EU ebnet Defizitverfahren gegen Ungarn den Weg

24. Jänner 2012, 17:43

Ungarn damit Sanktionen, die unter anderem das Einfrieren von Hilfsgeldern umfassen könnten

Brüssel - Die EU-Finanzminister haben den Weg für ein Defizitverfahren gegen Ungarn geebnet. "Ungarn hat nicht das Nötige getan", begründete die dänische Finanzministerin Margrethe Vestager, deren Land zu Jahresbeginn die EU-Ratspräsidentschaft übernahm, am Dienstag in Brüssel die Entscheidung. Die Finanzminister schlossen sich einer Bewertung der Kommission an und leiteten somit ein Verfahren ein, um gegen Ungarn wegen seines hohen Haushaltsdefizits vorzugehen. Ungarn drohen damit Sanktionen, die unter anderem das Einfrieren von Hilfsgeldern umfassen könnten.

Für Regierungschef Viktor Orban bedeutet die Entscheidung einen herben Rückschlag, da seine Regierung derzeit wegen der schwierigen Haushaltslage versucht, Milliardenhilfen von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhalten. Orban hat nun zwei Monate Zeit, um seine Haushaltspläne nachzubessern.

Kommt die Regierung in Budapest dieser Auflage nicht nach, drohen nicht Strafzahlungen wie bei Euroländern, sondern das Aussetzen von Zahlungen aus EU-Entwicklungstöpfen. Dies kann ab dem Jänner 2013 wirksam werden, wie EU-Währungskommissar Olli Rehn erläuterte.

Defizit in den Griff kriegen

Die EU-Kommission wirft der ungarischen Regierung vor, nicht genug zu unternehmen, um ihr Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Kommission hatte kritisiert, dass die ungarische Neuverschuldung 2011 zwar unter der vorgegebenen Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung lag - dies aber nur wegen der Berechnung auf Basis außergewöhnlicher Faktoren.

Bei dem Treffen der 27 EU-Finanzminister in Brüssel seien "echte politische Spannungen" zwischen Ungarn und den anderen europäischen Ländern zu spüren gewesen, sagte ein Diplomat. Das Kräfteverhältnis habe dabei "26 gegen einen" betragen. "Das Defizit ist die eine Sache", sagte der Diplomat. "Aber allgemeiner gibt es Befürchtungen zum politischen Kurs, der von Ungarn eingeschlagen wurde."

Die rechtskonservative Regierung Orbans steht international seit Monaten in der Kritik, weil sie die demokratische Mitbestimmung im Land durch Gesetze und Änderungen der Verfassung beschneidet. Mitte Jänner leitete die EU-Kommission deshalb drei Verfahren gegen Budapest ein. Dabei ging es um Gesetze, die die Unabhängigkeit der Notenbank, der Justiz und der Datenschutzbehörde betreffen. (APA)

Gastarbeiter
 
00
31.1.2012, 06:51
Den gleichen Maßstab für alle andere Länder

Ich hoffe, daß für alle andere EU Länder die 3% Marke erzwungen wird - sonst kommen Strafzahlungen.
Bin gespannt wieviel Strafe Frankreich, Grossbritannien, Spanien und Italien zahlen werden.

Janosch bacsi
01
24.1.2012, 23:26

Bei dreifachen Ramsch ist eh schon wurscht. Austrittsvolksbegehren jetzt!

Marcus Maccabaeus
22
24.1.2012, 18:00
Hat der Orban noch zuwenig Diener gemacht?

Was ist mit dem Defizitverfahren gegen alle anderen Staaten???

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