau das nicht der Fall sei: "Wir haben gesehen, mit dem traditionellen Fracking kommen wir nicht weiter. Wenn es uns nicht gelingt, das Projekt anders zu gestalten, wird es auch keine Förderung geben."

Wie Marmelade einkochen

Und jetzt wird auch der wahre Grund für den Bundesheereinsatz vor dem Kolpinghaus aufgeklärt: Denn es soll eine vollkommen neue Methode zum Einsatz kommen. Das Wasser soll nicht mit Chemikalien oder Bioziden versetzt werden, sondern wie bei Kriseneinsätzen keimfrei gemacht werden. Das alles wird bildreich verständlich gemacht: Das Wasseraufbereiten sei wie daheim im Swimmingpool. Und dann werde das Wasser mit Sand und Maisstärke angereichert, um die aufgebrochenen gasführenden Schichten zu stützen - das sei im Grunde "wie Marmelade einkochen".

Bei den Poysdorfern und ihren Nachbarn kommt das nicht wirklich an. "So leicht wie Marmelade lasse ich mich als Weinviertlerin nicht einkochen", lautet die Antwort aus dem Publikum. "Je weiter solche Methoden vorangetrieben werden, desto mehr werden die alternativen Energien nach hinten geschoben."

Aber gerade Erdgas sei doch für den Übergang zur nachhaltigen Energieerzeugung "ein idealer Partner". Es werde weniger CO2 als bei Öl freigesetzt, und daher sei Schiefergas eine wunderbare "Brückenenergie", argumentieren Veit und Spörker.

Im Übrigen habe auch sie der Film mit dem brennenden Wasserhahn betroffen gemacht, beteuern die OMV-Vertreter. "Aber wir produzieren schon seit 60 Jahren Öl und Gas in dieser Region. Wir werden auch diesmal kein Gas ins Grundwasser oder in die Atmosphäre bringen."

Öl auf der Zaya

Doch das Weinviertler Gedächtnis ist ein nachhaltiges: "Und warum hat es dann Öl geregnet? Warum schwamm Öl auf der Zaya? Warum musste Erdreich von ganzen Feldern abgetragen werden, wenn noch nie etwas passiert ist?" Die Antwort vom Podium: "Entscheidend ist, wie man mit Verantwortung umgeht, auf Unfälle reagiert und alles wieder in Ordnung bringt."

Die Zweifel daran, dass nach dem Beginn der Bohrungen ab 2013 alles in Ordnung bleibt, können aber nicht ausgeräumt werden: "Mühsam haben wir einen sanften Tourismus aufgebaut. Wir haben dafür Preise gewonnen und Nächtigungszuwächse von 30 Prozent. Was ist jetzt unser nächstes Tourismuskonzept? Bungeejumping vom Bohrturm?" Und ein Landwirt, der in seinem Betrieb die Energieautarkie bereits lebt: "Es geht den Konzernen doch nur ums Abzocken. Wie lange wollen Sie noch mit dem Rücken zur Sonne nach Öl und Gas bohren?" (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

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Mondlanschaft in wenigen Jahren

Da wehren sie sich aber zu wenig. Wir waren von der EU auch nicht begeistert und haben jetzt die Probleme.

das sei im Grunde "wie Marmelade einkochen".

...das einzige, was hier eingekocht wird, sind die lokalen gemeinderäte!

Mafiöse Methoden der ÖMV

Das Vorgehen der ÖMV lässt alle Alarmglocken schrillen. Ich wohne in dem Ort wo die Probebohrungen stattfinden sollen.
Was macht die ÖMV? Sie lädt zuerst nur die Gemeinderäte unter Ausschluss anderer Personen ein. Sie verspricht ihnen neue Feuerwehrautos, Kindergärten, Straßen etc. . Sie baut bereits 3 Pipelines von der March nach Herrnbaumgarten. Eine zum Wasser Hintransport, eine zum Abtransport und eine zum weglegten des Gases.
Antworten auf fragen der Bevölkerung gibt es nur ausweichend, absichtlich falsch oder gar nicht. Gegenaktivisten sind zu öffentlichen Anhörung NICHT zugelassen.
Hainburg lässt grüßen. Schlimmster österreichischer Politsumpf und der Herrnbaumgartner Bürgermeister samt der ÖVP-Riege ist natürlich dafür. Zum Kotzen!

bitte um Unterstützung

http://www.weinviertelstattgasviertel.at

Ich möchte Sie einladen uns tatkräftig gegen dieses Projekt zu unterstützen. Sie würden sich unter tausenden Personen wiederfinden, die uns unterstützen und gegen dieses Projekt sind!

Zu diesem Thema ist übrigens vor kurzem auch ein Artikel in emw erschienen, eine der grössten Zeitschrift am Energiesektor für DE, tw aber auch komplette DACH-Region: Ausgabe 6/2011, Kommunikation für Netzausbauprojekte, von Matthias Rosenthal.

Hier werden Tipps gegeben, wie Netzausbauprojekte durchgeboxt werden können. Empfehlung: Meinungsmacher ansprechen, also lokale Ärzte, Bürgermeister, Gemeinderäte, ...
Alle anderen "Ungustl" soll jedoch einfach ignorieren, wären oft ohnehin nur Pensionisten mit zu viel Zeit. Kommunikation im Vorfeld mit allen Beteiligten wird abgeraten.

Dem Herrn Rosenthal kann man es also nur dann schwierig machen, wenn auch die angesprochenen Meinungsmacher unbestechliche Leute sind.

Interessant wäre ob das nicht auch unter Korruption fällt und als solche zu ahnden wäre!

Ist halt ein verdammt schmaler Grat zwischen PR Trickkiste und Korruption.
Konstuktiver Ansatz wäre, den lokalen Meinungsmachern klarmachen, dass sie eigentlich diejenigen sind, die durch den Kakao gezogen werden.

Nur Windgas ist dzt die einzig wirklich überzeugende Lösung.
http://de.wikipedia.org/wiki/EE-Gas

Weitere gute Links dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=mZbEV8cKdgc
Auch Gasprom schielt da rein, wahrscheinlich um dann rechtzeitig intervenieren zu können:
http://www.powertogas.info/partner/a... rtner.html
Also so, wie es jetzt mit der Infrastruktur macht:
http://www.emw-online.com/home/news... &id=119700

Gemeinderäte einkochen

Genauso machen es ASFINAG, Telekom und Co. Überall dort wo gewinnstrebende Aktiengesellschaften Infrastruktur errichten und betreiben, werden Entscheidungsträger eingekocht oder "angefüttert" auf vielfältigste Weise. Das Rüsthaus für die Feuerwehr gehört wohl zum Standard. Damit werden die Gemeindebürger positiv gestimmt. Wie man politische Entscheidungsträger inklusive deren Parteien beeinflusst weiß in Österreich auch jeder. Das einzige Hilfsmittel > Politiker oder Projektwerber mit dem nassen Fetzen davonjagen.

Zu diesem Thema ist übrigens vor kurzem auch ein Artikel in emw erschienen, eine der grössten Zeitschrift am Energiesektor für DE, tw aber auch komplette DACH-Region: Ausgabe 6/2011, Kommunikation für Netzausbauprojekte, von Matthias Rosenthal.

Hier werden Tipps gegeben, wie Netzausbauprojekte durchgeboxt werden können. Empfehlung: Meinungsmacher ansprechen, also lokale Ärzte, Bürgermeister, Gemeinderäte, ...
Alle anderen "Ungustl" soll jedoch einfach ignorieren, wären oft ohnehin nur Pensionisten mit zu viel Zeit. Kommunikation im Vorfeld mit allen Beteiligten wird abgeraten.

Dem Herrn Rosenthal kann man es also nur dann schwierig machen, wenn auch die angesprochenen Meinungsmacher unbestechliche Leute sind.

Für die Gasland-Poster

In this clip from filmmaker Phelim McAleer, he captures Mr. Fox revealing that he knew of published reports of "troublesome amounts of methane" in the aquifer featured in his "flaming faucet" scene going back to 1976. However Fox says he "doesn't care" and chose not to tell his audience this because it was "not relevant."

http://www.cst.net/geoscienc... -from-film

hmmmm

methan trägt ebenso zum treibhauseffekt bei wie co2. es wird beim fracking freigesetzt - und wenn fracking noch so sauber betrieben wird. allerdings: ich kann der omv nicht glauben, die versprechungen des "sauberen" fracking klingen allzu rosig.

die omv soll die karten auf den tisch legen: wie viel gebiet wird dann landwirtschaftlich nicht mehr genutzt werden können? wie ist das mit dem weinanbau? wie schädlich ist die chemie, die verwendet wird? wasser mag man aufbereiten können - aber pflanzen?!
weiters: die lebensqualität der menschen wird abnehmen, die gegend als wohngegend unattraktiv (bestenfalls) oder unmöglich (schlimmstenfalls). wo sollen die menschen hin? wie hoch muss der preis für fracking sein?

Nur kurz mal zur Aufklärung unter Methan versteht man eine Kohlenwasserstoffverbindung welches Hauptbestandteil des Erdgases ist. Also ist es verständlich das Methan beim "Fracken" freigesetzt werden soll! Dabei kann man annehmen das ein Unternehmen wie die OMV daran interressiert ist das kein Methan in die Umwelt gelangt, den jeder Kubikmeter entwichenes Methan ist Verlust!!

Außerdem sollte Sie sich in diesem Bezug nicht um die Erdgasförderung sorgen, denn es ist wissenschaftlich belegt, dass jede Kuh pro Jahr 70000-80000 Liter Methan freisetzt!

VERSPRECHEN

Im Wort VERSPRECHEN ist das Problem der OMV gut erkennbar.Die OMV verspricht etwas, verspricht sich aber dabei, denn:
Die OMV kann gar nichts garantieren, wird wohl auch nicht selber bohren usw..., die OMV wird Subfirmen betrauen, welche dann die alleinige Haftung haben werden, es wird also defacto keine Haftung geben.
Wenn die OMV alle Haftungen (abgesichert durch eine entsprechende Versicherung usw)für die Umwelt übernimmt, übernehmen würde, dann hätte sie sich nicht VERSPROCHEN, aber das wird wohl nicht so werden, daher ist diese Projekt, mit dem dztg. Stand des Wissens, abzulehnen.
Nur wenn sich der Befürworter einer solchen Initiative mit seinem Kapital voll hinter die mögliche Schadenswiedergutmachung stellt,kann man event. versuchen

ein guter ansatz. aber wirklich wichtig wäre ein modell, in dem die manager selbst mit ihrem privatvermögen und ihrer freiheit haften. nach dem prinzip xx tonnen auf ewig verseuchtes wasser = xx jahre im knast. zusätzlich sollten die herrschaften in ihren zellen ausschließlich das von ihnen verseuchte wasser zu trinken bekommen, den rest ihres lebens mit sozialdienst an den geschädigten ihrer verbrechen zubringen.
es ist einfach ekelhaft, dass im kapitalismus der eine mensch den anderen menschen mehr oder weniger ungestraft schädigen kann, nur wenn er den namen und rechtskörper einer firma dazwischen schaltet.
aber hier geht es um ein unterfangen, das um jeden preis von vornherein verhindert werden muss. bis dahin: omv-tankstellen meiden!

Ökoaktivisten stören die Veranstaltung

Der Kurier berichtet ein bisschen kritischer:
http://tinyurl.com/7rjgev2

Die üblichen Ökoloaktivisten, die eh gegen alles sind, haben die geplante Informationsveranstaltung massiv gestört.

Diesen primitiven Artikel

nennen sie kritisch?

Na bumm, da ist kein 3dGeist sondern eher Weingeist im Spiel.
Denkens an die Leber wenn´s Kopferl schon wurscht ist!

Partner für die Bohrungen

Die OMV hat bei der Projektvorstellung in Poysdorf leider nicht glaubwürdig darstellen können, dass die Bohrungen durch die OMV durchgeführt werden. Auf eine Publikumsfrage, ob es Exxonmobil oder Helliburten sein wird wurde zwar Exxonmobil ausgeschlossen, allerdings Helliburten definitiv nicht. Verwundert mich auch nicht, da Helliburton die meisten Patente auf Fracking hält. Somit hätten wir dieselbe Firma im Land, welche Pennsylvania verwüstet hat. Ich denke, dass es einem Konzern wie Helliburton nicht um unser Weinviertel und dem Schutz der Menschen geht!

Natürlich konnten sie ExxonMobil ausschließen, die sind von der Art der Firma ja wie die OMW selbst, nur größer.

Halliburton hingegen ist eine der sogenannten Service Companies, wie zum Beispiel auch Schlumberger und Baker Hughes. Die werden für kleinere Teilabschnitte des Projektes verwendet (eg. Zementieren, Bohrlochmessungen). Warum sollte man allso schon jetzt gewisse Firmen ausschließen?

Champagner-Service, wenn die Konzessionen unterschrieben sind?

...nettes Video

Schaut euch mal den Trailer zum Film "Gasland" an - da ist recht plakativ beschrieben, wie das Fracking funktioniert und vor allem werden mögliche Auswirkungen gezeigt.

jetzt hat fracking den neuen namen - eine reine marketing bezeichnung "clean fracking" ... mehr als ein marketingname ist es einfach nicht, denn es gibt weder einen versuch das zu tun noch einen erfolg in einem projekt. es wird also im weinviertel erstmals ausprobiert.

das ganze fuer gerade mal 30 jahre gas. ich finde, das ist sehr sehr wenig fuer das risiko das in kauf genommen werden muss. es stoppt die weitere entwicklung von alternativen energien und kostet irres geld.

man kann es letztlich nicht befuerworten. selbst wenn man fuer die neue autobahn ist und wenn man - so wie ich - technologiefreak ist. man darf sich vor keiner neuen idee verschliessen, aber vor wahnsinn darf man das.

und das ist wahnsinn

Ich begrüße alle Kampfposter

der ÖMV hier ganz herzlich!

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