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Kenneth Roy (66) leitet das Institute for Contemporary Scotland in Prestwick und verantwortet die Online-Plattform Scottish Review.
Eine Einmischung von Premier Cameron werde es für die Unabhängigkeitsgegner schwieriger machen, sagte er zu Sebastian Borger.
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STANDARD: Herr Roy, wie stark schätzen Sie die Unterstützung für Schottlands Unabhängigkeit ein?
Roy: Da bin ich auf Umfragen angewiesen wie andere auch. Bisher gab es immer etwa ein Drittel dafür, mehr als die Hälfte dagegen, der Rest unentschlossen. Zu Wochenbeginn meldete ein Institut erstmals 40 Prozent Zustimmung.
STANDARD: Ein Ausrutscher? Ein konkurrierendes Unternehmen ermittelte 26 Prozent.
Roy: Wir werden abwarten müssen, was die nächsten Wochen zeigen. Bei der letzten Wahl erhielt die Nationalistenpartei SNP 45 Prozent der abgegebenen Stimmen. Wegen der niedrigen Wahlbeteiligung machte das etwa 24 Prozent der Wahlberechtigten aus.
STANDARD: Zu Jahresbeginn gab es Streit über den Zeitpunkt der Volksabstimmung, welche die SNP-Regierung plant.
Roy: Ich glaube, Premierminister David Cameron hat diesen Streit sehr geplant vom Zaun gebrochen. Jetzt scheint er aber eher überrascht davon zu sein, wie rasch Ministerpräsident Alex Salmond die Sache zu seinen Gunsten gewendet hat.
STANDARD: Finden Sie? Immerhin musste Salmond erstmals bestätigen, dass er im Herbst 2014 abstimmen lassen will.
Roy: Das schon. Aber die Medien hier in Schottland sind voller Bewunderung für Salmond. Mit seiner tiefen Stimme und seinem gemütlichen Auftreten kommt er bei vielen Leuten sehr gut an. Cameron sowie Vizepremier Nick Clegg hingegen entsprechen dem Klischee des geleckten, hochnäsigen Engländers. Die Befürworter der weiteren Union mit England sollten alles tun, damit Cameron hier möglichst wenig auftritt. Sonst geht die Sache verloren.
STANDARD: Aber wer tritt dann für die Mehrheit der Schotten auf, die sich vielleicht mehr Autonomie von London wünschen, eine Trennung aber ablehnen?
Roy: Na ja, die anderen Parteichefs in Edinburgh haben allesamt nicht die nötige Statur. Hochrespektiert sind zwei frühere Kabinettsmitglieder: der Konservative Malcolm Rifkind sowie Labours Ex-Finanzminister Alistair Darling. Vielleicht könnte auch George Robertson ...
STANDARD: ... der frühere Nato-Generalsekretär ...
Roy: ... eine wichtige Rolle spielen, schließlich ist nicht zuletzt bei der Frage nach Schottlands zukünftiger Verteidigungspolitik noch vieles offen.
STANDARD: Die SNP verlangt den Abzug der britischen Atomwaffen aus dem U-Bootstützpunkt in Faslane.
Roy: Das ist ein extrem schwieriges Problem. Aber bisher vertröstet die SNP alle Fragen zu diesem Thema, das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein.
STANDARD: Die Wahlergebnisse und die öffentliche Debatte der letzten Jahre scheinen Salmond recht zu geben.
Roy: Der Ministerpräsident ist sicher ein meisterhafter Stratege und vielen Politikern in Großbritannien überlegen. Darin könnte auch eine Gefahr liegen: wenn sein enormes Selbstbewusstsein in Hybris umschlägt. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)
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