Analyse

Orange gibt sich in der Preisschlacht geschlagen und verkauft an "3"

24. Jänner 2012, 18:04

Kurzfristig kein Nachteil für Kunden, langfristig das Ende von steil sinkenden Preisen

Seit Freitag ist es fix: Vier Jahre, nachdem aus One Orange wurde, kommt dem heimischen Mobilfunkmarkt nach Telering noch ein Betreiber abhanden.

Diese Rechnung konnte nicht mehr aufgehen

Diese "Konsolidierung" wird seit Jahren erwartet, da der Preiskampf in Österreich beinahe ruinöse Dimensionen angenommen hat. Geschenkte Handys, Monatspauschalen bis knapp unter acht Euro bei gleichzeitig enormem Investitionsbedarf, um mit der mobilen Datenexplosion Schritt zu halten: Diese Rechnung konnte nicht mehr aufgehen.

"Die härtesten Zeiten sind hinter uns, wir bleiben"

Das Überraschende ist darum nicht der Abgang eines Netzbetreibers, sondern dass justament der kleinste den nächstgrößeren schluckt. Jahrelang wurde erwartet, dass sich der Hongkong-Konzern Hutchison Whampoa von seiner defizitären Tochter "3" trennt. Aber nicht zuletzt die Finanzkrise machte die Aussichten auf einen profitablen Verkauf zunichte und das finanzstarke Hutchison entschied sich, das international tätige "3" mit einem Kraftakt gewinnbringend zu machen. "Die härtesten Zeiten sind hinter uns, wir bleiben", hatte Hutchisons Managing Director Canning Fok in Wien im vergangenen September verkündet. Und weil Hutchison dauerhaft nur in Märkten ist, in denen es erste oder zweite Geige spielt, blieb nur Hochkaufen über.

"Synergieeffekt"

Durch den Wegfall eines vierten Netzes verbessert sich die Kostenstruktur der Betreiber, was das niedrige Preisniveau erträglicher macht. Addiert haben Orange und "3" rund 1200 Mitarbeiter, auf 200 bis 250 Stellen schätzen Experten den "Synergieeffekt" - sprich: die Einsparung. Und natürlich entfällt der Betrieb eines Netzes.

Prüfung der Wettbewerbsbehörden

Bei der Bundeswettbewerbsbehörde geht man davon aus, dass der Übernahmeantrag nicht in Wien, sondern bei der EU in Brüssel gestellt wird. Inoffiziell rechnen alle Beteiligten mit einem vertieften Prüfverfahren, das im günstigsten Fall vor der Sommerpause, realistischerweise eher im Herbst abgeschlossen ist. Da Übernahmen in Märkten, bei denen die vier größten Unternehmen gemeinsam 80 Prozent halten als besonders sensibel gelten, wird das Verschwinden des vierten Anbieters kritisch betrachtet werden.

Zuckerln

Den beiden Konkurrenten bietet "3" darum Zuckerln: Mit T-Mobile wurde erst vor wenigen Tagen eine Vereinbarung zur gemeinsamen Netznutzung unterzeichnet, was den Investitionsbedarf von T-Mobile senkt. An A1 sollen Frequenzen und die Billigmarke Yesss verkauft werden (deren Wert im exklusiven Verkaufskanal Hofer liegt) sowie Equipment, das die Telekom Austria bei ihren Töchtern brauchen kann. Die daraus erzielten 400 Mio. Euro machen den Kaufpreis von 1,4 Mrd. Euro für Hutchison erträglicher.

Marktverteilung

Die grobe künftige Marktverteilung lautet dann 40:30:30 (siehe Grafik), wobei die neue "3" eine Spur kleiner als T-Mobile sein wird. Das legt nahe, dass der heftige Wettkampf unmittelbar nach Zusammenschluss der Marken nicht vorbei ist: Denn "3" wird viel daran setzen, zur Nummer zwei am Markt aufzusteigen. Das ist auch nötig, damit sie genug verdient, um ihr an den chinesischen Ausrüster ZTE verkauftes und geleastes Netz wieder zurückkaufen zu können - Voraussetzung für den Erhalt der Funklizenzen. Erst nach einer Zeit dürfte sich der Wettbewerb beruhigen, die Preise stabiler werden - oder sogar steigen, wie dies bereits mit neuen Servicegebühren von A1 und T-Mobile im Sommer 2011 vorgeführt wurde. Bis die Marke Orange endgültig verschwindet, wird es noch dauern: Aber bis zum Weihnachtsgeschäft 2013 soll sie Geschichte sein. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)

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Mystery
00
....kommt dem heimischen Mobilfunkmarkt nach Telering noch ein Betreiber abhanden.

Wen wunderts, CEO von Orange ist Michael Krammer, der im Jahr 2005 schon Telering an T-Mobile verkauft hat.

Loxoceles
00

also jemand, der Unternehmensführung hauptsächlich als Umsetzung feindlicher Übernahmen durch die Konkurrenz betrachtet.

RAGE
00
26.1.2012, 12:19
T-Mobile: Werden Orange-Verkauf nicht bremsen

T-Mobile-Chef Chvátal rechnet im Gespräch mit DiePresse.com nicht mit einem Preisanstieg nach der Konsolidierung am österreichischen Telekom-Markt.

diepresse.com/home/techscience/mobil/727051/TMobile_Werden-OrangeVerkauf-nicht-bremsen?_vl_backlink=/home/techscience/index.do

mfg

Loxoceles
01
Preisanstieg

"rechnet nicht damit" - kommen wird er trotzdem!

BlSenf
00
26.1.2012, 10:22
vorbei ist dann die Zeit mit..

zig Tausend Minuten in alle Netze, um ein paar EUR Grundgebühr und natürlich das neueste Smartphone...
back to the roots..:)

TRex30M
00
25.1.2012, 17:33

Now you can! ;-)

umoherb
01
25.1.2012, 16:23
Yess an A1?

Falls die Gerüchte wirklich eintreten sollten, stimmt die Grafik von derStandard bzw. der kolportierte neue Marktanteil von Drei nicht. Wenn man von 650Tsd Yess Kunden ausgeht die an A1 weiterverkauft werden sollen, wäre die neue Verteilung gerundet ca. 22% Drei, ca 31% TM und ca. 47% A1 (auf Basis der Zahlen der nebenstehenden Grafik gerechnet). Das heißt, Drei hätte in etwa den gleichen Marktanteil wie Orange jetzt und wäre doch klare Nummer 3? Da müsste Drei in den nächsten Jahre noch viel Geld in die Hand nehmen um wirklich Nr. 2 zu werden. Daher verstehe ich den Yess Deal nicht ganz. Bitte um Aufklärung falls ich da etwas falsch verstanden habe.

gebongt
00

ist relativ einfach. orange ist keine 1,3 mrd EUR wert, deshalb steigt A1 mit ein, um die marktkonsolidierung auch über die bühne zu bringen. weil t-mobile erstens nicht einmal genug geld für ein vernünftiges netz hat, und schon gar nicht 400 mln EUR für yess bzw. zur marktkonsolidierung. die 900 mln EUR für orange ist dann ein realistischer preis, und t-mobile bekommt aber im gegenzug dafür das network-sharing mit 3. und alle die nicht gestorben sind, sind am ende glücklich.

umoherb
00

ja, das ist verständlich. ich habe nur nie die Kommunikation im Vorfeld bezüglich des Marktanteils verstanden, weil alle immer von "3 etwa gleich starken Betreibern (30/30/40)" berichtet haben. Mit heute hat sich das aber ohnehin aufgeklärt.

Rainer M.
10
25.1.2012, 13:57
Wie sieht es eigentlich nun mit einem aussertürlichen Kündigungsrecht aus?

WIe es das schon bei der Übernahme von One zu Orange gab. Weiss da jemand was genaueres ? würde mich freuen falls dem so ist!

docile1980
01
25.1.2012, 15:17

ich finde es immer wieder lustig in den verschiedenen foren zu lesen wie alle ganz ge*l auf eine außerordentliche Kündigung sind. Seit ihr alle so frustriert bei eurem Anbieter? Arg ist das schon... immer den selben schwafel zu lesen.
Außerdem warum sollte es den ein außerordentliches Kündigungsrecht geben? Für den Kunden ändert sich an seinem Vertrag doch nix zumindest zahlungstechnisch gesehen- also warum sollte deshalb eine AOK entstehen? Und bitte jetz nicht das Kinderthema "mit Drei hab ich keinen Empfang"... ist dem Betreiber herzlichst egal, denn kein Betreiber garantiert 100% flächendeckung des "Bundesgebietes" :-))

Monopoly mit Hut
00
26.1.2012, 08:16

Auch interessant in diesem Zusammenhang finde ich, wieviele Leute sich offenbar auf Aussagen von wildfremden Personen in Internet-Foren verlassen wollen, anstatt in ihren eigenen Verträgen und AGBs ihrer Provider nachzulesen. :-)

bpk
00
25.1.2012, 15:01
Das gab es weder damals ...

... noch wird es das diesmal geben. Und die Frage wurde hier schon 100 mal beantwortet.

Mafiossi
 
00
25.1.2012, 16:15

Ich glaube kaum dass drei und Orange in Zukunft unterschiedliche AGBs haben werden. Eher wird Orange die AGB von drei übernehmen. Oder im Besten Fall überhaupt eine neue aus beiden AGBs (z.B. übernimmt drei von Orange den Klausel der automatischen Gebührenerhöhung ....).
Also meiner Meinung nach ist die Wahscheinlichkeit groß daß Orange Kunden kündigen können für drei Kunden unwahscheinlicher.
Nur braucht sich keiner eine Hoffnung für sein jetziges Vertrag machen da, wie man oben liest, es noch dauert bis der Verkauf abgeschlossen ist. Außer Spekulanten unter uns die jetzt einen Vertrag mit der höchsten Grundgebühr(niedrigsten Geräte Preisen) abschließen und nächstes Jahr auf AGB Änderung hoffen. ;)

Schizo
00
25.1.2012, 13:41
Wie sieht das denn mit dem Sponsoring aus??

Da Orange ja einer der großen Sponsoren im Hanappi ist, wird dieser Vertrag dann auch Geschichte sein???

Jasper Perky
00
25.1.2012, 16:19

Drei wird beim Kauf von Orange zum Rechtsnachfolger und muss dadurch Verträge einhalten, die von Orange geschlossen wurden.

bpk
00
25.1.2012, 15:03
Eine Übernahme wäre eine Gesamtrechtsnachfolge IMHO

Somit bleiben auch alle Verträge aufrecht.

Achmo Ledbid
00
25.1.2012, 13:36
aus Orange wird 3...

...gemeinsam sind wir mehr...
blablablablabla...

haarspalter
00
25.1.2012, 13:05

"gemeinsam sind wir ... 3"

alekskun
00
25.1.2012, 14:00

1 + 1 = 3 :-)

ibindes arbeitet
00
25.1.2012, 17:26
Dann sind's halt 3 Orangen

1116er
07
25.1.2012, 12:08
ich sehe hier die notwendigkeit zu einer kleinen korrektur bzw ergänzung

"Kurzfristig kein Nachteil für Kunden, langfristig das Ende von steil sinkenden Preisen"

kurzfristig kein nachteil für kunden.
MITTELFRISTIG das ende von steil sinkenden preisen.
LANGFRISTIG der beginn von steil steigenden preisen.

gebongt
00

KURZFRISTIG, der beginn von steigenden preisen.

sehr steil werden sie aber wohl nie steigen, weil immer noch 3 mitbewerber da sind.

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