Der große Bioschmäh

  • Bio oder konventionell - alles eins? Das nicht. Allerdings liegt der Bio-Massenmarkt viel näher am konventionellen Markt, als der ökologische Nischenmarkt. Und: Die Unterschiede sind weit weg von der Konsumentenerwartung und den Behauptungen durch die Konzerne selbst.
    foto: ja! natürlich

    Bio oder konventionell - alles eins? Das nicht. Allerdings liegt der Bio-Massenmarkt viel näher am konventionellen Markt, als der ökologische Nischenmarkt. Und: Die Unterschiede sind weit weg von der Konsumentenerwartung und den Behauptungen durch die Konzerne selbst.

  • Lisa, Lilli, Engelbert, Susi, Chonchita, Oki Doki, Alles Roger, Sissi, Floh, Chupachup, Yupidu, Schnappi, Pippifein und Hallo Du - eines der glücklichen Schweine, die es dank "Ja! Natürlich" zu Fernsehruhm brachten.
    foto: standard/ruep

    Lisa, Lilli, Engelbert, Susi, Chonchita, Oki Doki, Alles Roger, Sissi, Floh, Chupachup, Yupidu, Schnappi, Pippifein und Hallo Du - eines der glücklichen Schweine, die es dank "Ja! Natürlich" zu Fernsehruhm brachten.

  • Fröhliche Kühe auf grünen Bergwiesen, wem wird da nicht warm ums Herz. Bergbauern sind beliebte Namensgeber im Biosegment. Dabei gilt jeder als solcher, der unter "erschwerten Bedingungen" Landwirtschaft betreibt ...
    foto: apa/stiplovsek

    Fröhliche Kühe auf grünen Bergwiesen, wem wird da nicht warm ums Herz. Bergbauern sind beliebte Namensgeber im Biosegment. Dabei gilt jeder als solcher, der unter "erschwerten Bedingungen" Landwirtschaft betreibt ...

  • ...dazu zählen steile Flächen, klimatische Benachteiligung, aber auch die Entfernung zum nächsten Busbahnhof. So kommt es, dass es auch im Burgenland Bergbauernhöfe gibt.
    foto: apa/hochmuth

    ...dazu zählen steile Flächen, klimatische Benachteiligung, aber auch die Entfernung zum nächsten Busbahnhof. So kommt es, dass es auch im Burgenland Bergbauernhöfe gibt.

  • Angaben zu Wasserverbrauch, Artenvielfalt und Treibhausgasemissionen 
sind bei Bioprodukten en vogue. Mancher Konsument denkt dabei vermutlich 
an den ökologischen Fußabdruck - ein Irrtum, der den Biomarken 
wahrscheinlich nicht allzu viel ausmacht.
    foto: rewe

    Angaben zu Wasserverbrauch, Artenvielfalt und Treibhausgasemissionen sind bei Bioprodukten en vogue. Mancher Konsument denkt dabei vermutlich an den ökologischen Fußabdruck - ein Irrtum, der den Biomarken wahrscheinlich nicht allzu viel ausmacht.

  • Auch Hofers "Zurück zum Ursprung" geht mit Einsparungen bei CO2 und Wasser auf Kundenfang. Weil man im tatsächlichen Wasserverbrauch aber keine Unterschiede zur konventionellen Produktion fand, bedient man sich des theoretischen Konzepts des "grauen Wassers".
    foto: hofer

    Auch Hofers "Zurück zum Ursprung" geht mit Einsparungen bei CO2 und Wasser auf Kundenfang. Weil man im tatsächlichen Wasserverbrauch aber keine Unterschiede zur konventionellen Produktion fand, bedient man sich des theoretischen Konzepts des "grauen Wassers".

  • Das wird an keinem Punkt der Produktionskette jemals entnommen oder 
verbraucht. Eine theoretische Größe, die von Ökologen üblicherweise 
nicht zur Berechnung des Wasserverbrauchs eingesetzt wird.
    foto: spar

    Das wird an keinem Punkt der Produktionskette jemals entnommen oder verbraucht. Eine theoretische Größe, die von Ökologen üblicherweise nicht zur Berechnung des Wasserverbrauchs eingesetzt wird.

  • Regionalität ist in Sachen Bio auch ein Thema: Zitronen aus Südafrika, abgepackt in den Niederlanden, Knoblauch aus Spanien, abgepackt in Italien, Paprika aus Israel, Pfirsiche aus ...
    foto: derstandard.at/bruckner

    Regionalität ist in Sachen Bio auch ein Thema: Zitronen aus Südafrika, abgepackt in den Niederlanden, Knoblauch aus Spanien, abgepackt in Italien, Paprika aus Israel, Pfirsiche aus ...

Ja! Natürlich wollen wir kernige Bauern, glückliche Schweinderln und Kräuterwiesen für das liebe Vieh. Wenn Bio draufsteht, ist das aber noch lange nicht drin

Es waren einmal riesige, gütige Lebensmittelkonzerne, die wollten nur das Beste für die Menschen und die Umwelt. Nur das Optimum ist ihnen im Dienste der Konsumenten gut genug. Deswegen tummeln sich dort, wo unsere Lebensmittel herkommen, fröhliche Kühe auf grünen Bergwiesen. Emsig picken die Henderln vor sonnendurchfluteten Stadln, und hie und da legen sie auch ein Ei. Das Brot kommt aus der Backstube, kernige Bäcker und Bäckerinnen legen zur morgendlichen Stund' herzhaft mehlbestäubte Hand in wohligem Ambiente an. Vor allem die Bio-Welt ist voll der sprechenden Bilder und wohlklingenden Begriffe. "Zurück zum Ursprung" führt man die Konsumenten, "Natur pur" lässt man ihnen angedeihen und "Ja! Natürlich" will auch der Verbraucher nur das Beste - darin ist man sich mit dem frechen Schweinderl und seinem großherzigen, in Karo und Lederhose gewandeten Bauer aus der Werbung einig.

Immer mehr Geld für Bio

So viel Idylle, das ist gewiss, sind uns unser Bauernstand und die von ihm produzierten Güter wert. Der kritische Konsument gibt mittlerweile viel Geld für Bio aus, die Umsätze steigen jährlich. Allein zwischen 2006 und 2010 legte der Bioanteil im Frischesegment des Lebensmitteleinzelhandels um mehr als die Hälfte auf 306 Millionen Euro im Jahr zu. Den allergrößten Teil des Kuchens sichern sich in Österreich allerdings die großen Supermarktkonzerne wie Rewe (Billa & Co.), Spar und Hofer. Die Handelsriesen mischen mit ihren Bio-Eigenmarken inzwischen den gesamten Markt auf. Das Geld, das von heimischen Haushalten im Jahr 2010 beim Bio-Einkauf ausgegeben wurde, fließt zu 91,5 Prozent in die Taschen der Supermarktriesen und Lebensmitteldiskonter. Die verbleibenden 8,5 Prozent teilen sich Bio-Läden und Reformhäuser.

"Der Preisdruck auf Bio im Eigenmarkenbereich ist sehr hoch", beklagte Bio-Österreich-Obmann Rudi Vierbauch vergangenen Herbst. Bei Bio-Eigenmarken, etwa bei Milch, gebe es oft keinen großen Preisunterschied mehr zu konventionellen Lebensmitteln. Die Preisdifferenz zwischen biologischen und konventionellen Produkten bewegt sich laut AMA (Agrarmarkt Austria) etwa bei Milch, Käse und Erdäpfeln zwischen sieben und zehn Prozent. Den größten Preisunterschied von 50 Prozent und mehr gibt es beim Fleisch. Den Konsumenten und Konsumentinnen ist ihr gutes Gefühl den höheren Preis ganz offenbar wert.

Was steckt hinter den Bio-Handelsmarken?

Sind es aber auch die Produkte? Was steckt wirklich hinter den Bio-Handelsmarken der Konzerne? Dafür hat sich Agrarbiologe Clemens G. Arvay für sein neues Buch "Der große Bioschmäh" mehr interessiert, als den Handelsriesen lieb sein dürfte. Man mag überrascht sein oder nicht: Auf viel Idylle ist er auf der Suche nach der Realität nicht gestoßen. Anstatt auf romantische Bio-Bauernhöfe und zu glücklichen Schweinderln führten ihn seine Ausflüge zu Tierfabriken, endlosen Monokulturen und großflächiger, industrialisierter Landwirtschaft. "Das Erbe der Landwirtschaft ist aufgrund von Konzerninteressen bedroht", warnt Arvay im derStandard.at-Gespräch. "Auch die Biobauern werden verschwinden, wenn sich die Konsumenten dagegen nicht wehren." Nicht die Bioidee an sich sei schlecht, sondern die Vereinnahmung durch die Großkonzerne. Was ihm wichtig ist: "Der Konsument hat mit Biolebensmittel-Kooperativen und solidarischen Landwirtschaftsprojekten Alternativen. Die muss er nützen, um sich und die Bauern aus der Abhängigkeit der Konzerne zu befreien."

Der biologische Massenmarkt sieht laut Arvays Recherchen dem herkömmlichen Massenmarkt verdammt ähnlich. Das Biobrot kommt aus der Brotfabrik mit dem Charme eines Stahlkonzerns und ist direkt neben einem solchen angesiedelt. Fabrikshallen, Flotten von Lastwägen, Maschinen, Fließbänder, monströse Öfen, bedient von Maschinenführern statt von Bäckern und Bäckerinnen: So sieht der durchschnittliche Biobäcker des Handels aus. Fast müßig zu erwähnen: Das Fußvolk kommt hier zum großen Teil aus dem Ausland, aus Osteuropa, einige auch aus Afrika. Die allermeisten Biobäcker produzieren ihr Biobrot in denselben Nächten, mit denselben Maschinen und auf dieselbe industrielle Weise wie die konventionelle Ware. Auch in der Bioindustrie kommen übrigens Fertigmischungen zum Einsatz.

Automatisierte Biowelt

Und wie geht die industrialisierte Biobranche mit Tieren um? Da braucht man ebenso starke Nerven wie in den konventionellen Agrarfabriken auch. "Obwohl ich als Agrarbiologe gewusst habe, was mich erwarten wird, war wohl die Situation der Nutztiere am schwersten verdaulich bei den gesamten Recherchen", sagt Arvay. Für das Geflügel-Kapitel betritt der Autor eine eher gruselige Welt: "Eine Bio-Welt der automatischen Vogelnester, des Mittwochs als Bio-Schlüpftag, der Kükenfließbänder und der Todeskarusselle." Er trifft auf ein Imperium der holländischen Bruteier, der Hühnerrasse JA-757, der industriellen Fütterungsautomaten und der Kükenvernichtungsanlagen.

In dieser Welt haben Bio-Landwirte nichts mehr mit Bauerntum zu tun, sie sind zu vertraglich gebundenen Hühnerfütterern und Hühnermästern expandierender Handelskonzerne degradiert. Die glücklichen Hühner vermisste der Autor bei Betriebsgrößen von zuweilen 15.000 Stück sowieso. Dafür liegt in so einem Betrieb die Ausbeute bei 14.000 Bioeiern pro Tag. Auch eine Landwirtin aus der Steiermark, die Legehennen für die Bioindustrie hält, kommt zu Wort: "Vor zwanzig Jahren begannen wir als unabhängige Bauern mit fünfhundert Hennen und konnten ein volles Einkommen damit erwirtschaften. Heute haben wir dreitausend Tiere im Stall." Damit zähle man zu den Kleinsten der Branche, sagt sie. Das Überleben sichert der Betrieb schon lange nicht mehr, ihr Mann geht nun einer anderen Arbeit nach. Für Arvay liegt der Schluss klar auf der Hand: "Dort, wo die Handelskonzerne ihre Hände im Spiel haben, schaut der Bauer durch die Finger." Und das Nutzvieh sowieso, lautet die logische Ergänzung.

Freigang ins Grüne

Kein Vorteil der biologischen Geflügelhaltung gegenüber der konventionellen Bodenhaltung wird in der Werbung offensiver ausgenützt als der Auslauf, der Bio-Henderln und Bio-Puten gesetzlich zugestanden wird. Doch ausgerechnet der Freigang ins Grüne funktioniert nicht. "Mit dem Auslauf klappt es in diesen Dimensionen sowieso nicht mehr", äußert ein Biokaufmann seine Meinung. Was ihm immer wieder auffällt: "Wann immer ich an einem der großen Bioställe vorbeifahre, sehe ich leer gefegte Auslaufflächen." Dass sich auch die Vögel möglichst ihre Füße nicht schmutzig machen sollen, weil die in der Folge produzierten sogenannten Schmutzeier mehr Arbeitsaufwand oder weniger Gewinn für den Betrieb bedeuten, sei nur am Rande erwähnt.

Ungeachtet der fiktiven Werbewirklichkeit stellt sich natürlich auch der Alltag der heimischen Bio-Rinder weit weniger blumig dar, als man die Konsumenten glauben lässt. In mehr als drei Vierteln der Bioställe des Landes sind die Rindviecher während des Großteils ihres Lebens in Ketten gelegt. Möglich ist das durch eine rot-weiß-rote Sonderregelung: Betriebe mit weniger als 35 Großvieheinheiten (500 kg lebende Tiermasse, also ungefähr eine erwachsene Milchkuh, Anm.) dürfen mit der Anbindehaltung froh und munter weitermachen, obwohl diese für Biobetriebe laut EU-Bioverordnung eigentlich verboten ist. Für richtiges Wohlgefühl sorgt auch der "Kuherzieher" nicht, ein Metallbügel, der die Kühe mittels elektrischem Schlag beim Stuhlgang dazu anhalten soll, ihren Kot nur im dafür vorgesehenen Graben abzugeben. Ein Verbot wird diskutiert.

Triste Realität

Dass es ganz nahe an der Realität wäre, einen TV-Spot zu drehen, in dem das "Ja! Natürlich"-Schweinchen am industriellen Förderband hängend durch einen Hals-Brust-Stich das Leben aushaucht, kann sich der Konsument mittlerweile vermutlich ausmalen. Denn auch die Realität auf den Schlachthöfen nimmt sich eher trist aus. Bio-Tiertransporte laufen nicht anders ab als herkömmliche, in den Schlachtereien steht man unter Zeitdruck, leistet auch hier Akkordarbeit. "Unser Geschäft läuft nur mehr über die maximale Auslastung. Massenproduktion ist die Vorgabe der Handelskonzerne, anders geht heute gar nichts mehr", erklärt ein Betriebsleiter.

Lediglich 14 elitäre Schweine bleiben in Österreich von einem vergleichsweise tragischen Schicksal verschont: Lisa, Lilli, Engelbert, Susi, Chonchita, Oki Doki, Alles Roger, Sissi, Floh, Chupachup, Yupidu, Schnappi, Pippifein und Hallo Du. Das sind die Fernsehstars der "Ja! Natürlich"-Werbung. Wenigstens sie führen ein überglückliches Leben - am Gnadenhof. (Regina Bruckner, derStandard.at, 25.1.2012)

Wissen: Für die Konsumenten gibt es Alternativen bei Bio-Lebensmittelkooperativen und solidarischen Landwirtschaftsprojekten. Alle Adressen gibt es bei ATTAC Österreich, Inhaltsgruppe AgrarAttac, Margaretenstraße 166/3/25, 1050 Wien

Erstes Projekt Österreichs zur solidarischen Landwirtschaft (Bio, Raum Wien): http://www.ochsenherz.at/csa.html

Mehr zum Buch: www.arvay.info

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Posting 726 bis 775 von 1010

leider haben die Lebensmittelerzeuger eine starke Lobby und sind nicht wirklich interessiert, sowas durchzusetzen.

Die große Lüge

In wenigen Wochen wird es die ersten Karoffeln aus Ägypten geben und ich werde sie kaufen. Unsere einheimischen Biokartoffeln, die derzeit erhältlich sind, sind nach wenigen Tagen schwarz, so schnell kann man die gar nicht verbrauchen. Das Argument "Umweltverschmutzung durch lange Transportwege", zählt nur bedingt. Die meisten Passagiermaschinen nutzen ihren Spritverbrauch durch zusätzliche Transporte. Die Frachträume sind groß genug.

lagern sie die erdäpfel neben der Heizung??? erdäpfel und auch "normale" äpfel halten - bei sachgemäßer lagerung monate.

Das

hängt wohl von der Sorte ab !

hab meine letzten 10 kilo noch im letzten jahr gekauft.
ein paar gibts noch und da is noch gar nix schwarz.
was mach ich blos falsch?

Gerade Erdäpfel haben wir wirklich gute und die werden auch nicht schwarz. Wenn doch, solltest du öfter lüften!

es ist oder wird möglich sein, die ganze kette von anfang bis ende aufzulisten, die dann jeder (eh klar - per internet zugang) abrufen kann. dann - und erst dann - wird es dem konsumenten möglich sein gut und schlecht zu unterscheiden. und es gibt tatsächlich gute oder schlecht wege lebensmittel herzustellen und zu verteilen. bisher ist wirklich viel, wenn nicht fast alles, ein schmäh. aber geht das den erzeugern nicht schon selbst auf den wecker?

also für die, die gerade hungrig nach einen vielversprechenden business case suchen - bitte. ihr könnt gleich anfangen damit.

Alternativen

nicht nur Attac hat Adressen von Alternativen:
Genauere Infos zu Lebensmittelkooperativen finden sich unter
www.foodcoops.at

Mehr Gütesiegel

"BIO" bedeutet in erster Linie: Verzicht auf chemische Pestizide und auf Mineraldünger.

Dinge wie Haltungsbedingungen für Tiere, Einsatz von Maschinen, Größe der Betriebe, Bezahlung der Arbeiter, Regionalität, Klimaschutz, Ernte nach Mondphasen usw. sind bei Bio-Gütesiegeln nicht oder nur wenig berücksichtigt.

Man könnte natürlich ein Super-Wohlfühl-Gütesiegel schaffen, das für alle möglichen Dinge hohe Standards festlegt. Es werden sich aber kaum Produzenten finden, die sich darauf einlassen. Und nur wenige Konsumenten, die bereit wären, den Preis dafür zu bezahlen.

Sinnvoller wäre es, mehr kontrollierte Gütesiegel in die Welt zu setzen, anhand derer der Konsument entscheiden kann, was ihm wichtig ist.

Haltungsbedingungen werden sehr wohl berücksichtigt. Aber, gerade bei Geflügel, ist es so, dass die genauso faul wie Menschen sind: hier ist die Tränke, da der Fütterungsautomat, warum soll ich blöde Gans 400m durch die Pampa hatschen, nur dass die Fläche ausgenutzt wird? Man müsste das geradezu erzwingen, durch Umkoppeln. Das kostet aber ganz schön Arbeit, alle Automaten umstellen, Funktion überprüfen (eine paar Stunden ohne Wasser und du kannst die Gänse sterben sehen), neuer Zufahrtsweg (Futter bringen), etc.

Deshalb schrieb ich auch "nicht oder nur wenig".

Ja, es gibt auch bei der Tierhaltung gewisse Mindeststandards für das Bio-Gütesiegel.
Nur liegt die Latte da offenbar relativ niedrig, wie man an den im Artikel genannten Beispielen sieht.

Aber zugegeben, die Sache mit dem größtmöglichen Wohlbefinden für das Tier ist nicht immer so einfach wie man sich das als Laie vorstellt.

Richtig. Da hab' ich nicht genau gelesen. 'Tschuldigung.

Ernte nach Mondphasen

ist auch esoterischer Bullshit.

Das stimmt nicht. Mein Großvater war überzeugter Atheist und für alles Übersinnliche überhaupt nicht zu haben. Ein Pragmatiker pur.

Dennoch hat er sich beim Bäumeschneiden nach den Mondphasen gerichtet. Er hat gemeint, wenn er zur falschen Zeit schneidet, dann "laufen die Bäume aus", sprich sie verlieren sehr viel Flüssigkeit.

Und was soll ich sagen: Er hat mir Ungläubigen den Unterschied gezeigt und es stimmt tatsächlich, einmal staubtrockene Schnittstelle, das andere Mal ein richtiges Tropfen der Baumsäfte.

keine studie hat das aber je bewiesen

Ach was, typischer Placeboeffekt, hat er sich alles nur eingebildet – den Baum meine ich.

War auch nur als extremes Beispiel dafür gedacht, was für Kriterien sich manche Konsumenten ausdenken könnten.

Kriterien, die für andere Konsumenten bedeutungslos sind, den Aufwand für die Produktion aber nach oben treiben.
Weshalb es vernünftig ist, nicht alles mögliche in ein einziges Gütesiegel zu packen.

Genau so ein "Bullshit" wie der angeblich zweimal täglich beobachtbare esoterische Schwachsinn von Ebbe und Flut.

Ebbe und Flut sind Naturphänomen

Worin besteht hier ein Zusammenhang mit der Ernte nach Mondphasen?

Äpfel und Birnen...

was hat das mit Pflanzen zu tun?

die Schwerkraft des Mondes wirkt auf die Erde ja, das kann man schon mit Newton berechnen.

Ob man jetzt an die Kraft der Mondphasen glaubt oder nicht, es sind zwei Mechanismen sind denkbar:

1) Vollmond ist sowas wie eine kleine Sonne, die Pflanzen/Bäumen "schlafen" nicht so tief.
2) Die sich verstärkenden Wirkungen der Gravitation (Neumond) oder aufhebenden (Vollmond) von Sonne und Mond. Der Mond verursacht doppelt so starke Gezeitenkräfte wie die Sonne.

ja wurde aber noch nie was nachgewiesen

und vollmond hat nur 0,3 Lux
eine kerze 1 Lux bei 1 meter abstand, da kommen kaum energiephotonen zu den Planzen.
Und Gezeitenkräfte auf Pflanzen, bei diesen geringen Massen, da müsst ich doch auch aufpassen das mir das Blut nicht ins Hirn schießt.

Sollen "Energie"-Photonen eine spezielle Unterart von Photonen sein?
Es kommen immerhin soviele hin, dass ich bei Vollmond sehen kann und bei Neumond nicht. Da Pflanzen wesentlich sensibler auf Licht reagieren als Tiere, es ist schließlich ihre Energiequelle, ist es vorstellbar, dass das einen Effekt hat. Beweise gibt es meines Wissens nicht, Gegenbeweise auch nicht.

Sie, und ich, wir Menschen haben einen wesentlichen Vorteil: wir haben ein Herz. Die Saftströme der Pflanzen reagieren wesentlich empfindlicher auf die Gravitation, da sie keine Pumpe haben. Übrigens wird jedes Gramm mit der gleichen Gravitation angezogen.

Und ich sagte außerdem, dass das "denkbare" Mechanismen sind. Undenkbar sind sie jedenfalls nicht, aus meiner Sicht.

so wie russels teekanne auch nicht bewiesen oder widerlegt werden kann

Naja, nein. Ich habe gelernt, als Landwirt, dass viele Dinge, die die Altvorderen taten, ihren Sinn hatten. Auch wenn er nicht gleich durchschaubar war. In der Landwirtschaft sowieso, dass ist wahrscheinlich jetzt schwer zu erklären.
Aber auch bei so simplen Sachen wie Getreide kochen. Das wurde immer über Nacht eingeweicht. Warum? Da bin ich jetzt dahintergekommen. Die Phytinsäure wird dann von der Phytase gespalten und die Mineralstoffe werden verdaulich. In jahrtausendelangem Try-And-Error-Anordnungen haben die das rausgefunden, ohne zu wissen, warum.
Und so könnte man sich das auch mit den Mondphasen vorstellen. Schließlich war das früher in jeder(!) Kultur unabhängig von der Religion Allgemeinwissen.

Genauso wie der Poster Textas weiter unten stehend sehr treffend Bezug nimmt

finde ich es sehr schade, dass so viel höhnisch gepostet (Fazit: "Bio ist ohnedies Blödsinn") wird.

Die einzig mögliche Eindämmung wird wohl die verschärfte gesetzliche Regelung sein, doch da werden mächtige Leute (Veit Sorger) dagegen ankämpfen.

Die einzige Möglichkeit kann nur das Kaufverhalten kritischer KonsumentInnen sein: Glücklich gestorbene Schweine und Hühner gibt es nicht, Masseneierproduktion ist nur durch Massenvernichtung männlicher Küken überhaupt möglich.

Also Fleisch- und Eierkonsum reduzieren, keine Erdbeeren im Winter kaufen und an der Wahlurne überlegen, welche Partei was vertritt.

Strenger als Bio Austria

kann man die Landwirtschaft nicht mehr regulieren. Dass es nichts bringt, sieht man. Es ist sogar verschärfend. Die ganzen Zertifikate spielen den Großen LEHs in die Hände, weil die Spannen größer sind und man durch sie das Vertrauen der Konsumenten erschwindelt. Der Weg kann nur über Vertrauen gehen und Vertrauen ist und bleibt eine persönliche Sache zwischen Anbieter und Kunden.

Nein! Ich kann auch darauf vertrauen...

...daß eine Behörde die Einhaltung von Standards überprüft, daß eine Gewerkschaft sich für meine Rechte einsetzt, usw. usf. wenn mitunter auch nicht zu meiner vollen Zufriedenheit.

Und nebenbei bemerkt: auch in persönlichen Beziehungen ist Vertrauen alles andere als selbstverständlich. Ich kann beim mir persönlich bekannten Marktstandler oder auch Bauern auch nicht darauf vertrauen, dass er mir Bio-Fleisch verkauft. Da ist es mir schon recht wenn ich weiß, daß er von Leute die sich auskennen auf die Einhaltung von Standards überprüft wird.

Ihre Aussage erinnert mich an das neoliberale Credo von Thatcher:"There is no such thing as society." Und das ist eine ideologische Kampfansage die ich sicher nicht teile.

Zum Thema Fleisch-, Eier- und Milchkonsum:

http://www.youtube.com/watch?v=sTifP6idBPs

Zu dem Artikel wäre eine Ansichtssache gut ... mit Bildern aus den Bio-Betrieben.

Ja Natürlich

Diese Werbung will uns suggerieren, daß in den 50er Jahren alles besser war. Der alte Traktor war eine Dreckschleuder, damals wurden Unmengen Stickstoffdünger verwendet, die Stallbedingungen für die Tiere waren furchbar, die Hygiene beim Melken zum kotzen, keine sofortige Kühlung, die Milch war schon fast sauer bis sie in der Molkerei war. Der Verkauf beim Greisler war genauso unappetitlich. Offen verkaufte Milch und Butter, bei den Kartoffel war noch jede Menge Erde drauf usw. Ja natürlich, zurück zum Ursprung, nein Danke. Mein Schwiegersohn ist Biobauer, die Realität ist, Gott sei Dank, anders.

Erde auf den Kartoffeln...

ein Wahnsinn.

die dreckschleudern

gibt es heute noch, sogar noch durch SUVs und ähnliche dieselmonster verstärkt, auch in der stadt, kusntdünger wird heute noch in massen in der konventionellen ldw verwendet, ebenso pestizide etc. so what? ich bin aufgewachsen mit offener milch, butter, topfen, sog. "schmutzigen" erdäpfeln und merke den unterschied zu heute: klinisch vielleicht o.k., aber entartet bis zum geht nicht mehr, verbunden mit tonnen von müll dank der verpackung von jedem schmarrn und der supermärkte, die den greissler bzw. kleinen lbm-händler verdrängt haben. nein, hygiene ist seit der eu-mitgliedschaft ein bombengeschäft für baufirmen, stahlbehälter-, tankwagen- und allradautoshersteller, die chemieindustrie nebst saatgut- und samenbankmafia nicht zu vergessen.

In den 50er Jahren war das

Milchholen beim Bauern für uns Kinder tägliche Realität. Wir sahen der Bäuerin beim Melken zu und haben hin und wieder gleich einen Schluck aus der Kanne gemacht. Der Stall war so sauber oder dreckig wie man sich den Kuhstall eines ordentlichen Bauern gern vorstellen möchte (und der gute Ruf war damals noch was wert). Meine Mutter hielt 20 freilaufende Hühner, gefuttert wurde mit Kukuruzschrot. 2dottrige Eier waren keine Seltenheit. Die Kartoffeln hatten tatsächlich manchmal etwas Erde, richtig.
Beim Greisler wars unappetitlich? Bei keinem der unsrigen.
Hätte ich noch gerne diese Zeit? Ja. Auch wenn alles, gemessen am Verdienst, viel teurer war.

Nanana

Mir scheint sie haben das vom Hörensagen!

Beim Düngen gebe ich ihnen recht, bei allem anderen gibt's heute, genauso wie gestern schwarze Schafe.
Zur Milch:
Wer einmal frische Milch gekostet hat, weiß wie weit weg nun auch die beste, in den Kaufhäusern angebotene Milch ist!
Von der Fleischqualität brauche ich erst gar nicht anfangen zu sprechen...hier war die Qualität vor dem Wegsterben der Kleinbauern auch viel besser...ich korrigiere, die leistbare Qualität.
Heut geht's bobomäßig auf den Naschmarkt und freut sich dann noch wenn man total überteuert abgezogen wurde!

Werbung ersetzt Wahrheit!

nur solange bis es eine eigene Wahrheitsbranche gibt.

Jetzt mal ernsthaft, abgesehen von der dauerhaften Anbindehaltung von Rindern (die auch in der konventionellen Landwirtschaft verboten werden sollte), ist da jetzt kein so großer Schocker dabei, oder? Brot aus Maschinen und Massentierhaltung - no na, wie sonst? Was liegt als Alternative daneben im Supermarktregal? Konventionelle Produkte mit massivem Medikamenten-, Spritzmittel- und Kunstdüngereinsatz erzeugt... supa, wer die Wahl hat, hat die Qual.

Wie wär´s mit

Verzicht? Da pfeif ich auf die Wahl zwischen Scheiße und Scheiße!

Sehe ich ähnlich!

Ganz schlimm sind ja auch die ausländischen oder gar afrikanischen Bäcker! (Ironie off)

Die Produktionsbedingungen sind aber in vieler Hinsicht immer noch viel besser als in der konventionellen Landwirtschaft.

Was allerdings wohl stimmt ist, daß die Werbung ein vollkommen anderes Bild vorgaukelt und dass auch die Produktionsbedingungen im Bio-Bereich immer noch beschissen sind. Aber Werbung gaukelt auch bei konventionell erzeugten Produkten Trugbilder vor. Etwa bei der "Bauernhofgarantie".

Einkaufs-Konsum-Kooperativen finde ich dennoch einen guten Ansatz. Sicher: viele Produkte werden dann echt teuer. vor allem Fleisch. Aber sich von Fleisch zu ernähren ist, ökonomisch gesehen, ohnehin in Irrwitz (leider schmeckts mir halt so gut!)

Immerwieder frag ich mich ob und wieviel Gedanken sich der Konsument über seine Nahrungsmittel macht. Der Großteil des Preises geht nun mal an den Handel, und solang der Landwirt nur Produzent von Rohstoffen bleibt, wird dies auch so bleiben.

Und jeden Cent Förderung den der Bauer kassiert, holt sich der Handel wieder ab

Förderungen

...das stimmt nicht, es gibt viele Produzenten die ihre Produkte selber vermarkten. Sei es mit ab Hof Verkauf oder Lieferung oder am Wochenmarkt selber verkaufen.

Ich bin für die Abschaffung des Bio-Labels

und für die Einführung eines Industriefrass-Labels!

Ließe sich viel mehr geld machen mit Pickerln für 90+ % des Essens in Geschäften und Wirtshäusern... ;-)

dennoch sind die bio-marken hier das kleinere übel,

denn die pestizid- und gentech-verseuchte (monsanto-soja im tierfutter) konventionelle landwirtschaft ist noch um einiges schlimmer. aber dank der verknappung von erdöl und der verdichtung bzw. erosion der böden wird sowohl die industrielle bio- als auch die pestizid-landwirtschaft bald nicht mehr rentabel sein und massiv einbrechen. daher ist es bereits zeit, sich nach einem guten landwirtschaftlichen grundstück umzusehen, ihr werdet es bald brauchen.

im übrigen bekommen die bio-viecher

dieselben antibiotika uns hormone wie die "konvetionellen". allein schon deshalb ist vegetarismus besser.

bei aller Liebe...

...aber das ist Blödsinn.

Posting 726 bis 775 von 1010

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