Ulli Sima will Herrin im eigenen Tierschutzhaus sein

Interview24. Jänner 2012, 18:16
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Sie weist die Kritik am Bau eines zweiten Tierschutzhauses zurück - Das sei notwendig und keine Anbiederung an die "Kronen Zeitung"

STANDARD: Waren Sie schon einmal im Wiener Tierschutzhaus (WTV)?

Sima: Nein, aber es waren viele Experten der Stadt Wien draußen, die die Probleme mit der Bausubstanz besser beurteilen können. Das Haus ist noch sechs Jahre benutzbar, wir haben also klaren Handlungsbedarf. Da war die Frage, ob man weiter auf einen einzigen Verein setzt, oder ob wir das selber in die Hand nehmen. Ich wollte Herrin im eigenen Haus sein. Der WTV ist von seinen Vereinsstatuten her unvorhersehbar.

STANDARD: Immerhin hat es WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic geschafft, den insolventen Verein auf gesunde Beine zu stellen.

Sima: Wir haben sie tatkräftig dabei unterstützt. Sie kriegen jedes Jahr 800.000 Euro über den Leistungsvertrag von uns. Wir haben entschieden, dass ein einziger Verein zu riskant ist. Wien verträgt zwei Tierschutzhäuser.

STANDARD: Warum stehen dem geplanten Tierquartier 100.000 Quadratmeter für 450 Tiere zur Verfügung, dem WTV aber künftig nur 30.000 Quadratmeter für dreimal so viele Tiere?

Sima: Na ja, Sie müssen sich die bebaute Fläche anschauen, nicht die Grundstücksgröße - wir verbauen für das neue Tierquartier rund 9600 Quadratmeter. Wie viel der WTV auf dem künftigen Grundstück verbauen wird, kann ich nicht sagen.

STANDARD: Im Leistungsvertrag mit dem WTV ist eine 30-Tage-Frist vereinbart, in der die Tiere vermittelt werden müssen - danach gibt es kein Geld mehr. Wird diese Frist auch für das Tierquartier gelten?

Sima: Die Tiere werden oft über diese Frist von der Stadt Wien finanziert. Aber weil das Tierquartier unsere Einrichtung ist, werden wir eine andere Finanzierungsform finden.

STANDARD: Das heißt, diese Tiere werden länger finanziert?

Sima: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Mein Ziel ist eine schnelle Vermittlung. Bis zur Eröffnung 2015 wird es ein Konzept geben. Sollte es den WTV bis dahin nicht mehr geben, sind wir auf jeden Fall gerüstet. Gleichzeitig habe ich versucht, dem WTV alle Wünsche zu erfüllen: Sie wollten die Altlast loswerden, die nehmen wir ihnen wieder ab. Und sie wollten ein Grundstück mit 30.000 Quadratmeter in Vösendorf - beides haben wir erfüllen können.

STANDARD: Das neue Haus kostet 15 Millionen Euro, zehn zahlt die Stadt Wien. Wie können Sie sich das in Sparzeiten leisten?

Sima: Über einen Kredit, der Jahr für Jahr abgestottert wird. So machen wir das auch bei anderen großen Investitionen.

STANDARD: In der Tierschutzstiftung, über die die restlichen fünf Millionen kommen, sitzen Vertreter von "Krone" und "Heute". Warum diese Nähe zum Boulevard?

Sima: Das Tierquartier wird 100 Prozent Eigentum der Stadt Wien sein. Auf der Stifter-Liste sind auch zahlreiche andere Firmen.

STANDARD: Die Stiftung wurde zur Rettung des WTV eingerichtet. Jetzt ist sie eine Spenden-Konkurrenz.

Sima: Es ist Sache der Stiftung, wem sie Geld gibt. Ehrlich: Ich sehe keinen Grund, warum ich das Angebot nicht hätte annehmen sollen.

STANDARD: Das Projekt hat also nichts mit wohlwollender Berichterstattung in der "Krone" zu tun?

Sima: Das ist eine böse Unterstellung. Der Tierschutz ist ein gordischer Knoten der Stadt-Politik. Ich habe mich bemüht, ihn zu lösen.

STANDARD: Warum sind Sie ausgerechnet mit "Krone"-Journalistin Maggie Entenfellner zur Recherche nach England gereist?

Sima: Es waren auch einige unabhängige Experten dabei. (Julia Herrnböck und Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

Ulli Sima (43) ist seit 2010 Wiener Tierschutzstadträtin. 1999 wechselte die Molekularbiologin von den Grünen zur SPÖ.

  • Es war Zeit für ein eigenes Tierheim, findet Ulli Sima. Zudem vertrage Wien zwei Auffangstationen für herrenlose Tiere.
    foto: standard/corn

    Es war Zeit für ein eigenes Tierheim, findet Ulli Sima. Zudem vertrage Wien zwei Auffangstationen für herrenlose Tiere.

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