Grund: "Unüberbrückbare Auffassungsunterschiede"
Bregenz/Wien - Roland Geyer, seit 2006 Chef des Theaters an der Wien,
wird doch nicht Intendant der Bregenzer Festspiele: Die Zusammenarbeit
wurde aufgrund "unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede über die
künstlerische Ausgestaltung und Umsetzung des Programms ab 2015"
beendet, so die auf der Homepage des Festivals veröffentlichte Erklärung
der Bregenzer Festspiele Privatstiftung am Dienstag.
Geyer war erst Ende Mai 2011 als neuer Festspielintendant ab 2015
vorgestellt worden. Er sollte dem Briten David Pountney nachfolgen, der
die Leitung der Festspiele seit 2004 innehat.
Im Auftrag des Stiftungsvorstands sollte Geyer "Pionierschritte" setzen.
Er plante ein Opernfestival, das im Wettbewerbskanon der Großen
mitspielen sollte, also "mit Aix-en-Provence, Bayreuth oder
Glyndebourne". Statt bisher zwei wollte Geyer laut News jährlich drei
bis vier Opernproduktionen herausbringen und auch den Zweijahresrhythmus
des Spiels am See beenden. Nebenbei schlug er eine Neukonzeption der
Seebühne im Zuge der anstehenden Restaurierungsarbeiten vor, was für
erhebliche Kritik sorgte. Und schließlich ging er bei seinen Planungen
von anderen finanziellen Prämissen aus. Die Beendigung des Vertrags
wurde als beste Lösung erachtet.
Die Intendanz wird bereits im Februar neuerlich ausgeschrieben.
Dienstbeginn bleibt 2015. Eine Entscheidung soll bis Ende der
diesjährigen Festspiele getroffen werden.
Geyer bleibt daher Intendant des Theaters an der Wien. Seinen Posten
hätte Thomas Drozda, Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, erst
2013 ausgeschrieben. Er wusste aber über die "Divergenzen" Bescheid -
und möchte sich nun für eine Verlängerung des Vertrags von Geyer bis
2018 (so lange läuft auch sein Vertrag) einsetzen. (trenk, APA, DER STANDARD/Printausgabe 25.1.2012)