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Paris/Wien - Das Innere eines Fliegers als Laufsteg: Die aufwendigen Settings der Haute-Couture-Schauen von Chanel geben jede Saison wieder den Grundton der Kollektion von Karl Lagerfeld an. Diesmal präsentierte er dem internationalen Jetset eine luftige Kollektion für den eigenen Privatjet. Mit Perlen und Steinen bestickte Organza- oder Pailletten-Kleider mit U-Boot-Krägen riefen den Geist der 1950er und 1960er wach, als das Fliegen zu einem Massenphänomen wurde. Dazu harmonierten streng taillierte, kokonartige Kleider, über und über mit Blumen bestickt.
Die von Wasserfarben- bis Mitternachtsblau gehaltene Kollektion kombinierte höchsten Luxus und moderne, beinahe aerodynamisch geschnittene Silhouetten. Das dürfte den Geschmack der neuen Haute-Couture-Kundin treffen, die vorzugsweise in Russland, Asien und dem Nahen Osten zu finden ist. Zwischen fünf und 80 Prozent betrugen laut dem Branchenblatt WWD die Umsatzzuwächse der Couture im vergangenen Jahr. Das ermutigt auch Marken wie Atelier Versace, ihre Maßanfertigungen wieder in Paris zu zeigen. Donatella Versace setzte dabei auf säulenförmige Silhouetten, glitzernd und reichlich bestickt. Klug austariert auch die Kollektion von Dior, wo noch immer ein Nachfolger von John Galliano gesucht wird. Bis er gefunden ist, setzt man auf New-Look-Modelle mit sichtbaren Nähten.
Pilati setzt auf Leder
Bei den am Sonntag zu Ende gegangenen Männermodeschauen stach indes die Kollektion von Yves Saint Laurent hervor. Wie viele andere Designer in dieser Saison setzte Stefano Pilati ganz auf das Thema Leder. Smokings sind mit butterweichem schwarzem Leder gefüttert, Turtlenecks haben Lederfronten, Peacoats Ledereinsätze an Taschen und Schultern. Ganzkörper-Lederoutfits unterstrichen zusätzlich den Fetisch-Unterton der hochpräzis gearbeiteten Kollektion.
Dieser zog sich auch durch die Entwürfe des belgischen Designers Walter Van Beirendonck, der seine Kollektion an ausschließlich schwarzen, Ledermasken tragenden Models zeigte. Anders als Pilati, der sich an Robert Mapplethorpe inspirierte, setzte er auf Farben. Als hätte jemand mit Paintballs auf eine Gruppe Anzugträger geschossen, zieren große, kreisrunde Farbflächen die Zweiteiler. Gestrickte Kummerbunde und Pullis mit Mohair-Einsätzen in Gesichtsformen runden eine gleichermaßen unheimliche wie faszinierende Kollektion ab.
Gesichtsschmuck zeigte übrigens auch Riccardo Tisci bei Givenchy. Seine Kilts und Blousons mit Sternendrucken tragenden Models mussten mit Nasenpiercings auf den Laufsteg. "American Dream" nannte er seine Sportswear und Maßschneiderei verbindende Kollektion. Auf den fetischverliebten Pariser Laufstegen war er damit gut aufgehoben. (Stephan Hilpold, DER STANDARD, Printausgabe, 25.1.2012)
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