Kadyrow nennt Putins Gegner "Versager"

André Ballin aus Moskau , 24. Jänner 2012, 18:01

Jawlinski von Wahl ausgeschlossen

Gäbe es eine Liste der größten Speichellecker in Russland, würde Tschetscheniens Republikchef Ramsan Kadyrow regelmäßig darauf vertreten sein. Auch heuer scheint er seinem Ruf als Liebdiener für Premier Wladimir Putin gerecht zu werden: Er glaube fest an einen Wahlsieg Putins in der ersten Runde, erklärte er. Putin sei der einzig würdige Kandidat, seine Gegner allesamt "Versager", erklärte er und riet ihnen, zu Hause zu bleiben statt anzutreten.

Noch härter geht Tschetscheniens Statthalter von Moskaus Gnaden mit den Veranstaltern der Proteste ins Gericht: Die Demonstranten stufte er als "Feinde Russlands" ein. "Wenn es nach mir ginge, dann würde ich die Leute, die die Kundgebungen organisieren, einsperren", sagte er.

Den Unmut Kadyrows haben sich die Demonstranten nicht nur wegen ihrer Opposition zu Putin zugezogen, den Kadyrow einst als sein "Idol, der uns alles auf der Welt gegeben hat", bezeichnet hatte. Vielmehr dürften Kadyrow auch die Forderungen nach einer Bekämpfung der Korruption, speziell im Kaukasus, wenig schmecken. Erst Anfang Oktober hatte er eine rauschende Geburtstagsfeier mit Hollywoodstars und Show-Größen aus aller Welt in Grosny gefeiert. Auf die Frage, woher das Geld dafür käme, antworte Kadyrow: "Allah gibt es".

Für Putin ist Kadyrow sehr wohl ein wichtiger Verbündeter bei der Präsidentenwahl. Schon bei der Duma-Wahl zeigte sich der Kaukasus besonders kreml-freundlich. In Tschetschenien selbst erzielte die Partei "Einiges Russland" bei einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent immerhin 99, 5 Prozent der Stimmen. Ein ähnliches Ergebnis für Putin ist auch bei der Präsidentenwahl zu erwarten.

Russlandweit pendelt Putin laut Umfragen derzeit um die Marke von 50 Prozent. Der Ausschluss von Gegenkandidat Grigori Jawlinski wegen zu vieler ungültiger Unterstützer-Unterschriften erhöht die Chancen Putins, eine Stichwahl zu vermeiden. (DER STANDARD-Printausgabe, 25.01.2012)

subscriborg
53
24.1.2012, 19:56
In Tschetschenien selbst erzielte die Partei "Einiges Russland" bei einer Wahlbeteiligung von 97 Prozent immerhin 99, 5 Prozent der Stimmen.

eher drei prozent wahlbeteiligung und 0,5% für putin.

wohl der beste beweis für wahlmanipulation.
es sei denn es ist wirklich jeder tschtschenische kremlgegner entweder im ausland oder bei den radischen...

Adolf Ogi
01
25.1.2012, 17:05
zweiteres

Pjotr Ratschkovskij
01
24.1.2012, 19:50
Kadyrov ist wohl das Widerlichste, was die russische Politik zur Zeit zu bieten hat!

Meiner Meinung nach sollte Moskau aufhören diesen Banditen zu subventionieren und ihn und seinen Clan mit Geld zuzuschütten und mit ihm und den seinen genauso verfahren, wie man mit Dudaev, Bassaev, Raduev, usw. verfahren ist!

Das einzig positive an den ganzen Geldflüssen ist, daß Grosny wiederaufgebaut ist. Angeblich ist es mittlerweile eine schöne, neue und modern wirkende Stadt.
Wie es außerhalb der Stadtgrenzen ausschaut, weiß ich nicht...

BMA
00
25.1.2012, 11:23
Eine direkte präsidiale Verwaltung in Teilrepubliken über Generalverwalter

in denen multietnische Spannungen und/oder Konkurenz zwischen den einzelnen Stämmen-Sippen-Clans zur Tagesordnung gehören. Besetzung der Schlüsselposten durch nicht örtliche Volksvertreter (z.B. Russen, Weissrussen, Ukrainer, Tataren etc.) D.h. Zuzug von Lehrern, Ingenieuren, Programmierern etc. aus Kernrussland wäre theoretisch möglich.
Der/die Verwalter werden dann die ortansässigen auf Grund deren Fähigkeiten und nicht wegen deren Stammesangehörigkeit anstellen.

Pjotr Ratschkovskij
00
25.1.2012, 16:56

Das ist viel leichter gesagt, als getan. Sie müssen einem ethnischen Russen schon sehr viel Geld bieten, damit er nach Tschetschenien arbeiten geht. Auch herrscht dort nur deshalb relative Ruhe, weil die Tschetschenen es unter sich geregelt haben, mit tschetschenischen Methoden. Würde man diese Schlüsselposten mit Slaven besetzen, hätten die keine Autorität in den Augen der T. und die Feindseligkeiten würden wieder ausbrechen. So hat der erste Tsch.-Krieg angefangen. Dann wurden alle Russen von dort vertrieben...
Es ist schwierig.

BMA
00
26.1.2012, 01:06
Hallo,

"Sie müssen einem ethnischen Russen schon sehr viel Geld bieten, damit er nach Tschetschenien arbeiten geht." - die Tschetschenen müssen es wollen. Um es zu wollen müssen sie verstehen, dass ohne Russen früher oder später die Stammesfehden wieder ausbrechen werden. Aber dazu müssen sie erst reifen.
"die Tschetschenen es unter sich geregelt haben, mit tschetschenischen Methoden" - der Kadirov-Clan hat mit der Hilfe der russischen Soldaten die ganze Macht an sich gerissen und den anderen zu verstehen gegeben: unterordnen oder 2 Wege - zum Allah oder nach Europa. Die Österreicher haben keine Ahnung. Die Türken in St. Pölten stöhnen schon.
mfg

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