Highspeed durchs Traumland

24. Jänner 2012, 18:34
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    foto: constantin

    Stuntman zwischen den Fronten: Ryan Gosling mit einem Widersacher im Thriller "Drive".

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    Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn. 

"Drive", der furiose Thriller des Dänen Nicolas Winding Refn, erzählt von der mythischen Verwandlung eines Stuntfahrers

Wien - Schnell, professionell und wortkarg zu sein gehört für den Driver, den namenlosen Protagonisten aus Drive, nicht nur zum Geschäft, sondern es ist so etwas wie eine Lebensmaxime. Der vom Hollywood-Jungstar Ryan Gosling verkörperte Mann mit der weißen Lederjacke, auf deren Rückseite eine Skorpion prangt, ist ein gefragter Stuntfahrer in Hollywood; abseits seines Tagesjobs übernimmt er auch Fahrdienste bei Raubüberfällen. Wie souverän er hinter dem Steuer agiert, beweist er gleich zu Beginn des Films einmal, als es zu einer Verfolgungsjagd mit der Polizei durch Los Angeles kommt.

Mit Drive gibt der unter anderem für seine Drogenthriller-Trilogie Pusher und das psychedelische Wikinger-Drama Valhalla Rising bekannte dänische Regisseur Nicolas Winding Refn sein US-Debüt und wurde dafür prompt in Cannes 2011 als bester Regisseur ausgezeichnet. Tatsächlich gelang ihm mit seiner Adaption eines lakonischen Neo-Noir-Krimis von James Sallis ein stilistisch beeindruckender Genrefilm, der einen archetypischen Stoff in neue Kontexte und Oberflächen überführt.

In Farbgebung und modischen Anreizen sowie nicht zuletzt mit dem Synthie-Pop-Score die 1980er-Jahre zitierend, geht Winding Refn mit Sallis' elliptisch erzählter Geschichte rund um einem missglückten Coup und die daraufhin einsetzende Gewaltserie recht frei um. "Sallis' Buch handelt von der Mythologie des Kinos", führt der Regisseur im Standard-Interview aus. "Aber es ist schwer, dies als Film umzusetzen, da es sehr sprunghaft erzählt wird. Ich wollte nur die Welt des Drivers übernehmen und das Buch in ein Märchen über L. A. und Hollywood verwandeln - ich wollte zu elementaren Mitteln des Geschichtenerzählens zurück."

Erstaunlicherweise lag das ursprünglich von Hossein Amini verfasste Drehbuch, das als aufwändig produziertes Action-Spektakel umgesetzt werden sollte, jahrelang in der Schublade. Als Ryan Gosling mit seinem dänischen Wunschregisseur antanzte, begann sich das Projekt immer mehr zu verwandeln. Winding Refn ließ alle biografischen Details des Drivers beiseite und verwandelte ihn zur mythischen Ritterfigur - die explosiven Gewaltausbrüche und Verfolgungsjagden, eigentlich das Um und Auf des Genres, sind prägnant gesetzt, nehmen jedoch verhältnismäßig wenig Raum ein.

"Alle Charaktere sind Archetypen", sagt Winding Refn. "Es geht eigentlich um die Reinheit der Liebe, um den Ritter, die Jungfrau, den bösen König - ich habe meine eigene Variation eines Superhelden-Films gedreht." Anders als der Walter-Hill-Thriller von 1978, Driver, in dem Ryan O'Neal einen ähnlichen Part wie Ryan Gosling mit existenzialistischem Stoizismus versieht - Vorbild war dafür wiederum Jean-Pierre Melville -, wendet sich Drive stärker dem Spiel mit Projektionen und Fantasien zu. Der Fahrer schwärmt für seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan), die Szene zwischen den beiden inszeniert Winding Refn in einem emotionalen Schwebezustand, bei dem offen bleibt, wie viel davon sich nur in der Einbildung vollzieht.

"Das Gute an Genrefilmen ist, dass sie eigentlich immer wie Märchen funktionieren", meint der 42-jährige Filmemacher zu seinen Vorlieben: "Es kann auf einer Ebene viele Bedeutungen haben, auf der anderen ist es Eskapismus. John Ford hat nur Genrefilme gemacht, Fritz Lang auch, Sirks Melodramen sind grenzüberschreitende Fantasien." Trotz der Regelhaftigkeit von Genres, versteht sich Winding Refn jedoch als intuitiver Regisseur, einmal hat er sich gar als Fetisch-Filmemacher bezeichnet:

"Ich gehe Filme nicht so formal an, sondern betrachte meine Arbeit eher wie Pornografie - es kommt darauf an, was mich erregt." Er treffe zwar künstlerische Entscheidungen, aber diese seien schwer zu erklären: "Manchmal weiß ich es selbst nicht so genau. Es fühlt sich richtig an. Da ich nur chronologisch drehe, habe ich oft das Gefühl, nicht zu wissen, wohin es geht - das macht mich high. Ähnlich wie beim Sex."

Dass es in Drive dennoch um ein überlegtes Spiel mit Filmbildern geht, das gegen Vorstellungen und Erwartungen gerichtet ist, zeigt schon die Wahl von Albert Brooks, einem meist komischen Schauspieler, als Gangster und Gegenspieler: "Bernie Rose ist auch kein gewöhnlicher Gangster", sagt Winding Refn. "Er ist ein Gangster, der Filmproduzent war, und seine Filme waren wiederum voller Gangster. Er repräsentiert diese Produzententypen Ende der 70er, die zum Kino wechselten und ihre Träume realisieren wollten - nicht unbedingt mit Erfolg."

Winding Refn bezieht sich mit solchen selbstreflexiven Ideen bestimmt auch auf seine eigene Position als Neuling in Amerika. Sein unironischer, kraftvoller Umgang mit dem US-Kino und dessen Mythen macht einen nicht unbeträchtlichen Teil des Vergnügens von Drive aus. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe 25.1.2012) 

Ab Freitag im Kino

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Posting 1 bis 25 von 35
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Schicke Schickse
01
19.3.2012, 08:00
Aus Zeitgründen (leider) erst jetzt gesehen - und ich sage:

Vollendete Coolness in Reinkultur.
Ein Vergnügen sondergleichen.
Wie herrlich, dass solche Filme jenseits von fadem Mainstream und gefühligem Arthouse noch entstehen können!

Emmas Amme
02
Das ist

Satin, kein Leder.

Und ich mag nicht nur die Jacke, sondern den ganzen Film: aus unzähligen Gründen.

Autofahrer
61
31.1.2012, 21:22
Das den wer toll findet wundert mich

Eine Aneinanderreihung künstlich in die länge gezogener Schweigphasen des Hauptdarstellers gespickt mit Szenen, die in den 80ern noch als Splattermovie gegolten hätten.

Dann Regiefehler wie die bereits erwähnten Lichter, die nach Rammen eines anderen Fahrzeugs unversehrt sind. Der Tonschnitt (angeblich ist er dafür für einen Oscar nominiert???) war Mist. Irgendwie bringt Hollywood keine brauchbaren Verfolgungsjagden zusammen. Oder ich bin schlecht informiert und ein Auto hat 20 Gänge wie ein Sattelschlepper.

Gibts keine Actionfilme mehr, ohne zerplatzende Schädel?

Widerlich

Senyor Toninel
01
13.2.2012, 14:59
Naja, wennst dir erwartet hast,

dass Drive ein klassischer Actionfilm is, dann tut mir das halt Leid für dich.

Mir sind wenige, brutal (und somit realistisch) dargestellte "Todesfälle" lieber als ein Stallone/Willis/etc, der der Reihe nach 20 Leut' erschießt.

Raul First
01

du bist schlecht informiert.

Autofahrer
00

Worüber?

Die zerplatzenden Schädel oder die 20 Gänge beim Auto?

WolvesInTheThroneRoom
02
31.1.2012, 15:14

Hab mir den Film gestern angeschaut. Ich war endlos begeistert von diesem Film.

1. ´Die Szenen sind sehr gut durchdacht und vorallem mit einem genialen Soundtrack (sowohl selbst komponierte, als auch schon vorhandene Musik ist enthalten) erzeugt der Film sehr viel Spannung und eine grenzgeniale Atmosphäre, Ruhephasen gibt es natürlich auch.

2. Auto fahren steht manchmal im Vorder- manchmal im Hintergrund, same thing mit der Liebesgeschichte. Ingesamt sehr abwechslunsreich, von romantischen bishin zu sehr spannenden, bishin zu sehr (achtung! blutig.) gewaltsamen Szenen.

3. Das Schauspiel von Gosling und Mulligan harmoniert sehr. Das einzige Manko ist lediglich, dass die Chronologie der Handlung irgendwie zu "schnell" vergeht. Sehenswert

Zitronenbaum
20
31.1.2012, 10:32

Mal so eine Frage, ohne den Film gesehen zu haben und ohne vorzuhaben, sich ihn anzusehen (ich mag halt keine Filme übers Autofahren schauen):
Ist das nicht irgendwie wie "Transporter"?

slartibartfaß der Umwandler
02
31.1.2012, 12:27

ich würde ihn mir ansehen, und sie stellen sich das falsch vor. es geht nicht ums aufofahren...

Anton Hammerschmidt
02
31.1.2012, 11:54
Nein, ist er ganz und gar nicht..

nur bitte erklären Sie mir Ihre Aussage "ich mag keine filme übers autofahren anschauen". Bevorzugen Sie stattdessen Filme über´s Radfahren , oder was ?

politisch verfolgt
41
29.1.2012, 12:40
der film war eher enttäuschend

guter anfang, dann stark nachgelassen. extrem lange einstellungen sollten der geschichte, die mit etwas mehr pepp erzählt werden müßte, anscheinend einen intellektuellen touch geben. mir kam der film wie eine krampfhaft auf spielfilmlänge zerdehnte kurzgeschichte vor.

Isildur
14
28.1.2012, 17:32

Der Film ist ein Meisterwerk, Ryan Gosling (erinnert an Jekyll&Hyde) spielt brilliant!

Isildur
00
28.1.2012, 19:41

Nachtrag: Ryan Gosling erinnert an den jungen Christoph Waltz...

liftwartbertl
00
23.2.2012, 10:23
...

Ich hatte auch ständig den Waltz vor Augen. :-)

Dr Don Tango
07
25.1.2012, 15:42

für mich der beeindruckendste und vor allem überraschendste film 2011.

gosling ganz gross an der grenze zum wahnsinn.
der score ein traum.
und die regie virtuos.

Johnny Drama
30
26.1.2012, 14:36

Der film ist ja eigentlich nicht schlecht,
jedoch find ich den Sound ziemlich seicht

Dr Don Tango
10
26.1.2012, 16:16

man muss halt synth-sounds mögen :D

Gerhard Eigner
01
25.1.2012, 14:32
mir hat er gefallen

obwohl der mann schon nahe am autismus dahinschrammt...
hab mir gestern zum vergleich driveR ageschaut, mit ryan o´neal - highly recommended !

martin0069
42
25.1.2012, 14:09
Scheinwerfer leuchten nach Vollcrash

am Ärgsten war folgender Regiefehler (vermutlich deswegen auch nicht für Oskar nominiert): Ein Auto steht an der Kante einer Klippe - ein anderes rammt es mit voller Wucht seitlich - das erste Auto fliegt danach im hohem Bogen die Klippe runter (!) - dann sieht man von unten hinauf an der Wand der Klippe oben ersteres Auto stehen - beide Scheinwerfer (!) leuchten herab - dieses Auto fährt auch noch die längste Zeit im Film weiter......

Dr Don Tango
00
26.1.2012, 10:54

früher würden halt noch autos aus eisen gebaut. kein vergleich mit dem heutigen plastik-klump von heute. das hat der driver natürlich gewusst.

Radagast ist ein rarer Gast.
01
25.1.2012, 18:52

...und? weil sonst alles 100% realistisch war an diesem film? vieles wird darin überzeichnet, also ich könnte mich da nicht über ein paar scheinwerfer aufregen..

Radagast ist ein rarer Gast.
02
25.1.2012, 12:42

1. danke derstandard für die premierenkarten:)
2. brillianter film. und obwohl ich ausdrücke wie "ikonisch" oder "archetypisch" für ein produkt der gegenwart prinzipiell ablehne, glaube ich schon, dass sich "drive" zu einem echten "klassiker" entwickeln wird. so wie "pulp fiction" in den 90ern ist auch dieser film einerseits retro-charme und audio-visueller genuss, andererseits stellt er aber etwas komplett neues und ungesehenes dar. ich glaub man muss es sich einfach selbst ansehen und bereit dafür sein;)
3. ryan gosling verdient längst einen oskar. zu empfehlen wäre auch "blue valentine"! er ist wirklich nicht nur schön anzusehen, sondern ein fantastischer schauspieler!
4. die oskars sind lächerlich!

Ende der Nacht
01
25.1.2012, 18:10

Du könntest Deine Kompetenz bezüglich Oscars unterstreichen, indem Du "Oscar" richtig schreibst...

Radagast ist ein rarer Gast.
01
25.1.2012, 18:48

und du könntest etwas relevantes schreiben. hab mich schon auf eine interessante antwort gefreut, aber stattdessen kommt die rechtschreibpolizei..;)

Faka Zulu
01
25.1.2012, 12:24
Pusher-Trilogie

Die Pusher-Trilogie (und Adams Äpfel) hat meine Liebe zum dänischen Film geweckt.

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